Benutzt Sprache nicht zur Kommunikation(Autismus)

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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Fabian000
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Re: Benutzt Sprache nicht zur Kommunikation(Autismus)

Beitrag von Fabian000 »

Anna-Alexa hat geschrieben: 22.11.2021, 21:44 Hallo,

Vermutlich weit weg von Allgemeingültig :
Ich habe aus Überzeugung bei beiden Kindern ab ca 8. Lebensmonat Baby Gebärden genutzt.
Das wurde von beiden gerne angenommen.
Und beide haben, sobald der Wortschatz es zuließ, die Gebärden durch Worte ersetzt.
Ich persönlich kann die unterstützende Anwendung von Gebärden (die wir übrigens alle im Alltag verwenden, nur eben nicht bewusst) nur empfehlen.
Hallo!

Gebärden habe ich vor Monaten mal probiert, aber da Fabian auch Probleme mit Blickkontakt hat schaut er fast nie wenn ich sie benutze. Ich werds aber wieder versuchen! Vielen Dank für deinen Tipp!
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Fabian000
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Re: Benutzt Sprache nicht zur Kommunikation(Autismus)

Beitrag von Fabian000 »

Lisaneu hat geschrieben: 22.11.2021, 22:52 Hallo Fabian!

Meine Erfahrung ist, dass Kinder immer den für sie einfachsten Weg nehmen, um bestimmte Dinge, die sie wollen, zu bekommen. Ein Kind, welches sprachlich (noch) nicht kommunizieren kann (egal, aus welchen Gründen) wird dankbar Symbole oder Gebärden annehmen, wenn es damit leichter zurecht kommt. Bei normal hörenden Kindern ohne Wahrnehmungsstörung wird das aber durch Lautsprache ersetzt, sobald den Kindern das möglich ist.

Es gibt 4 Kommunikationskanäle: den Akkustischen mit Lautsprache, Geräuschen und Musik, den Visuellen mit Bildern, Gebärden, Symbolen (z.B. auch Verkehrszeichen) und Gesten, den Schriftlichen mit geschriebener Sprache und den Taktilen mit Berührungen und Körperkontakt. Dazu gehört ebenso wenn z.B. ein Kind einen Elternteil wo hinzieht (oder wegstößt) wie auch streicheln, kitzeln oder lormen.

Man kann all diese Wege zur Kommunikation nutzen. Mein gehörloser Sohn, bei dem der akkustische Kommunikationskanal ja nicht vorhanden ist, konnte neben Bildern mit 4 Jahren erstaunlicherweise die geschriebene Sprache sehr gut nutzen und mir zum Beispiel mit "Kein Kindergarten!" auf dem Whiteboard klar machen, dass er nicht in den Kindergarten wollte.

Andere gehörlose Kinder haben in dem Alter längst in Sätzen gebärden, was von meiner Logik her auch einfacher gewesen wäre als schreiben. Mit ca. 5 Jahren hatte mein Sohn seine "Wortschatzexposion" (bei ihm in Gebärdensprache) und damit waren die Bilder und das Schreiben nicht mehr notwendig, weil er einen einfacheren Weg der Kommunikation gefunden hatte.

Mein Sohn ist heute 9 Jahre alt und kommuniziert fast nur noch in Gebärdensprache. Aber wenn ich eine Gebärde nicht verstehe (was auch vorkommt, ist ja nicht meine Erstsprache) nimmt er manchmal etwas genervt einen Zettel und schreibt mir auf, was er meint. Auch mit einer Freizeitbetreuerin, die keine Gebärdensprache kann, kommuniziert er schriftlich.

Was ich damit sagen will: andere Kommunikationskanäle machen dann Sinn, wenn dem Kind die Kommunikation damit leichter fällt, als z.B. mit Lautsprache. Aber ein neurotypisches, hörendes Kind wird ohnehin mal an dem Punkt ankommen, wo sprechen der einfachste Weg ist. Und zwar dann, wenn sein Wortschatz groß genug ist, um damit Wünsche und Ideen auszudrücken, und die Sprache klar genug, um (akkustisch) verstanden zu werden.
Hallo!

