Kita kommt mit I-Kraft nicht zurecht

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Johannes N.
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Kita kommt mit I-Kraft nicht zurecht

Beitrag von Johannes N. »

Wir haben ein Problem bezüglich des Kindergartenplatzes für unseren Sohn. Er ist 4 Jahre alt und im Autismus-Spektrum diagnostiziert, besucht seit Sommer eine integrative Kita mit Inklusionsassistenz. Seine I-Kraft wurde von Anfang an nicht von den Erzieherinnen akzeptiert bzw. ernstgenommen, obwohl sie eine wichtige Bezugsperson für unseren Sohn ist. Auch stellte sich heraus, dass die pädagogischen Methoden in der Kita für uns nicht akzeptabel sind.

Durch die I-Kraft und unserem Sohn wussten wir, dass die Kinder dort angeschrien, zum Essen gezwungen oder „umgetopft“ werden. Für unseren Sohn gab es keine Möglichkeit zum Rückzug, auch er sollte bspw. gezwungen werden, beim Essen bis zum Schluss sitzen zu bleiben, obwohl das für ihn aufgrund der vielen Reize häufig in einem Meltdown endete (was die I-Kraft glücklicherweise meistens verhindern konnte). Sobald er sich beim Essen zurückziehen wollte, wurde ihm der Nachtisch verweigert, mit der Begründung er wäre ja freiwillig aufgestanden und gegangen. Den Erzieherinnen und die Leitung waren wir von Anfang an ein Dorn im Auge, da diese sich durch unsere I-Kraft beobachtet gefühlt haben.

Im Eingewöhnungsgespräch mit Leitung, Erzieherinnen und I-Kraft wurde diese als „Glucke“ beschimpft, bis heute erfolgte dafür keine Entschuldigung. Stattdessen wurde gefordert, dass unser Sohn irgendwann mal Leistung erbringen und „vorankommen“ müsste. Wir äußerten vorsichtig, dass wir glauben, dass die pädagogischen Vorstellungen zwischen Kita und uns als Eltern nicht zusammenpassen. In einem zweiten Gespräch äußerte die Leiterin, dass es mit der I-Kraft einfach nicht passe, man es aber dennoch versuchen wolle. Die I-Kraft zu wechseln oder unseren Sohn ohne I-kraft in die Kita zu schicken, kommt für uns nicht in Frage.

Aufgrund der mentalen Belastung durch die ganze Situation, haben wir uns dann einen Tag nach dem zweiten Gespräch entschieden, unseren Sohn aus dem Kindergarten zu nehmen. Eine außerordentliche Kündigung wurde von der Leiterin mit der Begründung abgelehnt, nur die Kita dürfe kündigen, wenn pädagogische Differenzen bestehen, nicht aber die Eltern. Der Vertrag sieht eine Kündigung nur zum Ende des Kindergartenjahres vor, was unserer Meinung nach rechtswidrig ist.

Unsere Frage ist nun: wie gehen wir die Kündigung am besten an? Die Leitung versucht gerade, den I-Platz neu zu besetzen, aber wann das geschehen wird, können wir natürlich nicht beeinflussen.

1. Ende November eine ordentliche Kündigung mit einer Frist von 2 Monaten einreichen und darauf verweisen, dass eine Kündigungsmöglichkeit nur zum Jahresende laut Gerichtsurteilen rechtswidrig ist?
2. Eine außerordentliche Kündigung einreichen mit der Begründung, dass I-Kraft und Erzieherinnen nicht zusammenarbeiten können bzw. unsere I-Kraft vom Team sogar beleidigt wurde? Und auch darauf verweisen, dass Eltern sehr wohl kündigen können, wenn pädagogische Differenzen bestehen (wie hier offensichtlich der Fall)?

Nach unserer Meinung wären wir bei beiden Varianten im Recht. Wir würden nur gerne wissen, was andere hier darüber denken und wissen ob es sich lohnt, hier in Konflikt mit der Kita zu gehen. Alternative wäre, zu warten, bis die Kita den Platz neu besetzt, aber da haben wir wiegesagt keinen Einfluss drauf und müssen im Zweifel erstmal weiter die Beiträge zahlen, ohne dass unser Sohn die Kita besucht.
Wir würden uns über jeden Rat freuen. Vielen Dank fürs Lesen!
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sabine g
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Re: Kita kommt mit I-Kraft nicht zurecht

Beitrag von sabine g »

Hallo Johannes,

einen rechtlichen Rat kann ich nicht geben.

Dass eine Kita darauf achtet, übliche (Höflichkeits-)Regeln im sozialen Miteinander einzuhalten (am Tisch sitzenbleiben, bis man bzw. alle fertig gegessen haben), finde ich persönlich erstmal gut. Ob ein Kind aufgrund seines handicaps tatsächlich Sonderregeln benötigt oder ob es lernfähig ist, bedarf eines engen Austausches miteinander. Welche Qualifikation bringt eure I Kraft mit? Und vor allem, welche ganz konkreten Aufgaben sollte sie erfüllen? Offenbar hat die Kita ja den Eindruck, sie überbehüte euer Kind und nehme es zu oft aus Situationen raus. Was denen die Arbeit dann möglicherweise zerschießt. Vielleicht ist es denen manchmal so erschienen, als sei euer Kind nur ein beliebig zu Aktivitäten dazukommender Gast anstatt inkludiert? Und wie hat eure I Kraft den Arbeitsalltag denn selber erlebt?

