Langsames schreiben durch Perfektionismus (5. Klasse, ADS)

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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OptimisticCatharina
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Langsames schreiben durch Perfektionismus (5. Klasse, ADS)

Beitrag von OptimisticCatharina »

Hallo zusammen,

ich bräuchte mal euren Rat zu meinem Sohn. Er geht in die fünfte Klasse eines normalen Gymnasiums. Ende der vierten Klasse wurde (nach einer anstrengenden Grundschulzeit) ADS diagnostiziert. Er nimmt dazu seit ca. zwei Monaten Elvanse, nachdem Medikinet Retard nicht ausreichend wirkte. Das verträgt er gut. Sozial ist es viel besser geworden, wobei wir auch da noch Baustellen haben. Das größte Problem ist aber, dass er super langsam schreibt. Im Unterricht kommt er nie mit. Die Lehrer bringen großes Verständnis auf, aber es kann nicht auf ihn so lange gewartet werden. Bei den Hausaufgaben ist es das gleiche.

Erst dachte ich, es läge an der Übung, aber er schreibt die Worte inzwischen schnell genug. ABER danach malt er einige Buchstaben mehrmals nach, weil er wohl einfach nicht anders kann. Er will, dass die blaue Tinte ganz gleichmäßig ist. Wenn ein Buchstabenschwung nicht schön genug ist, wird der nochmal wegradiert, um ihn dann nochmal super schön zu zeichnen. Das kostet viel Zeit. Alles muss perfekt sein.

Ich denke, er hatte das schon immer, also auch schon vor Behandlungsbeginn. Es fiel nur kaum auf, weil er bei den Hausaufgaben so viel träumte und redete. Zumindest das ist jetzt schon viel besser.

Wir haben mehrmals versucht, ihn zu motivieren, einfach weiterzuschreiben, auch wenn die Buchstaben nicht perfekt sind, aber es kann es nicht sein lassen. Wie nennt man sowas? Kann man das medikamentös in den Griff bekommen?

Er hat noch wechselnde Tics, die aber seit der Behandlung fast weg sind (Zwinkern, Räuspern,...). Hängt das zusammen?

Viele Grüße
Catharina
Sohn, 2010: ADS, Hochbegabung, Tics, schlechte Impulskontrolle
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Anjali
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Re: Langsames schreiben durch Perfektionismus (5. Klasse, ADS)

Beitrag von Anjali »

Hallo,

ich bin keine Fachkraft, aber meiner Erfahrung/Empfinden nach grenzt das schon an zwanghaftes Verhalten.

Evtl. soll mit diesem Perfektionismus etwas (z.B. Überforderung; diffuse Ängste; empfundener Kontrollverlust
Unsicherheiten, Schulprobleme etc.) kompensiert werden?

Ich würde mir hier (beträfe es mein Kind) genauere Ursachenforschung und einhergehend ggf. psychologische, oder therapeutische und/oder pädagogische Unterstützung erhoffen.
Viele Grüße
Anja

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Re: Langsames schreiben durch Perfektionismus (5. Klasse, ADS)

Beitrag von OptimisticCatharina »

Hallo Anja,

Danke für deine Antwort, "zwanghaft" war das richtige Stichwort, glaube ich. Damit habe ich bei meiner Recherche einige Sachen gefunden. Bei ADS scheinen Zwangsstörungen gern einher zu gehen. Das passt (leider).
Mein Sohn hat auch den "Zwang", immer zu kontrollieren, ob alle in der Schule ihre Maske richtig aufsetzen. Er stellt sich sogar während des Unterrichts neben andere Kinder und starrt sie wütend an, wenn sie ihre Maske nicht 100% richtig tragen.
Außerdem knackt er immer mit den Gelenken (Finger, Hals, Rücken) und kann es nicht sein lassen.

Ich werde mal unsere Neurologin bzw. die Kinderpsychologin darauf ansprechen.

Viele Grüße
Catharina
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Anjali
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Re: Langsames schreiben durch Perfektionismus (5. Klasse, ADS)

Beitrag von Anjali »

Guten Morgen Catharina,

vielen Dank für deine Rückmeldung.
Nach dieser kam mir noch ein anderes Stichwort in den Sinn, naja, auf ein Stichwort lässt sich es nicht eingrenzen.

