Inklusion oder Förderschule bei Mikrozephalie? Ratlos

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Sabrina-1984
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Inklusion oder Förderschule bei Mikrozephalie? Ratlos

Beitrag von Sabrina-1984 »

Hallo zusammen,

Eigentlich bin ich eher so der Mitleser, möchte aber trotzdem gern mal eure Erfahrungen bzgl. Inklusion eines entwicklungsverzögerten Kindes hören. Bei uns steht dieses Jahr die Einschulung an und ich bin echt ratlos. Wir wohnen in einem kleinen Ort mit normaler Grundschule. Eine Förderschule gibt es bei uns nicht. Bei der Schuluntersuchung wurde uns die Schule für geistige Entwicklung vorgeschlagen, diese ist jedoch 30 Kilometer von uns entfernt. Ich habe Angst, dass in dieser Schule nur praktische Dinge vermittelt werden und wenig gelernt wird. Auch ist er hier bei uns im Ort gut integriert, geht hier zum Sport und kennt halt einige Kinder. Bei der Grundschule bin ich allerdings sehr unsicher ob er überhaupt mitkommen würde und es mit der Inklusion klappen würde. Hab eher den Eindruck, dass es nicht gewünscht ist hier an unserer Grundschule. Ich freue mich über eure Erfahrungen. Lg
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MamaEmiljan
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Re: Inklusion oder Förderschule bei Mikrozephalie? Ratlos

Beitrag von MamaEmiljan »

Hallo Sabrina,

Mein Sohn wird auch dieses Jahr eingeschult - Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Wir wohnen auch sehr ländlich und die Schule ist ca. 25 km entfernt. Wir haben uns schlussendlich für die Förderschule und gegen die Inklusion entschieden.
Ich habe als erstes auf meinen Sohn geschaut. Eine normale Grundschule mit normaler Klassengrösse würde ihn auch mit Schulbegleiter überfordern. Sein eigenes Wahrnehmungssystem wäre mit den Reizen so sehr überfordert, dass er gar nicht in einen Lernprozess kommen würde.
Ich habe auch ganz offen das Gespräch mit der Grundschule gesucht - mit der Sonderpädagogin und der Schulleitung. Sie haben mir offen berichtet, dass sie eine Inklusion nicht leisten können - vom Personal, von den Räumlichkeiten, von der Fachlichkeit.
Wir haben uns also für die Förderschule entschieden.

Liebe Grüsse
MamaEmiljan
Sascha11
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Re: Inklusion oder Förderschule bei Mikrozephalie? Ratlos

Beitrag von Sascha11 »

Hallo Sabrina,

ich stand vor einem Jahr vor demselben Problem. Habe folglich ein Kind in der ersten Klasse jetzt (u.a. auch Mikrozephalie). Tja, was soll ich sagen... stelle dich darauf ein, dass es die Lösung nicht gibt. Wir haben uns für die Förderschule GE entschieden und gegen Inklusion, weil ich auf die Bedürfnisse des Kindes geschaut habe. Die sind ganz klar erfüllt... sie geht gerne hin, ist sozial integriert, hat tolle Lehrer. Sie nimmt auch viel mit an Wissen und Eindrücken. Aber: Ich sehe auch ganz klar Probleme. Sie ist die stärkste in der Klasse, kann sich bei niemand was abschauen und das täte ihr so gut. Das Niveau ist einfach nicht an ihr ausgerichtet, sondern an den schwächeren. Geht ja auch nicht anders. Sie lernt definitiv weniger als möglich wäre. Aber ihr geht es gut und die soziale Entwicklung ist gut, da sie lernt Schwächeren zu helfen. Ganz zufrieden bin ich nicht, aber ich denke unterm Strich die bessere Lösung. In einer normalen GS mit I- Helfer könnte es ganz anders aussehen, wenn sie der Trubel überfordern würde und es schwierig wäre Freunde zu finden.