Zuerst einmal Danke dass du dir die Zeit genommen hast!
Ich glaube Fabian hat einfach noch nicht begriffen für was Sprache eigentlich da ist-nämlich zur Kommunikation. Wenn ich ihm z.b die Schuhe anziehe sagt er ja auch: anziehen. Aber wenn er möchte das ich ihm die Schuhe anziehe da er raus möchte kommt er nicht zu mir und sagt es. Vielleicht schaffen wir es mit Pecs oder Gebärden dass er begreift dass er uns mit Worten mitteilen kann was er möchte oder auch nicht möchte. Wenn er das einmal begreift wird er die Wörter die er mittlerweile kann sicher zur Kommunikation einsetzen. Also hoffe ich zumindest.

Das jedes Kind den einfachsten Weg wählt macht Sinn und wäre für Fabian dann eigentlich auch die Sprache. Er hat ja auch Freude am sprechen. Wenn er ein neues Wort lernt ist er richtig stolz!

Hab ich das richtig verstanden, dein Kind konnte mit 4 Jahren schon schreiben??! Hat er sich das selber beigebracht?

Lg Sandra
Fabian000
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Re: Benutzt Sprache nicht zur Kommunikation(Autismus)

Beitrag von Fabian000 »

Elechen hat geschrieben: 22.11.2021, 23:09
Fabian000 hat geschrieben: 21.11.2021, 11:21 Hallo,

Vll kann mir jemand einen Tipp geben.

Mein Sohn (wird Mitte Dez 3 Jahre alt) hat vor ca 4 Monaten angefangen einzelne Wörter zu sprechen. Mittlerweile hat er einen Wortschatz von ca 150 Wörtern. Das freut uns natürlich sehr. Er verwendet die Wörter leider nur nicht um mit uns zu kommunizieren z.b er kann das Wort Saft. Aber wenn er Saft trinken will kommt er nicht zu uns und sagt: Saft sondern führt uns an den Händen zur Küche schaut den Saft an und jammert. Wenn wir ihm dann ein Glas Saft geben sagt er Saft. Er benennt die Dinge einfach nur. Wenn er z.B draußen ein Auto sieht sagt er: Auto. Wie bringe ich ihn dazu richtig zu kommunizieren? Ich gebe ihm zum Beispiel den Saft nicht sofort sondern frage ihn : Was möchtest du? Möchtest du Saft? Aber da kommt leider nichts von ihm.
Er benutzt die Wörter die er kann schon richtig z.b wenn er sich seine Malsachen nimmt und zu malen beginnt sagt er „malen“ aber halt zu sich selbst auch wenn er alleine ist. Er schreit auch nicht „Mama“ wenn er mich sucht oder so. Also eigentlich 0% Kommunikation.
Kommt das irgendjemanden bekannt vor? Habt ihr Tipps für mich?
Ich habe einfach Angst dass er nie richtig mit uns sprechen wird obwohl er endlich zu sprechen begonnen hat und täglich neue Wörter dazukommen. Es macht ihm auch sehr viel Freude sich z.b seine Bilderbücher benennen zu lassen oder die Dinge selbst zu benennen.

Die Diagnose Frühkindlicher Autismus hat er mit 24 Monaten bekommen.

Liebe Grüße


Hallo Fabian,

ich finde die Diagnose "frühkindlicher Autismus " mit 24 Monaten reichlich früh getroffen.
Lass sich dein Kind entwickeln. Es hört sich an, als wenn er kognitiv und sozial verzögert ist!
Lass deinen Sohn mal humangenetisch untersuchen

Unsere Tochter ist auch verzögert. Ihr wollte man auch den Autismus-Stempel aufdrücken.
Dann haben wir ihr Blut untersuchen und schon hatten wir die Ursache: Duplikationssyndrom 15 q !

Je älter sie wird, desto offensichtlicher wurde das sie keine Autistin ist. Sie braucht nur länger als andere Kinder.

Schau dir mal dup15q.de an. Das ist die Seite unseres Vereins! Vielleicht findest du Parallelen.