Auch wenn die Fragen vielleicht müßig sind, weil ihr das Tuch bereits zerschnitten habt, aber vielleicht helfen sie, ein ähnliches Drama in der nächsten KiTa zu vermeiden.

LG Sabine
SimoneChristian
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Re: Kita kommt mit I-Kraft nicht zurecht

Beitrag von SimoneChristian »

Hallo.

Wir hatten glücklicherweise keine Probleme mit den kurzfristigen Kündigungen, weil die Wartelisten lang waren.

Ich möchte euch allerdings Mut machen, dass es nicht unbedingt einen Kindergartenplatz braucht, wenn man sich auch anders organisieren kann.
Aus ähnlichen Gründen, wie bei euch haben wir 2 Mal kurzfristig den Platz gekündigt und danach mit eigenem Programm, Spielgruppen und Therapien die Zeit bis zur Einschulung sinnvoll genutzt.
Heute hat mein Kind Freundschaften, war in der Grundschule gut integriert und besucht mit Schulbegleitung eine Regelschule.

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)
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Re: Kita kommt mit I-Kraft nicht zurecht

Beitrag von tanja_he »

Hallo Johannes,

wegen der Kündigungsfristen-was steht in eurem Vertrag?
Wer finanziert den Integrationsplatz-Platz -vielleicht da mal nach fragen wie es mit den Kündigungsfristen aussieht?
Und sagen das sein Platz frei wird-ich denke der kann supr schnell belegt werden.

Habt ihr den die Option Regelkiga mit Integrationskraft?
Wie viele Stunden ist sie genehmigt?

lg Tanja
Lydiah
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Re: Kita kommt mit I-Kraft nicht zurecht

Beitrag von Lydiah »

Wenn Kinder in der Kita ohne Not angeschrieen werden, könnte eventuell eine Kündigung aus wichtigem Grund gerechtfertigt sein. Die Gesetze zum Schutz der Kinder vor Gewalt, die dort nicht nur körperlich definiert ist, sind m.E. soweit.
____
Maus *2016 mit 460 Gramm bei 24+6, SGA, ICP Stufe 2 beinbetont/rechtsbetont, PVL, operierte Kraniosynostosen, operierte Hüftdysplasie und Schielen, sonst fit und ziemlich pfiffig.
Johannes N.
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Re: Kita kommt mit I-Kraft nicht zurecht

Beitrag von Johannes N. »

Danke erstmal für eure Antworten! :)
@tanja_he
Im Vertrag steht, dass eine Kündigung ausschließlich zum Ende des Kindergartenjahres am 30.07 möglich ist und spätestens drei Monate vorher, also am 30.04, eingereicht werden muss. Den Integrations-Platz finanziert bei uns der LVR (Landschaftsverband Rheinland) mit – da mal nachzufragen ist auf jeden Fall ein guter Tipp!
@sabine g
Unsere I-Kraft war sehr gestresst und mental mitgenommen von der Arbeit in der Kita, sie wurde auch des öfteren von den Erzieherinnen angelogen und ihre Vorschläge wurden überhaupt nicht gehört. Als dann die Heilpädagogin unseres Sohnes ein paar Wochen später hospitierte und dasselbe vorschlug, wurde es auf einmal umgesetzt.
Zuletzt geändert von Johannes N. am 21.11.2022, 22:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kita kommt mit I-Kraft nicht zurecht

Beitrag von Rita2 »

Hallo,

wegen Kündigung vielleicht sich mal bei einem Anwalt beraten lassen.

Ich kann mir vorstellen, daß es möglich ist beide Arten der Kündigung in einer Kündigung aussprechen.
Also zuerst außerordentliche Kündigung mit Begründung erklären und dann mit dem Begriff ersatzweise die ordentliche Kündigung danach noch erklären.
Dann kündigt ihr damit außerordentlich und wenn das nicht geht/rechtlich zulässig ist gleichzeitig noch ordentlich.

Viele Grüße
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel
esram
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Re: Kita kommt mit I-Kraft nicht zurecht

Beitrag von esram »

Hallo noch kurz ein Einwurf.

Für mich wäre ein wichtiger Kündigungsgrund, dass das Vertrauensverhältnis gestört ist. Und das ist ja auf beiden Seiten gegeben.

