Diagnose Hyperkenetische Sozialverhaltensstörung gehört zu ADHS??

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Larissa98
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Diagnose Hyperkenetische Sozialverhaltensstörung gehört zu ADHS??

Beitrag von Larissa98 »

Hallo ihr Lieben,

bei meinem Sohn (7 Jahre, 2. Klasse) hatten wir den Verdacht, dass er ADHS hat. Es sprechen viele Gründe dafür, dass er es hat. Nach Testungen in einer Tagesklinik kam die Diagnose "Hyperkentische Sozialverhaltensstörung".. wir hatte vor einigen Tagen das Befundgespräch.. Ich muss sagen, ich habe bereits eine Familienhilfe, weil mein Sohn zur zeit sehr besonders ist... Das Befundgespräch fand dann mit meiner Familienhilfe und der Jugendamtmitarbeiterin statt... Es ging darum, dass mein Sohn eine 1:1 Schulbegleitung benötigt. Mittlerweile weiß ich, dass wir diesen " 35 a Schein" dafür benötigen. Laut dem Jugendamt wird dies nur für Kinder mit Behinderungen gestattet. Allerdings habe ich selbst mal geschaut und dieser Schein gilt auch für Kinder die eine geistige und/oder seelische Beeinträchtigung haben. In meinen Augen trifft dies auf meinen Sohn zu.. Die Jugendamtmitarbeiterin meint allerdings alles zu machen, dass mein Sohn diese Begleitung nicht bekommen würde, weil die Klassenlehrerin meint er benötige diese nicht.

Kurz dazu: Ich hatte ein Lehrergespräch und dort wurden meiner Familienhilfe und mir erzählt, dass mein Kind eine Schulbegleitung guttun würde, da auch die Lehrer überfordert sind. Zum Jugendamt sagen sie allerdings das ganze Gegenteil. Versteh ich nicht...
Mein Sohn wurde schon 1x von der Schule freigestellt, da er sehr körperlich ist, Lehrer schon angegriffen hat oder andere Kinder auch geschlagen hat. Unter anderem ist er sehr reizoffen und aggressiv, wie ebenso irgendwelche Zuckungen "Spastiken". Dazu folgt auch, dass er im Unterricht nicht mitmacht, nicht stillsitzen kann wie ebenfalls einfach aus dem Unterricht geht und noch andere Dinge.. selbst in der Offenen Ganztagsschule gab es diese Probleme.. Mein Sohn sagt auch öfters, dass in seinem Kopf irgendwas nicht stimmt, dass er deswegen so ist.. Dass es irgendwie so Art "Haken" gibt oder es irgendwie im Kopf "hängt". Er sagt auch öfter, dass sein Gehirn nicht richtig geht..

Das Positive: Meine Nachbarin ist die Leiterin der Offenen Ganztagsschule und kennt diese ganze Problematik schon. Sie hat mir REHAkids vorgeschlagen und vorgeschlagen, ich solle mal nach eine Antrag auf Integrationshilfe suchen.. wir müssen tatsächlich gegen das Jugendamt gehen..
Das alles trägt auch dazu bei, dass ich in meiner Arbeit Probleme habe und ich mich selbst im letzten Jahr der Ausbildung befinde. Ich werde mindestens 1x im Monat, seit 1,5 Jahren von der Schule angerufen, dass immer irgendwas passiert ist und ich ihn dann abholen muss..

Ich brauch dringend Hilfe zum Antrag der Integrationshilfe/Schulbegleitung. Für mich ist das alles Neuland...
Vielleicht kann mir jemand helfen.. wir kommen aus Schleswig-Holstein.. es ist ja vieles gesetzlich überall anders geregelt..
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OptimisticCatharina
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Re: Diagnose Hyperkenetische Sozialverhaltensstörung gehört zu ADHS??

Beitrag von OptimisticCatharina »

Hallo Larissa,

erstmal herzlich Willkommen :)

Was du beschreibst, hätte auch mein Sohn sein können, auch diese ganzen Anrufe. Man sitzt immer auf Kohlen und zuckt bei jedem Anruf zusammen. Ich fühle mit dir.