Es geht um das Regelverständnis und die Handhabung von Regeln im Allgemeinen.
Ist Dir in dieser Hinsicht noch mehr aufgefallen oder anders gefragt: ist das Masken-Beispiel „typisch“ für den Umgang deines Sohnes mit Regeln?

Wie souverän kann er denn mit Regeln umgehen? Kann er sie individuell auslegen und den Gegebenheiten anpassen oder möchte er sie exakt und ggf. schon fast sklavisch befolgen bzw. befolgt sehen?

Manche Menschen „klammern“ sich gerade zu an Regeln, weil diese ihnen Halt/Sicherheit und Orientierung geben.
Ggf. haben Regeln/Vorgaben für deinen Sohn eine ähnliche Funktion?

Das sind jetzt keine Fragen, die Du mir beantworten brauchst, ich wollte nur darstellen, welche Assoziationen ich beim Lesen deines Beitrages hatte.

LG
Anja
Viele Grüße
Anja

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Re: Langsames schreiben durch Perfektionismus (5. Klasse, ADS)

Beitrag von OptimisticCatharina »

Danke für deine Überlegungen. :) Ja, die Regel-Versessenheit ist schon sehr ausgeprägt. Da wird im Heft zurückgeblättert, um zu gucken, mit welchem Abstand er bestimmte Rechnungen aufgeschrieben hat und das bloß alles einheitlich zu haben...

Wir waren heute bei unserer Kinderspychologin und haben von seinen "Eigenheiten" berichtet. Sie erkennt darin ebenfalls Zwangshandlungen, die sie selbst allerings nicht wirkungsvoll therapieren kann. Wir sollen auf einen Telefontermin mit unserer Neurologin drängen, um das medikamentös anzugehen. Da haben wir nämlich erst im Januar einen Termin und die fünf Schulwochen halten wir nicht durch... Das eskaliert immer weiter inkl. anderer Eltern, die sich beklagen, weil mein Sohn einfach den Unterricht massiv stört oder Streit anfängt. Gestern der neueste Wutanfall in Englisch mit schreien, Klassenarbeit zerreißen und rausrennen (obwohl er Englisch so gut findet).

Was mich beruhigt: Das jetzige Medikament (Elvanse) wird erstmal nicht verändert, sondern es geht um ein zusätzliches Medikament, weil eins eben nicht alles kann. Wir sind damit also nicht wieder bei null. Das ist schon mal gut. Ich habe der Neurologin vorhin geschrieben. Mal gucken, was daraus wird. Wir hangeln uns gerade von Tag zu Tag.
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Re: Langsames schreiben durch Perfektionismus (5. Klasse, ADS)

Beitrag von yael1004 »

Hallo,
Ich kenne das sehr gut von meinem Sohn. Er radiert und killert auch solange bis es perfekt aussieht.
Allerdings hat mein Sohn kein AD(H)S sondern Asperger Autismus.
Könnte das auch passen?
Liebe Grüße
Yael
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Re: Langsames schreiben durch Perfektionismus (5. Klasse, ADS)

Beitrag von OptimisticCatharina »

Hallo Yael,

wir hatten bei der Diagnostik einen ganzen Schwung von Fragebögen ausgefüllt (auch die Lehrer) und dort waren auch welche zu Asperger dabei. Wir fanden die Fragen schwer zu beantworten, weil es sich manchmal auf recht frühe Kindheit bezog. Asperger wurde nach der Auswertung zumindest nicht weiter untersucht oder vermutet.
Wie kommt ihr denn zurecht mit dem Schreibtempo? Kommt er mit längeren Texten klar und braucht einfach mehr Zeit? Unser Sohn ist nahezu blockiert, wenn er mehr als einen Satz schreiben soll.

Viele Grüße
Catharina
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Re: Langsames schreiben durch Perfektionismus (5. Klasse, ADS)

Beitrag von OptimisticCatharina »

Hallo zusammen,

ich wollte mal ein Update geben: Wir haben in Absprache mit der Neurologin und der Kinderpsychologin festgestellt, dass Elvanse überdosiert war, so dass bei meinem Sohn die Zwangshandlungen zunahmen. Daraufhin haben wir vor wenigen Tagen die Dosierung von 45mg auf 30mg reduziert und jetzt hat das wieder ein (für ihn) normales Maß. Der ganze restliche Stress in der Schule ist aber wie vorher.