Alles Gute für dich und deine Familie!
Hallo,

ich habe mir die Seite angesehen. Leider findet man im Internet sonst sehr wenig. Fabian konnte aber schon mit 11 monaten erste Schritte laufen. Frei mit 12-13 Monaten. Auch sitzen, umdrehen usw. konnte er alles zeitgerecht. Er war auch immer sehr sicher auf den Beinen und ist selten hingefallen. Schließ dass das Syndrom aus?
maikeb
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Re: Benutzt Sprache nicht zur Kommunikation(Autismus)

Beitrag von maikeb »

Mein Sohn hat erst spät sprechen gelernt. Er hatte einfach keinen Gebrauch dafür. Auch mein Sohn hat die Dinge zunächst nur benannt und Worte nicht zur Kommunikation genutzt. Inzwischen ist er ein Teenager und redet pausenlos (was auch sehr anstrengend sein kann). Er denkt quasi laut. Er kann uns Vorträge halten über Dinge, die ihm gerade durch den Kopf gehen. Er stellt auch Fragen. Aber an den Antworten ist er oft nicht interessiert. Es sieht inzwischen also nach mehr Kommunikation aus, aber deren Qualität ist eben nicht neurotypisch. Er kommt damit aber im Alltag recht gut zurecht und Fremde bemerken nicht sofort, dass er anders "tickt".
Ich kann Dir also etwas Mut machen.
Lisaneu
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Re: Benutzt Sprache nicht zur Kommunikation(Autismus)

Beitrag von Lisaneu »

Fabian000 hat geschrieben:
Hallo!

Zuerst einmal Danke dass du dir die Zeit genommen hast!
Ich glaube Fabian hat einfach noch nicht begriffen für was Sprache eigentlich da ist-nämlich zur Kommunikation. Wenn ich ihm z.b die Schuhe anziehe sagt er ja auch: anziehen. Aber wenn er möchte das ich ihm die Schuhe anziehe da er raus möchte kommt er nicht zu mir und sagt es. Vielleicht schaffen wir es mit Pecs oder Gebärden dass er begreift dass er uns mit Worten mitteilen kann was er möchte oder auch nicht möchte. Wenn er das einmal begreift wird er die Wörter die er mittlerweile kann sicher zur Kommunikation einsetzen. Also hoffe ich zumindest.

Das jedes Kind den einfachsten Weg wählt macht Sinn und wäre für Fabian dann eigentlich auch die Sprache. Er hat ja auch Freude am sprechen. Wenn er ein neues Wort lernt ist er richtig stolz!

Hab ich das richtig verstanden, dein Kind konnte mit 4 Jahren schon schreiben??! Hat er sich das selber beigebracht?

Lg Sandra
Hallo Sandra!

Ja, Alex konnte mit 4 Jahren schon etliche Wörter schreiben. Und er konnte Wörter im Gebärdenalphabet korrekt buchstabieren. Genau das kam mir ja seltsam vor: er hatte Schwierigkeiten, Gebärden, die je für EIN Wort standen, zu verwenden, während er auch schwierige Wörter schnell und korrekt schreiben UND buchstabieren konnte.

Alex hat mit 2 1/2 Jahren angefangen, sich für Buchstaben zu interessieren und konnte an seinem 3. Geburtstag alle Groß-und Kleinbuchstaben korrekt benennen und das Alphabet vorwärts und rückwärts gebärden und aufschreiben.

Die Bedeutung der Wörter hat er über Bildkarten auf unserem Whiteboard gelernt. Die habe ich von Metacom mit der Bezeichnung drunter ausgedruckt und für den Tagesplan verwendet. Alex hat ein sehr gutes Wortbildbedächtnis. Mit etwas über 3 Jahren las er mal auf einem Formular seinen Namen und gebärdete begeistert "ICH".

Er konnte mir beim Eisstand cool "Erdbeere" und "Straciatella" buchstabierten, damit ich für ihn bestellen konnte. Aber die Gebärde für "Erdbeere" (eigentlich viel einfacher) hat er nicht verwendet, obwohl er die passiv längst kannte.

Wie die meisten Gehörlosen hatte und hat er aber Schwierigkeiten mit der Grammatik. Seine selbst abgeleiteten Regeln sind eben leider oft falsch. Warum heißt die Mehrzahl von Uhr nicht Ühr, wenn die Mehrzahl von Apfel Äpfel heißt? Daher sind seine Sätze eine Ansammlung richtig geschriebener Wörter in abenteuerlicher Reihenfolge (aber dennoch meistens verständlich) :alien: .

