Nur ziemlich schlau, hochbegabt oder doch etwas mehr?

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Melihcanim
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Re: Nur ziemlich schlau, hochbegabt oder doch etwas mehr?

Beitrag von Melihcanim »

@Bika

Hallo Bika,

danke für deine Rückmeldung und deine recht selbstbewusste und reflektierte Haltung zu diesem Thema. Grds gehöre auch ich (im Gegensatz zu meinem Mann) eher zu der Partie die sehr aufpasst gerade dieses Thema nicht vor meinem Sohn zu besprechen aber dein Beitrag hat mich doch zum Nachdenken angeregt.

LG
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Lisa Maier
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Re: Nur ziemlich schlau, hochbegabt oder doch etwas mehr?

Beitrag von Lisa Maier »

Hallo Melicanim,

ich glaube, Du mußt Dir im Moment noch keine Sorgen machen, daß er arrogant oder eingebildet wird. Was Du über ihn schreibst, klingt sehr sympathisch.

Viele Grüße

Lisa
Lisaneu
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Re: Nur ziemlich schlau, hochbegabt oder doch etwas mehr?

Beitrag von Lisaneu »

Lisa Maier hat geschrieben: 27.10.2022, 12:45 Warum man ein Kind, das derzeit keine Probleme mit seiner kognitiven Begabung hat, damit belasten soll, ist mir ein Rätsel. Man kann doch auch so schauen, was für das Kind interessant ist und ihm das entsprechende Material besorgen. Ob es zu Problemen kommt und eine wirklich spezielle Förderung braucht, vielleicht sogar eine spezielle Schule, oder es zu denen gehört, die es wie mein Bekannter in der Schule einfach leicht haben und die gesparte Lernzeit in die eigenen Interessen investieren können, wird die Zeit lehren.
Ich frage mich, wie man ein 4jähriges Kind überhaupt mit seiner kognitiven Begabung belasten KANN.

Bin ja selbst HB und meine Eltern haben mich rückblickend (leider) damit belastet, mir das zu verschweigen. Sie selbst wussten es seit meinem Einschulungstest, wo ich (als eine der Jüngsten) das beste Ergebnis von 90 Kindern hatte. Mir gegenüber wurde es aber NIE erwähnt.

Als ich mit 15 einen Selbsttest aus einem Buch gemacht habe, wo man den IQ ausrechnen konnte, war ich total erstaunt und verwirrt. Und dann war ich ziemlich sauer auf meine Eltern, als die dann meinten, das wüssten sie eh schon lang. Jahrelang war mir nicht klar gewesen, warum meine Klassenkameraden mit vielen Stunden täglichen Lernens dieselben Noten geschrieben haben wie ich ohne jeglichen Lernaufwand. Ich verstand nicht, warum Gleichaltrige kompliziertere Spielregeln (bei Brettspielen) nicht verstanden haben, habe mich gefragt, wie es das überhaupt geben kann, dass man auf einem Test oder eine Schularbeit eine 5 schreibt…

Und dann, als ich „es“ endlich wusste, passierte genau das, was meine Eltern mit ihrem Verschweigen verhindern hatten wollen: ich bildete mir ein, all meine Probleme würden daraus resultieren, dass mir die anderen Kinder bzw. Jugendlichen so haushoch unterlegen sind. Das hat meine ohnehin schon bestehenden Schwierigkeiten im sozial–emotionalen Bereich (auf Grund nicht erkannter ADHS) noch mal verstärkt.

Meinem sehr klugen 4jährigen älteren Sohn habe ich daher sehr wohl gesagt, dass er logische Zusammenhänge einfach schneller begreift aus viele Gleichaltrige, dafür aber andere besser Füßball spielen können. Meinem anderen Sohn habe ich mit 4 Jahren zu erklären begonnen, dass er nichts hört (davor war er vom Verständnis her noch nicht so weit). Da konnte ich auch nicht sagen „Warten wir mal ab, bis er selber draufkommt, vielleicht hat er eh nie Probleme damit“.

