Nun stellen wir uns auch vor

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Anne1982
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Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Anne1982 »

Hallo an Alle,
ich wollte mich und meinen Sohn hier vorstellen.
Ich bin 40 Jahre alt und habe zwei Jungs. Sie sind 4 und 8 Jahre alt.
Mein Großer wird im Dezember zur Diagnostik vorgestellt. Es gibt noch keine Diagnose.
Im Alter zwischen 2 Jahren und 4 Jahren, war er so auffällig, dass ich sofort unterschrieben hätte, hätte mir Jemand gesagt, dass er ein kleiner Autist ist.
Nur ein paar Stichpunkte dazu:
Er schlief von Anfang an sehr schlecht und war, bis er er fast 4 war mindestens 6 Mal jede Nacht wach.
Er hasste Wasser auf der Haut, Sand, Brei, Lautstärke, viele Kinder, all das lehnte er ab.
Er mochte nicht Rutschen, Schaukeln, Wippen. Radfahren konnte er erst mit 7.
Er spielte Rollenspiele, aber es musste immer das Gleiche sein. Gerüche und bestimmte Konsistenzen riefen in ihm Würgereiz hervor.
Er hatte furchtbare Wutanfälle. Er war nie aggressiv Anderen gegenüber, aber er schrie stundenlang und war wie im Tunnel.
Im Kindergarten kommunizierte er ein dreiviertel Jahr gar nicht. Er saß einfach am Tisch und starrte und beobachtete.
Als wir eine Psychologin ins Boot holten, platze plötzlich der Knoten und er nahm Kontakt auf.
Es kam nie zu einer Diagnostik.
Er war sprachlich verzögert.
Ich hatte immer das Gefühl, er verstand mich nicht.
Allerdings liebte er Tiere und konnte mit zwei Jahren zwischen Eis-und Braunbär differenzieren. Vorlesen ging gar nicht, nur Tierbücher anschauen.
Es gab noch so viel mehr Auffälligkeiten, aber immer wenn ich dachte, ich hole jetzt Hilfe, kippte er plötzlich ins „normale“.
Er hat riesige Sprünge gemacht.
Er wollte nie in einen Sportverein. Da hätte er ja Jemanden zu nahe kommen müssen. Und nun spielt er plötzlich Eishockey. Auf dem Eis ist er ein anderer Junge. Da bewegt er sich ganz anders. Nur in den Zweikampf geht er nicht. Da wartet er lieber mit Abstand. Auch reden tut er dort mit Niemanden.
Er hat ein paar wirklich enge Freunde. Sonst ist es für ihn durchaus schwer Kontakte zu schließen, aber nicht unmöglich.
Wenn er mit seinen Freunden spielt, denke ich, er ist der normalste Junge der Welt und dann kommen plötzlich wieder die Schreianfälle. Er ist dann wirklich im Tunnel und nicht ansprechbar. Er ist nicht in der Lage das zu regulieren.

In der Schule fällt er überhaupt nicht auf. Die Lehrerin beschreibt ihn als vorbildlich, er würde gut zuhören und mitmachen. Er ist und war schon immer total regelkonform.
Nur in den Pausen hat er Probleme. Da ist er meist allein und läuft im Kreis.
Und er führt ständig Selbstgespräche.
Zu Hause ist er dann total aufgedreht. Hausaufgaben dauern 2 Stunden. Er kann sich nicht konzentrieren. Er ist total unstrukturiert, vergisst ganz viel, er singt, tanzt, er sitzt auf dem Tisch, unter dem Tisch, alles nur keine Hausaufgaben.
Er hat furchtbare Ängste. Angst durchzieht seine ganze Kindheit.
Nun kommen noch Tics dazu. Er murmelt ein bestimmtes Wort, wenn er entspannt. Und er äußert, dass er Stimmen hört.
Er wirkt aber überhaupt nicht psychotisch. Es gibt sonst keine psychotischen Symptome und er weiß genau, dass diese Stimmen nicht real sind.
Ich mache mir natürlich unglaublich große Sorgen.
Und zähle die Tage bis zur Diagnostik. Ich fühle mich so furchtbar hilflos und unfähig.
Komischerweise fiel er bisher nie in der Schule oder später im Kindergarten auf.
Ich dachte so oft, dass ich einfach übertreibe.
Scheinbar kann er sich bei Fremden so gut kontrollieren und anpassen, dass er nicht auffällt und zu Hause kommen die Ängste und Verhaltensauffälligkeiten.
Hat von euch Jemand Ähnliches erlebt?
Jetzt habe ich doch so viel geschrieben. Vielleicht macht sich Jemand die Mühe und liest es.
Ich wäre sehr dankbar.
Liebe Grüße
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Anne1982
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Anne1982 »