Ich bin rückblickend froh, Alex so viele Möglichkeiten der Kommunikation angeboten zu haben. Auch wenn mir heute noch nicht klar ist, warum er Buchstaben besser gebärden konnte als ganze Wörter, war es für ihn einfach (neben Bildkarten und Symbolen) der Einstieg in die wechselseitige Kommunikation.

Ich würde mich bei Fabian daher nicht auf die Lautsprache fixieren, wenn ihm offenbar (noch) nicht klar ist, dass er damit kommunizieren könnte.

Vielleicht fällt ihm leichter, wenn er eine Bildkarte hat mit Schuhen drauf (ev. seine eigenen Schuhe fotografiert), die er dir bringen kann, wenn er sie anziehen will. Vielleicht fallen ihm auch Gebärden leichter als Lautsprache. Oder du zeigst ihm, dass er deine Hände auf seine Schuhe legen kann, um dich so aufzufordern, sie ihm anzuziehen. Denn auch DAS ist Kommunikation.

Das eingegrenzte Bild, wonach man Lautsprache unbedingt zur Kommunikation "braucht" haben nur hörende Erwachsene :wink: . Und auch die Vorstellung, dass sich Kinder frühestens mit 5 oder 6 Jahren für Buchstaben und Zahlen interessieren, ist in den Erwachsenenköpfen verankert.

Wenn Fabian dann mal draufgekommen ist, wie man andere dazu bringt, etwas bestimmtes zu tun (z.B. ihm die Schuhe anzuziehen), wird er auch früher oder später dahinter kommen, dass das auch sprachlich hinkriegt. Wichtig ist das Bewusstsein deinerseits, dass Fabian auch mit dir kommuniziert, indem er dich wo hinzieht oder deine Hand auf etwas legt. Oder wenn er eben Bilder, Symbole, Gesten (wo hinzeigen) oder Gebärden nutzt.

Ich würde da auch gar nicht so kompliziert denken, gleich alles Mögliche besorgen oder lernen zu müssen. Fotografier einfach mal die Personen, Orte und Gegenstände aus Fabians Alltag, druck sie aus und schreib zusätzlich die Bezeichnung ("die Oma", "der Kindergarten","das Auto") in Blockschrift drunter oder drauf. Wenn ihr dann mit dem Auto zur Oma fahrt sagst du ihm das, gibst ihm aber zusätzlich die Bilder von der Oma, vom Auto und von ihrem Haus.

Alles Gute!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama ADHS (mit 49 diagnostiziert)
Fabian000
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Re: Benutzt Sprache nicht zur Kommunikation(Autismus)

Beitrag von Fabian000 »

maikeb hat geschrieben: 23.11.2021, 16:50 Mein Sohn hat erst spät sprechen gelernt. Er hatte einfach keinen Gebrauch dafür. Auch mein Sohn hat die Dinge zunächst nur benannt und Worte nicht zur Kommunikation genutzt. Inzwischen ist er ein Teenager und redet pausenlos (was auch sehr anstrengend sein kann). Er denkt quasi laut. Er kann uns Vorträge halten über Dinge, die ihm gerade durch den Kopf gehen. Er stellt auch Fragen. Aber an den Antworten ist er oft nicht interessiert. Es sieht inzwischen also nach mehr Kommunikation aus, aber deren Qualität ist eben nicht neurotypisch. Er kommt damit aber im Alltag recht gut zurecht und Fremde bemerken nicht sofort, dass er anders "tickt".
Ich kann Dir also etwas Mut machen.

Das gibt mir wirklich Mut und Hoffnung! Danke auch für die ausführliche Erklärung! Lg
Fabian000
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Re: Benutzt Sprache nicht zur Kommunikation(Autismus)

Beitrag von Fabian000 »

Lisaneu hat geschrieben: 23.11.2021, 21:12
Fabian000 hat geschrieben:
Hallo!