Und später habe ichh meinen Kinder erklärt, dass sie Autismus haben und daher die Welt um sich herum anders wahrnehmen als die meisten Menschen. Dass mein älterer Sohn daher z.B. Schwierigkeiten in einer lauten, unbekannten Umgebung hat oder mein jüngerer Sohn wegen vermeintlicher „Kleinigkeiten“ sehr. wütend werden kann (Meltdowns). Meine Kinder wissen genauso von mir, dass ich sehr leicht auswendig lerne, mir aber im Alltag alles aufschreiben muss, weil ich sonst so viel vergesse.

BELASTEND ist es nur, zu merken dass man „anders“ ist, ohne darüber reden zu können oder die Hintergründe (kindgerecht) erklärt zu bekommen.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama ADHS (mit 49 diagnostiziert)
OptimisticCatharina
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Re: Nur ziemlich schlau, hochbegabt oder doch etwas mehr?

Beitrag von OptimisticCatharina »

Hallo Melihcanim,

du hattest wegen der Tics gefragt, weil dein Sohn sich öfter am Hals kratzt. Also bei unserem Sohn gab es Tics seit dem Kita-Alter: Räuspern, Kopf neigen, Zwinkern, Hm-Hm sagen, mit dem Finger über die Nase streichen,... Das wechselte alle paar Wochen und war mal mehr, mal weniger auffällig. Das geht bei ihm aber mit ADHS einher und einer Impulskontroll-Störung. Ob es nahgewiesene Zusammenhänge mit einer Hochbegabung gibt, weiß ich nicht.

Wir sind das Thema vor ein paar Monaten angegangen, nachdem die Kinderpsychologin sagte, das sei schon sehr auffällig. Er bekommt ein ADHS-Medikament, was gut wirkt und gleichzeitig die Tics auf ein absolutes Minimum reduziert hat.

Ich würde an eurer Stelle aber erstmal abwarten. Auszug aus https://www.neurologen-und-psychiater-i ... gehend-auf:
"Vorübergehende, leichter ausgeprägte Tics treten bei bis zu 15% der Grundschulkinder auf."
Geht also vermutlich einfach wieder weg. :)

Viele Grüße
Catharina
Sohn, 2010: ADHS, Tics, impulsiv/aggressiv (alles gut im Griff mit Intuniv)
Tochter, 2008: ADS, sehr emotional (in Arbeit mit Agakalin + Kinecteen)
Tochter, 2010: nix
johannaplusdrei
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Re: Nur ziemlich schlau, hochbegabt oder doch etwas mehr?

Beitrag von johannaplusdrei »

Hallo..
ich möchte mich hier anderen anschließen und empfehlen, seine (sehr) hohe Intelligenz ihm gegenüber durchaus zu thematisieren, aber zwei Sachen dabei zu vermeiden: Zum einen eine starke Wertung in die eine oder andere Richtung, und zum anderen diese eine Andersartigkeit zum Dreh- und Angelpunkt seiner Persönlichkeit zu machen. Erstmal ist hohe Intelligenz doch eine gute Nachricht, das kann ihm und anderen sehr nützlich sein! Und, ehrlich gesagt, sehe ich jetzt nicht eure vordringlichste Aufgabe darin, Eingebildetheit oder Arroganz zu vermeiden, es klingt einfach nicht so, als wäre das bei eurem Kind oder euch eine große Gefahr ;).
Zu der Frage, inwiefern Autismus und Hochbegabung ähnlich aussehen können: Bei Autismus gibt es ja häufig Spezialinteressen, und vermutlich kann diese intensive Beschäftigung mit einem eng umrissenen Thema ähnlich aussehen wie die "wissenschaftliche" Auseinandersetzung mit einem Thema, die sich bei hoher Intelligenz ergibt. Und der rationale Zugang zum Sozialen und Emotionalen ist bei Hochbegabten eine Folge des intellektuellen Drangs, auch in diesem Bereich Regeln, Gesetzmäßigkeiten, kulturelle Unterschiede festzustellen, während Autistinnen das machen MÜSSEN, weil ihnen der intuitive Zugang teilweise versperrt ist. Das kann dann nach außen ähnlich (kühl) wirken. So zumindest hab ich mir das zusammengereimt.
Ich weiß nicht mehr, wer das Bild von Autismus als einem Strauß von Symptomen gebraucht hat, finde das aber sehr treffend, und finde das nicht in deiner Beschreibung deines Kindes wieder. Und, wie andere schon gesagt haben: Vor dem 6. Geburtstag ist alles noch so sehr im Fluß, da macht es keinen Sinn, irgendwas diagnostizieren zu wollen. Eine gute Zeit euch! Lg.
Johanna mit Elisa (shuntversorgter Hydrocephalus nach Hirnblutung im Mutterleib, Kleinhirnhypoplasie, Syrinx, spastische Hemiparese links, armbetont) und Zwillingsschwester M. und großem Bruder R. (soweit beide fit)
Melihcanim
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Re: Nur ziemlich schlau, hochbegabt oder doch etwas mehr?

