Nastia mit D. (22M) - Alltagsschwierigkeiten & schlechtes Bauchgefühl / lang

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

Moderator: Moderatorengruppe

Antworten
Nastia
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 36
Registriert: 21.10.2022, 12:51

Re: Nastia mit D. (22M) - Alltagsschwierigkeiten & schlechtes Bauchgefühl / lang

Beitrag von Nastia »

melly210 hat geschrieben: 16.11.2022, 22:18 Im SPZ würde Diagnostik gemacht, und auch Therapien bekommt man mit "Sanctus" vom SPZ leichter. Sie leiern eben Dinge wie Frühförderung an. Dort würdest du auch sehen wie du am besten fördernd mit ihm spielst.

Generell: ideal ist es wenn es zwar lustig, aber auch eine kleine Herausforderung ist. Aber tendentiell ist zu leicht eher besser als zu schwer. Überforderung führt schnell zu Frust.

Meiner hat sich mit solchen Steckspielen und Puzzles auch lange schwer getan, er hat einfach nicht gesehen wie das passen könnte.
Versuch vielleicht mal Colorino. Das ging bei uns ab ca 2,5 gut. Da geht es nur um die Farben, jeder Stecker passt überall rein. Auch wenn er am Anfang mal nur wahllos steckt passt das, hat meiner auch. Dann übt er eben gezielt stecken.
Danke für deine Tipps. Die SPZ Untersuchung werden wir machen, aber es ist ja kein Geheimnis, dass die SPZ viele Anfragen haben und wir uns gedulden müssen. Mal sehen wie lange.

Dass D. so sehr frustriert ist habe ich selten bei ihm gesehen. Er frustriert schon schnell, aber bei den meisten Spiel-Angeboten, die ich ihm mache ist er schlicht und ergreifend desinteressiert. Ich dachte daher oft, dass ich oder das Angebot zu öde bin/ist - aber das heute war volle Überforderung, das habe ich gesehen.

Ich gebe mir extrem viel Mühe beim Spielen, die Mutter meines Freundes sagte mal zu mir: du bist besser als alle meine Erzieherinnen, ich würde dich sofort einstellen. Mich hat der Spruch damals irgendwie getroffen, weil ich dachte: und warum dringe ich dann nicht zu D. durch?

Colorino hat D. letztes Jahr von meiner Freundin geschenkt bekommen, leider gelingt es ihm von der Kraftdosierung oder vom Verständnis her nicht die Steine aufzustecken. Wir haben die Steine dann gestapelt oder die Bilder angesehen oder einfach drin rumgewühlt. Ich probiere es immer mal wieder.

Wünsche dir eine gute Nacht!
Werbung
 
Nastia
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 36
Registriert: 21.10.2022, 12:51

Re: Nastia mit D. (22M) - Alltagsschwierigkeiten & schlechtes Bauchgefühl / lang

Beitrag von Nastia »

Sophie-11 hat geschrieben: 16.11.2022, 22:22 Hallo,

ich verfolge Deinen Thread schon eine Weile und mag jetzt doch noch ein paar Überlegungen zufügen. Einmal dieser Punkt:
Nastia hat geschrieben: 16.11.2022, 13:39 Ich frage mich auch, ob D. nachts eventuell deswegen so viel schreit, weil er einfach die ganzen Überforderungen und Ängste vom Tag verarbeiten muss?
Das ist durchaus möglich. Bei meinen Kindern war immer sehr deutlich, dass die Nächte umso unruhiger und schwieriger waren, je mehr tagsüber passiert ist. Bei allen dreien, nicht nur den beiden mit Autismus-Diagnose. Insgesamt erinnert mich vieles von dem, was Du gerade aus der Anfangszeit von Deinem Sohn schreibst mehr an meinen Großen als an die beiden Autisten. Außer dass er früh gelaufen ist und früh gesprochen hat. Gerade die jüngere Entwicklung Deines Sohnes ist aber doch nach Deiner Beschreibung deutlich auffälliger als mein Großer damals.

Vielleicht kannst Du ja mal ein paar wirklich ruhige Tage machen und schauen, ob es tendenziell eine Änderung beim Schlafmuster gibt?
Nastia hat geschrieben: 16.11.2022, 14:48 Die SPZler müssten eine SI theoretisch auch erkennen, oder? Eine Ergo aber theoretisch auch.. nicht wahr?
Das hängt immer davon ab... "Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel." Ärzte und Therapeuten erkennen tendenziell leider vor allem das, worin sie spezialisiert sind und sich auskennen, selbst wenn es nur teilweise Überschneidungen gibt. Wenn Eure Ergo keine Weiterbildung und Erfahrung mit SI hat, wird sie eine entsprechende Störung vermutlich nicht leicht erkennen.

Auch wenn sich herausstellen sollte, dass Dein Sohn an Angststörungen leidet, heißt das noch lange nicht, dass Ihr irgendwie daran schuld seid! Es gibt auch genetische Dispositionen diesbezüglich. Deswegen solltest Du nicht anfangen, die Schuld am Verhalten Deines Sohnes bei Euch zu suchen, das ist alles andere als zielführend - auch das leichter gesagt ist als getan :wink: .

Allenfalls möchte ich Dir noch den Spruch ans Herz legen, dass das Gras nicht schneller wächst, wenn man dran zieht. Ich kann leicht falsch liegen, aber das, was Du schreibst erweckt bei mir den Eindruck, dass Du Deinen Sohn extrem viel förderst und therapeutisch mit ihm zu arbeiten versuchst; manchmal ist da weniger auch mehr. Manchmal kann es aber auch nötig sein, deswegen will ich Dir da auch nicht konkret abraten, nur das immer mitzubedenken.

Liebe Grüße und alles Gute!
Hallo Sophie,

danke für deine Gedanken und dass du den Beitrag verfolgst.

Zum Thema Schlaf: D. hat noch nie wirklich gut geschlafen. Er hat in Summe max. 5 Mal durchgeschlafen, damit meine ich 5 bis 6h am Stück. Ansonsten wacht er im spätestens 2h Zyklus auf und schreit, außer mittags. Er ist mittlerweile 22,5 Monate alt - wir haben in der Zeit alle möglichen Dinge erlebt oder auch nicht erlebt. Gerade im ersten Lebensjahr war voll Corona angesagt, so dass man auch gar nicht so viel machen konnte. Ich konnte da bisher keine große Varianz erkennen vom Tagesinhalt her. Ich könnte mir eher vorstellen, dass er grundsätzlich stets irgendwelche Ängste / Überforderungen empfindet und ihn das quält. Schlaf ist ja ein wahnsinniger Kontrollverlust und wir haben auch öfter den Eindruck, dass er sich förmlich gegen das Einschlafen wehrt.