LG Sascha
Karin2308
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Re: Inklusion oder Förderschule bei Mikrozephalie? Ratlos

Beitrag von Karin2308 »

Hallo,
mir hat bei der Schulauswahl folgender Gedankengang geholfen. Der Weg von der Regelschule zum SBBZ kann sehr schnell in die Wege geleitet werden (auch innerhalb des Schuljahres), dagegen ist es viel schwerer von einem SBBZ auf eine Regelschule zu wechseln. Bis jetzt bin ich positiv von der Regelschule überrascht. Meinem Kind lernt dort, wie die anderen Kinder auch, die Kulturtechniken und ist in die Gruppe integriert.
LG
Ma Iris
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Re: Inklusion oder Förderschule bei Mikrozephalie? Ratlos

Beitrag von Ma Iris »

Hallo Sabrina,

da ich gerade wieder einiges sehe: Ich sehe Kinder, welche mit einem ähnlichen Problem welches dein Kind war, in eine Regelklasse aufgenommen wurden... - sie wurden umgeschult, und nun leiden sie sehr unter Minderwertigkeitskomplexen... - Ist das Kind erst in den Brunnen gefallen, dann sind da Begleiterscheinungen, welche kaum mehr auszubügeln sind...
Betrachte es auch mal von dieser Seite! - Und vor allem, wenn du schon jetzt spürst, dass dein Kind dort nicht wirklich willkommen ist, tust du wahrscheinlich weder dir noch deinem Kind etwas Gutes!
Viele Grüße
Silvia & Iris

unsere Vorstellung:
viewtopic.php?f=19&t=23172&p=265506#p265506
(leider hatte ich Probleme mit e-Mail Adresse, daher neue Identität :oops:
Anne_mit_2
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Re: Inklusion oder Förderschule bei Mikrozephalie? Ratlos

Beitrag von Anne_mit_2 »

Hallo Sabrina,

gibt es in einem Nachbarort vielleicht noch eine Regelgrundschule mit viel Erfahrung mit Inklusion? Wenn ja, dann könnte das auch noch ein gangbarer Mittelweg sein (setzt aber administrativen guten Willen von allen Seiten voraus). Hier in der Gegend halten sich mehrere kleine Grundschulen knapp über der Mindestzahl an Kindern (und Kindern pro Jahrgang), indem sie immer wieder einzelne Kinder mit Förderbedarf in Inklusion aufnehmen, die in großen Klassen überfordert wären. Dafür haben sie durch die kleine Größe bessere Voraussetzungen, haben inzwischen auch viel Erfahrung und längst belastbare Kommunikationskanäle zu den passenden Sonderpädagogen, weswegen das Schulamt bei Wunsch nach Inklusion und nicht zu großer Klassenstärke öfter mal bei der Schulzuweisung ein Auge zudrückt und dorthin zuweist.

Habt Ihr beide Schulen (z.B. beim Tag der Offenen Tür) mal gemeinsam angeschaut? Wie war Dein Eindruck von der Reaktion Deines Kindes auf die Schulen? Auch das kann durchaus Hinweise liefern, denn Kinder nehmen manchmal auf der emotionalen Seite Dinge wahr, die einem als Erwachsenen entgehen (weil man zu viel denkt und zu wenig fühlt).

Viele Grüße,
Anne
Seit Generationen nah am/im Autismusspektrum, 2 Kinder:
die Große: unreif am Termin geboren, davon diverse kleine 'Problemchen'; inzwischen erwachsen und verheiratet
der Kleine: gesund, schlau, fit, verhaltensoriginell (aber gefahrenbewusst)
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Alexandra2014
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Re: Inklusion oder Förderschule bei Mikrozephalie? Ratlos

Beitrag von Alexandra2014 »

Hallo Sabrina,

Du schreibst, du hast das „Gefühl“, dass das an der Schule nicht gewünscht ist. Das würde ich zuallererst klären. Mache einen Termin bei der Schulleitung und spreche ganz offen mit ihr. Manchmal trügt der Schein.
Wenn die Schule wirklich will, kann das klappen. Insbesondere da du schreibst, dass dein Kind bereits gut integriert ist im Ort. Das würde ich versuchen zu fördern, denn das ist so viel wert!

Stellt sich die Grundschule quer, würde ich es nicht erzwingen. Das kann nur schiefgehen.

Bei uns ist die Grundschule sogar eine Schwerpunktschule für Inklusion. Die Schulleitung hat aber dennoch alles daran gesetzt, dass Inklusion grundsätzlich nicht funktioniert. Und genau so lief es auch. Nach einem halben Jahr haben wir zur Förderschule gewechselt.

Auch in der Förderschule hängt es davon ab, wieviel Einsatz die Lehrer zeigen. Auch eine FS GE ist nicht grundsätzlich nur lebenspraktisch ausgelegt.
An der Förderschule GE hier um die Ecke, lernen die Kinder Lesen, Schreiben, Rechnen. Jeder wird individuell zum Thema dort abgeholt, wo er steht. In Deutsch und Mathe gibt es verschiedene Kurse, wo die Kinder nach ihrem Stand unterrichtet werden, altersunabhängig. Das funktioniert sehr gut.