Ach so, ganz wichtig. Hat von euch Jemand Erfahrungen oder Tipps, wie ich damit umgehe, wenn er zwanghaft Wörter murmelt, oder mir sagt, dass die Stimmen ihm gerade etwas verbieten?
Da fühle ich mich als Mensch total überfordert.
Lydiah
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Lydiah »

Hallo Anne,
das ist ja wirklich eine Menge. Gut, dass es mal aufgeschrieben ist, dann vergisst du bei der Diagnostik vielleicht nichts, kannst es mitnehmen oder so. Du fragst, wie damit umgehen, wenn er Wörter murmelt, Stimmen hört. Ich würde als Laie da keine unangeleiteten Experimente machen. Also ignorieren, bis dir eine Fachperson sagt, was zu tun ist. Oder jemand hier weißt wirklich guten Rat. Wie sind die Stimmen denn so drauf?

VG
Lydia
____
Maus *2016 mit 460 Gramm bei 24+6, ICP Stufe 1 oder 2 beinbetont, PVL, operierte Kraniosynostose, operierte Hüftdysplasie und Schielen, sonst fit und ziemlich pfiffig.
Anne1982
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Anne1982 »

Liebe Lydia,
danke für deine Rückmeldung. Ja, ich wollte mich eigentlich kurz fassen. Aber das ist dann doch schwierig gewesen.
Die Stimmen können nett sein und ihn loben, oder eben auch böse. Dann verbieten sie ihm z.B. zu essen.
Er sagt, dass er das schon seid zwei Jahren wahrnimmt und sich jetzt erst traut darüber zu reden.
Ich habe bereits den Kinderarzt gefragt und auch dieser ist überfordert mit einer Antwort.
Auf einen Termin zur Diagnostik wartet man halt. Er ist nicht das einzige Kind mit Auffälligkeiten.
Vielleicht hat hier jemand ein Kind mit ähnlichen Symptomen und ist schon weiter?
Anjali
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Anjali »

Hallo und herzlich willkommen im Forum.

Ich habe auch ein Kind, das sich -sobald es sich dessen bewusst wurde- darum bemühte, außer Haus nicht aufzufallen.
Deshalb bemühte sich mein Sohn -so gut es ging- sich in der Schule anzupassen.

Natürlich war er auch außer Haus nie völlig unauffällig, aber es kommt ja auch immer darauf an, wie gut ein Verhalten vom Gegenüber/Umfeld beobachtet wird und wie es interpretiert wird.

Als Mama hast Du da den besseren Einblick, lass dich bitte nicht durch die scheinbare Unauffälligkeit deines Sohnes verunsichern.

Stimmen hörte mein Sohn nicht, deshalb kann ich hier keine Erfahrunsgwerte teilen.

„Zwanghaftes“ Wörtermurmeln...Hmmm. Empfindet dein Sohn dies denn als zwanghaft?
Falls nicht, kann es auch eine Form von Stimming sein.
Stimming würde ich nicht unterbinden wollen, das es Erleichterung verschaffen und beruhigen kann und somit eine Form von Selbsthilfe ist.