Dazu kommt, dass im Grunde bei egal welcher (Alltags-)Aktivität D. sich verweigert oder Wutanfälle bekommt. Neulich bin ich mit ihm zum Wald gefahren um etwas im Grünen, total reizarm, zu spazieren (wir wohnen mitten in der Stadt). Er ist 50m durch die Blätter gelaufen und zurück, hat sich dann verweigert gegen das Laufen oder getragen werden, hat nur auf das Auto gezeigt und geweint. Nach einer Weile und mehreren Versuchen sind wir nach Hause gefahren, was soll ich auch tun? Wenn wir in den Zoo gehen oder zum Einkaufen oder oder das Gleiche. Entweder Verweigerung oder Wutanfall. Mir fällt keine Aktivität ein, bei der er sozusagen mitmacht. Aber wenn ich den ganzen Tag mit ihm zu Hause bin ist er unausgelastet und es ist auch nicht richtig. Hast du einen Tipp welche Tagesinhalte deine Kinder ruhig schlafen lassen/ließen?

Ich denke auch, dass die aktuelle Ergo nicht ganz die richtige Ansprechpartnerin ist, obwohl D. sich heute offener gezeigt hat als jemals zuvor und allein das mich freut. Ich finde allerdings die Haltung etwas nicht zu hinterfragen bzw. direkt auf die Schiene "ist angeboren" zu gehen etwas kurz gesprungen. Vorher gibt es ja noch ein paar mögliche Gründe, die man zumindest erwägen sollte, finde ich. Ich habe sie heute auf die Dinge angesprochen, sie ist nicht darauf eingegangen, hat mir nur gesagt, dass sie nächstes Jahr eine Schulung machen möchte wo sie lernt wie man verhaltensauffällige Kinder via Videosichtung etc. therapieren kann. Grundsätzlich meinte sie die Therapie von D. jetzt wäre schwierig, weil er nicht sprechen kann. Evtl. wäre Logo und dann folgend Ergo besser, war ihre Haltung.

Und ja, es ist tatsächlich so, dass ich mir natürlich viele Gedanken um D. mache und mich auch frage, ob ich etwas falsch gemacht habe. Ich weiß, dass das nichts nützt, aber irgendwie kommt das ja auch automatisch in einem auf. Vor allem, ob ich eventuell nicht früh genug dran bin und früher hätte intervenieren müssen - mein Bauchgefühl war ja seit seinen frühen Lebenswochen schon da. Ich weiß noch, dass die Arzthelferin mich bei einer U fragte, ob D. klatsche und ich sagte nein. Sie hat mich 2x gefragt, ob ich sie verstanden hätte und ob ich wüsste was klatschen sei. Bei der Arztkontrolle anschließend war auch auf mein Ansprechen hin alles in Ordnung. Auch mein Partner hat mich stets gebremst und ich habe es zugelassen. Mein Fokus ist nicht aus D. den Überflieger oder sonst etwas zu machen, ich möchte nur, dass sein Leidensdruck sinkt und den hat er offensichtlich.

Ich muss zugeben, dass hier im Thread viele Ideen aufgekommen sind, die ich einfach ausprobieren wollte, daher habe ich jetzt Dinge angeschafft und versuche sie einfach zu testen. Ich jage dem Kleinen aber nicht pausenlos hinterher und versuche ihn mit meinem Laien-Google-Wissen zu therapieren, das habe ich auch nie. Es stimmt dennoch, dass ich mich viel mit den Dingen beschäftige, Sachen hinterfrage und versuche meinen Sohn so gut ich kann und in verschiedenen Art und Weisen anzusprechen oder ihm etwas anzubieten, wo es mir sinnvoll erscheint - da er es aber auch pausenlos einfordert.

Du musst dir vorstellen, dass mein Sohn im Grunde ständig schreit, d.h. er sucht meine Aufmerksamkeit ununterbrochen, verfolgt mich überall hin. Er möchte, dass ich ihm dauerhaft Aufmerksamkeit schenke und vielleicht ist es auch eine Art Selbstschutz von mir dann auch etwas im Peto zu haben, das ich mit ihm tun kann. Der Gedanke, auf den ich keine Antwort habe, ist: wäre es vielleicht noch schlimmer, wenn ich eben nicht die Sachen mit ihm tun würde? Ich weiß es nicht. Manchmal wird mir geraten ihn einfach schreien zu lassen, fühlt sich für mich aber wahnsinnig falsch an.

Man wird durch die vielen Wartelisten und Situationen mit Beweislastumkehr, Vorwürfen von hysterischer Glucken-Mutter etc. ja auch in die Situation gebracht: ja, du hast ein schlechtes Bauchgefühl und ein paar Dinge sind komisch, aber wir können dir erst in einem Jahr helfen und stell dich nicht so an. Aber man muss ja jeden Tag irgendwie meistern und wenn man dann irgendwo bei Therapeuten sitzt oder was nachliest steht da immer: warten Sie nicht, vertrauen Sie ihrem Gefühl und intervenieren Sie früh. Ja, was denn nun? Ich weiß aber was du meinst und ich stimme dir auch zu. Ich bin voll dabei jedem Kind seine Zeit zu lassen, der Ernst kommt früh genug. Ich bin aber auch dafür, dass man halt doch mal hinschaut, wenn eine Mama ein mieses Gefühl hat. Ich bilde mir die Entwicklungsverzögerung z.B. ja auch nicht ein (wurde mir aber auch schon vorgeworfen).

Liebe Grüße,
Nastia
Jodie
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 157
Registriert: 20.01.2021, 10:41

Re: Nastia mit D. (22M) - Alltagsschwierigkeiten & schlechtes Bauchgefühl / lang

Beitrag von Jodie »

Hallo,
Ich lese hier auch eifrig mit, komme aber leider nicht so viel dazu, zu schreiben... Alltag und so :wink:
Ich hab noch ein paar Gedanken zu Themen, die aufkamen:

Handschuhe: gingen bei Ben in dem Alter auch nicht. Ich habe Stulpen ausprobiert. Oft ist er aber lieber mit seinen Händen in meine Ärmel geschlüpft. Muff ist auch noch eine Idee.

fehlende Sprache: hast du schon mal Gebärden angeboten? Ben hat bevor er sprechen konnte so zumindest mitgeteilt, wenn er gestillt werden wollte (durch die Essprobleme hat er laaaange gestillt).
Vielleicht kann er dich antippen statt anschreien? Das hab ich Ben auch angewöhnt als er zu übergriffig wurde beim auf sich aufmerksam machen.

Aufmerksamkeit suchen: Ben macht das immer noch. Ich höre den ganzen Tag nur "Mama, Mama, Mama" und wehe ich spreche mit dem großen Bruder, dann kreischt Ben so laut, dass wir uns nicht mehr verständigen können. Ich erkläre es ihm immer wieder oder versuche, dass er sich mal alleine beschäftigt. Tatsächlich hat er inzwischen mal eine viertel Stunde wo er alleine was macht. Ist aber harte Arbeit...