Ich kann leider zu der rechtlichen Lage nichts beitragen, aber wollte kurz nach den Zuckungen/Spastiken fragen. Meinst du eine Tic-Störung?
Wenn ich es richtig verstehe, ist eine "Hyperkinetische Störung" "ADHS plus sozial extra schwierig", oder? Ist unterstützend eine (ggf. medikamentöse) Behandlung geplant?

Viele Grüße
Catharina
Sohn, 2010: ADHS, Tics, impulsiv/aggressiv (alles gut im Griff mit Intuniv)
Tochter, 2008: ADS, sehr emotional/labil (gut mit Agakalin)
Tochter, 2010: nix
Sophie-11
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Re: Diagnose Hyperkenetische Sozialverhaltensstörung gehört zu ADHS??

Beitrag von Sophie-11 »

Hallo,

was Ihr braucht, ist eine Maßnahme der Eingliederungshilfe nach §35a SGB VIII (achtes Sozialgesetzbuch). Dabei handelt es sich um Bundesrecht, sollte also überall gleich gelten (auch wenn glaube ich Hamburg spezielle Regelungen hat?). Das entsprechende Gesetz findest Du hier.

Ich versuche mal, es ein bisschen aufzudröseln. Das Gesetz gilt für Kinder und Jugendliche mit einer sogenannten "seelischen Behinderung". Dabei handelt es sich nicht um eine medizinische Definition, sondern es wird vom Sachbearbeiter des Jugendamtes eine sozialpädagogische Diagnostik gemacht, die die Bedrohung der Teilhabe des Kindes prüft. Das kann man noch genauer aufdröseln, ich will mich aber erstmal kurz halten :wink: .

Um die Berechtigung nachzuweisen, braucht es ein medizinisches Gutachten, das idealerweise (das ist jetzt Gesetzesauslegung) eine Diagnose nach ICD-10 oder -11 mit der sogenannten "multiaxialen Klassifikation" enthält. Wenn das auf Eurem Befund draufsteht, habt Ihr alles, was Ihr braucht, denn eine Diagnose habt ihr ja, die weder eine geistige noch eine körperliche Behinderung betrifft. Wenn es nicht draufsteht, solltet Ihr eine anfordern - auf Kosten des Jugendamtes möglich :wink: . Hilfreich ist natürlich, wenn dort eine Schulbegleitung empfohlen wird.

Den Antrag könnt Ihr formlos stellen, manche Jugendämter haben auch Formulare, die sind aber nicht Pflicht! Musteranträge kannst Du im Netz finden. Wenn Ihr einen Befund habt, legt ihn gleich dazu, dann geht es schneller. Das JA wird Euch aber mitteilen, was sie noch brauchen. Wichtig: Immer alles schriftlich machen, und auf schriftliche Angaben bestehen! Die Erfahrung lehrt, dass Jugendämter viel erzählen, wenn der Tag lang ist - schriftlich sieht das dann schon anders aus.

Im Rahmen der Diagnostik wird das JA dann auch einen Schulbericht anfordern. Hier kannst Du nochmal ins Gespräch mit der Schule gehen, damit der Bericht in Eurem Sinne ausfällt. Ob die Schule dem JA tatsächlich gesagt hat, eine Schulbegleitung sei nicht nötig, kann man in Frage stellen - s.o.

Zum Ablauf des Verfahrens verweise ich gerne auf folgende Handreichung - ist zwar von den NRW-Landesjugendämtern erstellt, aber es handelt sich ja um Bundesgesetz, also durchaus übertragbar. Es ist zwar in Amtssprache gehalten, bietet aber einen guten Überblick über die Schritte und Kriterien, die Jugendämter so anlegen und kann dazu dienen, erfundene Aussagen von Jugendamtsmitarbeitern zu entlarven.

Eure nächsten Schritte sind also erstmal auf jeden Fall den Antrag schriftlich stellen! Und wenn sich weitere Fragen ergeben, gerne hier nachfragen.

LG!
der Große *12/2007 (eher Spektrumsnah)
der Mittlere *09/2010 (ASS, ADHS, Grenzgänger)
die Kleine *02/2014 (Asperger)
Nuria
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Re: Diagnose Hyperkenetische Sozialverhaltensstörung gehört zu ADHS??

