Tabea und Sohn

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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@Tabea
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Tabea und Sohn

Beitrag von @Tabea »

Hallo :icon_sunny: :hand:

Nach langem aufschieben, stellen wir uns auch Mal vor. Mein Mann Dominik, ich und unser Sohn. Wir Wohnen in einer Großstadt in NRW.

Es geht in erster Linie um unseren Sohn. Er ist schon 15 Jahre alt. Damit es nicht so ganz ausführlich wird. Lasse ich die Anfangsjahre weg. Die waren sehr anstrengend und auffällig. Fragen dazu beantworte ich gerne!

Es bestehen Einschränkungen im sozialen Bereich, Der Wahrnehmung, der Konzentration (ablenkbarkeit ist sehr ausgeprägt), spezifische Ängste, aggressives und oppositionelles Verhalten etc. Seine Schrift ist eine Katastrophe. (Das sage ich nur, weil er selbst nicht lesen kann was er schreibt. ) Oft kann ich oder die Lehrer das entziffern.

Wir hatten bereits 2 Mal eine Verhaltenstherapie. Einmal in der Grundschule und einmal zwischen der 6. Und 7. Klasse. Geholfen hat das alles nicht wirklich. Wir sollen jetzt wieder eine machen. Nur finden wir nirgends einen Platz.

Ergotherapie lehnt unser Sohn aktuell ab. Seine langjährige Therapeutin ist dauerkrank und bei ihrer Nachfolgerin will er nicht mehr. Diese befürwortet die Ergotherapie aber. Nur zwingen können wir ihn ja nicht.

Wir haben zwar regelmäßige Termine beim KJP aber eigentlich nur um die genaue Dosierung für das passende Medikament zu finden. Was wir seit einem Jahr vergebens suchen. Montag startet ein neuer Versuch. Unser Kind wird allerdings regelmäßig vom KJP erinnert, dass er entscheidet ob es Medikamente gibt oder nicht. Das hat unser Sohn auch der Klassenlehrerin deutlich mitgeteilt.

Vielleicht hat hier ja jemand einen Tipp oder Rat.
Unser Sohn hat wahnsinnig grosse Probleme mit anderen Kindern. Erstmal gestaltet sich das Freunde finden schwierig. Das Freunde halten ist noch schwieriger. Es geht soweit, dass er auf Abruf bereit steht. (Sobald ein Kind Zeit hat muss er auch Zeit haben und sich sofort treffen) er flippt aus, wenn wir ein Termin haben und ein anders Kind fragt ob er raus kommt. Andersherum wenn niemand Zeit hat, tut unser Kind nichts. Er sitzt in seinem Zimmer schaut Videos oder spielt am Handy. Alternative Angebote werden abgelehnt. Es könnte ja sein, dass doch jemand Zeit für ihn hat. Die Kinder wechseln ständig. Ich kann mir oft die Namen nicht merken bzw. Verwechsle ich oft Namen.

Bestes Beispiel: er nahm an einer Ferienfreizeit Teil. Fand er toll. Dieses Jahr wollte er wieder hin (seine Idee!). Er fragte andere Kinder, in der Hoffnung die würden mitkommen. Leider kommt niemand mit. Jetzt will er doch nicht mehr. Es sei zu teuer, fremde Kinder sind doof, der Weg zu weit und er zu anstrengend.

In der Schule läuft es Mal gut Mal weniger. Er will nichts für die Schule tun. Lehrer doof, Mitschüler noch dümmer (ausser einer). Seine Noten sind durchschnittlich. Er scheint an nichts wirklich interessiert zu sein. Wenn er schlechte Noten schreibt war es ein Ausrutscher, ist sowieso egal etc. Hausaufgaben werden nur im Notfall gemacht. Es steht nichts im Hausaufgabenheft. (Trotz Regel es soll von Lehrern abgezeichnet werden)

Als die Schulen zu waren, war es wirklich ein Segen für uns. Die Noten verbesserten sich schlagartig. Unser Kind lernte und arbeitete fleissig.
Jetzt ist davon nichts mehr übrig.

Er hatte auch eine Schulbegleitung. Da die Noten im Homescooling so gut waren, hat das Jugendamt eine weitere Betreuung abgelehnt. Die Noten seien hervorragend. Er benötigt keine Begleitung bzw. ist eine SB ja nicht dazu da, um Einser Noten zu ermöglichen. Was die Schule denkt interessiert das JA nicht.

