Wir möchten uns vorstellen

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Saraflo2021
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Wir möchten uns vorstellen

Beitrag von Saraflo2021 »

Hallo an alle,

Ich habe mich hier angemeldet, weil wir Probleme mit unseren 8 jährigen Sohn haben.
Wir sind verheiratet und es gibt noch eine kleine Schwester. Sie ist 4 Jahre alt.

Mit unserem Sohn gibt es von Anfang an Probleme.
Das erste halbe Jahr hat er sehr viel geschrien. Ließ sich nicht ablegen. Nur mit Hilfe vom Pucken gelang dies dann.
Das trösten war auch nicht immer einfach, wenn das eigene Baby scheinbar nicht von dir getröstet werden will. Am Anfang konnte ich ihn oft nur mit dem Rücken an meine Brust reinlegen, und ihn so trösten, weil der direkte frontale Kontakt in noch mehr schreien ausartete.
Er war immer sehr interessiert an seiner Umwelt, in der Babygruppe zum Beispiel fixierte er lange die anderen und beobachtete die ganze Zeit. Das war auch später so als er sich fortbewegen konnte, wenn wir Glück haben Name sich ein Spielzeug, kam zu mir zurück, setzte sich mit dem Rücken zu der Gruppe und beschäftigt sich mit ihm spielen, oder schaut ihr über die Schulter den anderen aus der Ferne zu.
Das war auch später so als er sich fortbewegen konnte, wenn wir Glück haben Name sich ein Spielzeug, kam zu mir zurück, setzte sich mit dem Rücken zu der Gruppe und beschäftigt sich mit ihm spielen, oder schaut ihr über die Schulter den anderen aus der Ferne zu. Er reagierte auf Licht Und Geräusche beziehungsweise Lautstärke empfindlich. Wenn sich andere Leute ihm genährt haben fing sofort an zu schreien.

Wir hatten dann auch eine Familientherapeutin, die nach dem IntraAct Konzept arbeitet. Sie hat uns viel helfen können was den Umgang betrifft. Videoaufnahmen die sie gemacht hat, um uns gewisse Dinge zu verdeutlichen, haben bei ihr zum Entschluss geführt, dass er ADHS hat. Da war er ungefähr vier Jahre alt.

Er hat es bei der Tagesmutter oder im Kindergarten nicht einfach gehabt. Dinge die ihm nicht gelingen oder Ziele, die er nicht erreicht, bringen ihn zum ausrasten. Er ist vom Kopf her weiter gewesen, als die anderen Kinder in seinem Alter. Weswegen uns vorgeworfen wurde, wir sollen mit dem Kind nicht so viel üben, er muss das alles noch nicht wissen. Aber es war sein Wunsch und seine Neugier, und wenn ich seine Fragen beantworte und er sich das merkt, kann ich auch nichts dafür, wenn er mit gerade 2 alle Farben kennt, oder die Zahlen benennen kann oder Ähnliches.

Als er kleiner war konnte er Bücher regelrecht verschlingen. Er holte eines nach dem anderen. All das was ich vor gelesen habe, konnte er später genau so aufsagen. Während des Bücherlesens selbst war er aber immer recht ruhig. Und hat einfach nur zugehört.
Im Kindergarten eckte er dann immer mehr an. Wenn sich ihm jemand genährt hat oder ihn berührt hat, ist er aus der Haut gefahren. Wir mussten ihn dann auch dort rausnehmen, weil seine neue Erzieherin leider nur den geraden Weg kennt und nicht nach links und rechts schaut. Er musste bei ihr wirklich viel Leid ertragen, und dann haben wir ihn schließlich raus genommen. Natürlich haben wir kurz vor Schulbeginn keinen neuen Platz gefunden.