LG
Anja
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (19 Jahre / Asperger-Autist)
Anne1982
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Anne1982 »

Liebe Anja,
deine Antwort hilft mir sehr.
Es ist genauso bei meinem Sohn.
Er passt sich total an und gerade weil er nicht auffällt, fällt er hinten runter.
Er hat auch in Schule und Kindergarten „Schrulligkeiten“ (liebevoll gemeint).
Aber das wird gar nicht so wahrgenommen, weil er immer im Hintergrund bleibt.
Ich habe schon so manches Mal an meinen Fähigkeiten als Mutter gezweifelt und daran, dass ich die Realität falsch einschätze und maßlos übertreibe.
Dieser Konflikt macht mir noch immer schwer zu schaffen.
Das mit dem Stimmulieren ist ein guter Gedanke.
Er murmelt meistens in extremen Stresssituationen oder beim Entspannen.
Manchmal frage ich mich, ob dieses Stimmen hören, nicht eine Überlastung seines Gehirns ist.
Er sagt selber, wie anstrengend es ist, sich ständig anzupassen.
Er beschäftigt sich mit Fragen, die ein 8 Jähriger gar nicht haben sollte. Z.B. über den Sinn des Lebens, über Gott, den Tod. Manchmal glaube ich, er überlastet sich damit komplett.
Und die Stimmen sind eine Reaktion darauf.
Vielen Dank für deine Erfahrung.
Das gibt mir mehr Selbstsicherheit.
Anne1982
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Anne1982 »

Ach so, mein Sohn bemerkt meist gar nicht, dass er mal wieder murmelt. Deswegen bringt es auch nichts ihm Alternativen zu geben. Das habe ich schon versucht. Im Moment lasse ich es unkommentiert.
Dein Sohn ist Asperger Autist, habe ich gerade gelesen.
Deswegen noch eine Frage, die mich schon lange beschäftigt.
Gibt es Menschen im Autismusspektrum, die sich tatsächlich so gut kontrollieren können, dass sie draußen kaum auffallen?
Ich habe deswegen bisher die Idee, dass mein Sohn im Autismusspektrum sein könnte, immer verworfen.
Liebe Grüße Anne
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Sia »

@Anne - betreffend Stimmen: Meine Kinder hatten das mit den Stimmen beide auch. Bei meiner Tochter war es ausgeprägter. Sie sprach auch mit "imaginären" Personen. Sie konnte deswegen lange nicht schlafen. Kam nachts immer wieder zu uns ins Bett! Diesbezüglich sagte man mir aber immer, dass dies eigentlich eine normale Entwicklung sei. Bei den einen sehr ausgeprägt, bei den anderen kaum sichtbar. Kinder haben wohl (noch) ein besseres Gespür. Mit der Zeit ändert sich das bzw. sie lernen nicht mehr darauf zu hören.
Meine Kinder haben sich auch mit Fragen auseinandergesetzt, bei denen ich mich oft fragte, wie sie darauf kommen. Und gerade der Sinn des Lebens, Gott und der Tod waren manchmal sehr präsent. Manchmal hat mir das fast ein bisschen angst gemacht.
Aber ich habe meine Kinder immer ernst genommen. Mit ihnen darüber gesprochen.

Inzwischen sind beide diesbezüglich nicht mehr "auffällig". Diese "Stimmen" (und Selbstgespräche) waren bei uns auch in der Zeit der Diagnosestellung nie Thema bzw. man hat es nie näher angeschaut, weil es als natürliche Entwicklung galt. Bei uns hatte es keinen Einfluss auf die Diagnose.
Aber mit meinem Sohn haben wir immer noch sehr oft Diskussionen, bei denen ich mich frage, woher nimmt er diese Themen. Wenn man sich darauf einlässt, kann es sehr spannend sein. Inzwischen gefallen mir diese Diskussionen, die ich mit meinen Kindern führe :wink:

Mein Sohn bekam mit ca. 13 Jahren die Diagnose Asperger Autist und meine Tochter mit 9 Jahren die Diagnose AD(H)S.

Anhand der späten Diagnose meines Sohnes kannst du sehen, dass es tatsächlich möglich ist, nach aussen hin unauffällig zu wirken. Zumindest so unauffällig, dass keiner auf die Idee kommen würde, eine Abklärung zu machen.
Früher war es immer nur mein "Bauchgefühl", welches die Auffälligkeiten registrierte und erst in der Pubertät teilte mir die Klassenlehrerin in der Oberstufe plötzlich mit, dass sie das Gefühl hat, dass mit meinem Sohn etwas nicht stimmt!

