Lottas Familie auf der Suche nach Unterstützung/Hilfe

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Lotta&Leben
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Lottas Familie auf der Suche nach Unterstützung/Hilfe

Beitrag von Lotta&Leben »

Hallo in die Runde,

Nach langem stillem Mitlesen wurde es längst Zeit sich hier anzumelden und vorzustellen.

Wir das sind Emma (Lottas Mama) also ich mein Mann Lukasz und eben Lotta. Wir kommen aus dem schönen Ruhrgebiet.

Lotta ist schon 16 Jahre alt. Neben den Diagnosen ADHS gibt's nur so kleinere Nebendiagnosen.

Lotta hat das Vollbild. Die Ärzte die sie diagnostiziert hatten, haben gesagt wenn man im Duden nachschlagen würde, müsste das eigentlich ein Bild von Lotta sein.

Es lief eigentlich alles so weit ganz gut. Sie kam in der Schule mit, hatte wechselnde Freundinnen. Das finden von Freundschaften und das Pflegen / halten von Freundschaften ist sehr schwierig.
Sie hatte Hobbys.

Aber seit das Jugendamt aufgrund der ziemlich guten Noten die Integrationsassistenz eingestellt hat, geht's steil bergab.

Schulbesuch sehr sporadisch. Sie ist ständig müde. Hilfsangebote lehnt sie komplett ab. Wir waren bei unterschiedlichen Ärzten/Therapeuten. Aufgrund von mangelnder Kooperation wurde immer die Anforderung gestellt, dass sie Termine vereinbart. trotz Erinnerung, tut sie das nicht.

Wir waren in einer KJP Uni Klinik. Die schlugen uns eine Tagesklinik vor. Vorstellung Januar nächstes Jahr. und dann ist da noch eine ganz lange Warteliste.

Mittlerweile sucht das JA wieder eine Integrationskraft. Bisher ohne Erfolg.

Sie lebt nur in den Tag hinein. Einfache Anforderungen funktionieren nicht. Z.b. duschen gehen, schmutzige wäsche in den wäschekorb, Schulranzen packen. Etc.

Ich telefoniere mich dumm und dämlich ( Entschuldigung aber es ist wirklich so)
Die behandelnde Psychologin sagt so lange sie sich nichts oder anderen an tut muss man sich keine Sorgen machen.

Aber die machen wir uns. Sie kann nicht sagen, warum sie Dinge nicht schafft. Sie kann nicht sagen, warum sie nicht in die Schule möchte. Sie will nicht. Und Hilfe bekommt sie auch keine.
Wir gehen davon aus, das niemand uns glaubt, dass es so schlecht läuft, weil Lotta das ja nicht selber sagt.

Tabletten haben wir probiert. Aber die lehnt sie zurzeit ab.


Und jetzt wissen wir nicht weiter. Ist ja alles nicht so schlimm, wenn man den ärzten glaubt.

Habt ihr vielleicht eine Idee ?

Danke für die Aufmerksamkeit!

Tschüsskes
Emma
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Angela77
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Re: Lottas Familie auf der Suche nach Unterstützung/Hilfe

Beitrag von Angela77 »

Hallo Emma,

spontan könnte man daran denken, dass deine Tochter eine komorbide Depression entwickelt hat.
Welche Tabletten lehnt sie denn ab? Stimulanzien oder Antidepressiva?
Falls Depressionen im Spiel sind, könnte es auch hilfreich sein, sich mit anderen Jugendlichen auszutauschen, die ebenfalls Depressionen haben oder eine Peergrup-Beratungen in Anspruch nehmen.
Oft können sich Menschen bei der ersten depressiven Episode nicht vorstellen, dass es einmal wieder besser werden könnte und sie lehnen daher Medikamente oder ähnliche Hilfsangebote ab.
Ich unterrichte an einer Berufsfachsschule unter anderem auch die Themen, die unter das Thema Psychische Gesundheit fallen und versuche mal, im ersten Zugriff dir eine You Tube Reportage zu verlinken, die vielleicht hilfreich sein könnte.
Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)
Angela77
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Re: Lottas Familie auf der Suche nach Unterstützung/Hilfe

Beitrag von Angela77 »

Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
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Lotta&Leben
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Re: Lottas Familie auf der Suche nach Unterstützung/Hilfe

Beitrag von Lotta&Leben »

Hallo Angie,

Vielen Dank! Das schaue ich mir an.

Wir wissen nicht ob das eine Depression etc. Ist.

