Baby GUK

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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Lisaneu
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Re: Baby GUK

Beitrag von Lisaneu »

@Agnes:

Weiter unten zitiere ich deinen Beitrag, der auf eine ausdrückliche Anfrage wegen GUK bei einem 18 Monate alten, nonverbalen Baby erstellt wurde:
AgnesH hat geschrieben: 03.08.2022, 17:54 Hallo,

ich würde kein GUK machen, wenn es absehbar ist, dass keine lautsprachliche Sprachentwicklung entstehen könnte.
Besser DGS machen, damit ist eine vollwertige Kommunikation möglich ist.
Es sollte dann ein Muttersprachler machen, weil nicht Muttersprachler Fehler machen beim Gebärden und es falsch beibringen. Es hätte dann die Konsequenz, dass andere Gebärdennutzer dann das Kind nicht oder kaum verstehen, das kann auch frustrierend für die Entwicklung sein, falls Kind mit andere Gebärdennutzer zusammen kommt

LG
wie kommst du darauf, dass bei einem 18 Monate alten, und (wie wir mittlerweile wissen) gut hörendem Kind, keine lautsprachliche Entwicklung entstehen könnte?

Und wie einfach glaubst du, dass es ist, einen Muttersprachler zu finden, der mit dem Kind in grammatikalisch korrekter DGS so viel gebärdet, dass es diese Sprache natürlich erlernen kann?

In Wien gibt es über den Verein „Kinderhände“ die Möglichkeit einer „Familiensprachförderung“ in ÖGS. Da kommt für sechs Monate 4x pro Monat eine Muttersprachlerin für 90min in die Familie. Mittlerweile ist dafür auch ein hoher Selbstbehalt zu zahlen.

Als mein gehörloser Sohn klein war waren es noch mehr Stunden und weniger Selbstbehalt. Wir haben begonnen als er 8 Monate alt war. Da habe ich auch paralell selbst einen ÖGS–Kurs gemacht und mein Sohn hatte jede Woche 2 Stunden Frühförderung von einer gebärdensprachkompetenten Frühförderin. Und nach 6 Monaten Familiensprachfördeung (bei einer tollen, engagierten Muttersprachlerin) konnte er immer noch keine einzige Gebärde selbst machen!

Daher verstehe ich deinen Rat an die Oma eines hörenden, gerade mal 18 Monate alten Babys nicht.

Wenn ein gehörloses (oder auch ein hörendes) Kind bei gebrdensprachkompetenten Eltern und gut in eine Gehörlosencommunity integriert aufwächst, lernt es Gebärdensprache ohne viel Aufwand ganz natürlich. Ein Kind mit hörenden, nicht gebärdensprachkompetenten Elternhaus und Umfeld hat diese Möglichkeit nicht! Das ist nur mit unheimlich viel Aufwand an Zeit, Geld und persönlichen Ressourcen (und dann längst nicht „perfekt“) möglich.

Ich kenne auch die von dir beschriebene andere Seite, wo Kleinkinder, wo schon absehbar ist, dass sie (ob hörend oder nicht) Lautsprache nicht (ausreichend) erlernen könnten, aus Unwissenheit Gebärdensprache vorenthalten wird. Das finde ich schlimm für die Kinder und es macht mich traurig und wütend.

Aber ich sehe keinerlei Hinweis darauf, dass das beim Kind, welches Heike beschreibt, so sein wird. Es gibt auch komplett gesunde Kinder, die erst mit 18 Monaten oder 2 Jahren zu sprechen beginnen. in dem Alter finde ich toll dass überhaupt schon was gemacht wird.

Natürlich ist GUK nicht mit DGS oder ÖGS vergleichbar, keine Frage. Aber es geht auch nicht um irgend etwas, was „spontan gebärdet werden muss“ und wo eventuell die Gebärden fehlen, sondern schlichtweg um einen Einstieg in die sprachliche Konversation. Es ist vorläufig nicht vorgesen, dass das Kind, um das es hier geht, DGS als Erstsprache erlernt. Das kann notwendig werden, wenn sich trotz Förderung lautsprachlich in den nächsten 6 bis 12 Monaten nichts verbessert. Daher ist auch (noch) nicht relevant, was DGS–Dozenten von GUK halten.

Aber man würde ja auch bei einem 18 Monate alten Kind, das noch nicht gehen kann, davon ausgehen, dass es mal auf einen Rollstuhl angewiesen sein wird. Mit einer Diagnose, die das nahelegt, schaut es natürlich anders aus.

Ich wusste bei meinem Sohn, dass er komplett gehörlos ist, und hatte dadurch komplett andere Voraussetzungen als die TE. Darum habe ich mich bewusst dafür entschieden, ihm so früh wie möglich mit ÖGS ( wir leben in Ö) eine vollwertige Sprache anzubieten.

Ich glaube übrigens, dass wir mit unserer generellen Einstellung zu Gebärdensprache gar nicht so weit auseinander liegen. Also nix für ungut :wink: !
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
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Mama ADHS (mit 49 diagnostiziert)
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katrin13
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Re: Baby GUK

Beitrag von katrin13 »

Hallo Heike,

mein Zwerg hat auch das DeGeorge Syndrom. Stark entwicklungsverzögert, sprachlich schlecht zu verstehen, passiver Wortschatz viel besser, Wir haben viel mit Gebärden und reden gearbeitet.

