Nun stellen wir uns auch vor

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Anne1982
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Anne1982 »

Sia hat geschrieben: 15.11.2021, 14:46 @Anne - betreffend Stimmen: Meine Kinder hatten das mit den Stimmen beide auch. Bei meiner Tochter war es ausgeprägter. Sie sprach auch mit "imaginären" Personen. Sie konnte deswegen lange nicht schlafen. Kam nachts immer wieder zu uns ins Bett! Diesbezüglich sagte man mir aber immer, dass dies eigentlich eine normale Entwicklung sei. Bei den einen sehr ausgeprägt, bei den anderen kaum sichtbar. Kinder haben wohl (noch) ein besseres Gespür. Mit der Zeit ändert sich das bzw. sie lernen nicht mehr darauf zu hören.
Meine Kinder haben sich auch mit Fragen auseinandergesetzt, bei denen ich mich oft fragte, wie sie darauf kommen. Und gerade der Sinn des Lebens, Gott und der Tod waren manchmal sehr präsent. Manchmal hat mir das fast ein bisschen angst gemacht.
Aber ich habe meine Kinder immer ernst genommen. Mit ihnen darüber gesprochen.

Inzwischen sind beide diesbezüglich nicht mehr "auffällig". Diese "Stimmen" (und Selbstgespräche) waren bei uns auch in der Zeit der Diagnosestellung nie Thema bzw. man hat es nie näher angeschaut, weil es als natürliche Entwicklung galt. Bei uns hatte es keinen Einfluss auf die Diagnose.
Aber mit meinem Sohn haben wir immer noch sehr oft Diskussionen, bei denen ich mich frage, woher nimmt er diese Themen. Wenn man sich darauf einlässt, kann es sehr spannend sein. Inzwischen gefallen mir diese Diskussionen, die ich mit meinen Kindern führe :wink:

Mein Sohn bekam mit ca. 13 Jahren die Diagnose Asperger Autist und meine Tochter mit 9 Jahren die Diagnose AD(H)S.

Anhand der späten Diagnose meines Sohnes kannst du sehen, dass es tatsächlich möglich ist, nach aussen hin unauffällig zu wirken. Zumindest so unauffällig, dass keiner auf die Idee kommen würde, eine Abklärung zu machen.
Früher war es immer nur mein "Bauchgefühl", welches die Auffälligkeiten registrierte und erst in der Pubertät teilte mir die Klassenlehrerin in der Oberstufe plötzlich mit, dass sie das Gefühl hat, dass mit meinem Sohn etwas nicht stimmt!

... noch zum murmeln ... das mache ich auch! Es passiert einfach ... meistens bin ich in Gedanken ... ich murmle oder singe leise vor mich hin. Immer dann, wenn es laut um mich herum ist und ich mich konzentrieren sollte. Damit schotte ich mich "vom Rest der Welt" ab :wink: Es hilft mir, mich zu fokussieren! Bei meiner Tochter kann ich manchmal ein ähnliches Verhalten feststellen - bei meinem Sohn fällt es mir weniger auf!
Liebe Sia,
vielen Dank für deine Nachricht.
Wenn ich hier beim Arzt erwähne, dass mein Sohn Stimmen hört, dann sind die Reaktionen meist nicht so entspannt.
Deine Zeilen entspannen mich tatsächlich ein wenig.
Wie bist du denn als Mutter mit diesen Stimmen umgegangen?
Hast du es thematisiert oder doch eher nur zur Kenntnis genommen?
Mir macht es Angst, wenn mein Sohn berichtet, vor allem, wenn die Stimmen ihm etwas verbieten.
Da bin ich dann wirklich überfordert. Solche Antworten, wie höre einfach nicht hin, die Stimmen sind nicht real, bringen dann nichts. Für ihn ist es ja Realität.

Danke, dass du mir schreibst, wie es bei deinem Sohn war.
Bei meinem Sohn ist es auch so, dass er in der Schule nur durch Selbstgespräche auffällt und weil er in den Pausen nicht spielt. Sonst wird er als vorbildlich beschrieben.
Da denke ich wirklich manchmal, ob ich nicht doch eine panische Übermama bin.
Liebe Grüße Anne
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Anne1982
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Anne1982 »

Anjali hat geschrieben: 15.11.2021, 14:57
Anne1982 hat geschrieben: 15.11.2021, 11:07 Dein Sohn ist Asperger Autist, habe ich gerade gelesen.
Deswegen noch eine Frage, die mich schon lange beschäftigt.
Gibt es Menschen im Autismusspektrum, die sich tatsächlich so gut kontrollieren können, dass sie draußen kaum auffallen?
...ja die gibt es. Wobei es auch auf die Definition von „Unauffälligkeit“ ankommt.