Zuerst einmal Danke dass du dir die Zeit genommen hast!
Ich glaube Fabian hat einfach noch nicht begriffen für was Sprache eigentlich da ist-nämlich zur Kommunikation. Wenn ich ihm z.b die Schuhe anziehe sagt er ja auch: anziehen. Aber wenn er möchte das ich ihm die Schuhe anziehe da er raus möchte kommt er nicht zu mir und sagt es. Vielleicht schaffen wir es mit Pecs oder Gebärden dass er begreift dass er uns mit Worten mitteilen kann was er möchte oder auch nicht möchte. Wenn er das einmal begreift wird er die Wörter die er mittlerweile kann sicher zur Kommunikation einsetzen. Also hoffe ich zumindest.

Das jedes Kind den einfachsten Weg wählt macht Sinn und wäre für Fabian dann eigentlich auch die Sprache. Er hat ja auch Freude am sprechen. Wenn er ein neues Wort lernt ist er richtig stolz!

Hab ich das richtig verstanden, dein Kind konnte mit 4 Jahren schon schreiben??! Hat er sich das selber beigebracht?

Lg Sandra
Hallo Sandra!

Ja, Alex konnte mit 4 Jahren schon etliche Wörter schreiben. Und er konnte Wörter im Gebärdenalphabet korrekt buchstabieren. Genau das kam mir ja seltsam vor: er hatte Schwierigkeiten, Gebärden, die je für EIN Wort standen, zu verwenden, während er auch schwierige Wörter schnell und korrekt schreiben UND buchstabieren konnte.

Alex hat mit 2 1/2 Jahren angefangen, sich für Buchstaben zu interessieren und konnte an seinem 3. Geburtstag alle Groß-und Kleinbuchstaben korrekt benennen und das Alphabet vorwärts und rückwärts gebärden und aufschreiben.

Die Bedeutung der Wörter hat er über Bildkarten auf unserem Whiteboard gelernt. Die habe ich von Metacom mit der Bezeichnung drunter ausgedruckt und für den Tagesplan verwendet. Alex hat ein sehr gutes Wortbildbedächtnis. Mit etwas über 3 Jahren las er mal auf einem Formular seinen Namen und gebärdete begeistert "ICH".

Er konnte mir beim Eisstand cool "Erdbeere" und "Straciatella" buchstabierten, damit ich für ihn bestellen konnte. Aber die Gebärde für "Erdbeere" (eigentlich viel einfacher) hat er nicht verwendet, obwohl er die passiv längst kannte.

Wie die meisten Gehörlosen hatte und hat er aber Schwierigkeiten mit der Grammatik. Seine selbst abgeleiteten Regeln sind eben leider oft falsch. Warum heißt die Mehrzahl von Uhr nicht Ühr, wenn die Mehrzahl von Apfel Äpfel heißt? Daher sind seine Sätze eine Ansammlung richtig geschriebener Wörter in abenteuerlicher Reihenfolge (aber dennoch meistens verständlich) :alien: .

Ich bin rückblickend froh, Alex so viele Möglichkeiten der Kommunikation angeboten zu haben. Auch wenn mir heute noch nicht klar ist, warum er Buchstaben besser gebärden konnte als ganze Wörter, war es für ihn einfach (neben Bildkarten und Symbolen) der Einstieg in die wechselseitige Kommunikation.

Ich würde mich bei Fabian daher nicht auf die Lautsprache fixieren, wenn ihm offenbar (noch) nicht klar ist, dass er damit kommunizieren könnte.

Vielleicht fällt ihm leichter, wenn er eine Bildkarte hat mit Schuhen drauf (ev. seine eigenen Schuhe fotografiert), die er dir bringen kann, wenn er sie anziehen will. Vielleicht fallen ihm auch Gebärden leichter als Lautsprache. Oder du zeigst ihm, dass er deine Hände auf seine Schuhe legen kann, um dich so aufzufordern, sie ihm anzuziehen. Denn auch DAS ist Kommunikation.

Das eingegrenzte Bild, wonach man Lautsprache unbedingt zur Kommunikation "braucht" haben nur hörende Erwachsene :wink: . Und auch die Vorstellung, dass sich Kinder frühestens mit 5 oder 6 Jahren für Buchstaben und Zahlen interessieren, ist in den Erwachsenenköpfen verankert.