Gestern ist das ganze dann total eskaliert und es gab wieder eine Auseinandersetzung mit einem Mitschüler. Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht und er wurde für fünf Tage von der Schule suspendiert. Das finde ich zwar unfair, aber auf der anderen Seite verständlich und ich versuche das mal positiv zu sehen: Es schenkt uns ein paar Tage Zeit ohne den Schulstress.

Heute früh habe ich nochmal mit der Neurologin gesprochen und sie sagt, dass die Zwangshandlungen, Tics und ständigen Ausraster nicht mit Elvanse behandelbar sind (Elvanse ist für die Konzentration). Sie verschreibt uns jetzt zusätzlich Risperidon 0,25mg. Das haben wir jetzt den ersten Tag. Vorhin war er ruhig, aber mehr kann ich erstmal nicht sagen.

Außerdem werden wir nun wöchentlich bei der Kinderpsychologin vorbeikommen und berichten. Die sagt dann der Neurologin ihre Einschätzung, weil wir ein "etwas schwieriger Fall" sind. Dafür bin ich wirklich dankbar. Ich werde hier im Forum mal suchen, was ich zu Risperidon finde. Erste Infos im Internet klangen für unsere Probleme passend.

Liebe Grüße
Catharina
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Re: Langsames schreiben durch Perfektionismus (5. Klasse, ADS)

Beitrag von OptimisticCatharina »

Hallo zusammen,

ich wollte nochmal ein Update schicken:
Elvanse ist seit heute vom Tisch. Zwischendurch hatten wir noch Risperidon ausprobiert, was auch für die Wutausbrüche gut geholfen hat, aber es war trotzdem unschaffbar für unseren Sohn, mehr als zwei Sätze auf Papier zu bringen. Er hat die Hälfte der Zeit mit Zwangshandlungen verplempert: mit den Gelenken knacken, an den Fingernägeln pulen, die Wörter mit dem Stift nachspuren, radieren und perfektionieren,...
Dann haben wir auf Anraten der Neurologin Elvanse gestern weggelassen. Sohnemann war natürlich super unkonzentriert, aber die Tics waren um die Hälfte reduziert und die Zwangshandlungen sogar um 80%. Hat mir echt die Augen geöffnet. Ich hatte mich trotz ständiger Aufzeichnungen und drauf achten schon so an die Zwangshandlungen gewöhnt, dass ich dachte, es wäre nie anders gewesen. Betriebsblind ;-)

Wir starten jetzt mit Intuniv, nachdem die Neurologin sagte, sie hätte bei 2-3 Kindern, die ähnlich wie unser Sohn seien, damit gute Erfahrungen gemacht, es würde aber etwas dauern, bis man Effekte sieht. Ich bin gespannt.

Heute hatten wir mal ausnahmsweise einen Tag ohne jegliche Medikamente und ich war baff, wie aufgedreht er war. Er kam mit viel jünger vor, weil er so unsortiert vor sich hin redet und viel Quatsch macht. Er ist natürlich trotzdem noch super, aber man merkt, dass er sein Potential nicht nutzen kann. Dass es solche Medikamente gibt, ist für ihn und uns echt wichtig. Ich hoffe, wir finden vielleicht jetzt mit Intuniv das Passende, was ohne Nebenwirkungen auskommt und anschlägt. Wir basteln jetzt schon seit vier Monaten an der Medikation.

Liebe Grüße
Catharina
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Simone 0
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Re: Langsames schreiben durch Perfektionismus (5. Klasse, ADS)

Beitrag von Simone 0 »

Hallo,

Ich kenne das perfektionistische Verhalten von meiner Tochter auch. Wenn sie weiß dass sie etwas nicht kann macht sie es gar nicht erst. Sie ist allerdings Asperger Autistin. Ich hoffe dass die Ergo ihr da ein wenig hilft. In der Schule hat sie einen Nachteilsausgleich, seitdem kommt sie gut zurecht.

Natürlich ist Dein Sohn frustriert weil er genau weiß dass er im Unterricht nicht mitkommt, egal wie sehr er sich anstrengt. Da würde ich wahrscheinlich auch um mich hauen. Welche Therapie macht ihr denn? Bei Zwangsstörung hilft eine Verhaltenstherapie. Alleine mit Medikamenten wird das Problem nicht gelöst, ihr müsst die Ursachen beseitigen. Und für möglichst vie Spaß und Entspannung sorgen damit er sich auch wieder auf Dinge freuen kann.

LG
Simone
Mami eines tollen Asperger Girls (*2013) :)
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