Sie lehnt alle ADHS Medikamente ab (kinecteen, Ritalin etc).

Lotta hat einen KJP Mal gefragt ob es eine Depression sein könnte, das würde allerdings verneint. Wobei es nur ein Gespräch gab.
Okay ich bin totaler Laie uns weiß nicht wie man eine Depression diagnostiziert. Vielleicht kann man das mit einem Gespräch feststellen.

Dankeschön!
Sophie-11
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Re: Lottas Familie auf der Suche nach Unterstützung/Hilfe

Beitrag von Sophie-11 »

Hallo und herzlich Willkommen!

Ein bisschen kann ich Dir nachfühlen, wie es Dir gehen muss, denn mit meinem Sohn ist es ein bisschen ähnlich, nur bei Weitem nicht so extrem. Das finde ich schon schwierig genug mitzuerleben. Leider kann ich Dir keinen guten Rat geben :( . Nach Depression zu schauen ist aber bestimmt nicht falsch.

Auf dieser Seite findet sich ein guter Erklärtext zum Phänomen der exekutiven Dysfunktion, mit der sich viele ADHSler herumschlagen. Vielleicht findet sie sich da auch ein bisschen wieder?

Alles Gute!
der Große *12/2007 (eher Spektrumsnah)
der Mittlere *09/2010 (ASS, ADHS, Grenzgänger)
die Kleine *02/2014 (Asperger)
Lotta&Leben
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Re: Lottas Familie auf der Suche nach Unterstützung/Hilfe

Beitrag von Lotta&Leben »

Tachchen Sophie,

Dankeschön!

Aber du hast uns doch einen gut Rat gegeben ? Oder liege ich da falsch ?

Wir waren bei so vielen Ärzten/ Therapeuten. Wir haben auch wirklich viel gelesen. Aber auf die Dysfunktion bin ich noch nicht gestossen.

Ärzte sagten sowas wie Depressionen verlaufen ja anders im Teenageralter.
Das Verhalten sei eben auch in der Pubertät durchaus normal.


Also vielen Dank!

Mal sehen ob sie sich da drin wiederfindet. Und ob ich sie so weit bekomme.

Tschüsskes!
Lotta&Leben
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Re: Lottas Familie auf der Suche nach Unterstützung/Hilfe

Beitrag von Lotta&Leben »

Guten Morgen,

Mir ist leider aufgefallen, dass ich etwas vergessen haben.

Immer wenn irgendwas anders ist bei unserem Kind, ist es ganz bestimmt eine schlimme Krankheit.

Sie fühlt sich komisch. Fragt dann ob es davon sein kann dass sie einen Fliegenpilz gegessen hat. Wir waren mit dem Hund spazieren und haben einen Fliegenpilz gesehen. Niemand hat den Pilz angefasst . Wir erklären dann genau das. Du hast den Pilz nur gesehen. Etc.

Dann kommen so Fragen, stirbt man wenn man verdorbenes Essen isst ?
Ich glaube ich habe Shampoo in den Mund bekommen. Jetzt ist das schlimm.
Ich glaube das essen war schlecht, jetzt sterbe ich.
Ich hab Atemnot. Das ist bestimmt Asthma.
Vielleicht habe ich unbewusst was zu mir genommen, was nicht gut war.

Wenn es Mal einen Splitter gibt, ist sie tagelang damit beschäftigt. Obwohl der Splitter entfernt wurde. Da ist noch was drin.
Wenn wir in Wald spazieren waren müssen wir immer alles nach Zecken absuchen.
Wenn es Nachrichten gibt. Z.B. die Nosferatu Spinne z.b. dann ist das für unser Kind hochproblematisch. Es beschäftigt sie Tage- bzw. Wochenlang. Die hat mich gebissen etc.
Wenn sie z.b. ein Video auf tiktok sieht, hat sie oft Angst. (Atom Krieg z.b.)
Die Aufzählung kann ich beliebig weiterführen.

Wir sprechen dann über alles. Aber es lässt sie nur schwer los. Und wenn sie dann vom Thema los lässt, kommt das nächste Thema.
Wir sind damit immer ziemlich lange beschäftigt.
Wir nehmen ihre Sorgen ernst und versuchen das in vielen Gesprächen zu klären.

Kommt sowas jemanden bekannt vor ?

