Christin und Sohn (18) mit sozialen Ängsten

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Sophie-11
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Re: Christin und Sohn (18) mit sozialen Ängsten

Beitrag von Sophie-11 »

Hallo,
Christin74 hat geschrieben: 22.11.2022, 20:38
bernstein hat geschrieben: 22.11.2022, 10:35 Wurde Dein Kind auf Autismus getestet?
Nein. Aber die Ärztin meinte, dass er eher nicht die typischen Merkmale eines Autisten habe.
Die Frage kam mir auch in den Sinn. Hat die Ärztin denn Erfahrung mit der Autismus-Diagnostik? Wurden Tests durchgeführt? Welche Merkmale sollen "die typischen Merkmale eines Autisten" sein? Denn leider kann man hier immer wieder von Ärzten lesen, die die haarsträubendsten Begründungen anführen, warum es kein Autismus sein kann... Und dann war es doch welcher, oft genug sogar deutlich.

LG!
der Große *12/2007 (eher Spektrumsnah)
der Mittlere *09/2010 (ASS, ADHS, Grenzgänger)
die Kleine *02/2014 (Asperger)
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Anjali
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Re: Christin und Sohn (18) mit sozialen Ängsten

Beitrag von Anjali »

Was ich mit einem passend gemachten Umfeld meine?

Damit meine ich z.B. ein Umfeld, in dem die Erkrankung des Kindes einen „Platz“ hat. Also z.B. ein die Erkrankung berücksichtgendes und auf die besonderen Bedürfnisse zugeschnittenes schulisches Setting. Ich meine damit auch angepasste Anforderungen, damit eben nicht ein normaler Maßstab angelegt wird.

Dazu gehört für mich auch die Würdigung der unglaublichen Anpassungsleitung, die ein sozial ängstlicher und ggf. depressiver Mensch in Gesellschaft zu vollbringen hat.
Dazu gehört auch die Gewährung von „Schutzräumen“ (gedankliche wie materielle) und Rückzugsmöglichkeiten

Insofern sollte es hoffentlich kein gravierendes Problem darstellen, wenn dein Sohn es nicht jeden Tag in die Maßnahme schaffen sollte. Im Zweifel würde ich davon ausgehen, dass eine Auszeit zur Regeneration benötigt wird.

LG
Anja
Zuletzt geändert von Anjali am 22.11.2022, 22:02, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (21 Jahre / Asperger-Autismus)
grace
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Re: Christin und Sohn (18) mit sozialen Ängsten

Beitrag von grace »

Hallo Cristin,

Ich habe auch eine fitte Tochter, sehr fit sogar! Na und? Soll die etwas für ihren Bruder arbeiten gehen weil der entschieden hat das Medikamente/Therapien/Klinikaufenthalte nichts bringen? Oder soll die Gemeinheit deswegen aufkommen?

Kein Mensch außer dein Sohn selbst kann seine Probleme halbwegs in den Griff bekommen und je älter er wird umso weniger Verständnis werden die anderen Menschen für sein Verhalten haben, ob du allerdings gezwungen werden kannst deinen nicht kooperativen Sohn zu unterhalten das weis ich nicht weil ich im Ausland lebe.

Allerdings scheinen bei Euch die Dynamiken schon sehr eingefahren zu sein und ich glaube nicht das ihr da wieder von alleine rauskommt.
Ein Auszug ist mMn unumgänglich.

Und denke nicht das es bei mir und meinem Sohn einfach war oder ist. Eine kombinierte Angst-und Zwangsstörung zu ASS ist starker Tobak, das kann ich dir versichern!

LG

Grace
Christin74
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Re: Christin und Sohn (18) mit sozialen Ängsten

Beitrag von Christin74 »

Die Frage kam mir auch in den Sinn. Hat die Ärztin denn Erfahrung mit der Autismus-Diagnostik? Wurden Tests durchgeführt? Welche Merkmale sollen "die typischen Merkmale eines Autisten" sein? Denn leider kann man hier immer wieder von Ärzten lesen, die die haarsträubendsten Begründungen anführen, warum es kein Autismus sein kann... Und dann war es doch welcher, oft genug sogar deutlich.

LG!
Danke! Große Erfahrungen hat sie wohl nicht. Eine Diagnostik wäre wohl sinnvoll.
Anjali hat geschrieben: 22.11.2022, 21:54 Was ich mit einem passend gemachten Umfeld meine?

Damit meine ich z.B. ein Umfeld, in dem die Erkrankung des Kindes einen „Platz“ hat. Also z.B. ein die Erkrankung berücksichtgendes und auf die besonderen Bedürfnisse zugeschnittenes schulisches Setting. Ich meine damit auch angepasste Anforderungen, damit eben nicht ein normaler Maßstab angelegt wird.