LG Katrin
Sarah-Christine
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Re: Baby GUK

Beitrag von Sarah-Christine »

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit GUK-Gebärden schnell an die Grenzen des begrenzten Wortschatzes kommt, daher würde ich auch dazu raten, möglichst zumindest den Wortschatz der DGS zu nutzen.

Auch in D. ist es möglich, als Familie DGS zu lernen zu Hause mit einem Lehrer. Die Gesprächsanlässe in der Familie werden individuell genutzt. Es gibt auch eine App, die DGS mit Metacom-Symbolen kombiniert. Hier wird direkt durch ein kleines Video der Bewegungsablauf deutlich gemacht.

Wenn sich das Kind bisher nicht ausdrücken kann, würde ich ebenfalls PECS - zunächst mit Fotos - anbieten.
Lisaneu
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Re: Baby GUK

Beitrag von Lisaneu »

Sarah-Christine hat geschrieben: 05.08.2022, 14:49 Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit GUK-Gebärden schnell an die Grenzen des begrenzten Wortschatzes kommt, daher würde ich auch dazu raten, möglichst zumindest den Wortschatz der DGS zu nutzen.
Das hängt sehr von der kognitiven Fitness des Kindes ab. Wie Ma Iris das gut beschreibt ist bei geistig beeinträchtigten Kindern längst kein so vielfältiger Wortschatz notwendig wie bei nur leicht beeinträchtigten oder normal intelligenten Kindern.

Andererseits haben kognitiv fitte Kinder, die gern Gebärden verwenden, auch wenig Probleme damit, zusätzlich zu den paar GUK-Gebärden auch DGS-Gebärden zu erlernen.
Sarah-Christine hat geschrieben: 05.08.2022, 14:49Auch in D. ist es möglich, als Familie DGS zu lernen zu Hause mit einem Lehrer. Die Gesprächsanlässe in der Familie werden individuell genutzt. Es gibt auch eine App, die DGS mit Metacom-Symbolen kombiniert. Hier wird direkt durch ein kleines Video der Bewegungsablauf deutlich gemacht.

Wenn sich das Kind bisher nicht ausdrücken kann, würde ich ebenfalls PECS - zunächst mit Fotos - anbieten.
Zusätzliche Angebote (DGS, Metacom, PECS, Fotos,...) schaden nicht. Aber bei einem gerade mal 18 Monate alten Baby ist das auch eine Frage der (elterlichen) Ressourcen an Zeit und Geld.

Ich habe für mein gehörloses Kind ÖGS gelernt, weil es notwendig war, und kenne den echten Aufwand dafür. Ich würde jedem dazu raten, wo naheliegend ist, dass das Kind kaum oder keine Lautsprache erlernen kann, aber (noch) nicht bei einem gut hörenden, 18 Monate alten Baby, wo bisher (therapiepeutisch) noch gar nichts gemacht wurde, um die Sprachentwicklung in Gang zu bringen.

Fotos sind eine gute, einfache Möglichkeit zum Einstieg in UK. Wir hatten mindestens 50 laminierte Fotos von Personen (Oma), Dingen (Windel), Orten (Spielplatz) und Tätigkeiten (essen) aus dem Alltag meines Sohnes und haben zusätzlich jeden Tag am Whiteboard mit Fotos, Zeichnungen und schriftlich (Blockbuchstaben, einfache Sprache) dokumentiert.

@Heike: Wenn dein Enkel gut hört wäre interessant, wie gut er Lautsprache passiv versteht. Kann er Aufforderungen wie "Bring mir den Ball!" befolgen? Versteht er die Ankündigung, dass er gleich ein Eis bekommt? Weiß er, wer gemeint ist, wenn angekündigt wird, dess der/die "Soundso" auf Besuch kommt? Wenn du diese Fragen mit JA beantworten kannst, stehen die Chancen auf eine Lautsprachentwicklung gut (obwohl auch das keine Garantie ist).

Wenn er das oben Beschriebene nicht versteht, wie sieht es dann mit der kognitiven Fitness aus? Weiß das Kind, dass jemand bei der Tür steht, wenn es geklingelt hat? Bringt es bestimmte Handlungen mit zukünftigen Ereignissen in logische Verbindung - zum Beispiel "Der Tisch wird gedeckt" mit "Bald gibt es Essen"? Was bringt das Kind zum Lachen?
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Re: Baby GUK

Beitrag von mimi.m »

Hallo zusammen.

Wenn ich Sam frage wo sein Ball ist oder sein Schnuller dann schaut er sich schon im Raum um und schaut danach. Aber bring mir bitte den Ball kann er noch nicht umsetzten. Aber man sieht ihm an das er am überlegen ist, was der nächste Schritt sein soll.
Er merkt aber wenn dass knacken vom Gläschen kommt oder die Mikrowelle zu seiner Mittagszeit klingelt das es Mittagessen gibt.
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Re: Baby GUK

Beitrag von Lisaneu »

mimi.m hat geschrieben: 05.08.2022, 21:23 Hallo zusammen.