Tschüsskes
Anni7
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Re: Lottas Familie auf der Suche nach Unterstützung/Hilfe

Beitrag von Anni7 »

Hallo Emma,

zunächst mal: Du wirst es nicht gerne hören, aber das, was du beschreibst erinnert mich sehr an mich selbst in meiner Jugendzeit. Und die war, rückblickend betrachtet, sowohl für mich als auch meine Angehörigen ziemlich beschissen. Aber es ging auch wieder bergauf, auch wenn die Talfahrt für uns alle sehr nervenaufreibend war.

Ich picke mir mal ein paar Stellen aus deinem Text raus, zu denen ich halbwegs fundiert, also aus der Innensicht einer ADHS-Erkrankten etwas sagen kann.

“Es lief eigentlich alles so weit ganz gut. Sie kam in der Schule mit, hatte wechselnde Freundinnen.”
Frage 1: Wie gut ist gut? Gerade im Bezug auf die wechselnden Freundinnen innerhalb einer engen Peergroup (vermutlich Schule?) würde ich kritisch hinterfragen, ob Lotta tatsächlich richtige Freundschaften führt, oder sich immer mal an bestimmte Personen “ranhängt” im Sinne von sie geht da mit, weil allein sein eben auch doof ist. Kann sie einen Auslöser dafür benennen, warum die Freundschaften in die Brüche gehen?

“Das finden von Freundschaften und das Pflegen / halten von Freundschaften ist sehr schwierig.”
Das ist gerade für Jugendliche mit ADHS ganz typisch. Neue Leute näher kennenzulernen ist spannend, macht platt gesagt viel Dopamin im Gehirn und das ist genau das, was dem ADHSler fehlt. Entsprechend groß ist dann auch die Motivation weiter Zeit mit diesen Menschen zu verbringen - bis Spannung und Dopaminausschüttung abfallen. Danach wird Freundschaften halten und alles, was dazu gehört wie sich regelmäßig melden, auf Nachrichten antworten, den anderen unterstützen oft als sehr anstrengend empfunden.

“Aber seit das Jugendamt aufgrund der ziemlich guten Noten die Integrationsassistenz eingestellt hat, geht's steil bergab.”
Klingt für mich erstmal sehr nachvollziehbar, denn die Assistenz sorgt für das, was viele ADHSler mühevoll in einer Ergotherapie lernen müssen - Struktur- und Zeitmanagement. Lotta ist offensichtlich schlau, der Schulstoff bereitet keine Probleme. Es ist die Unfähigkeit den Stoff selbst und strukturiert zu erarbeiten, genau das würde ich dem Kostenträger auch so formulieren. Das Kind hat kein Verständnisproblem, das Kind hat ein Problem damit sich selbst eine Arbeitssituation zu schaffen, in der es verstehen kann. Das Problem wird (ohne Therapie und medikamentöse Einstellung) in der Regel mit höherer Klassenstufe immer größer, weil die Freiarbeitsphasen länger und die Eigenverantwortung der Schüler größer werden.

“Schulbesuch sehr sporadisch. Sie ist ständig müde.”
Das klingt 1:1 nach mir im Jugendalter. Gerade bei dieser Müdigkeit würde ich ansetzen. Viele Menschen mit ADHS, die keine Medikation bekommen, kennen den Unterschied zwischen müde/total erschöpft und entspannt sein nicht. Wenn in der eigenen Wahrnehmung alles das gleiche ist und den Eltern gegenüber so kommuniziert wird, denken die das Kind hat keinen Bock. Tatsächlich ist das Kinder aber in Not, weil es eben nur den Zustand der inneren Anspannung (häufig mit der Suche nach neuem sensorischen Input) und Zusammenreißen (um nicht negativ aufzufallen) gibt, oder den Zustand der absoluten Erschöpfung. In diesem Zustand ist oft die innere Anspannung weg und ADHS-Patienten definieren das als “entspann”. Bis sie lernen, dass entspannt nicht bedeutet, dass keine Kraft mehr da ist um auch nur bis zum Kühlschrank zu gehen. Wenn es ihr nach jedem Schultag so geht, wenn sie quasi immer über ihre eigene Leistungsgrenzen gehen muss, kann ich verstehen, dass sie da nicht hingeht. (Und hätte das in dem Alter gern selbst so kommunizieren können wie heute.)

“Wir waren bei unterschiedlichen Ärzten/Therapeuten. Aufgrund von mangelnder Kooperation wurde immer die Anforderung gestellt, dass sie Termine vereinbart. trotz Erinnerung, tut sie das nicht.”