Ich hab so viel gelesen( ob Bücher, hier oder in anderen Foren), Fortbildungen im Bereich hyperkinetische Störungen gemacht. Etc.
Aber irgendwie weiß ich nicht weiter.

Durch das ganze fiel mir dann auf, dass es zu mir vielleicht Parallelen gibt. Ich war schon immer anders. (O-Ton meiner Eltern) ich lernte fleissig für die Schule, las viel und immer, machte freiwillig mehr Hausaufgaben etc. Mit anderen Kindern konnte ich nicht viel anfangen. Ich sage das was ich denke, nicht unbedingt diplomatisch. Das hat sich nicht geändert. Ausser das die Kinder heute erwachsene sind.( Beispiel: meiner nervigen Schwägerin habe ich Mal gefragt ob ich ihr noch was anbieten können, ihre Jacke, ein Taxi oder reicht ein tschüss?) Ich fühle mich immer irgendwie fehlt am Platz. Also entweder sage ich nichts oder plappere alle in Grund und Boden. ( So ähnlich habe ich das auch hier gelesen.)
Am liebste habe ich eigentlich meine Ruhe. Mir machen die Kontaktbeschränkungen auch nichts aus. Wenn ich Zeit und ein Buch habe, bin ich wie im siebten Himmel.
Dann gibt's vielleicht noch das ein oder andere. Also entweder man macht die Dinge so wie ich oder man macht sie falsch. Ich muss zum Beispiel immer in der richtigen Reihenfolge spülen. Oder die Spülmaschine einräumen. Ich weiss, dass es der Spülmaschine egal ist wo ein Teller steht, mir aber nicht. Ich bekomme Zustände und Räume die Spülmaschine um. Da könnte ich noch vieles aufzählen. Ich Stelle aber gerade fest, dass es viel zu lang geworden ist.

Danke fürs Lesen!
Ich freue mich auf einen tollen Austausch!

Viele Grüße
Tabea
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OptimisticCatharina
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Re: Tabea und Sohn

Beitrag von OptimisticCatharina »

Hallo Tabea,

herzlich Willkommen :)
Mich würde interessieren, welche Diagnose es gibt. Ich konnte das nicht ganz rauslesen. Mit was für Medikamenten wurde es denn schon versucht und was hatte da nicht geklappt?
Mich wundert, dass der KJP immer daran erinnert, dass euer Sohn entscheidet, ob er Medikamente nimmt oder nicht. Das klingt, als ob Medikamente was schlechtes seien und der KJP nicht überzeugt. Oder interpretiere ich das was rein?
Unsere KJP sagte, dass in unserem Fall erst eine Medikamenteneinstellung erfolgen sollte, um danach zu gucken, "was noch übrig ist" und sich dann darum zu kümmern. Wir sind mit der Medikamentensuche nun seit letztem Sommer befasst (bei Interesse ftopic142490.html). Ich kann verstehen, dass es echt frustrierend ist, also fühl dich gedrückt.

Liebe Grüße
Catharina
Sohn, 2010: ADS, Hochbegabung, Tics, schlechte Impulskontrolle
Tochter, 2008: Verdacht auf ADS
Tochter, 2010
GabySP
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Re: Tabea und Sohn

Beitrag von GabySP »

Hallo Tabea,

das Verhalten deines Sohnes erinnert mich stark an meinen Sohn (mittlerweile 22). Er hat die Diagnose Asperger-Autismus. Habt ihr in diese Richtung mal geguckt? Viele KJPs kennen sich damit nicht wirklich aus und kommen nicht auf die Idee, in diese Richtung zu testen.

Hallo Catharina,

sobald die Kinder 15 Jahre alt sind, entscheiden sie selbst, ob und welche Medikamente sie nehmen. Da haben weder der Arzt noch die Erziehungsberechtigten die Möglichkeit, das Kind zu zwingen. Da hilft dann ggfs. nur Überredungskunst.

LG Gaby
Asperger-Sohn, 01/2000
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Re: Tabea und Sohn

Beitrag von Anne_mit_2 »

Hallo Tabea,

Du hast von mir eine PN.