Es steht und fällt also alles mit der Einstellung vor Ort, unabhängig von der Schulform.
Daher kann ich dir nur raten, an beiden Schulen das Gespräch zu suchen und zu hospitieren. Am Besten auch mal das Kind schnuppern lassen. ☺️

Alles Gute euch!

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral
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Realität ist was für Leute, die Angst vor Drachen haben.
heidipet
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Re: Inklusion oder Förderschule bei Mikrozephalie? Ratlos

Beitrag von heidipet »

Hallo Sabrina,
ich schließe mich Alexandra an.

Wenn Grundschulleitung und Klassenlehrer(in) nicht engagiert sind, wird es sehr schwierig. Finde das heraus.

Für die Grundschule sprechen aber einige Dinge:
- Durchmischung von zukünftigen Hauptschülern und Gymnasiasten.
- Fördersschulen bieten bestensfalls Hauptschulabschluss, jedenfalls in RLP
- Intergration im Dorf. Die ist mit der Förderschule sehr wahrscheinlich weg. Kein gemeinsames Erleben, Förderschulkinder kommen erst am (späten) Nachmittag nach Hause.
- Kumpels aus der Förderschule können sich nur schwer ausserhalb besuchen. Wohnorte -zig Kilometer weit auseinander, Schultaxis können nicht einfach "fremde" Kinder befördern.

Muss es an der Förderschule gleich GE sein? Wer hat die Schuluntersuchung gemacht?
Diese Schulen kämpfen in RLP um Schüler. Unser Gutachten der Schule war ein "Parteiengutachten", danach hätte unser Sohn fast nichts gekonnt. Heute lernt er Bauzeichner.
Wenn Du Zweifel hast: Hol Dir eine Zweitmeinung ein, bevor Du Dein Kind in GE schickst.

Gruß und viel Erfolg
Heidi
Gruß
Heidi
Ma Iris
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Re: Inklusion oder Förderschule bei Mikrozephalie? Ratlos

Beitrag von Ma Iris »

Hallo Heidi,

Gratulation! Wenn dein Sohn mit Mikrozephalie heute Bauzeichner lernt!
Viele Grüße
Silvia & Iris

unsere Vorstellung:
viewtopic.php?f=19&t=23172&p=265506#p265506
(leider hatte ich Probleme mit e-Mail Adresse, daher neue Identität :oops:
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Sabrina-1984
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Re: Inklusion oder Förderschule bei Mikrozephalie? Ratlos

Beitrag von Sabrina-1984 »

Hallo,

Vielen Dank für eure Antworten. Wir hatten bisher erst die Schuluntersuchung beim Landkreis, allerdings schon zweimal jetzt in einem halben Jahr, da wir in zurückstellen lassen und wegen corona irgendwie alles nicht so war wie sonst. Beim ersten Mal hat er super mitgemacht und war super konzentriert und konnte auch vieles. Bei der zweiten Untersuchung fand grade ein Umbau im Gebäude statt, es war sehr laut und draußen am Fenster waren Bauarbeiter mit irgendetwas beschäftigt. Es ging ziemlich viel schief, worauf mir dann mitgeteilt wurde es macht wenig Sinn ihn auf sprachheil oder irgendeine andere Schule zu schicken. Hier zuhause ist es aber auch Tagesform abhängig, es gibt Tage da denke ich wow, was er heute alles kann und am nächsten Tag wieder komplett das Gegenteil. Er kämpft ganz viel gegen seine innere Unruhe. Nächste Woche haben wir diesbezüglich endlich mal einen Termin. Bei uns hier in der Nähe gibt es nur die normale Grundschule mit einer Zweigstelle, in die würden wir aber vom einzugsgebiet nicht gehören aber diese würde ich dann bevorzugen. Die förderschule GE ist 30 Kilometer weg. Wir haben noch eine körperbehinderten Schule, die auch gut ist, wo er aber laut kiga und Gesundheitsamt keine chance hat. Sprachheilschule werden wir uns jetzt nochmal ansehen. Die Kinder die bei euch in der Grundschule sind, haben die einen Schulbehleiter oder klappt das alleine? Lg
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