So unfassbar das klingt: Ich würde vermuten, dass Lotta diese Termine wirklich nicht vereinbaren kann. Das sind typische Tätigkeiten, die vielen Menschen mit ADHS schwerfallen. Ich habe mir sowas in mehreren Jahren Therapie mühsam aneignen müssen - trotzdem brauche ich einmal die Woche die Hilfe meines Partners, der mich bei der Organisation meiner Post unterstützt. Damit will ich sagen: Sie macht das nicht absichtlich, auch wenn es aus Elternsicht natürlich unheimlich frustrierend und ermüdend sein muss.
Meine nächste Überlegung zur Ablehnung von Therapie ist, ob Lotta den Eindruck hat sie würde dort hin geschickt, damit man ihre Defizite “korrigiert”? Dass sie anders ist als andere, wird sie ja merken. Sie wird auch merken, dass ihr viele Dinge im Alltag schwerfallen, die andere scheinbar so nebenbei erledigen. Das greift das Selbstbild eines Teenagers ganz massiv an, in Kombination mit dem ständigen Gefühle Dinge nicht zu schaffen, entsteht schnell der Gedanke man sei dumm, oder gebe sich einfach nicht genug Mühe. Vielleicht hat euer Kind genau davor Angst, dass sie mit ihrer eigenen “Unzulänglichkeit” konfrontiert wird. Das ist nämlich deutlich unbequemer als sich trotz Leidensdruck einzureden, dass man halt keinen Bock auf viele Dinge hat und sie deshalb nicht tut. An der Stelle auch die Frage: Wieviel “kein Bock” ist wirklich keinen Bock haben und wieviel ist die Unfähigkeit eine gewisse Tätigkeit anzufangen/auszuführen? Wenn man da in der Familie mal offen drüber spricht, wird oft klar, dass andere einfach so aufstehen und den Müll rausbringen. Der ADHSler dagegen verbringt (schlecht therapiert) oft eine halbe Stunde damit sich selbst fertig zu machen und abzuschieben, um überhaupt mal in der Lage zu sein vom Sofa aufzustehen und in die Küche zu gehen. Sowas kostet brutal viel Energie und passt zur ständigen Müdigkeit des Kindes.

“Sie lebt nur in den Tag hinein. Einfache Anforderungen funktionieren nicht. Z.b. duschen gehen, schmutzige wäsche in den wäschekorb, Schulranzen packen. Etc.”
Mangelnde Struktur und mangelndes Dopamin sind bei ADHS absolute Killerfaktoren. Leider habe ich keinen wirklichen Tipp, wie ihr das angehen könnt. Ich krame heute Nachmittag mal meine Therapienotizen raus und schaue, ob ich da etwas finde, das ich persönlich auch ohne Medikation gut geschafft hätte. Ein gewisser Druck von außen hilft definitiv, den aber zu dosieren, sodass es nicht zur Überforderung und Verweigerung kommt, ist meiner Erfahrung nach sehr schwer.

“Die behandelnde Psychologin sagt so lange sie sich nichts oder anderen an tut muss man sich keine Sorgen machen.”
Das sehe ich gänzlich anders, das Kind steckt offenbar in einer Spirale aus “kann nicht - schaffe ich nicht - Selbstvertrauen wird geringer - zum Schutz der eigenen Person wird kann nicht in kein Bock umgedeutet”.


So hart es klingt, ohne Therapie und medikamentöse Einstellung wird das vermutlich nichts. In der Tagesklinik wird es eine Weile gut funktionieren (alles neu, spannend, das Dopamin kickt, äußerer Rahmen vorgegeben) und dann wird der Abfall kommen (Routine kehrt ein, Überforderung mit der Situation äußert sich neben Müdigkeit auch mit psychosomatischen Schmerz, zumindest bei mir). Ich würde deshalb dringend eine Klinik wählen, die gut ADHS kann und mich von guten ersten Wochen nicht in der Sicherheit wiegen lassen, dass jetzt alles so gut bleibt. Das bedeutet nicht, dass ihr mit Therapie und Medikation nicht viel erreichen könntet, aber der Weg wird anstrengend.

Als schnellen Tipp, falls du oder das Kind gerne lesen: Das Buch ADHS bei Frauen ist sehr, sehr gut. Da werden nicht nur Symptome beschrieben, sondern auch die Probleme, die sich im zwischenmenschlichen Bereich und im Alltag daraus ergeben. Das ist kein Lösungs- aber ein Verstehensansatz, der über die typischen Infos aus dem Internet und die in 10min Arztgespräch vermittelt werden, hinausgeht.