Wir sind auch seit über drei Jahren im SPZ. Die Psychotherapeutin, bei der er dann war, war dann plötzlich nicht mehr da. Und von da an hatten wir nur noch Termine bei der leitenden Ärztin. Die mir aber beim letzten Termin wieder sagte, ich soll an meine Erziehung arbeiten und dem Kind Zeit lassen, er sei ein doppelt besonderes Kind, vom Kopf her zu weit, sozial emotional aber hinterher. Und ob ich unbedingt möchte, dass er einen Stempel aufgedrückt bekommt, den er sein Leben lang nicht mehr los wird. Und dass sie die Termine nur noch vergibt, wenn ich reden möchte, quasi für mich.
Ich sprach dann noch einmal an, dass meine Schwester zwei Autisten hat. Einen Asperger und einen frühkindlichen. Die aber wirklich richtige Autisten sind, wie sie für alle Welt im Buche stehen.
Da sagte sie zu mir: „wenn der einen Autismus hat, fresse ich einen Besen.“ Er würde sie doch anschauen beim sprechen (ja das macht er, er schaut hin und her, kann den Kontakt nicht permanent aufrecht halten, schaut die Leute aber schon an)
Dann fragte sie mich ob er permanent vor und zurück wippt, ob er immer wieder monotone Geräusche von sich gibt. Das habe ich verneint. Und damit war für sie das Thema durch. Und sie sagte, er gibt ihr keinen Anlass für irgendwelche Tests.

Wir hatten dann entschieden, dass er auf eine Schule eingeschult wird, mit dem Förderschwerpunkt sozial emotional. Das ist uns nicht leicht gefallen, das muss ich ehrlich zugeben. Aber durch Corona war weder eine Diagnostik noch sonst irgendetwas möglich. Also haben wir diesen Weg dann gewählt. Was ich glaube ich im Nachhinein wahrscheinlich auch gut herausgestellt hat.
Denn das ist auch sein Problem was er immer hatte, dass er in Gruppen nicht klarkommt. Die Menge der Menschen, die Lautstärke, all das sind Dinge die ihn stören. Er hat auch immer Elefanten Ohren, ich kann noch so weit entfernt stehen und während wir über etwas sprechen, sitzt er eigentlich über seinem Lego, aber er ist es, der mir aus der Ferne antwortet.

Jetzt sind sie nur zehn Kinder in der Klasse, aber auch das scheint nicht zu funktionieren und sich eher zu zu spritzen.
Er kann sich wohl auch schlecht konzentrieren, ist immer abgelenkt, ist permanent in motorischer Unruhe, auch überschießend.
Er kann die Gefühle der anderen nicht immer deuten. In der Schule scheint es schlechter zu klappen als hier zu Hause. Er akzeptiert Autoritätsperson schlecht, er provoziert, und es endet immer in Wut, trotz, oder Verweigerung.

Er war auch immer ein Mensch, den man besser vorbereitet hat, wenn etwas anstand, eine Veränderung, ein Ausflug oder irgendetwas. Manchmal frage ich ihn jetzt, ob er wissen möchte, was morgen zum Beispiel gegessen wird, da wir auch mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu tun haben und ich das mit der Schule immer alles absprechen muss. Einmal hat er gesagt er möchte sich überraschen lassen. Da ging es um das Essen.
Aber alle anderen Dinge, wenn ich ihm sage, dass etwas ansteht, ob er es wissen will, dann will er es wissen.
Ich glaube nicht aus Neugier, sondern um sich darauf einzustellen.

Berührungen haben wir hier zu Hause auch mehr oder weniger geübt ( aber alles ohne Zwang, wenn er nicht wollte, dann musste er auch nicht) Er war nie ein Kuschelkind, höchstens wenn er sehr krank war. Bekannte umarmt er zum Beispiel gar nicht, und wenn es sein muss, das kann auch nur Oma oder meine Schwester sein, dann macht er es kurz und schmerzlos und wendet immer den Kopf ab. Hier zu Hause, aber ich glaube das macht er auch nur mit mir, fordert er auch Umarmungen ein, sagt auch einfach mal, dass er jetzt mal gedrückt werden möchte.

Im Spiel zum Beispiel jedoch mit seiner Schwester nimmt er wenig Rücksicht auf sie. Wenn sie Nein sagt, oder dass es ihr wehtut, hört er selten auf mit dem was er macht und betreibt ihr Distanzminderung. Bis wir Eltern dann irgendwann einschreiten und die Situation klären, wie ist ihre Sicht, wie ist seine Sicht, wo ist der Mittelweg für beide.