Du hast auch gefragt:
"Ich meine mal gelesen zu haben, dass die Sprachentwicklung bei Asperger in der Regel normal verläuft, oft sogar recht früh. War das bei deinem Sohn auch so? Wie arbeitet ihr daran, dass der Kleine mehr Smalltalk betreibt? Auch mit professioneller Hilfe oder eher zu Hause? "
Ben war später dran mit Sprechen lernen als der große Bruder. Aber alles im Rahmen. Auffällig waren die Neologismen und dass er sich die Wörter schlecht merken konnte (z. B. Mokolotive statt Lokomotive, Kinasse statt Gießkanne), er hat viel mehr Wiederholungen gebraucht.
Wegen Smalltalk fragen wir ihn, was er in Kindergarten oder Schule erlebt hat. Aber er erzählt dann auch oft ausgedachte Geschichten. Nach der Therapie soll er mir immer erzählen, was er da gemacht hat, meist hat er da aber keine Geduld mehr.

Spielsachen: die hat Ben eigentlich nicht benutzt, wenn dann zweckentfremdet. Stapelscheiben wurden zu Kreiseln, Steckspiele wurden zu Türmen gebaut und umgeschmissen oder geworfen. Puzzle interessieren ihn bis heute null. Ist ja auch sinnlos, warum soll er ein Bild, das von jemandem anders zerschnitten wurde, reparieren? :lol:
Er hat sich lieber angeschaut, wie Schubladen rein und raus gleiten (ich hab schon Ferienwohnungen danach ausgewählt, ob sie Schubladen in der Küche haben :lol:).
Oft hab ich ihn mir angeschaut und dachte, ob er vielleicht einfach zu blöd ist? :oops: und dann ist er als er echt noch klein war zur Stereoanlage gegangen und hat sich sein Lieblingslied in Endlosschleife angestellt. Dazu muss man mehrere Knöpfe in einer bestimmten Reihenfolge drücken. :shock: Ihn interessieren halt einfach andere Dinge. Was soll er mit Babyspielsachen? :lol:
Vorlesen ging lange überhaupt nicht. Jetzt mag er Comics oder Bücher über seine Spezialinteressen.
Meist lag Ben mitten drin, wenn ich mit dem großen Bruder gespielt habe. Er hat sich dann ab und zu mal ein Auto genommen und vor seinem Gesicht hin und her gefahren. Inzwischen spielt er aber sogar Rollenspiele mit seinem Bruder oder mir.

Schlaf: so nennenswert durchgeschlafen hat Ben mit fünfeinhalb zum ersten Mal. Einschlafen war und ist ein großes Problem. Egal was wir am Tag erleben.
Aber ich habe den Eindruck, er kommt einfach nicht zur Ruhe. Noch immer hat er abends die interessantesten Fragen und ihn bewegt vieles, was er mitbekommen hat. (z.B.: der große Bruder durfte 'Kevin allein zu Haus' schauen und Ben hat ein paar Szenen mitbekommen. Er konnte abends nicht schlafen, weil Kevin Wasser auf die Treppe vor der Haustür geschüttet hatte, da war es ja dann ganz glatt und wie soll denn seine Familie ins Haus zurück kommen??? Und warum brüten nur die Hühner und der 'Hühnervater' nicht? Kann der die Eier nicht warmhalten? Hat er etwa andere Federn?)
Inzwischen wache ich aber sogar auf, wenn er mal durchschläft... Siehe die Uhrzeit gerade. Jahrelange Gewöhnung. :roll:

Ich habe von der ersten Physiotherapie schwarz auf weiß, dass mein Kind sich nicht entwickeln kann, weil ich überfürsorglich bin und es nicht von meinem Arm runter lasse... :icon_tongue:
Auch im ersten Kindergarten hieß es immer, dass das Kind sich nicht weiter entwickelt, weil ich es nicht lasse.
Aber er kam und kommt mir in vielen Dingen einfach 2-3 Jahre jünger vor. Er entwickelt sich langsamer und anders. Mit der Diagnose hat sich das geklärt: Autismus ist ja eine tiefgreifende Entwicklungsstörung.
Vieles kam mit Geduld und Zeit dann doch irgendwann. Aber eben in seinem Tempo. Und er macht regelrechte Entwicklungssprünge.
Ich hoffe, das macht dir ein bisschen Mut. :D

Viele Grüße
Jodie
4/16 Ben, Autismusspektrumstörung, Asperger :alien:
Anjali
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3667
Registriert: 15.02.2008, 11:15

Re: Nastia mit D. (22M) - Alltagsschwierigkeiten & schlechtes Bauchgefühl / lang

Beitrag von Anjali »

Guten Morgen,

Ich hatte vorhin einen ellenlangen Text verfasst. Als ich ihn absenden wollte, musste ich mich neu anmelden und nun ist er weg. 😅Deshalb fasse ich mich jetzt kürzer:

Versuche dich frei zu machen von deinen eigenen und von konventionellen Vorstellungen einer schönen Freizeitgestaltung, eines gemeinsamen Spieles.
Dein Sohn zeigt Dir seine Interessen, Du brauchst sie nur aufgreifen.
Dein Sohn mag Z.B. Autos und er mag es, wenn man sozusagen für ihn spielt und er zuschauen kann.

Mein zweiter Tipp, akzeptiere, dass dein Sohn bestimmte Interssen (Waldspaziergänge, Zoobesuche, Einkäufe, Musikgruppen) nicht teilt, ohne Dir dabei Sorgen zu machen. Ihm entgeht nichts, wenn er nicht in den Zoo geht, um es mal ganz salopp zu sagen.
Fördern und bespaßen kannst Du ihn auch in einem individuellen Rahmen, bestenfalls in Einbeziehung seiner Interessen und seines individuellen Spielverhaltens.
Er bleibt auch gerne in der Beobachterrolle, wenn ich das richtig verstehe- das erinnert mich an meinen Sohn, der anfangs am liebsten für sich spielen ließ, damit er in Ruhe entspannen und beobachten konnte - er war u.a. von rollenden Kugeln in Kugelbahnen fasziniert).
Dass dein Sohn nicht gerne auf ein Auto gestellt werden wollte wundert mich nicht. Er hat einen anderen Zugang zu Autos.

Mein Sohn hatte schon sehr früh eine große Faszination für Straßenbahne, Züge, Schienen gezeigt. Ausflüge waren quasi gelingsicher und auch für ihn befriedigend, wenn sie um dieses Interesse „herumgestaltet“ wurden. Das konnte z.B. auch einmal ein Spaziergang entlang einer Straßenbahnlinie sein.