Dann würde ich den Kindergarten anzeigen. Und zwar bei der Kita-Aufsichtstelle vom Jugendamt. Die ist bei uns in Bayern für die Betriebserlaubnis von Kigas zuständig. Wenn das alles stimmt, würde ich da mein Kind keinen Tag mehr hingeben.
esram mit Sohn Sommer2013 (V. a. ASS, V. a. ADS) und Sohn Winter2015 (nix) und Tochter Sommer2021 (nix)
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Re: Kita kommt mit I-Kraft nicht zurecht

Beitrag von Anne_mit_2 »

Hallo Johannes,

am besten sprecht Ihr eine fristlose Kündigung wegen irreparabel zerrütteten Vertrauensverhältnisses zwischen KiTa-Personal einerseits und Elternhaus+I-Kraft andererseits aus. Zusätzlich solltet Ihr für den Fall der Unwirksamkeit der außerordentlichen Kündigung noch ersatzweise eine ordentliche Kündigung im selben Brief aussprechen. In der Kündigung solltet Ihr klar darauf hinweisen, dass aufgrund der Spannungen zwischen den Erwachsenen der KiTa-Besuch für Euer Kind im Moment nicht förderlich ist und Ihr deshalb zum Wohl des Kindes mit sofortiger Wirkung das Kind aus der KiTa nehmt. Diese schriftliche Kündigung sollte an KiTa-Leitung und in Kopie an die Träger von KiTa und Maßnahme versandt werden.

Nehmt unabhängig vom Kündigungsschreiben auch sofort Kontakt zum LVR als Träger der I-Kraft auf, da mit der Kündigung die Finanzierung der I-Kraft erlischt und es für den Träger dieser Leistung eine zentrale Information ist, ob das Kind die KiTa nicht mehr besucht, weil
- diese konkrete I-Kraft nicht funktioniert hat **oder**
- weil es konkrete Probleme mit dieser konkreten KiTa gab **oder** <---- Euer Fall
- weil das pädagogische Konzept der Einrichtung nicht zum Behinderungsbild gepasst hat **oder** <--- Vielleicht auch Euer Fall?
- weil das Konzept I-Kraft nicht zu diesem Kind passt **oder**
- weil die Eltern das Kind gar nicht in die KiTa schicken wollen bis Schuleintritt.
Davon können spätere Bewilligungen von I-Kraft oder Schulbegleitung abhängen, da solche Vorgänge eine Weile in den Akten verbleiben und später dem Sachbearbeiter wieder ins Auge fallen können (sollte nicht sein, ist aber die Realität).

Zu Deinem Bericht und der ersten Reaktion von Sabine darauf möchte ich noch anmerken, dass das pädagogische Konzept natürlich auch das Beachten von Höflichkeitsformen beinhalten sollte, aber dass hier im Bericht für mich der Ton die Musik macht: Es ist ein Unterschied, ob man ein Kind langsam an die (für einen Autisten erhebliche) Belastung eines gemeinschaftlichen Essens am großen Tisch heranführt mit erreichbaren Teilzielen oder dies einfach durchsetzt auch auf die Gefahr eines Meltdowns hin.
Aus dem Bericht von Johannes sticht für mich ein Aspekt massiv hervor: Es handelt sich um eine integrative KiTa, die aber offensichtlich nicht in der Lage war, ihr Konzept im Eingewöhnungsgespräch so zu vermitteln, dass sich der Einsatz der I-Kraft dort nahtlos einfügen konnte, und die behinderungsbedingten Hilfen so zu planen, dass sie für das Kind fördernd und fordernd, aber nicht überfordernd waren. Ob es sich hier um eine I-KiTa mit einer unpassenden Spezialisierung handelt oder um ein in einem Schema festgefahrenes Team oder ob die I-Kraft bei der Betreuung nicht richtig eingebunden war, was zu allseitigem Frust führte, kann ich nicht beurteilen, aber das ist auch nicht relevant. Wichtig ist, dass hier offensichtlich die Hilfen nicht beim Kind angekommen sind und es deshalb von der Einrichtung nicht profitieren konnte.

Ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr bald eine andere KiTa findet. Je nachdem, wie schwer betroffen Euer Kind ist, könnte man auch an RegelKiTa mit I-Kraft denken. Das hängt dann aber von der konkreten KiTa ab (nicht nur vom Konzept, sondern auch von den Menschen, die dort arbeiten).

Viele Grüße,
Anne
Seit Generationen nah am/im Autismusspektrum, 2 Kinder:
die Große: unreif am Termin geboren, davon diverse kleine 'Problemchen'; inzwischen erwachsen und verheiratet
der Kleine: gesund, schlau, fit, verhaltensoriginell (aber gefahrenbewusst)
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JulasWorld
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Re: Kita kommt mit I-Kraft nicht zurecht

Beitrag von JulasWorld »

Hallo, ich würde noch einmal das Gespräch mit der Kitaleitung suchen & sie im guten darum bitten dir bitte die Kündigung zu schreiben, da ihr 1. euer Kind sowieso nicht mehr bringen werdet & 2. somit einem anderen Kind den Platz wegnehmt. 🤷‍♀️
Ich finde es etwas dreist von der Kitaleitung das sie so an dem Vertrag festhält obwohl sie weiß das die Situation unwiederrufbar ist.
Meiner Meinung nach kann die Kita nämlich immer außerordentlich also wenn das Eltern - Erzieher - Verhältnis so zerstört ist, kündigen. Die Frage in deiner Situation ist nur warum sie es nicht machen?
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