Wenn Fabian dann mal draufgekommen ist, wie man andere dazu bringt, etwas bestimmtes zu tun (z.B. ihm die Schuhe anzuziehen), wird er auch früher oder später dahinter kommen, dass das auch sprachlich hinkriegt. Wichtig ist das Bewusstsein deinerseits, dass Fabian auch mit dir kommuniziert, indem er dich wo hinzieht oder deine Hand auf etwas legt. Oder wenn er eben Bilder, Symbole, Gesten (wo hinzeigen) oder Gebärden nutzt.

Ich würde da auch gar nicht so kompliziert denken, gleich alles Mögliche besorgen oder lernen zu müssen. Fotografier einfach mal die Personen, Orte und Gegenstände aus Fabians Alltag, druck sie aus und schreib zusätzlich die Bezeichnung ("die Oma", "der Kindergarten","das Auto") in Blockschrift drunter oder drauf. Wenn ihr dann mit dem Auto zur Oma fahrt sagst du ihm das, gibst ihm aber zusätzlich die Bilder von der Oma, vom Auto und von ihrem Haus.

Alles Gute!
Hallo!

Was für ein intelligentes Kind, Wahnsinn!
Ich glaube sein Interesse an den Buchstaben war einfach so größer als das gebärden selber.

Fabian interessiert sich auch sehr für Buchstaben und Zahlen. Er kann bis 10 zählen und kennt auch die Reihenfolge. Er kann auch jeden Buchstaben benennen. Letztens hat er das Alphabet bis P fehlerfrei aufgesagt. Kleinbuchstaben kennt er aber glaub ich noch nicht. Er malt auch seit kurzem Zahlen und Buchstaben nach wenn ich sie ihm aufschreibe.

Eigentlich haben wir kein Problem damit zu erraten was Fabian will. Wir wollen nur das er es uns sagt. Wenn er raus will bringt er uns seine Jacke oder Schuhe. Er zieht uns auch an der Hand zum gewünschten Ort oder Ding. Wenn er eine z.B eine Banane essen möchte bringt er sie uns. Er nimmt generell seeehr viel Kontakt mit uns auf eigentlich ständig. Will immer mit uns spielen z.b Trampolin hüpfen, guck guck spiele, fangen, kitzeln. Seit neuesten bringt er mir z.B ein Spielzeugauto schaut mich an und sagt Auto.
Wenn ich im Auto zu ihn sage wir fahren zur Oma oder in die Krabbelstube versteht er mich auch schon(also denke ich)
SimoneChristian
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Re: Benutzt Sprache nicht zur Kommunikation(Autismus)

Beitrag von SimoneChristian »

Fabian000 hat geschrieben: 23.11.2021, 14:16
Anna-Alexa hat geschrieben: 22.11.2021, 21:44 Hallo,

Vermutlich weit weg von Allgemeingültig :
Ich habe aus Überzeugung bei beiden Kindern ab ca 8. Lebensmonat Baby Gebärden genutzt.
Das wurde von beiden gerne angenommen.
Und beide haben, sobald der Wortschatz es zuließ, die Gebärden durch Worte ersetzt.
Ich persönlich kann die unterstützende Anwendung von Gebärden (die wir übrigens alle im Alltag verwenden, nur eben nicht bewusst) nur empfehlen.
Hallo!

Gebärden habe ich vor Monaten mal probiert, aber da Fabian auch Probleme mit Blickkontakt hat schaut er fast nie wenn ich sie benutze. Ich werds aber wieder versuchen! Vielen Dank für deinen Tipp!
Das habe ich bei meinem Sohn auch gedacht!
6 Monate nachdem ich mit dem Gebärden aufgehört hatte, hat er spontan zumindest die für Trinken verwendet.

Wichtig finde ich, dass man sich selber bei der Stange hält, auch wenn es erst mal keine Entwicklung zu geben scheint.
Normalerweise wird unser Mama-Gehirn durch Blickkontakt, Lächeln und Nachahmung belohnt, aber das passiert bei unsern Kindern eben deutlich seltener als bei neurotypischen.
Dabei geholfen hat mir vor allem dieses Forum (und am Anfang eine tolle Sprachheiltherapeutin).