LG
Anja
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (21 Jahre / Asperger-Autismus)
Sophie-11
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 601
Registriert: 11.02.2019, 17:04

Re: Nastia mit D. (22M) - Alltagsschwierigkeiten & schlechtes Bauchgefühl / lang

Beitrag von Sophie-11 »

Hallo,

danke für Deine ausführlichen Antworten, einiges verstehe ich inzwischen besser. Ich wollte Dir auch nicht vorwerfen, Du würdest zu viel mit Deinem Sohn machen, nur die Anregung, immer wieder die eigenen Vorstellungen zu hinterfragen, auch wenn Du schon sehr reflektiert rüberkommst. Und ganz sicher will ich Dir Dein Bauchgefühl nicht ausreden.
Nastia hat geschrieben: 17.11.2022, 00:30 Neulich bin ich mit ihm zum Wald gefahren um etwas im Grünen, total reizarm, zu spazieren (wir wohnen mitten in der Stadt).
Wenn Dein Kind tatsächlich Wahrnehmungsbesonderheiten hat, und darauf deutet ja viel hin, dann ist möglicherweise der Wald alles andere als reizarm für ihn! Schon allein die visuellen Reize - viele verschiedene Farben, die sich bewegenden, flirrenden Blätter, die ständig wechselnde Lichtstärke, überall Millionen von Details, die auf ihn einstürmen. Dann akustisch - das Rauschen des Windes, das Rascheln der Blätter, Vogelstimmen. Taktil - der Wind auf der Haut, die Temperaturreize. Verschiedene Beschaffenheit des Waldbodens - federnd, nachgebend an matschigen Stellen etc. Dazu eventuell noch andere Menschen, die dort spazierengehen. Für Menschen mit "normaler" Wahrnehmung ist ein Wald total erholsam, bei veränderter Sinneswahrnehmung muss es nicht so sein. Z.B. finden ja auch viele Menschen Meeresrauschen toll entspannend, während es mich einfach nur überreizt.
Nastia hat geschrieben: 17.11.2022, 00:30 Aber wenn ich den ganzen Tag mit ihm zu Hause bin ist er unausgelastet und es ist auch nicht richtig. Hast du einen Tipp welche Tagesinhalte deine Kinder ruhig schlafen lassen/ließen?
Das war echt ein Problem :roll: ! Gerade bei meinem Mittleren, der Autismus und ADHS hat - der Autismus forderte Reizbeschränkung und viel Ruhe, das ADHS und auch seine überdurchschnittliche Intelligenz dagegen ständigen Input. Am Besten funktionierte es, wie Anjali schon schrieb, mit Unternehmungen entlang seiner Interessen. Ich denke, dann kann ein Autist sich auf diesen einen Reiz fokussieren und den Rest ausblenden, eine Art Tunnelblick bekommen. Und ansonsten vermutlich versuchen, nur einen oder wenige Reize auf einmal zu bieten. Eine klare Struktur kann auch helfen, eine Vorhersehbarkeit. Aber ehrlich gesagt kann ich gar nicht mehr so genau sagen, wie ich es damals so gemacht habe, irgendwie habe ich mich durchgewurschtelt :lol: . Alle meine Kinder ließen sich gerne und viel Tragen, ich hatte sie nie im Kinderwagen - beim Großen hatte es allerdings etwas gedauert, bis es mit dem Tragetuch geklappt hat, er hat sich anfangs sehr verspannt. Er war ja auch nie kuschelig, ist uns z.B. nie in die Arme gelaufen, sondern nur dran vorbei. Am Besten hat es mit dem Tragen für uns alle auf dem Rücken geklappt. Das bietet unaufdringliche Nähe, ohne viel kommunizieren zu müssen, die Kinder können so viel gucken, wie sie wollen und sich bei Bedarf ins Tuch zurückziehen als geschützten Raum.

Ich kann gar nicht sagen, wann meine Kinder irgendwann nicht mehr jede Nacht geweckt haben ("Durchschlafen" tut keiner, auch Erwachsene nicht - sie können nur meist problemlos wieder einschlafen und erinnern sich dann nicht mehr), im Alter Deines Sohnes waren auf jeden Fall mehrere nächtliche Unterbrechungen noch normal. Und beim Großen war es auch so, dass er dann oft eine Stunde gebraucht hat, wieder einzuschlafen. Man hätte fast eine Uhr danach stellen können! Er ist übrigens immer noch ein sehr aktiver Schläfer, erzählt nachts viel und schlafwandelt öfter, aber da er schon lange im eigenen Zimmer schläft, stört das höchstens noch im Urlaub  8) .

Mein Mittlerer hat sich übrigens auch etwa in dem Alter zwischen 2 und 3 sehr gegen das Einschlafen gewehrt! Ich weiß noch, wie er schreiend und um sich schlagend neben mir im Dunkeln lag und ich das Gefühl hatte, dass der Schlaf regelrecht als Gewalt über ihn kam, denn eingeschlafen ist er dann doch. Er hat sich in der Zeit auch selbst abgestillt, ich vermute, weil er beim Stillen immer eingeschlafen ist... Sprechen konnte er da noch nicht, aber er hat viel auf seine eigene Art kommuniziert und ein gutes Sprachverständnis gehabt, deshalb haben wir uns darüber gar nicht so viel Sorgen gemacht, nur ab einem Alter von etwa 30 Monaten logopädisch unterstützt. Die Sprache kam dann mit 3 Jahren etwa. Bei den anderen Kindern war Stillen meist das perfekte (Wieder-)Einschlafmittel.

Leider kann ich Dir nicht die perfekte Lösung bieten. Vielleicht helfen meine Erfahrungen ein bisschen - ich hoffe es -, vielleicht auch nicht. Aber eine Gewissheit kann ich bieten, die für alle Kinder gilt: Es bleibt nicht so, wie es ist! Das hilft mir in schwierigen Phasen enorm.

Liebe Grüße!
der Große *12/2007 (eher Spektrumsnah)
der Mittlere *09/2010 (ASS, ADHS, Grenzgänger)
die Kleine *02/2014 (Asperger)
Nastia
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 36
Registriert: 21.10.2022, 12:51

Re: Nastia mit D. (22M) - Alltagsschwierigkeiten & schlechtes Bauchgefühl / lang

Beitrag von Nastia »

Jodie hat geschrieben: 17.11.2022, 05:13 Hallo,
Ich lese hier auch eifrig mit, komme aber leider nicht so viel dazu, zu schreiben... Alltag und so :wink:
Ich hab noch ein paar Gedanken zu Themen, die aufkamen:

Handschuhe: gingen bei Ben in dem Alter auch nicht. Ich habe Stulpen ausprobiert. Oft ist er aber lieber mit seinen Händen in meine Ärmel geschlüpft. Muff ist auch noch eine Idee.

fehlende Sprache: hast du schon mal Gebärden angeboten? Ben hat bevor er sprechen konnte so zumindest mitgeteilt, wenn er gestillt werden wollte (durch die Essprobleme hat er laaaange gestillt).
Vielleicht kann er dich antippen statt anschreien? Das hab ich Ben auch angewöhnt als er zu übergriffig wurde beim auf sich aufmerksam machen.