Dazu gehört für mich auch die Würdigung der unglaublichen Anpassungsleitung, die ein sozial ängstlicher und ggf. depressiver Mensch in Gesellschaft zu vollbringen hat.
Dazu gehört auch die Gewährung von „Schutzräumen“ (gedankliche wie materielle) und Rückzugsmöglichkeiten

Insofern sollte es hoffentlich kein gravierendes Problem darstellen, wenn dein Sohn es nicht jeden Tag in die Maßnahme schaffen sollte. Im Zweifel würde ich davon ausgehen, dass eine Auszeit zur Regeneration benötigt wird.

LG
Anja
Danke, ja, jetzt verstehe ich, was du meinst.
grace hat geschrieben: 22.11.2022, 21:58 Hallo Cristin,

Ich habe auch eine fitte Tochter, sehr fit sogar! Na und? Soll die etwas für ihren Bruder arbeiten gehen weil der entschieden hat das Medikamente/Therapien/Klinikaufenthalte nichts bringen? Oder soll die Gemeinheit deswegen aufkommen?
Nö. Habe ich das geschrieben? :roll:
Kein Mensch außer dein Sohn selbst kann seine Probleme halbwegs in den Griff bekommen und je älter er wird umso weniger Verständnis werden die anderen Menschen für sein Verhalten haben, ob du allerdings gezwungen werden kannst deinen nicht kooperativen Sohn zu unterhalten das weis ich nicht weil ich im Ausland lebe.
Natürlich kann nur er etwas ändern. Das ist jetzt wenig hilfreich.
Allerdings scheinen bei Euch die Dynamiken schon sehr eingefahren zu sein und ich glaube nicht das ihr da wieder von alleine rauskommt.
Aha. Welche Dynamiken maßt du dir an zu erkennen aus meinen wenigen Beiträgen?

Jede Familie, jeder Mensch ist anders, urteile und werte doch nicht direkt, allein aus deinem persönlichen Blickwinkel heraus.

LG Christin
Anni7
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Re: Christin und Sohn (18) mit sozialen Ängsten

Beitrag von Anni7 »

Das ist jetzt natürlich völlig ins Blaue hineininterpretiert geschossen: Könnte es deinem Sohn helfen, wenn ihr ihm Informationen zu psychischen Erkrankungen abseits von Depression und Angststörung zur Verfügung stellt?
Er scheint sich ja derzeit von Therapeuten nicht „gesehen“ zu fühlen und kann oder will auch nicht artikulieren, wo er neben den ganz offensichtlichen Dingen seine Probleme sieht. Ohne Auskunft deines Sohnes ist aber auch keinen vernünftige Diagnostik möglich. Vielleicht hat er auch vieles nicht so reflektiert, weil dieses Fass aufzumachen unheimlich schmerzhaft wäre.
Daher könnte es vielleicht hilfreich sein ihm mit weiteren Infos klar zu machen: Es gibt Erkrankzngen, die machen genau die Symptome, die du hast. Das bedeutet, dass du nicht falsch bist, sondern dass du aktuell nichts für deine Situation kannst. Wenn du aber Probleme besser benennen kannst, können wir den nächsten Schritt gehen um dir zu helfen. Und eine passende Diagnostik anleiern. Ich kann aus persönlicher Erfahrung berichten, dass für mich die richtige Diagnose einen riesigen Unterschied gemacht hat. Aus „Die 17-jährige Anni will nicht“ wurde „Anni kann nicht“ und daraus „Anni kann mit entsprechender Behandlung eine ganze Menge“. Bei mir war das Problem, dass die Therapie meiner vermeintlichen Depression für die Erkrankung, die ich habe völlig kontraproduktiv war. Nach diesem Erlebnis habe ich lange komplett gemauert, was Hilfe anging.
Und ganz ehrlich: Kein Mensch ist froh damit einfach nur im Bett zu liegen und gar nichts zu tun.
Liebe Grüße von Anni
Lydiah
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Re: Christin und Sohn (18) mit sozialen Ängsten

Beitrag von Lydiah »

Hallo Christin,
wie ist dein Sohn körperlich beieinander? Ist es auch so, dass er auf allen Ebenen keinerlei Energie hat? Oder ist der Körper noch halbwegs fit, aber er kommt vom Kopf her nicht hoch? Hat den Sohn irgend etwas, was "ihn kickt", wo er Lust drauf hat, oder ist da gar nichts? Interessen? Liegt er wirklich nur im Bett? Für ein reines Nicht-Wollen ist mit die Gegenwehr zu wenig aggressiv und der allgemeine Gemütszustand zu down. Aber vielleicht habe ich das nicht richtig verstanden.