Wenn ich mal von meinem Sohn ausgehe: Er wirkt sehr zurückhaltend und schüchtern. Zeigt wenig Mimik. Redet wenig.
Insofern fällt er z.B. schon in gewisser Weise auf, wird aber von Außenstehenden nicht unbedingt als Autist „identifiziert“.
Er möchte gerne am sozialen Leben teilnehmen, reagiert jedoch auf die für ihn damit verbundene anstrengende große Anpassungsleistung mit psychosomatischen Beschwerden und Ängsten. (In früheren Jahren mit schweren Ausrastern) Von diesen Beschwerden bekommen Außenstehende im Allgemeinen nichts mit.

Je jünger Autisten sind, desto weniger gut können sie (in der Regel) kompensieren, desto eher fallen sie irgendwie auf.
Im Kindergarten war mein Sohn, ähnlich wie deiner, so „stumm“, dass die Erzieherinnen annahmen, er hätte eine Sprachentwicklungsverzögerung (was jedoch nicht der Fall war).
Vielen Dank für deine Antwort,
wenn ich deine Nachricht lese, erkenne ich meinen Sohn an einigen Stellen wieder.
Er ist schüchtern zurückhaltend, möchte durchaus am sozialen Leben teilnehmen. Das gelingt ihm auch gut, wenn er die Personen gut kennt. Neue Menschen kennenlernen verunsichert ihn. Manchmal lehnt er es auch ab.
Im Sportverein redet er seid dem er dort ist nur das Nötigste und möchte auch Niemanden kennenlernen. So sagt er es.
Er beobachtet gern. Er sagt, das ist für ihn wie Fernsehen.
Ängste durchziehen seine gesamte Kindheit.
Das ist auch ein großes Thema.
Die Ausbrüche sind viel besser geworden und je älter er wird, desto weniger sehe selbst ich ihn im Autismusspektrum. Wenn da nur nicht diese kleinen Auffälligkeiten wären.
Ich danke dir wirklich, dass du einige Eigenheiten deines Sohnes mit mir geteilt hast.
Aufschluss wird wohl nur der Facharzt liefern können.
Das Warten ist nur nicht meine Stärke.
Liebe Grüße
Anne1982
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Anne1982 »

Sandra9902 hat geschrieben: 15.11.2021, 20:17 Hallo,

mein Sohn ist ein geistig behinderter, frühkindlicher Autist, die Lage ist also ein wenig anders als bei euch. Aber es war immer so, auch als er noch sehr klein war, dass es entweder in der Kita, der Schule,…. super geklappt hat, er tolle Fortschritte gemacht hat, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten angepasst hat. Klappte es vormittags in der Kita, der Schule,…, waren von dort die Berichte positiv und voll Entwicklung und Begeisterung der Pädagogen, hatten wir Zuhause einen schreienden, alles zerstörenden, sich unaufhörlich bewegenden Terrorkrümel und Käpt‘n Chaos. Manchmal war es auch umgekehrt und es lief bei uns super und die anderen mussten sein Abreagieren aushalten. Es ist also möglich, dass man kompensiert. Inzwischen ist unser Sohn erwachsen und seit einigen Jahren brummelt er bestimmte Wörter, die uns ziemlich sinnlos erscheinen, da sie nicht situationsbedingt sind, vor sich hin, um sich zu beruhigen, manchmal, um sich wachzuhalten, einige Worte brummelt er sehr tief, so dass er sich besser spürt. Für ihn ist es also sehr positiv besetzt. Bewußt ist es ihm auch oft erst, wenn man ihn darauf aufmerksam macht.

Viele Grüße, Sandra
Liebe Sandra,
auch ein Dankeschön an dich, dass du deine Erfahrungen mit deinem Sohn mit mir teilst.
Ich habe auch eher das Gefühl, dass dieses Murmeln ihn beruhigt. Danke nochmal für den Hinweis.
Die Wutanfälle von meinem Sohn, waren früher ganz schlimm und täglich. Aber wirklich nur zu Hause, oder unterwegs, wenn ich dabei war.
War er allein irgendwo, gab es solche Ausbrüche nicht. Er galt immer als ruhig und unauffällig.
Mittlerweile sind seine Ausbrüche auch zu Hause nicht mehr so oft. Dafür hat er aber so manchen Tic entwickelt, die sich immer mal verändern.
Hier stellt sich für mich aber immer wieder die Frage, was ist normal und was nicht.
Kinder haben immer mal wieder Tics, die nach einer gewissen Zeit verschwinden.