Aufmerksamkeit suchen: Ben macht das immer noch. Ich höre den ganzen Tag nur "Mama, Mama, Mama" und wehe ich spreche mit dem großen Bruder, dann kreischt Ben so laut, dass wir uns nicht mehr verständigen können. Ich erkläre es ihm immer wieder oder versuche, dass er sich mal alleine beschäftigt. Tatsächlich hat er inzwischen mal eine viertel Stunde wo er alleine was macht. Ist aber harte Arbeit...

Du hast auch gefragt:
"Ich meine mal gelesen zu haben, dass die Sprachentwicklung bei Asperger in der Regel normal verläuft, oft sogar recht früh. War das bei deinem Sohn auch so? Wie arbeitet ihr daran, dass der Kleine mehr Smalltalk betreibt? Auch mit professioneller Hilfe oder eher zu Hause? "
Ben war später dran mit Sprechen lernen als der große Bruder. Aber alles im Rahmen. Auffällig waren die Neologismen und dass er sich die Wörter schlecht merken konnte (z. B. Mokolotive statt Lokomotive, Kinasse statt Gießkanne), er hat viel mehr Wiederholungen gebraucht.
Wegen Smalltalk fragen wir ihn, was er in Kindergarten oder Schule erlebt hat. Aber er erzählt dann auch oft ausgedachte Geschichten. Nach der Therapie soll er mir immer erzählen, was er da gemacht hat, meist hat er da aber keine Geduld mehr.

Spielsachen: die hat Ben eigentlich nicht benutzt, wenn dann zweckentfremdet. Stapelscheiben wurden zu Kreiseln, Steckspiele wurden zu Türmen gebaut und umgeschmissen oder geworfen. Puzzle interessieren ihn bis heute null. Ist ja auch sinnlos, warum soll er ein Bild, das von jemandem anders zerschnitten wurde, reparieren? :lol:
Er hat sich lieber angeschaut, wie Schubladen rein und raus gleiten (ich hab schon Ferienwohnungen danach ausgewählt, ob sie Schubladen in der Küche haben :lol:).
Oft hab ich ihn mir angeschaut und dachte, ob er vielleicht einfach zu blöd ist? :oops: und dann ist er als er echt noch klein war zur Stereoanlage gegangen und hat sich sein Lieblingslied in Endlosschleife angestellt. Dazu muss man mehrere Knöpfe in einer bestimmten Reihenfolge drücken. :shock: Ihn interessieren halt einfach andere Dinge. Was soll er mit Babyspielsachen? :lol:
Vorlesen ging lange überhaupt nicht. Jetzt mag er Comics oder Bücher über seine Spezialinteressen.
Meist lag Ben mitten drin, wenn ich mit dem großen Bruder gespielt habe. Er hat sich dann ab und zu mal ein Auto genommen und vor seinem Gesicht hin und her gefahren. Inzwischen spielt er aber sogar Rollenspiele mit seinem Bruder oder mir.

Schlaf: so nennenswert durchgeschlafen hat Ben mit fünfeinhalb zum ersten Mal. Einschlafen war und ist ein großes Problem. Egal was wir am Tag erleben.
Aber ich habe den Eindruck, er kommt einfach nicht zur Ruhe. Noch immer hat er abends die interessantesten Fragen und ihn bewegt vieles, was er mitbekommen hat. (z.B.: der große Bruder durfte 'Kevin allein zu Haus' schauen und Ben hat ein paar Szenen mitbekommen. Er konnte abends nicht schlafen, weil Kevin Wasser auf die Treppe vor der Haustür geschüttet hatte, da war es ja dann ganz glatt und wie soll denn seine Familie ins Haus zurück kommen??? Und warum brüten nur die Hühner und der 'Hühnervater' nicht? Kann der die Eier nicht warmhalten? Hat er etwa andere Federn?)
Inzwischen wache ich aber sogar auf, wenn er mal durchschläft... Siehe die Uhrzeit gerade. Jahrelange Gewöhnung. :roll:

Ich habe von der ersten Physiotherapie schwarz auf weiß, dass mein Kind sich nicht entwickeln kann, weil ich überfürsorglich bin und es nicht von meinem Arm runter lasse... :icon_tongue:
Auch im ersten Kindergarten hieß es immer, dass das Kind sich nicht weiter entwickelt, weil ich es nicht lasse.
Aber er kam und kommt mir in vielen Dingen einfach 2-3 Jahre jünger vor. Er entwickelt sich langsamer und anders. Mit der Diagnose hat sich das geklärt: Autismus ist ja eine tiefgreifende Entwicklungsstörung.
Vieles kam mit Geduld und Zeit dann doch irgendwann. Aber eben in seinem Tempo. Und er macht regelrechte Entwicklungssprünge.
Ich hoffe, das macht dir ein bisschen Mut. :D

Viele Grüße
Jodie
Hallo Jodie,

danke für den Erfahrungsaustausch.

Bzgl. der Handschuhe habe ich bisher ein Paar probiert, das D. ohne Umschweife abgelehnt hat. Ich denke, dass er die Kälte nicht spürt und daher keine Notwendigkeit sieht etwas über die sowieso so empfindlichen Hände zu ziehen. Aber ich werde es nochmal weiter versuchen. Neulich bin ich mit ihm spazieren gefahren und er saß in einem warmen Fußsack, seine Hände waren schon blau, ich habe die Hände dann in den Fußsack gesteckt um ihm auch zu zeigen, dass es da warm ist. Er wollte es aber nicht. Vielleicht probiere ich einen Handwärmer aus, das ist zumindest auch noch etwas interessant.

Ich habe bisher keine Gebärden ausprobiert, mir wurde hier schon ESDM ans Herz gelegt, Fotos von Prozessabläufen und alles mögliche. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll oder könnte. Mir kommt es so vor als wäre D. okay damit, dass er nicht funktionell sprechen kann. Es gibt keinen Leidensdruck für ihn und somit wenig Anreiz in eine Kommunikation zu kommen bzw. z.B. Gebärden nachzumachen, die ich ihm vormache. Ich kann mir gar keine Situation am Tag ausmalen, in der unser Sohn die Muse dazu hätte mit mir so eine "ruhige" Interaktion zu führen. Aber ja, man sollte nichts unversucht lassen, da gebe ich dir recht.

Ja, die Aufmerksamkeit in Dauerschleife ist sehr anstrengend - insbesondere, wenn es kombiniert ist mit extrem schnellem Interessenverlust oder sich nicht auf etwas einlassen können. Ich habe bereits versucht, dass D. "Mama" gezielt zu mir sagt (er kann Mama sagen, aber benutzt es nicht funktionell) oder ihm gezeigt, dass er zu mir kommen kann und mich anfassen kann, aber das Schreien klappt anscheinend besser. Man kann sich so eine Daueraufmerksamkeitssuche im Schreimodus gar nicht vorstellen und auch nicht die Anstrengung davon, wenn man sie nicht selbst erlebt hat. Das ist Knochenarbeit, allein die Regulierung von sich und vom Kind, die Lautstärke, die Geduld und der Frust, dass man nichts erledigt kriegt. Ich verstehe dich und ziehe meinen Hut, dass du das so schon so lange mitmachst und hoffe, dass auch ich D. irgendwann eine andere Möglichkeit aufzeigen kann mit mir in Kontakt zu treten, so wie du es geschafft hast. Vielleicht hast du einen Tipp für mich wie du das Antippen beigebracht hast?