Beitrag von Nuria »

Hallo Larissa,
Mein Jüngster hat diese Diagnose auch.
Es ist anstrengend. Seit er das Medikament Intuniv erhält - nach einigen Fehlschlägen mit Ritalin und Co- kann er sich etwas besser regulieren, auch das Buch über herausfordendes Verhalten von B.H.Elven hat uns sehr weitergeholfen.
Uns wurde im SPZ geraten Pflegegrad und Schwerbehindertenausweis zu beantragen, das hat er auch bekommen, wobei bei ihm noch weitere Diagnosen dazu kommen (Zustand nach Extremfrühgeburt, Alkoholspektrumsstörung).Gerade die Pflegestufe verschafft dir finanziell etwas Spielraum, lass mal einen im Internet frei verfügbaren Pflegegradrechner für Kinder durchlaufen.
L. braucht und hat mittlerweile eine vollumfängliche Schulbegleitung, deren Finanzierung sehr schwierig zu bekommen war und noch immer nicht abschließen geklärt ist (allerdings im in der Tat "besonderen" Hamburg, weshalb ich dir schlecht was raten kann).
Alles Gute die und deinem kleinen Wildfang
Nuria mit drei Kindern:
J.(m) geb.1995
A.(w) geb.2001, Pflegekind, V.a.FAS, leichte geistige Behinderung
L.(m) geb.2014, Pflegekind, Frühchen 24.SSW, FASD
Larissa98
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Re: Diagnose Hyperkenetische Sozialverhaltensstörung gehört zu ADHS??

Beitrag von Larissa98 »

Danke für diese ganzen Tipps!

Leider weiß ich auch nicht genau, ob diese Diagnose zum ADHS gehört. ..

Diese Zuckungen/Spasticken bei meine Sohn zeichnen sich durch gewisse Zuckungen im Gesicht aus (Augen zusammenkneifen) unter anderem schlägt er sich selbst gegen den Kopf und das nicht mit wenig Kraft.
Man muss sagen, mein Kind verletzt sich tatsächlich selbst, aber merkt es nicht. Gottseidank war es bisher nie blutug.

Den Bericht bekommen wir erst noch. Ich hoffe tatsächlich, dass es noch im November was wird ..

Medikamente bekommt mein Sohn nicht, weil er nicht so eine "krasse" Diagnose bekommen hat...

Es gibt Wochen, da läuft das alles ohne Probleme und dann kommen einige Wochen da ist dann die Hölle heiss. Ich hatte auch schon ein Anruf vom Direktor der Schule. Ich musste den erstmal aufklären, weil die Kommunikation in der Schule nicht optimal läuft
ThorstenK
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Re: Diagnose Hyperkenetische Sozialverhaltensstörung gehört zu ADHS??

Beitrag von ThorstenK »

Wenn dir das Verfahren wörtlich mit "35 a Schein" erklärt wurde, dann ist diejenige Person nicht wirklich an deiner Aufklärung interessiert oder weiß es selbst nicht besser. Das ist schon eine seltsame Erklärung.
Es ist nicht wichtig, ob die derzeitigen Diagnosen ausreichen um die Voraussetzungen für Leistungen der Eingliederungshilfe zu erfüllen. Wenn das Jugendamt meint, es genügt nicht, dann muss die Behörde ein Gutachten in Auftrag geben. Wie schon gesagt wurde, ist jetzt wichtig einen schriftlichen Antrag zu stellen. Das geht ganz einfach. Auflisten welche Leistung man haben möchte und eine Begründung dazu, die du schon in der Eingangsfrage beschrieben hast. Man muss auch keine Paragraphen angeben.
Nuria
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Re: Diagnose Hyperkenetische Sozialverhaltensstörung gehört zu ADHS??

Beitrag von Nuria »

Ja, es ist eine Form des ADHS, in Kombination mit deutlich oppositionellem Verhalten, Wutanfällen und u.a. anderen Verhaltensstörungen wie fremd-und selbstgefärdendes Verhalten,
Zündeln, Stehlen, Weglaufen (yeah Meiner!).
Insofern kann eine Behandlung mit ADHS Medikamenten sinnvoll sein.
Und wenn das Kind schon von der Schule ausgeschlossen wird, würde ich wirklich drüber nachdenken.
Nuria mit drei Kindern:
J.(m) geb.1995
A.(w) geb.2001, Pflegekind, V.a.FAS, leichte geistige Behinderung
L.(m) geb.2014, Pflegekind, Frühchen 24.SSW, FASD
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