Liebe Grüße Anne
Sandra9902
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Sandra9902 »

Hallo Anne,

unser Sohn kompensiert phasenweise viel mit Tics. Hat er vermehrt Tics, hat er sich besser unter Kontrolle. Er schnippt mit dem Finger gegen meinen Körper, früher hat er das bei jeder Person gemacht, das hat er lernen können, dass das bei fremden Menschen gar nicht geht. Er klimpert andauernd mitballen Fingern mit der Fingernagelseite gegen Gegnstände, bevorzugt :
Möbel, Glas, Wände, überall, wo es Geräusche gibt. Sehr spannend beim Einkaufen, wenn ich hoffe, dass die Glasflaschen artig im Regal bleiben und nicht reihenweise runterfallen, denn oft kann ich nicht so schnell schauen, wie er klimpert. Er verzieht das Gesicht zu einer bestimmten Grimasse usw. Wie gesagt, er hat entwedereine Phase, in der Tics hat oder eine, in der er eher unruhig und ziemlich unruhig und wechselhaft ist.
Was für mich besser auszuhalten ist, weiß ich auch nach 20 Jahren noch nicht😄, denn diese Tics machen mich oft völlig verrückt, die kann ich im Gegensatz zu so vielem anderen nicht gut ausblenden .

Viele Grüße, Sandra
Sandra mit Sohn, geb. 1999, frühkindlicher Autist,gb, ADHS, Epilepsie, anfallsfrei
Tochter, geb. 2002
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Sia »

@Anne - wenn mir meine Tochter/Sohn von den "Stimmen" erzählt hat, habe ich meistens Fragen dazu gestellt. Wie z. B. Wieso meinst du, dass die Stimme dir das gesagt hat? Oder - Wieso verbietet dir diese Stimme das? Einfach, um mehr herauszufinden. Das Gefühl zu vermitteln, dass ich da bin und zuhöre. Verstehe bzw. das Erzählte ernst nehme.
Meine Tochter war manchmal verunsichert von dem, was die Stimme ihr sagte bzw. selber verunsichert von der Situation. Dann habe ich sie jeweils dazu ermuntert, dass sie dies beim nächsten Mal genau so mitteilen soll und auch ganz klar ihre Bedürfnisse mitteilen darf! Auch sagen darf, wenn sie diese Stimme nicht mehr hören will :wink:

Auf die Idee, ihr zu sagen, dass sie der Stimme sagen darf, dass sie sie nicht mehr hören möchte, bin ich, weil ich mal einen Bericht dazu gelesen habe. Darin waren ähnliche Situationen beschrieben. Es ging darum, dass einige Kinder "Stimmen" hören oder mit "jemandem" sprechen. Das kann wohl auch ein "Verarbeitungsprozess" von Erlebtem sein. Insbesondere auch dann, wenn Kinder Wahrnehmungsstörungen haben oder reizempfindlich sind. Sie denken über das Erlebte nach und machen eigentlich wie ein Rollenspiel. Auch das was die Stimme sagt, sind Dinge, die das Kind "erlebt" haben kann. Oft geraten diese Erlebnisse durcheinander (das Kind erinnert sich nicht an die genaue Reihenfolge / oder an genaue Sätze / oder hat nicht verstanden, was von ihm gefordert war). Irgendwann, wenn die Kinder lernen, ihren Alltag besser zu verarbeiten, gibt es keinen Grund mehr für sie, diese Stimmen zu hören bzw. mit "Stimmen" (Rollenspiel) den Tag zu verarbeiten. Es gerät in Vergessenheit!
Ist schwierig zu erklären, hoffe, dass es einigermassen verständlich ist, was ich meine. Leider habe ich diesen Bericht nicht mehr!
Eine schöne Zeit wünscht
Sia (aus der Schweiz :wink:)
Stell' dich täglich dem Wind, dann trotzt du dem Sturm. Geh' lachend durch den Regen und du überwindest die Flut
J. 2004 MPS3a / K. 2005 hochfunktionale ASS / M. 2010 ADHS
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