D. spielt in letzter Zeit öfter mal etwas, das freut mich natürlich. Vorhin hat er Stapelbecher gemocht, die liegen schon seit fast einem Jahr unberührt rum, das hat mich gefreut. Ich finde es toll zu lesen wie Ben nun auch spielt und sogar Rollenspiele mag. Habt ihr ihm das beigebracht oder kam es einfach von alleine? Du schreibst, dass er keine Babyspielsachen mochte. Habt ihr ihm dann andere Dinge zur Verfügung gestellt, die er mochte, aber vielleicht nicht ganz geeignet erschienen bzw. hat er euch gezeigt, was er mag? Das fehlt mir bei D. - ich bin für alles zu haben, aber so richtig sein Interesse aufzeigen kann er noch nicht bzw. selbst, wenn er Dinge mag verweigert er sich trotzdem oder wütet, z.B. im Schwimmbad oder beim Fahrrad.

Wow, wie habt ihr diese 5,5 Jahre überlebt bis euer Sohn durchgeschlafen hat? Ich muss sagen, dass das wirklich sehr an die Substanz geht, wenn man über so lange Zeiträume nur stundenweise schläft. Denkst du es war dann einfach ein Reifeprozess? Ich wache auch auf, wenn D. aus unerfindlichen Gründen mal länger schläft als ich es kenne. Da sieht man mal wie stark der Einfluss auf einen selbst ist. Wahnsinn was deinen Sohn alles beschäftigt, sein Kopf ist in Dauerarbeit. Könnt ihr ihm irgendwie helfen da runterzukommen? Schreibt ihr die Fragen auf und besprecht sie am nächsten Tag oder wie geht ihr damit um?

Es tut mir leid zu lesen welchen Sprüchen du dich hast als Mutter aussetzen müssen. Das ist sehr verletzend und übergriffig finde ich. Respekt, dass du dich da hast nicht unterkriegen lassen.

Ich sende dir viele Grüße,
Nastia
Nastia
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 36
Registriert: 21.10.2022, 12:51

Re: Nastia mit D. (22M) - Alltagsschwierigkeiten & schlechtes Bauchgefühl / lang

Beitrag von Nastia »

Anjali hat geschrieben: 17.11.2022, 08:12 Guten Morgen,

Ich hatte vorhin einen ellenlangen Text verfasst. Als ich ihn absenden wollte, musste ich mich neu anmelden und nun ist er weg. 😅Deshalb fasse ich mich jetzt kürzer:

Versuche dich frei zu machen von deinen eigenen und von konventionellen Vorstellungen einer schönen Freizeitgestaltung, eines gemeinsamen Spieles.
Dein Sohn zeigt Dir seine Interessen, Du brauchst sie nur aufgreifen.
Dein Sohn mag Z.B. Autos und er mag es, wenn man sozusagen für ihn spielt und er zuschauen kann.

Mein zweiter Tipp, akzeptiere, dass dein Sohn bestimmte Interssen (Waldspaziergänge, Zoobesuche, Einkäufe, Musikgruppen) nicht teilt, ohne Dir dabei Sorgen zu machen. Ihm entgeht nichts, wenn er nicht in den Zoo geht, um es mal ganz salopp zu sagen.
Fördern und bespaßen kannst Du ihn auch in einem individuellen Rahmen, bestenfalls in Einbeziehung seiner Interessen und seines individuellen Spielverhaltens.
Er bleibt auch gerne in der Beobachterrolle, wenn ich das richtig verstehe- das erinnert mich an meinen Sohn, der anfangs am liebsten für sich spielen ließ, damit er in Ruhe entspannen und beobachten konnte - er war u.a. von rollenden Kugeln in Kugelbahnen fasziniert).
Dass dein Sohn nicht gerne auf ein Auto gestellt werden wollte wundert mich nicht. Er hat einen anderen Zugang zu Autos.

Mein Sohn hatte schon sehr früh eine große Faszination für Straßenbahne, Züge, Schienen gezeigt. Ausflüge waren quasi gelingsicher und auch für ihn befriedigend, wenn sie um dieses Interesse „herumgestaltet“ wurden. Das konnte z.B. auch einmal ein Spaziergang entlang einer Straßenbahnlinie sein.

LG
Anja
Hallo Anja,

arggh, das ist wirklich maximaler Frust, wenn der Beitrag plötzlich weg ist. Danke, dass du nochmal eine Kurzversion geschrieben hast.

Ich bin okay damit, wenn mein Sohn meine Art von Spiel oder Spaß nicht teilt. Es verletzt mich aber, wenn offensichtlich wird, dass er selbst Dinge, die er mag (er zeigt, dass er sie mag), nicht zulassen kann oder sich darauf einlassen. Ich bin mir nicht sicher, ob mein Sohn nur zuschauen möchte oder ob er nur zuschaut, weil er sich nicht traut. Das sind meinem Empfinden nach zwei verschiedene Sachen. Im ersten Fall ist Akzeptanz das Richtige, im zweiten Fall Ermunterung. Was nun also tun?

Mein Sohn mag es nun auch mit dem Massagestab zu spielen, das wäre ihm sozusagen entgangen, wenn man es nicht mal gezeigt hätte. Es ist dieses ewige Dilemma: man kann nichts mögen, was man nicht kennt. Mit dem Stapelbechern wollte er auch gemeinsam mit mir spielen. Es ist immer anders - oft taut er auch auf und will dann doch mit malen oder im Schwimmbad ins Wasser nach 2 Wutausbrüchen, in denen er im ersten Moment schreit und ablehnt. In der Ergo hat sie Federn ausgepackt und wollte, dass D. sie anfasst. Er hat geschrien und sie hat es direkt wegpacken wollen. Ich sagte: warten Sie mal, er mag die Federn. Und so war es auch. Es ist als hätte er eine Abwehrhaltung gegen zunächst alles, direkt ohne überhaupt eine Chance zu geben oder eben eine Angst oder was auch immer. Das Gleiche im Zoo - wir haben eine Dauerkarte, weil er es mal mag und mal hasst er es. Ich kann es nicht vorhersehen was gerade oder warum etwas gerade Phase ist. Egal, was ich mit ihm unternehme - es ist zunächst immer Schreien und Wut und Angst da.