Laute Geräusche wie der Staubsauger ( wie haben dann auf einen Flüstersauger gewechselt) oder die Toilettenspülung, oder als Baby das aufziehen der Feuchttücher Verpackung usw. Sind alles Dinge die störend für ihn sind. Staubsauger und Toilette noch heute.

Ich musste ihn jetzt auch schon mehrmals von der Schule abholen. Weil er sich einfach nicht mehr beruhigen konnte. Das waren normale Schultage, aber auch zur Faschingsfeier oder zur 10 Jahres Schulfeier. Er sagte zu Hause dann, das ist nicht seine Gewohnheit, in der Schule lernt er doch sonst.
Eigentlich ist er auch nur etwas über ein Jahr in der Schule bis jetzt. Er hat in der ersten Klasse mit den Herbstferien schon in die zweite gewechselt, weil er durch den für ihn zu langweiligen Unterrichtsstoff nur noch mehr Blödsinn gemacht hat.
In der zweiten Klasse hat er sich sehr viel wohler gefühlt.
Aber jetzt wo es in die dritte überging, haben sie wieder eine neue Lehrerin und eine neue pädagogische Fachkraft, und somit ist es jetzt das dritte Mal für ihn in der kurzen Zeit, dass die Bezugspersonen wechseln. Bei der letzten war er jetzt sehr traurig und sagte auch, dass er Veränderungen nicht mag.

Wir haben jetzt von der Schule auch die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen. Das endlich etwas passieren muss. Mit dieser nichts aussagenden Diagnose vom SPZ, und dem ständigen hinhalten, ist dem Kind nicht geholfen.
Also haben wir noch mal neue Adressen bekommen und abtelefoniert und hatten bei einer auch das Glück, dass sie sich uns angenommen hat. Und uns einen Termin vermittelt hat. Im Dezember geht jetzt eine Diagnostik los.

Ich wollte mich eigentlich kürzer fassen, aber ich wusste nicht so recht, was wichtig ist, um uns vorzustellen und was nicht. ( ich hätte noch viel mehr schreiben können :cry: )
Denn in so einem Forum meldet man sich ja nicht aus Langeweile an.
Also es tut mir leid, wenn es zu lang geworden ist.

Trotzdem danke fürs Lesen.

LG,
Saraflo
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Jadewe
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Re: Wir möchten uns vorstellen

Beitrag von Jadewe »

Hallo,

Viele Punkte klingen wie mein Sohn, der hochsensibel ist. Wir beantragen für ihn gerade eine Weiterführung der Heilpädagogik, wofür auch ein Gutachten von einem KJP nötig ist.

VG,
Jana
Saraflo2021
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Re: Wir möchten uns vorstellen

Beitrag von Saraflo2021 »

Jadewe hat geschrieben: 11.11.2021, 13:37 Hallo,

Viele Punkte klingen wie mein Sohn, der hochsensibel ist. Wir beantragen für ihn gerade eine Weiterführung der Heilpädagogik, wofür auch ein Gutachten von einem KJP nötig ist.

VG,
Jana



Hallo Jana,

vielen Dank für deine Antwort und die Information. Alles Gute für euch!
Ich werde euch auf alle Fälle auf dem Laufenden halten, wie die Diagnostik läuft und was raus kommt.

VG,
Saraflo
Lisaneu
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Re: Wir möchten uns vorstellen

Beitrag von Lisaneu »

Hallo Jana,

herzlich willkommen hier! Auch von mir alles Gute für die Diagnsotik! Ich bin Mutter eine Sohnes mit Autismus und ADHS in Kombi mit Teilleistungsstärken im Bereich der Höchstbegabung. Vieles von dem, was du schreibst, kommt mir sehr bekannt vor. Mein Sohn ist jetzt mit 11 Jahren in der 2. Klasse eines Regelgymnasiums und er hat für 11 Stunden pro Woche eine Schulbegleitung, weil ihm in der Schule einfach sehr viel sozial-emotional zu viel ist. Kognitiv ist er sehr fit und mit dem Schulstoff selbst hat er keinerlei Probleme. In der Grundschule hat er sich auch oft gelangweilt, weil er schon alles wusste. Das ist jetzt mit dem anspruchsvollerem Schulstoff im Gymnasium besser geworden.