Wie lange hast du es ausgehalten, ihn so zu lassen, wie er will und zu schauen, ob/wie/wann er von selbst "anspringt"?

VG
Lydia
____
Maus *2016 mit 460 Gramm bei 24+6, SGA, ICP Stufe 2 beinbetont/rechtsbetont, PVL, operierte Kraniosynostosen, operierte Hüftdysplasie und Schielen, sonst fit und ziemlich pfiffig.
Hannah84
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Re: Christin und Sohn (18) mit sozialen Ängsten

Beitrag von Hannah84 »

Gleich vorab, meine Kinder sind noch klein. Mein ältester Sohn ist ein sehr schwieriges Kind, wer weiß was ich mit ihm noch für Probleme bekommen werde...

Ich will dich nicht triggern, aber hast du deinem Sohn schonmal ganz klar und deutlich die Pistole auf die Brust gesetzt und ihn, vielleicht mit einem Ultimatum von ein paar Tagen, vor die Wahl gestellt: So geht es jetzt nicht weiter, entweder du bist gesund und du machst jetzt Praktikum/Schule/Ausbildung/Arbeit oder du bist krank und lässt dich jetzt untersuchen/therapieren/rehabilitieren/Behinderung feststellen.

Ich will dir keinesfalls zu nahe treten, ich habe selbst ein Kind, wenn ich das nicht hätte, könnte ich mir niemals vorstellen, dass ein Kind so derart provozierend und "nicht erziehbar" sein kann, aber ich denke das Problem bei deinem Sohn ist halt, dass er dieses Verhalten schon viel zu lange ohne Konsequenzen an den Tag legt. Er hat ja über Jahre die Erfahrung gemacht, dass er, trotz aller Drohungen, letztlich doch damit durchkommt. Von dem her werden auch jetzt Worte ohne Konsequenzen nicht viel bewirken.
Die einzige Konsequenz, die mir einfällt, ist, dass er dann nicht mehr bei dir wohnen kann, wenn er weder erwerbsmäßig noch medizinisch was unternimmt.
Christin74
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Re: Christin und Sohn (18) mit sozialen Ängsten

Beitrag von Christin74 »

Anni7 hat geschrieben: 22.11.2022, 23:18 Das ist jetzt natürlich völlig ins Blaue hineininterpretiert geschossen: Könnte es deinem Sohn helfen, wenn ihr ihm Informationen zu psychischen Erkrankungen abseits von Depression und Angststörung zur Verfügung stellt?
Er scheint sich ja derzeit von Therapeuten nicht „gesehen“ zu fühlen und kann oder will auch nicht artikulieren, wo er neben den ganz offensichtlichen Dingen seine Probleme sieht. Ohne Auskunft deines Sohnes ist aber auch keinen vernünftige Diagnostik möglich. Vielleicht hat er auch vieles nicht so reflektiert, weil dieses Fass aufzumachen unheimlich schmerzhaft wäre.
Daher könnte es vielleicht hilfreich sein ihm mit weiteren Infos klar zu machen: Es gibt Erkrankzngen, die machen genau die Symptome, die du hast. Das bedeutet, dass du nicht falsch bist, sondern dass du aktuell nichts für deine Situation kannst. Wenn du aber Probleme besser benennen kannst, können wir den nächsten Schritt gehen um dir zu helfen. Und eine passende Diagnostik anleiern. Ich kann aus persönlicher Erfahrung berichten, dass für mich die richtige Diagnose einen riesigen Unterschied gemacht hat. Aus „Die 17-jährige Anni will nicht“ wurde „Anni kann nicht“ und daraus „Anni kann mit entsprechender Behandlung eine ganze Menge“. Bei mir war das Problem, dass die Therapie meiner vermeintlichen Depression für die Erkrankung, die ich habe völlig kontraproduktiv war. Nach diesem Erlebnis habe ich lange komplett gemauert, was Hilfe anging.
Und ganz ehrlich: Kein Mensch ist froh damit einfach nur im Bett zu liegen und gar nichts zu tun.
Liebe Anni,

danke für deinen Beitrag, das hilft mir gerade wirklich sehr!
Lydiah hat geschrieben: 22.11.2022, 23:22 Hallo Christin,
wie ist dein Sohn körperlich beieinander? Ist es auch so, dass er auf allen Ebenen keinerlei Energie hat? Oder ist der Körper noch halbwegs fit, aber er kommt vom Kopf her nicht hoch? Hat den Sohn irgend etwas, was "ihn kickt", wo er Lust drauf hat, oder ist da gar nichts? Interessen? Liegt er wirklich nur im Bett? Für ein reines Nicht-Wollen ist mit die Gegenwehr zu wenig aggressiv und der allgemeine Gemütszustand zu down. Aber vielleicht habe ich das nicht richtig verstanden.