Zu den körperlichen Empfindungen und Krankheit schreibe ich gerne heute Abend noch etwas.

Ich wünsche euch alles Gute
Liebe Grüße von Anni
OptimisticCatharina
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Re: Lottas Familie auf der Suche nach Unterstützung/Hilfe

Beitrag von OptimisticCatharina »

Hallo Emma,

ich habe zwei Kinder mit AD(H)S und zusammenhängenden Baustellen.

Diese immer wiederkehrenden Gedanken, die deine Tochter hat (Krankheiten, Gefahren,...) halte ich für behandlungsbedürftig. Bei meinem Sohn (11, ADHS) hatten wir zwischendurch so etwas als Nebenwirkung eines Medikaments und die Kinderpsychologin sagte dazu "Zwangsgedanken". Egal was man sagte und welche Argumente man vorbrachte, mein Sohn war von den Gedanken nicht abzubringen. Meine Schwägerin wird wegen ähnlicher Gedanken medikamentös behandelt, weil sie sonst nicht arbeitsfähig wäre und aus Angst nur zu Hause wäre (ihre Diagnose ist schizoaffektive Störung, da gehörten bei ihr aber Depressionen und manische Phasen dazu). Das Medikament (Risperidon) wirkt bei ihr seit vielen Jahren sehr gut. Sie merkt die Gedanken nur wieder, wenn sie bei ihrem Freund übernachtet und die Tabletten mal vergessen hat.
Ich will damit absolut keine Diagnose vermuten, da ich kein Arzt bin! Ich will nur sagen, dass ich das für behandlungsbedürftig halte und ihr Leben offenbar stark beeinflusst.

Bei meine Tochter (14, ADS) sind wir dabei, ihre schwankenden Emotionen medikamentös in den Griff zu kriegen. Sie war abends an manchen Tagen so erschöpft, dass sie noch nicht mal Zähneputzen konnte. Saß dann weinend auf dem Badewannenrand mit der Zahnbürste in der Hand und es ging nichts mehr. Morgens war sie alle 1-2 Wochen am weinen, weil sie Angst vor der Schule hatte: dann hatte sie einem Vortrag nicht vorbereitet oder nicht für eine Arbeit gelernt. Sie hatte keine Angst vor der schlechten Note, sondern dass sie wie so oft im Unterricht weinen würde oder den Lärm nicht ertragen wird. Da sind wir bei der Medikamentenfindung, aber es geht aufwärts. Atomoxetin scheint zu passen.

Was für Medikamente habt ihr durch? Du schriebst Kinecteen und Ritalin. Habt ihr die probiert und die passten nicht oder blockt sie generell alles ab?

Viele Grüße
Catharina
Sohn, 2010: ADHS, Tics, impulsiv/aggressiv (alles gut im Griff mit Intuniv)
Tochter, 2008: ADS, sehr emotional (in Arbeit mit Agakalin + Kinecteen)
Tochter, 2010: nix
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Anjali
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Re: Lottas Familie auf der Suche nach Unterstützung/Hilfe

Beitrag von Anjali »

Hallo,

Mal eine ganz „doofe“ Frage, ist aber nicht respektlos, sondern lösungsorientiert gemeint:
Offenbar schafft eure Tochter nicht, sich zu motivieren und zu organisieren.
Warum greift ihr ihr bei bestimmten Dingen nicht mehr unter die Arme?

Versteh ich es z.B. richtig, dass ambulante Therapien daran scheitern , dass Terminvereinbarungen „verbummelt“ werden?
Termine würde ich z.B. nicht -offenbar erfolglos- erinnern, sondern bei der Terminvereinbarung wenn nötig aktiv zur Hand gehen.

Schulbesuch findet nur sporadisch, weil eure Tochter zu müde ist? Wie kann man sich das konkret vorstellen? Sie kommt einfach nicht aus ihrem Bett? Oder kann sich zu gar nichts aufraffen? Konsequenzen folgen? Oder fruchten nicht? Muss sie ihren Morgenablauf selbst strukturieren? Oder wird sie darin ggf. tatkräftig unterstützt? Gäbe es jemanden, der eure Tochter zur Schule bringen /begleiten könnte?

Alles in allem denke ich, deine Tochter unbedingt professionelle (psychologische) Hilfe bräuchte.
Ihre Ängste kommen mir bekannt vor und ich empfinde sie als einen Ausdruck großer innerer Not.

LG
Anja
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (21 Jahre / Asperger-Autismus)
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