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)
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Lisaneu
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Re: Benutzt Sprache nicht zur Kommunikation(Autismus)

Beitrag von Lisaneu »

Fabian000 hat geschrieben: 23.11.2021, 22:25 Eigentlich haben wir kein Problem damit zu erraten was Fabian will. Wir wollen nur das er es uns sagt. Wenn er raus will bringt er uns seine Jacke oder Schuhe. Er zieht uns auch an der Hand zum gewünschten Ort oder Ding. Wenn er eine z.B eine Banane essen möchte bringt er sie uns. Er nimmt generell seeehr viel Kontakt mit uns auf eigentlich ständig. Will immer mit uns spielen z.b Trampolin hüpfen, guck guck spiele, fangen, kitzeln. Seit neuesten bringt er mir z.B ein Spielzeugauto schaut mich an und sagt Auto.
Wenn ich im Auto zu ihn sage wir fahren zur Oma oder in die Krabbelstube versteht er mich auch schon(also denke ich)
So, wie du das beschreibst, braucht dein Fabian einfach noch Zeit um so zu kommunizieren, wie ihr es von ihm erwartet. Klar kannst du jetzt Druck machen, indem du so tust, als würdest du nicht verstehen, dass er die Banane essen will, wenn er sie bringt. Vielleicht bringt das auch was, aber mir persönlich widerstrebt es, weil ein kluges Kind (und das ist dein Fabian ebenso wie mein Alex :wink: ) in nullkommanix durchschaut wenn sich jemand "dumm stellt". Dein Sohn wird nicht kapieren wenn du auf einmal vorgibst, das nicht mehr zu verstehen, was du bis jetzt immer verstanden hast. Aus welchem Grund auch immer er für SEINE Kommunikation keine Lautsprache verwendet, mit so billigen Tricks wirst du ihn vermutlich nicht dazu bringen, es doch zu tun. Daher würde ich einfach die Wege, die dein Sohn jetzt schon zur Kommunikation gefunden hat, akzeptieren, und in der Zukunft auch noch weitere Wege (Gebärden, Gesten, Bilder, Fotos, Symbole,...) außer Lautsprache anbieten.

Kein Kind wählt für sich den komplizierteren Weg der Kommuniktion, wenn es nicht durch irgendeine Einschränkung am leichteren Weg (im Fall eines hörenden Kindes: des lautsprachlichen) gehindert wird. Mutismus (total oder selektiv) ist unter Kleinkindern gar nicht so selten, aber die meisten entdecken dann doch früher oder später dass Lautsprache der einfachste Kommunikationsweg ist. Und wenn ein Kind auf Grund seiner Besonderheiten diesen Weg nicht nutzen will oder kann, ist erst recht wichtig, ihm hochwertige alternative Kommunikationswege zu zeigen.

Du schreibst, dein Sohn versteht, wenn du im Auto zu ihm sagst, dass ihr zur Oma oder in die Krabbelstube fahrt. Das wird vermutlich stimmen, aber Kommunikation ist eben keine Einbahnstrasse. Vor allem würde ich den Zweck der Autofahrt und das Ziel schon zu Hause vorweg benennen und idealerweise auch noch mit Bildern unterstützt verschriftlichen (Whiteboard, Pinwand).

Dein Sohn kann nonverbal einiges mitteilen, aber eben längst nicht alles. Er kann eine Banane bringen, wenn er eine essen will, aber wenn keine Banane zu Hause ist kann er dich nicht bitten, ihm beim einkaufen eine mitzubringen. Er hört, wenn du ihm sagst, dass ihr zur Krabbelgruppe fahrt, kann aber nicht sagen, dass er lieber auf den Spielplatz fahren würde.

Und genau DAS sollst zu ihm ermöglichen! Dein Sohn soll die Möglichkeit haben, z.B. ein Bild von der Oma zu bringen, wenn er sie besuchen will. Wenn das z.B. nicht geht, weil ihr was anderes vor habt, muss das natürlich wieder kommuniziert werden. Aber da kannst du z.B. auf einem Whiteboard oder einer Pinwand für den nächsten Tag den Besuch bei der Oma ankündigen.

Ich stelle am Nachmittag gerne ein paar Bilder davon ein, wie bei uns das Whiteboard für Kommunikation genutzt wurde. Es war mindestens 3 Jahre lang unser wichtigstes Hilfsmittel :mrgreen: .
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama ADHS (mit 49 diagnostiziert)
Antworten

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