Auf manche Sachen hat er auch einfach gar keinen Bock, da kann ich ihn dann auch nicht animieren und tue es auch nicht. Oft spiele ich einfach selbst und es interessiert ihn oder eben nicht. Wenn ich nur nach seinem Gusto gehen würde, würde er wahrscheinlich den ganzen Tag Fernseher schauen wollen oder sowas toll finden. Soll man sich nun darauf einlassen? Wir schauen in dem Fall zusammen Videos von Papa oder sowas an. Das ist die Alternative, die ich okay bin mitzugehen. Ich weiß nicht, ich finde doch, dass es einen Rahmen braucht und auch ein eventuell aus Kindersicht nerviges Anbieten von ödem Zeug. Vielleicht ist dann halt doch mal was Cooles dabei. Aber ja, auch hier weiß ich nicht, ob ihn das mehr in die Verweigerung treibt oder nicht.

Mit den Aktivitäten, die du aufgezählt hast verhält es sich ähnlich. Mein Sohn hat die ersten 2 Termine im Kinderturnen nur geschrien und es gehasst. Mittlerweile mag er es. Das Tanzen hasst er - okay, ich habe es probiert. Zu Hause macht er die Bewegungen passend zu den Liedern aber mit und freut sich, er hat dort zum ersten Mal meine Hand genommen, weil er gesehen hat, dass die anderen Kinder das irgendwie auch machen. Es hat auch etwas gebracht. Aber die Termine sind oft schrecklich, ja. Es ist ein totaler Zwiespalt, den ich da habe. Andere Dinge wie einkaufen oder mal irgendwo hin - das sind ja auch ein Stück weit einfach alltägliche Dinge, die zum Leben gehören. Was ist denn die Alternative?

Wir haben unseren Sohn angeboten sich auf das Auto zu setzen und immer direkt akzeptiert, wenn er es nicht wollte. Mittlerweile setzt er sich selbstständig darauf, versteht aber nicht was man mit den Beinen tun soll bzw. er wirkt auch etwas zu groß, so dass das mit den Beinen auch nicht so gut klappt. Auch hier habe ich den Eindruck: er will, aber er kann einfach nicht, traut sich nicht oder was auch immer.

Viele Grüße, Nastia
Anjali
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3667
Registriert: 15.02.2008, 11:15

Re: Nastia mit D. (22M) - Alltagsschwierigkeiten & schlechtes Bauchgefühl / lang

Beitrag von Anjali »

Ich habe den Eindruck, Du machst sehr früh sehr viele Angebote, sehr gut gemeint und wahrscheinlich aus Angst, deinen Sohn nicht genug zu fördern. Aber es sind wohl a) nicht die passenden (den Bedürfnissen gerechten) Angebote und b) falls sie passen, ggf.verfrüht und c) zu viele.
Die Ergotherapeutin ist der Ansicht, den Tanzkurs zu canceln würde die Verweigerungshaltung verstärken. Dem möchte ich -ganz allgemein gesehen- dagegenhalten dass durch permanenten (wenn auch gutgemeinte,) Überforderung durch unpassende und nicht bedürfnisorientierte Angebote eine Verweigerungshaltung eher befördert werden kann.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (21 Jahre / Asperger-Autismus)
Anjali
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3667
Registriert: 15.02.2008, 11:15

Re: Nastia mit D. (22M) - Alltagsschwierigkeiten & schlechtes Bauchgefühl / lang

Beitrag von Anjali »

Einkaufen muss sein, da gibt es natürlich keine Alternative, wenn Du keinen Babysitter hast.
Natürlich ist es auch schwierig, selbst (als Mutter) auf seine Kosten zu kommen, wenn man eigentlich z.B. gerne und häufig unter Leuten ist und das Kind bei Gruppenangeboten aber überfordert ist. Aber ich denke, dass es. schwierig werden wird, ohne Abstriche so weiterzumachen.

Einige Aktivititäten und Förderangebote könn(ten) sicher auch zu hause bzw, in einem kleineren Rahmen angeboten werden. Ich bin selbst nicht der Typ für Kurs- und Gruppenberanstaltungen, weswegen ich gar nicht auf die Idee kam (das ist jetzt nicht wertend, nur erklärend) mein Kind in diesem Alter zu einem Tanzkurs anzumelden.
Insofern würde es mir persönlich nicht schwer fallen, den offensichtlich ungeliebten Kurs wieder zu streichen.

Mein Sohn war von seiner Entwicklung her immer etwas „zeitverzögert“. Vieles, was in frühen Jahren gar nicht machbar bzw. Undenkbar war, war dann später durchaus machbar.
Zuletzt geändert von Anjali am 17.11.2022, 13:50, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (21 Jahre / Asperger-Autismus)
Werbung
 
Nastia
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 36
Registriert: 21.10.2022, 12:51

Re: Nastia mit D. (22M) - Alltagsschwierigkeiten & schlechtes Bauchgefühl / lang

Beitrag von Nastia »

Sophie-11 hat geschrieben: 17.11.2022, 10:00 Hallo,

danke für Deine ausführlichen Antworten, einiges verstehe ich inzwischen besser. Ich wollte Dir auch nicht vorwerfen, Du würdest zu viel mit Deinem Sohn machen, nur die Anregung, immer wieder die eigenen Vorstellungen zu hinterfragen, auch wenn Du schon sehr reflektiert rüberkommst. Und ganz sicher will ich Dir Dein Bauchgefühl nicht ausreden.
Nastia hat geschrieben: 17.11.2022, 00:30 Neulich bin ich mit ihm zum Wald gefahren um etwas im Grünen, total reizarm, zu spazieren (wir wohnen mitten in der Stadt).
Wenn Dein Kind tatsächlich Wahrnehmungsbesonderheiten hat, und darauf deutet ja viel hin, dann ist möglicherweise der Wald alles andere als reizarm für ihn! Schon allein die visuellen Reize - viele verschiedene Farben, die sich bewegenden, flirrenden Blätter, die ständig wechselnde Lichtstärke, überall Millionen von Details, die auf ihn einstürmen. Dann akustisch - das Rauschen des Windes, das Rascheln der Blätter, Vogelstimmen. Taktil - der Wind auf der Haut, die Temperaturreize. Verschiedene Beschaffenheit des Waldbodens - federnd, nachgebend an matschigen Stellen etc. Dazu eventuell noch andere Menschen, die dort spazierengehen. Für Menschen mit "normaler" Wahrnehmung ist ein Wald total erholsam, bei veränderter Sinneswahrnehmung muss es nicht so sein. Z.B. finden ja auch viele Menschen Meeresrauschen toll entspannend, während es mich einfach nur überreizt.
Nastia hat geschrieben: 17.11.2022, 00:30 Aber wenn ich den ganzen Tag mit ihm zu Hause bin ist er unausgelastet und es ist auch nicht richtig. Hast du einen Tipp welche Tagesinhalte deine Kinder ruhig schlafen lassen/ließen?
Das war echt ein Problem :roll: ! Gerade bei meinem Mittleren, der Autismus und ADHS hat - der Autismus forderte Reizbeschränkung und viel Ruhe, das ADHS und auch seine überdurchschnittliche Intelligenz dagegen ständigen Input. Am Besten funktionierte es, wie Anjali schon schrieb, mit Unternehmungen entlang seiner Interessen. Ich denke, dann kann ein Autist sich auf diesen einen Reiz fokussieren und den Rest ausblenden, eine Art Tunnelblick bekommen. Und ansonsten vermutlich versuchen, nur einen oder wenige Reize auf einmal zu bieten. Eine klare Struktur kann auch helfen, eine Vorhersehbarkeit. Aber ehrlich gesagt kann ich gar nicht mehr so genau sagen, wie ich es damals so gemacht habe, irgendwie habe ich mich durchgewurschtelt :lol: . Alle meine Kinder ließen sich gerne und viel Tragen, ich hatte sie nie im Kinderwagen - beim Großen hatte es allerdings etwas gedauert, bis es mit dem Tragetuch geklappt hat, er hat sich anfangs sehr verspannt. Er war ja auch nie kuschelig, ist uns z.B. nie in die Arme gelaufen, sondern nur dran vorbei. Am Besten hat es mit dem Tragen für uns alle auf dem Rücken geklappt. Das bietet unaufdringliche Nähe, ohne viel kommunizieren zu müssen, die Kinder können so viel gucken, wie sie wollen und sich bei Bedarf ins Tuch zurückziehen als geschützten Raum.