Zum familiären Hintergrund von Autismus möchte ich nur sagen: kennst du EINEN Autisten dann kennst du EINEN Autisten. Ich bin - ähnlich wie deine Schwester - die Mutter von gleich zwei Autisten (mein jüngerer Sohn ist gehörloser, frühkindlicher Autist). Bei meinem älteren Sohn wollte ich erst mal gar nicht glauben, dass auch hinter seinen Schwierigkeiten (im sozial-emotionalen Bereich) Autismus stecken könnte. Er war ja so anders als sein Bruder, hatte keine Tics, kein besonders großes Interesse an Zahlen oder Schlössern, er hat zumindest hie und da mal in die Augen geschaut und war auch sprachlich sehr fit.

Hab dann im Internet so einen Orientierungstest gemacht, ob Autismus in Frage käme. Beim jüngeren, damals bereits diagnostizierten Sohn kam eine "sehr hohe Wahrscheinlichkeit" für Autismus raus, was mich nicht weiter verwundert hat. Aber auch beim älteren Sohn war das Ergebnis fast gleich hoch und die Wahrscheinlichkeit ebenfalls sehr hoch!

Leider waren wir mit dem älteren Sohn, als er 4 Jahre alt war, in einem SPZ bei einer unfähigen KJP, die bei ihrer Diagnose sowohl Autismus als auch ADHS nach 5 Minuten kategorisch ausgeschlossen hat, beides Diagnosen, die mein Sohn heute mehrfach gesichert hat.

Lass dir daher nicht einreden, es gäbe, (wie du schreibst) "richtige" (und demnach auch "falsche") Autisten. Jemand, der Autismus ausschließt, weil ein Kind in die Augen schauen kann, hat keine Ahnung von Autismus!

Damit will ich bei deinem Sohn keine Ferndiagnose stellen! Ihr habt ohnehin eine Diagnostik in Aussicht, da wird dann hoffentlich geklärt werden, was hinter den "special effects" deines Sohnes steckt. Bis dahin ist das Unterforum für Autismus hier sicher auch interessant für dich zum mitlesen.


Auf folgender Seite gibt es z.B. Infos und auch Buchempfehlungen: https://autismus-kultur.de/ (danke an die Userin Mango, die das vor einiger Zeit hier empfohlen hat!), sowie einen Selbsttest zur Einschätzung ob Autismus wahrscheinlich ist, oder nicht. Eine Diagnostik ersetzt die Seite natürlich nicht, aber sie kann zumindest mal eine Tendenz abschätzen.

Liebe Grüße und einen schönen Austausch hier!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama ADHS (mit 49 diagnostiziert)
Lydiah
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Re: Wir möchten uns vorstellen

Beitrag von Lydiah »

Ich habe auch an Hochsensibilität gedacht. Aber keine Ahnung, ob das heute schon eine anerkannte Diagnose ist und man was machen kann. Gut auf jeden Fall, dass ihr jetzt in hoffentlich in kompetentere Hände kommt!
____
Maus *2016 mit 460 Gramm bei 24+6, ICP Stufe 1 oder 2 beinbetont, PVL, operierte Kraniosynostose, operierte Hüftdysplasie und Schielen, sonst fit und ziemlich pfiffig.
Saraflo2021
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Re: Wir möchten uns vorstellen

Beitrag von Saraflo2021 »

Hallo Lisaneu und Lydiah,

Habt vielen Dank für eure Antwort und die ausführliche Information.
Ich freue mich auf den Austausch hier und schaue in der Zwischenzeit, bis es Neuigkeiten gibt, im Autismusunterforum rein und schaue mich auch auf der Seite mal um, die als Link oben steht.
Ich habe so einen Onlinetest schon mal probiert, da war das Ergebnis nicht eindeutig. Ich hab aber auch ehrlich gesagt bei manchen Fragen Schwierigkeiten das genau beantworten zu können.

Vielen Dank und liebe Grüße,
Saraflo
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