Viele Grüße,
Anne
Seit Generationen nah am/im Autismusspektrum, 2 Kinder:
die Große: unreif am Termin geboren, davon diverse kleine 'Problemchen'; inzwischen erwachsen und verheiratet
der Kleine: gesund, schlau, fit, verhaltensoriginell (aber gefahrenbewusst)
@Tabea
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Re: Tabea und Sohn

Beitrag von @Tabea »

OptimisticCatharina hat geschrieben: 14.01.2022, 19:58 Hallo Tabea,

herzlich Willkommen :)
Mich würde interessieren, welche Diagnose es gibt. Ich konnte das nicht ganz rauslesen. Mit was für Medikamenten wurde es denn schon versucht und was hatte da nicht geklappt?
Mich wundert, dass der KJP immer daran erinnert, dass euer Sohn entscheidet, ob er Medikamente nimmt oder nicht. Das klingt, als ob Medikamente was schlechtes seien und der KJP nicht überzeugt. Oder interpretiere ich das was rein?
Unsere KJP sagte, dass in unserem Fall erst eine Medikamenteneinstellung erfolgen sollte, um danach zu gucken, "was noch übrig ist" und sich dann darum zu kümmern. Wir sind mit der Medikamentensuche nun seit letztem Sommer befasst (bei Interesse ftopic142490.html). Ich kann verstehen, dass es echt frustrierend ist, also fühl dich gedrückt.

Liebe Grüße
Catharina
Hallo Catharina,

Das ist was in den Arzt berichten steht.

Kombinierte Entwicklungsverzögerung ( expressive Sprache, Multimodale Wahrnehmung)
Sonstige emotionale Störung mit aggressiven und oppositionellen Verhaltensweisen sowie spezifischen Ängsten. Dann noch eine LRS etc.

IQ wird angenommen durchschnittlich bzw. Evtl. Etwas höher.

Die üblichen Verdächtigen (Kinecteen, Ritalin, medikenet ) entweder hat es nichts gebracht, oder ihm wurde schlecht davon. Bei Kinecteen lief er den ganzen Tag mit weit aufgerissen Augen den ganzen Tag Rum. Essen war schwierig. Er aß den ganzen Tag nichts. ( Auch nicht vor der Medigabe) er frühstückt sehr ungern und nur selten) abends hatte er dann so riesigen Hunger, dass er nicht normal gegessen hat, sondern geschlungen.) An Schlaf war nicht vor Mitternacht zu denken, das Aufstehen am anderen Morgen war dann genauso schwierig.

Das kommt so rüber, aber nach dem letzten Termin fiel uns auf, dass den Arzt nur interessiert, wie es mit den Tabletten läuft. Eigentlich könnten wir beim Termin nur über Medis reden. Das andere hört er sich zwar an, aber na ja Interesse scheint er nicht zum haben.

Die vom Jugendamt hat auch bei den HPGs immer darauf hingewiesen, wenn mein Sohn keinen SB mehr will, bekommt er keinen mehr. Die Hilfe ist freiwillig und das JA zwingt niemanden. Glücklicherweise wollte unser Kind nie an den HPGs teilnehmen. So haben wir die Info nicht weitergeleitet.

Es ist schon irgendwie hilfreich zu wissen, dass man nicht alleine ist!

Danke für deine Antwort und den Drücker!

LG
Tabea
@Tabea
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Re: Tabea und Sohn

Beitrag von @Tabea »

GabySP hat geschrieben: 16.01.2022, 09:47 Hallo Tabea,

das Verhalten deines Sohnes erinnert mich stark an meinen Sohn (mittlerweile 22). Er hat die Diagnose Asperger-Autismus. Habt ihr in diese Richtung mal geguckt? Viele KJPs kennen sich damit nicht wirklich aus und kommen nicht auf die Idee, in diese Richtung zu testen.


LG Gaby
Hallo Gaby,

Wir haben unser Kind zweimal ( lange Zeit dazwischen) testen lassen. Die beiden anderen Ärzte zähle ich nicht auf. Einer sagte ohne auch nur ein Wort mit unserem Sohn zu sprechen, er sei völlig normal ( Mein Sohn kam ins Untersuchungszimmer, sah die Spieleecke und war nicht mehr ansprechbar) und der zweite Arzt sagte unser Kind schrammt haarscharf an einer geistigen Behinderung vorbei).

Es gibt wohl Auffälligkeiten in dem Bereich. Aber die reichen nicht aus. Es gibt auch andere Einschränkungen, die ähnliche Verhaltensweisen zeigen.