Ich kann gar nicht sagen, wann meine Kinder irgendwann nicht mehr jede Nacht geweckt haben ("Durchschlafen" tut keiner, auch Erwachsene nicht - sie können nur meist problemlos wieder einschlafen und erinnern sich dann nicht mehr), im Alter Deines Sohnes waren auf jeden Fall mehrere nächtliche Unterbrechungen noch normal. Und beim Großen war es auch so, dass er dann oft eine Stunde gebraucht hat, wieder einzuschlafen. Man hätte fast eine Uhr danach stellen können! Er ist übrigens immer noch ein sehr aktiver Schläfer, erzählt nachts viel und schlafwandelt öfter, aber da er schon lange im eigenen Zimmer schläft, stört das höchstens noch im Urlaub  8) .

Mein Mittlerer hat sich übrigens auch etwa in dem Alter zwischen 2 und 3 sehr gegen das Einschlafen gewehrt! Ich weiß noch, wie er schreiend und um sich schlagend neben mir im Dunkeln lag und ich das Gefühl hatte, dass der Schlaf regelrecht als Gewalt über ihn kam, denn eingeschlafen ist er dann doch. Er hat sich in der Zeit auch selbst abgestillt, ich vermute, weil er beim Stillen immer eingeschlafen ist... Sprechen konnte er da noch nicht, aber er hat viel auf seine eigene Art kommuniziert und ein gutes Sprachverständnis gehabt, deshalb haben wir uns darüber gar nicht so viel Sorgen gemacht, nur ab einem Alter von etwa 30 Monaten logopädisch unterstützt. Die Sprache kam dann mit 3 Jahren etwa. Bei den anderen Kindern war Stillen meist das perfekte (Wieder-)Einschlafmittel.

Leider kann ich Dir nicht die perfekte Lösung bieten. Vielleicht helfen meine Erfahrungen ein bisschen - ich hoffe es -, vielleicht auch nicht. Aber eine Gewissheit kann ich bieten, die für alle Kinder gilt: Es bleibt nicht so, wie es ist! Das hilft mir in schwierigen Phasen enorm.

Liebe Grüße!
Hallo Sophie,

ich bin einfach dankbar um den Austausch hier und nehme nichts als Kritik auf, ich will einfach nur meine Gedanken erklären, mich auf neue Gedanken und Ideen einlassen und auch ein Stück weit meine Gefühle, Unsicherheiten und Sorgen hier teilen. Ich danke jedem und jeder, der mich auf etwas aufmerksam macht und daher auch dir.

Du hast recht damit, dass ein Wald überreizend wirken kann. Ich dachte, dass er aber doch etwas weniger reizend ist als die Stadt. Ob es so ist, weiß ich nicht. Wir hatten schon Tage, da kam der Wald super an und wir hatten schon Tage wie den von mir geschilderten. Ich versuche alle Sachen dann trotzdem immer wieder auszuprobieren, da D. mir nicht sagen kann was los ist. Vielleicht war dem Waldtag einfach eine doofe Strumpfhose an. Ich selbst bin jemand, der gar nicht groß raus muss, mir hat daher auch kein Lockdown während Corona etwas ausgemacht. Aber mit meinem Sohn versuche ich mein Stubenhocker-Dasein zu überwinden und das Haus zumindest einmal am Tag länger oder mehrfach kürzer zu verlassen, damit er mal die frische Luft atmet. Ich habe auch das Gefühl, dass er trotz allem gerne draußen ist. Für mich sind die Aktivitäten selbst oft viel Arbeit, kosten sehr viel Energie, weil sie meist schwierig starten, natürlich frustriert es mich dann auch, wenn gar nichts klappt oder nicht mehr klappt, manchmal bin auch aber auch überrascht, dass etwas klappt.

Deine Erklärung bzgl. Bedarf an Ruhe und gleichzeitig Bedarf an Input spricht mir aus der Seele. Genauso empfinde ich es auch. Bisher habe ich noch nichts gefunden, was dem gerecht wird - aber auch ich versuche mich durchzuwurschteln. Vielleicht stolpert man ja doch mal über etwas. Das Tragen auf dem Rücken habe ich auch probiert, jetzt länger nicht mehr, das stimmt. D. möchte auch nicht von mir hochgenommen werden, ich weiß gar nicht wie ich das Kind an mich dranbinden sollte. :)

Die strukturierte Tagesablauf ist auch ein Thema, dem ich mich versuche zu widmen, allerdings sind Schlafzeiten dermaßen schwankend und unvorhersehbar, das dies meist alles durcheinander wirft und wir uns da dann sozusagen jeden Tag mehrfach neu einstellen müssen. An jeden, der Kinder mit Schlafproblemen und zum Teil sehr langen Mittagsschläfchen hatte: habt ihr eure Kinder geweckt nach einer Zeit oder schlafen lassen? Hier bin ich auch hin und her gerissen.

Ich habe D. nach vollen 14. Monaten abgestillt, er ist selten an der Brust eingeschlafen. Eigentlich nur nachts, wenn er aufgewacht ist und sich dadurch wieder beruhigt hat. Dass der Schlaf wie Gewalt über das Kind kommt trifft es hier auch. D. will definitiv nicht schlafen (aber nur nachts, mittags nicht) und fällt eher aus Schwäche in den Schlaf nach stundenlanger Einschlafbegleitung (mindestens 1,5h, egal wann wir ihn ins Bett bringen).

Danke für den Austausch, ich freue mich auf mehr.

LG,
Nastia
Antworten

Zurück zu „Vorstellungsrunde“