Kindergarten verweigert Verlängerung der Kindergartenzeit

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Natascha43
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Kindergarten verweigert Verlängerung der Kindergartenzeit

Beitrag von Natascha43 »

Unser Sohn ist ein Frühchen der 25. Woche, ICP, Autismus, PG 4. Er ist in diesem Jahr bei der Einschulung ein „Kann-Kind“ gewesen und erst im nächsten Jahr wird er ein „Muss-Kind“ sein. Wir wollen einen Rückstellungsantrag stellen.

Nun zeigt die Kitaleitung und die Föderkräfte eine mehr als anlehnende Haltung und haben in den Abschlussbericht, welcher auch an die Schulärztin gehen wird, geschrieben, dass unser Sohn aus ihrer Sicht im kommenden Kindergartenjahr mit 7 zu groß für den Kindergarten sein wird und dass sie daran zweifeln, dass die neu begonnene Autismustherapie etwas bringen wird.

Die Autismustherapie ist erst seit 2 Wochen angefangen. Bisher hatte er die Physiotherapie und Logopädie als Komplexleistung in der Kita erhalten. Wir als Eltern haben uns geweigert den Verlängerungsantrag zu stellen, weil seine Sprachtherapeutin wiederholt teilweise 3-4 Monate am Stück krank war und in der Zeit gar keine Therapie gelaufen ist. Zusätzlich kam hinzu, dass alle Teamsitzungen, Supervisionen, Besprechungen der Dientspläne und anderweitige Besprechungen alle natürlich in den eigentlichen Therapiezeiten stattgefunden haben. Meine Anfrage diesbezüglich wurde mit „es gehört zum Förderkonzept“ beantwortet. Wie sie die Ausfallzeiten gegenüber dem Träger begründet haben, weiß ich nicht. Die Finanzierung lief ja trotzdem weiter und wir als Eltern hatten keine Verordnung vom Kinderarzt bekommen können, weil das Kind ja „seine Logopädie und Physio im Kindergarten bekommt“.

Nun vermute ich, dass dies nun die Rache ist, dafür, dass wir die Komplexleistung nicht verlängern wollten.
Dennoch ist mir echt zum Heulen zumute.
Wir wollten unserem Sohn noch Zeit geben mit Hilfe der spezifischen Autismustherapie „nachzureifen“, damit er einen besseren Schulstart hat. Das Sprachverständnis ist bei ihm noch sehr schlecht, und dass ist doch eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Schulreife? Auch die sozial-emotionale Entwicklung entspricht eher dem Alter eines 4- jährigen, und Sprachverständnis noch deutlich weiter darunter.

Habt ihr Ideen, was wir noch machen können, um Kindergarten doch noch überzeugen zu können?
Natascha mit Kämpfer *2015 bei 25+3, IVH III bds, Hydrocephalus, Shunt, ICP, beinbetont, frühkindlicher Autismus, SB 90%, aG, H, B. PG 4. Unser Sonnenschein
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SimoneChristian
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Re: Kindergarten verweigert Verlängerung der Kindergartenzeit

Beitrag von SimoneChristian »

Hallo Natascha.

Irgendwie fehlt mir in deiner Beschreibung die Vorteile des Kindergartens bzw. die Nachteile der Einschulung.
Unter den Bedingungen, die du schilderst, sehe ich jetzt keine besonderen Vorteile im Kindergartenbesuch.
Besonders auch, weil man euch Eltern im nächsten Jahr nicht unbedingt wohlgesonnen sein wird.

Welche Schulen kämen denn in Frage? Wie aufgeschlossen sind die bezüglich Hilfsmitteln, Nachteilsausgleichen, Autismus, Therapie in der Schule?
Habt ihr mit den Schulen schon gesprochen?
Habt ihr auch wieder Logopädie außerhalb?
Gibt es eine Einzelfallhilfe/ I-Helfer? Ist das eine Fachkraft bzw seid ihr mit ihr zufrieden? Würde sie auch mit auf die Schule wechseln?
Seid ihr auf die Betreuung angewiesen?

Das sind in etwa die Fragen, die wir bei der Einschulung mit knapp 5 abgeklappert haben. (Du musst die hier nicht beantworten. Sie sind nur Denkanstöße.)
Und dann hat uns unser Sohn total überrascht und in den Sommerferien vor der Einschulung einen wahnsinnigen Entwicklungsschub hingelegt, dass viele unserer Bedenken völlig unbegründet waren. (Viele damalige Bedenken sind aber auch heute noch aktuell. :( )
Allerdings hatten wir gar keinen Kindergarten und haben dieses Manko durch vermehrte Therapien im Vorschuljahr aufgefangen.
Vielleicht käme ja auch noch eine Reha oder ähnliches in Frage?

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)
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Anja mit Tristan
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Re: Kindergarten verweigert Verlängerung der Kindergartenzeit

Beitrag von Anja mit Tristan »

Hallo Natascha,

wir hatten dieses Problem auch. Wir haben die Zurückstellung mit Hilfe der Ärzte, Therapeuten und der zukünftigen Schule durchgesetzt und den Kindergarten gewechselt.
Der Kindergartenwechsel hat meinem Sohn und mir in allen Bereichen gutgetan. Er hat in dem neuen Kindergarten große Fortschritte gemacht.

Vielleicht wäre bei Euch so ein Kindergartenwechsel eine Idee? Wenn das Kind in dem bisherigen Kindergarten nicht mehr willkommen ist, würde ich es dort auch nicht mehr hinbringen.