... noch zum murmeln ... das mache ich auch! Es passiert einfach ... meistens bin ich in Gedanken ... ich murmle oder singe leise vor mich hin. Immer dann, wenn es laut um mich herum ist und ich mich konzentrieren sollte. Damit schotte ich mich "vom Rest der Welt" ab :wink: Es hilft mir, mich zu fokussieren! Bei meiner Tochter kann ich manchmal ein ähnliches Verhalten feststellen - bei meinem Sohn fällt es mir weniger auf!
Eine schöne Zeit wünscht
Sia (aus der Schweiz :wink:)
Stell' dich täglich dem Wind, dann trotzt du dem Sturm. Geh' lachend durch den Regen und du überwindest die Flut
J. 2004 MPS3a / K. 2005 hochfunktionale ASS / M. 2010 ADHS
Anjali
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Anjali »

Anne1982 hat geschrieben: 15.11.2021, 11:07 Dein Sohn ist Asperger Autist, habe ich gerade gelesen.
Deswegen noch eine Frage, die mich schon lange beschäftigt.
Gibt es Menschen im Autismusspektrum, die sich tatsächlich so gut kontrollieren können, dass sie draußen kaum auffallen?
...ja die gibt es. Wobei es auch auf die Definition von „Unauffälligkeit“ ankommt.

Wenn ich mal von meinem Sohn ausgehe: Er wirkt sehr zurückhaltend und schüchtern. Zeigt wenig Mimik. Redet wenig.
Insofern fällt er z.B. schon in gewisser Weise auf, wird aber von Außenstehenden nicht unbedingt als Autist „identifiziert“.
Er möchte gerne am sozialen Leben teilnehmen, reagiert jedoch auf die für ihn damit verbundene anstrengende große Anpassungsleistung mit psychosomatischen Beschwerden und Ängsten. (In früheren Jahren mit schweren Ausrastern) Von diesen Beschwerden bekommen Außenstehende im Allgemeinen nichts mit.

Je jünger Autisten sind, desto weniger gut können sie (in der Regel) kompensieren, desto eher fallen sie irgendwie auf.
Im Kindergarten war mein Sohn, ähnlich wie deiner, so „stumm“, dass die Erzieherinnen annahmen, er hätte eine Sprachentwicklungsverzögerung (was jedoch nicht der Fall war).
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (19 Jahre / Asperger-Autist)
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Sandra9902
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Re: Nun stellen wir uns auch vor

Beitrag von Sandra9902 »

Hallo,

mein Sohn ist ein geistig behinderter, frühkindlicher Autist, die Lage ist also ein wenig anders als bei euch. Aber es war immer so, auch als er noch sehr klein war, dass es entweder in der Kita, der Schule,…. super geklappt hat, er tolle Fortschritte gemacht hat, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten angepasst hat. Klappte es vormittags in der Kita, der Schule,…, waren von dort die Berichte positiv und voll Entwicklung und Begeisterung der Pädagogen, hatten wir Zuhause einen schreienden, alles zerstörenden, sich unaufhörlich bewegenden Terrorkrümel und Käpt‘n Chaos. Manchmal war es auch umgekehrt und es lief bei uns super und die anderen mussten sein Abreagieren aushalten. Es ist also möglich, dass man kompensiert. Inzwischen ist unser Sohn erwachsen und seit einigen Jahren brummelt er bestimmte Wörter, die uns ziemlich sinnlos erscheinen, da sie nicht situationsbedingt sind, vor sich hin, um sich zu beruhigen, manchmal, um sich wachzuhalten, einige Worte brummelt er sehr tief, so dass er sich besser spürt. Für ihn ist es also sehr positiv besetzt. Bewußt ist es ihm auch oft erst, wenn man ihn darauf aufmerksam macht.

Viele Grüße, Sandra
Sandra mit Sohn, geb. 1999, frühkindlicher Autist,gb, ADHS, Epilepsie, anfallsfrei
Tochter, geb. 2002
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