Beitrag von Melihcanim »

@OptimisticCatharina:

Hallo Catharina,

Mit "Halskratzen" meinte ich "Räuspern" eigentlich 🙈. (Halskratzen wäre wohl doch ein mega anstrengender und schmerzhafter Tick 😄). Übrigens hat mein Sohn mit 2 Jahren auch Mal ne Zeit dieses "Zwinkern" gehabt, ging jedoch nach wenigen Wochen weg. Es freut mich sehr, dass das Medikament so gut wirkt bei deinem Sohn.

Danke für den Link.

LG und Alles Gute deiner bunten Familienbande 🦋
Melihcanim
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Re: Nur ziemlich schlau, hochbegabt oder doch etwas mehr?

Beitrag von Melihcanim »

@johannaplusdrei:

Hallo Johanna,

ganz lieben Dank für die Erläuterung zu deiner Sicht zum Thema "es ihm sagen oder nicht". Wie bereits gesagt hatte ich diesbezüglich bereits eine festgefahrene Meinung aber seit gestern habe ich diese überdacht.

Im Grunde verwehre ich Ihm damit eine elementare Wahrheit die ihn ohnehin sein lebenlang begleiten wird. Und möglicherweise rührt sein Bestreben nach Anpassung zu Gleichaltrigen daher, dass er im Grunde schon seine Andersartigkeit spürt und dies für sich möglicherweise negativ auslegt, weil wir nie mit ihm offen gesprochen haben. 😔

Auch tausend Dank zu deinen Gedanken bezüglich "wissensch Auseinandersetzung mit Emotionen" (sehr interessant und aufschlussreich).

LG
Lisaneu
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Re: Nur ziemlich schlau, hochbegabt oder doch etwas mehr?

Beitrag von Lisaneu »

Hallo Melihcanim!

Wie schon geschrieben halte ich es für wichtig, offen mit den eigenen Kindern über die Bereiche zu reden, wo sie "anders" sind, weil sie das ohnehin selbst merken und ohne kindgerechte Erklärung leicht den "Fehler" bei sich selbst suchen.

Mein älterer Sohn hat sich im Kindergarten auch "nach unten" angepasst. Während er mit 3 Jahren und 9 Monaten schon ganze Sätze nach Gehör geschrieben hat, und das auch im Kindergarten gezeigt hat, hat niemand mehr bemerkt, als er flüssig sinnerfassend lesen konnte. Einmal kam eine Kindergärtnerin mit einem Buch mit verschiedenen Tierspuren zu den Kindern und hat gefragt, von welchem Tier diese Spuren stammen könnten. Mein Sohn wusste auf Anhieb alle richtigen Antworten - kein Wunder, denn sie standen daneben! Als ich meinen Sohn an diesem Tag abgeholt habe fragte mich die Kindergärtnerin, ob er schon lesen könne. Ich habe erstaunt bejaht, denn das war schon einige Monate lang so. Ich war mir sicher gewesen, dass es im Kindergarten aufgefallen ist. Tatsächlich aber hat mein Sohn es dort eben nicht gezeigt.