Wie lange hast du es ausgehalten, ihn so zu lassen, wie er will und zu schauen, ob/wie/wann er von selbst "anspringt"?

VG
Lydia
Er ist körperlich halbwegs fit, kommt aber vom Kopf her nicht hoch. Es ist ganz bestimmt nicht nur reines Nicht-Wollen. Wenn man in guten Phasen mit ihm spricht, dann sagt er, dass er nicht kann, dass er sich deshalb auch schlecht fühlt, weil er weiß, dass es nicht richtig ist, dass er darunter leidet, dass er aber nicht erklären kann, warum es nicht geht. Dass er aber auch mit dem Druck nicht umgehen kann.

Das einzige, worauf er wirklich Lust hat, ist am PC zu spielen.

Wenn er über einen längeren Zeitraum nicht in der Schule war, deshalb dann auch nicht spielen konnte, hat er sich komplett zurückgezogen und ist nicht von allein "angesprungen". Es ist dann von außen irgendetwas gekommen, dass ihn angestoßen hat, zB irgendein Termin in der Schule oder in der Klinik oder beim Therapeuten.

Natürlich haben wir als Eltern auch einiges falsch gemacht, wer verhält sich denn schon immer adäquat, gerade in solchen aufwühlenden Situationen. Aber es ist nicht nur ein pädagogisches Problem. Dann wäre er ja auch nicht in die Klinik gegangen, als wir das 3x entschieden haben. Ich habe schon den Eindruck, dass er sich grundsätzlich sehr bemüht zu kooperieren, er möchte sich an alle Regeln halten. Aber zu gewissen Zeiten geht das nicht und dass er es nicht schafft und das selbst merkt (und natürlich auch von außen hört), macht es nur noch schlimmer, dadurch fühlt er sich noch schlechter und zieht sich komplett zurück.
Christin74
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Registriert: 17.11.2022, 08:15

Re: Christin und Sohn (18) mit sozialen Ängsten

Beitrag von Christin74 »

Hannah84 hat geschrieben: 23.11.2022, 06:44 Gleich vorab, meine Kinder sind noch klein. Mein ältester Sohn ist ein sehr schwieriges Kind, wer weiß was ich mit ihm noch für Probleme bekommen werde...

Ich will dich nicht triggern, aber hast du deinem Sohn schonmal ganz klar und deutlich die Pistole auf die Brust gesetzt und ihn, vielleicht mit einem Ultimatum von ein paar Tagen, vor die Wahl gestellt: So geht es jetzt nicht weiter, entweder du bist gesund und du machst jetzt Praktikum/Schule/Ausbildung/Arbeit oder du bist krank und lässt dich jetzt untersuchen/therapieren/rehabilitieren/Behinderung feststellen.

Ich will dir keinesfalls zu nahe treten, ich habe selbst ein Kind, wenn ich das nicht hätte, könnte ich mir niemals vorstellen, dass ein Kind so derart provozierend und "nicht erziehbar" sein kann, aber ich denke das Problem bei deinem Sohn ist halt, dass er dieses Verhalten schon viel zu lange ohne Konsequenzen an den Tag legt. Er hat ja über Jahre die Erfahrung gemacht, dass er, trotz aller Drohungen, letztlich doch damit durchkommt. Von dem her werden auch jetzt Worte ohne Konsequenzen nicht viel bewirken.
Die einzige Konsequenz, die mir einfällt, ist, dass er dann nicht mehr bei dir wohnen kann, wenn er weder erwerbsmäßig noch medizinisch was unternimmt.
Ja. Das habe ich schon gemacht. Mehrfach. Und das führte dann ja auch dazu, dass er in die Klinik, zur Ärztin/Therapeutin oder zum Arbeitsamt gegangen ist.

Und ja, in letzter Konsequenz wird es so sein, dass er nicht mehr bei mir wohnen kann. Weil ich mich und die anderen Kinder schützen muss. Das ist mir bewusst und ich bin niemand, die sich da selbst aufgibt und das hinnimmt.