Wenn ich Sam frage wo sein Ball ist oder sein Schnuller dann schaut er sich schon im Raum um und schaut danach. Aber bring mir bitte den Ball kann er noch nicht umsetzten. Aber man sieht ihm an das er am überlegen ist, was der nächste Schritt sein soll.
Er merkt aber wenn dass knacken vom Gläschen kommt oder die Mikrowelle zu seiner Mittagszeit klingelt das es Mittagessen gibt.
Hallo Mimi!

Genau DAS ist der Unterschied zwischen "nur" hören und Sprache korrekt "übersetzen". Um das Knacken vom Gläschen oder das Klingeln der Mikrowelle im Kopf damit zu verbinden, dass es gleich Essen gibt, ist kein SprachVERSTÄNDNIS nötig, um eine Aussage wie "Das Essen ist fertig" in diese Richtung zu deuten, sehr wohl.

Je nach Alter und Entwicklungsstand kann das Sprachverständnis aber noch kommen. Nur gibt es eben auch Kinder die genau DAMIT Schwierigkeiten haben, obwohl das Gehör selbst einwandfrei funktioniert.

Ein Kind benötigt für eine erfolgreiche Lautsprachentwicklung folgende Voraussetzungen:

ausreichend gutes Gehör, um Lautsprache rein akkustisch zu verstehen
die Fähigkeit, gehörten Wörtern eine Bedeutung zuzuordnen
die Erkenntnis, anderen Menschen mit Worten was mitteilen zu können
die (mund)motorischen Fähigkeiten, selbst Sprache zu produzieren
das Verständnis für wechselseitige Konversation (Frage - Antwort)

Manchmal sind einige Voraussetzungen gegeben, aber nicht alle. Dafür gibt es Logopäden, die genau hinschauen können, wo die Probleme liegen.

Bei einem 18 Monate alten Baby (wie dem Enkel der TE) finde ich persönlich GUK eine gute Möglichkeit, zu sondieren, was das Kind kann, und was nicht. Sollte sich herausstellen, dass das Kind zwar hört, aber Probleme damit hat, gehörten Wörtern eine Bedeutung zuzuordnen, können Gebärden durchaus hilfreich sein. Sollte sich trotzdem kein (passives) Sprachverständnis einstellen, ist das Erlernen einer vollwertigen Gebärdensprache sinnvoll, sofern das Kind dafür kognitiv fit genug ist. Wenn es das aus anderen Gründen (z.B. Dyspraxie) nicht schafft, muss man nach anderen Kommunikationsmöglichkeiten suchen.

Zustätzlich würde ich alles an UK und alternativen Kommunikationsmöglichkeiten ausprobieren, um herauszufinden, mit welchem Kommunikationskanal sich das Kind am leichtesten tut. Die Kommuniktionskanäle sind: optisch (Bilder, Gebäreden, Gesten, Symbole...), akkustisch (Lautsprache, Geräusche, Tonfall der Stimme,...), schriftlich (über geschriebene Sprache) und taktil (mittels Berührungen, Körperkontakt, lormen,..).

Man kann z.B. sagen "Komm her", das ist akkustisch, man kann winken (Geste), herzukommen, das ist optisch, man kann aufschreiben "Komm her!" das ist schriftlich, oder man nimmt die Person an der Hand und führt sie zum gewünschten Ort, das ist taktil. Die meisten hörenden Kleinkinder kommunizieren sowohl optisch, als auch akkustisch und taktil. Bei gehörlosen Kindern, oder Kindern, die ein Problem damit haben, Sprache korrekt zu deuten, muss man versuchen, sie über die verbliebenen Kommunikationskanäle zu erreichen. So kann z.B. ein nonverbales, gut hörendes Kind ein akkustisches Signal durchaus verstehen, auch wenn es Sprache nicht verstehen kann.

Ein hörendes, nonverbales Kind mit gutem passivem Sprachverständnis braucht hingegen dringend Möglichkeiten, sich selbst mitzuteilen, sonst wird die Kommunikation zur Einbahnstraße. Mich ärgert bei dieser Konstellation immer sehr, wenn dann Eltern meinen, das Kind müsse keine Gebärdensprache lernen, oder benötige keinen Talker und keine UK, weil es ohnehin "alles versteht". Ja - verstehen vielleicht! Aber ein kleines Kind hat auch viele Fragen und wenn es die nicht stellen kann, dann ist es trotz normaler Intelligenz in seiner geistigen und sozialen Entwicklung eingeschränkt!
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Re: Baby GUK

Beitrag von Heikem »

hallo ,

ja er hat mit dem essen so seine probleme...man tippt auf eine hypotonie ....also kann das gut sein , dass ere mundmotorische probleme hat...
immer wieder erzähltes sitzt ..da ist die oma ; da ist der opa..., aber kommst du mit , schafft er eher nicht....
bücher schauen die beiden auch ganz gerne , bei mir fängt er jetzt damit an

lg
heike
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