Als mein Sohn zwei Jahre alt war, hat er auf die Frage, wie alt er sei, geantwortet "Noch bin ich 2 Jahre alt, aber am 3.3. werde ich 3 Jahre alt!". Hat man ihn mit 5 Jahren nach seinem Alter gefragt, hat er fünf Finger in die Luft gestreckt, wie er das von den anderen Kindergartenkindern gesehen hat. Diese Anpassung passierte automatisch und ohne Druck von irgendeiner Seite. Er hat (trotz damals noch nicht erkanntem Autismus und ADHS!) auf Grund seiner kognitiven Fitness gewusst, welches Verhalten von Kindern seines Alters erwartet wurde.

Bei der Beschreibung deines Sohnes fällt mir (wie schon in meinen vorigen Beiträgen geschrieben) erst mal nichts auf, was auf Autismus oder ADHS hindeutet. Wenn dein Kind dennoch was davon haben sollte, wird das erst im Laufe der nächsten Jahre auffällig. Solange weder beim Kind noch bei der Umgebung Leidensdruck besteht, braucht da wirklich NICHTS gemacht werden. Das wäre, wie sich zu kratzen, bevor es anfängt zu jucken ;-).
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama ADHS (mit 49 diagnostiziert)
Melihcanim
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Re: Nur ziemlich schlau, hochbegabt oder doch etwas mehr?

Beitrag von Melihcanim »

Hallo Lisaneu,

gerade deine Geschichte als Selbstbetroffene möchte ich mir zu Herzen nehmen. Denn letzendlich sagst du rückblickend, dass es dir lieber gewesen wäre, wenn man es dir offen gesagt hätte.

Trotzdem tu ich mir schwer, wie man sowas kindgerecht sagen kann, vor allem auf eine Art und Weise in der dem Kind vermittelt wird, dass jedes einzelne Individuum seine eigenen Stärken und auch Schwächen hat und diese eine Stärke nur eine einzige Facette ist und seine Person unzählige Facetten besitzt.

Danke nochmal fürs Erzählen dürfen und eure wertvollen Tipps und Ratschläge.

LG
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MajaJo
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Re: Nur ziemlich schlau, hochbegabt oder doch etwas mehr?

Beitrag von MajaJo »

Hallo,

ich glaube, auch hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Mein ältester Sohn ist hochbegabt. Er konnte mit vier Jahren lesen schreiben und rechnen und würde mit gerade fünf Jahren eingeschult. Dort gab es dann kurzzeitig Probleme mit Bauchschmerzen und Schulverweigerung. Er wurde dann in einer schulpsychologischen Beratungsstelle getestet, wobei die Hochbegabung diagnostiziert wurde. Vorschlag war, ihn noch einmal springen zu lassen. Das kam für uns nicht in Frage. Zum Glück konnte er sich damals schon gut mitteilen. Die Lehrerin hatte ihm immer Sonderaufgaben gegeben, er wollte aber gar nicht auffallen. Schweren Herzens hat die Lehrerin dann darauf verzichtet. Nach einem Umzug haben wir gar nichts mehr von der Hochbegabung erwähnt. Ihm gegenüber auch nicht. Er ist ohne jegliche Probleme durch die Schulzeit gekommen, hat dann was "nerdiges" studiert und sehr ähnliche Menschen kennengelernt. Jetzt hat er einen nerdigen Job und ist sehr erfolgreich. Außerdem ist er unglaublich sozial.

Liebe Grüße

Maja
Maja m. Jo (*10), homozyg. FLG-Mutation, Skoliose, V. a. ASS, GdB 70 H, PG 2, Sternenenkel (3/18 - 5/18)
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