Es gibt aber auch viele Verhaltensweisen die das ausschließen. (Sagt der Arzt) z.B. lügen, Körperkontakt etc.

Vielen Dank für deine Nachricht.

VG Tabea
@Tabea
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Re: Tabea und Sohn

Beitrag von @Tabea »

Fällt mir gerade ein. Ein wirklich anstrengendes Detail habe ich glatt vergessen.

Mein Sohn ist laut. Immer und richtig laut. Selbst in grossen Gruppen ist mein Kind der lauteste. Als er noch jünger war, müsste man sich eigentlich nie Sorgen machen, auch nicht wenn man ihn nicht gesehen hat, man hat ihn gehört.

Diese Lautstärke oder Lärm macht mich echt wahnsinnig. Er telefoniert und ich höre das Telefonat Wort für Wort mit, ohne im gleichen Zimmer zu sein, bei geschlossener Tür. Ich hab ja zwischendurch Mal gefragt ob die Person mit der er telefoniert vielleicht schwerhörig ist.

Seine Ohren sind okay. Wir machen regelmäßig Hörtests.

Ob das an der Wahrnehmungsstörung liegt ?

Bis jetzt hatte niemand eine Idee, was man dagegen machen könnte. Wir erinnern ihn nur täglich doch bitte etwas leiser zu sein. Das geht vielleicht 5 Minuten gut.

Kennt jemand so etwas vielleicht auch ? Übersehen wir etwas ?

Herzlichen Dank!

Viele Grüße
Tabea
GabySP
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Re: Tabea und Sohn

Beitrag von GabySP »

Hallo Tabea,

ich kenne deinen Sohn nicht und kann daher auch die Diagnosen nicht beurteilen.
Es macht mich allerdings echt wieder wütend, wenn ich höre, dass Autismus ausgeschlossen wird, weil das Kind lügen kann und Körperkontakt sucht. Das zeigt mir, dass dieser Arzt zu denen gehört, die sich mit Autismus wohl eher nicht auskennen. Auch Autisten können lügen und suchen Körperkontakt, wenn auch nicht alle,

LG Gaby
Asperger-Sohn, 01/2000
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@Tabea
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Re: Tabea und Sohn

Beitrag von @Tabea »

GabySP hat geschrieben: 19.01.2022, 12:05 Hallo Tabea,

ich kenne deinen Sohn nicht und kann daher auch die Diagnosen nicht beurteilen.
Es macht mich allerdings echt wieder wütend, wenn ich höre, dass Autismus ausgeschlossen wird, weil das Kind lügen kann und Körperkontakt sucht. Das zeigt mir, dass dieser Arzt zu denen gehört, die sich mit Autismus wohl eher nicht auskennen. Auch Autisten können lügen und suchen Körperkontakt, wenn auch nicht alle,

LG Gaby
Hallo Gaby,

Die Grundschullehrerin hat das beim Gespräch mit dem behandelnden Arzt (der die Tests durchgeführt hat ) Mal angesprochen. Z.b. Reagiert heftig auf plötzliche Veränderungen, kann den ganzen Tag auswendig (Ablauf, Stundenplan, Pausen, welche Lehrer unterrichten etc.) Nimmt immer den gleichen Weg) etc. Bei kleinsten Abweichungen gleicht das einer Katastrophe. Ist den ganzen Tag nicht zu gebrauchen.)
Der Arzt sagte damals, er behält das im Auge. Bei der Auswertung hieß es er sieht keinen Anhaltspunkt für irgendwas im autistischen Bereich.

Er kann auch Blickkontakt aufnehmen und teilweise halten. Er spricht zwar am liebsten ohne jemanden anzusehen bzw. In der Gegend herum zu schauen während des Gesprächs. Und dann gerne ohne Punkt und komme und roten Faden.

Aber so auffällig, sei dies alles nicht. Man könne zwar alles irgendwie pathalogisieren, aber dies sei wenig sinnvoll. Man will ja schließlich adäquat helfen.

Seit Freitag weigert er sich die Medikamente weiter zu nehmen. Er ist das nicht und will nicht so sein. Ich kann das verstehen. Oft ein anderes Medikament , andere Dosierung etc Veränderungen sind nicht so einfach für ihn. Er sieht den Sinn nicht.

Konsequenz hat im Unterricht gemalt und musste zur Schulleitung.



VG
Tabea
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