Vielleicht habe ich das schlecht beschrieben, weil ich vor allem seine Verweigerung beschrieben habe. Er verhält sich aus meiner Sicht nicht provozierend und ist nicht "nicht erziehbar". Er ist im Alltag super umgänglich, höflich, weiß sich zu benehmen, ist hilfsbereit. Die Rückmeldungen aus der Schule und aus dem Praktikum, wenn er hingegangen ist, waren in Bezug auf sein Verhalten und seine Leistungen gut, nur dass er eben recht ruhig war.

Nur in bestimmten Situationen macht er komplett dicht. Oder wenn er eine ganze Weile "funktioniert" hat, bricht es irgendwann ein. Ich weiß halt auch nicht, wie viel Kraft es ihn kostet zu funktionieren.

Die Verweigerung wirkt auf andere als Bockigkeit, als Provokation, ja. Das ist ja auch genau das, was mich immer so fertig gemacht hat. Aber er selbst sagt, dass das überhaupt nicht so gemeint ist.

Er hat sich wohl zum Selbstschutz bzw. bei Überforderung ein Verhaltensmuster angewöhnt, nämlich Verweigerung/Vermeidung, mit dem er recht erfolgreich ist, ja. Schon im Kindergarten hat er Dinge verweigert und viel geweint. Da ist er ja auch meistens nicht damit durchgekommen. Und trotzdem hat er es gemacht.

Aber ja, in gewisser Weise hat er sich auch eingerichtet und versucht die Anstrengung zu vermeiden, sich mit seinen Problemen auseinanderzusetzen.
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Anni7
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Re: Christin und Sohn (18) mit sozialen Ängsten

Beitrag von Anni7 »

(Edit: Doch nicht so) Kurze Anmerkung zum PC spielen: Könnt ihr herausfinden, was für ihn daran so attraktiv ist, also welches Bedürfnis/Gefühl dahinter steckt? Gaming ist ja erstmal ein sehr weites Feld vom Strategiespiel oder Aufbauspiel gegen KI, über einen „jeder gehen jeden“ Modus bis hin zu internetbasierten Rollenspielen in wechselnder oder großer und fester Runde mit immer der gleichen Gruppe. Konkret: Es gibt Spiele bei denen man Einzelkämpfer ohne wirklichen Kontakt zu anderen ist und es gibt Spiele, bei denen sich mehrmals wöchentlich feste Gruppen von 20+ Spielern zusammen finden, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Viele Jugendliche, die sonst sozial isoliert sind, finden dort andere „weirdos“, die in der Schule nicht so richtig zu einer peer-group passen. Falls es da mit dem sozialen Kontakt zu Menschen besser funktioniert, könntet ihr schon mal schauen woran das liegt. Einfach im Hinblick darauf herauszufinden, was genau sein Problem im zwischenmenschlichen Kontakt ist.

Ist es das Wissen in einer größeren Gruppe „mitschwimmen“ zu können und gar nicht unbedingt etwas sagen zu müssen? Ist die Chance sich, subjektiv gesehen, zu blamieren kleiner, weil hauptsächlich über das Spiel an sich gesprochen wird und da richtig/falsch eher auf der Sachebene als von moralischer oder emotionaler Ebene bewertet wird? Oder macht er sich Sorgen über seine Mimik und Gestik, die die typischen Voice Programme wie Teamspeak und Discord nicht übertragen? Hat er vielleicht in dem Spiel Erfolge, die andere nicht haben und wird dadurch eher in der Gruppe akzeptiert? Oder sind die Mitspieler eher bereit seine „Schwächen“ zu verzeihen, weil sie sich selbst aus bestimmten Gründen in den virtuellen Raum zurückgezogen haben?

Oder hat er keine Kontakte und Gaming stellt für ihn eine einfache Welt dar, weil er eine klare Vorgabe gibt, was zu erledigen ist? Ordnet er im Spiel, gerade bei Aufbauspielen wie einer Stadt oder so, die Spielinhalte in bestimmter Art und Weise an? Hilft ihm das Spielen beim entspannen, weil untätiges Herumsitzen eine große innerliche Spannung verursacht? Kann er sich auf Gaming besser konzentrieren als auf andere Tätigkeiten, vielleicht auch obwohl er auch gern andere Dinge „könnte“? Spricht ihn die hohe Belohnungsrate „Quest erfolgreich abgeschlossen“ an, oder vielleicht die Möglichkeit jedes Fitzelchen Information zu sammeln um seine Performance im Spiel zu verbessern?

Das wären Fragen, die mir einfallen, wenn ich daran denke welche Gründe hinter (exzessivem) Gaming stecken könnten. Da gibt es eine unheimliche Vielfalt, an der man manchmal schon einiges ablesen kann, was man später vielleicht in einer Therapie thematisieren könnte.
Liebe Grüße von Anni
Antworten

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