Liebe Grüße
Anja
Tristan: 10/2014, HIE, Aphagie (Button), Hiatushernie, Cardiainsuff., GÖR, Fundoplicatio, ICP, Laryngomalazie, Sehbehind., global entwicklungsverz. - Mamas und Papas Sonnenscheinchen
Sarah-Christine
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Re: Kindergarten verweigert Verlängerung der Kindergartenzeit

Beitrag von Sarah-Christine »

Hallo,
hast du dich an den Schulen schon mal umgeschaut? Evtl. könnte dein Kind ein Vielfaches an Förderung in der Schule bekommen und von den Schulangeboten sehr profitieren. Die anderweitige Nutzung der Therapiezeiten hilft euch auch nicht weiter.
Natascha43
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Re: Kindergarten verweigert Verlängerung der Kindergartenzeit

Beitrag von Natascha43 »

SimoneChristian hat geschrieben: 10.11.2021, 13:08 Hallo Natascha.

Irgendwie fehlt mir in deiner Beschreibung die Vorteile des Kindergartens bzw. die Nachteile der Einschulung.
Unter den Bedingungen, die du schilderst, sehe ich jetzt keine besonderen Vorteile im Kindergartenbesuch.
Besonders auch, weil man euch Eltern im nächsten Jahr nicht unbedingt wohlgesonnen sein wird.

Welche Schulen kämen denn in Frage? Wie aufgeschlossen sind die bezüglich Hilfsmitteln, Nachteilsausgleichen, Autismus, Therapie in der Schule?
Habt ihr mit den Schulen schon gesprochen?
Habt ihr auch wieder Logopädie außerhalb?
Gibt es eine Einzelfallhilfe/ I-Helfer? Ist das eine Fachkraft bzw seid ihr mit ihr zufrieden? Würde sie auch mit auf die Schule wechseln?
Seid ihr auf die Betreuung angewiesen?


LG
Simone

Hallo Simone,

vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort.

Vor allem wollen wir die Rückstellung, weil unser Sohn trotz seinen 6 Jahren doch noch in die intensive Autismustherapie aufgenommen wurde, die Therapie läuft mit 25 Stunden pro Woche. Es ist mit keinem Schulbesuch vereinbar, sie nehmen auch nur Vorschulkinder auf. Von der Therapie erhoffen wir uns sehr viel. Vor allem Fortschritte in der Sprachentwicklung. Die Diagnose Autismus wurde leider sehr spät gestellt. Niemand, auch das Frühförderzentrum nicht, hat uns einen Hinweis gegeben, dass es um Autismus handeln könnte und wir es abklären lassen sollten. Niemand! Und als ich mit dem Verdacht ankam, hieß es „es ist doch egal, er ist eh schwerbehindert. Ob sie jetzt die Diagnose haben oder nicht“. Und ab dem Verdacht dauert es ja in Deutschland bekanntlich ewig bis man die Diagnose gestellt bekommt.

Schulen habe ich diverse angeguckt und sicherlich wird es irgendwie gehen.

Logopädie hatten wir auch. Auch lange Diagnostik in der Fachstelle der unterstützen Kommunikation. Fazit war: sein Weg ist die Lautsprache und deren Förderung. Er braucht keine besondere Hilfsmittel zur Förderung der Sprache wie Talker. Pecs machen wir, es ist auch weiter geplant damit in der Autimustherapie zu arbeiten.

Im Kindergarten haben wir eine persönliche Assistenz, die einfach nur toll ist. Sie hat mit der Kita einen festen Vertrag und würde nicht wechseln. Wir sind auf die Betreuung angewiesen.

Auch Reha ist beantragt und bewilligt, leider haben uns schon diverse Einrichtungen, so wie Werscheberg, aufgrund von Autismus abgelehnt. Und es gibt leider nicht so viele Einrichtungen, die auf Sprache spezialisiert sind. Und 4 Wochen Reha selbst mit Verlängerung sind bei schwerer Sprachentwicklungsstörung, denke ich, nicht ausreichend.

Ich hoffe, dass ich alle Fragen beantwortet habe.
LG. Natascha.
Natascha mit Kämpfer *2015 bei 25+3, IVH III bds, Hydrocephalus, Shunt, ICP, beinbetont, frühkindlicher Autismus, SB 90%, aG, H, B. PG 4. Unser Sonnenschein
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Re: Kindergarten verweigert Verlängerung der Kindergartenzeit

Beitrag von Natascha43 »

Anja mit Tristan hat geschrieben: 10.11.2021, 13:34 Hallo Natascha,
Vielleicht wäre bei Euch so ein Kindergartenwechsel eine Idee?

Liebe Grüße
Anja
Hallo Anja,

vielen Dank für die Antwort. Wir werden erstmal um die Rückstellung kämpfen und parallel intensiv über den Kindergartenwechsel nachdenken.

Liebe Grüße
Natascha
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Re: Kindergarten verweigert Verlängerung der Kindergartenzeit

Beitrag von Natascha43 »

Sarah-Christine hat geschrieben: 10.11.2021, 13:49 Hallo,
hast du dich an den Schulen schon mal umgeschaut? Evtl. könnte dein Kind ein Vielfaches an Förderung in der Schule bekommen und von den Schulangeboten sehr profitieren. Die anderweitige Nutzung der Therapiezeiten hilft euch auch nicht weiter.
Hallo Sarah-Christine,
ich denke schon, dass unser Sohn von dieser ausgesprochen Intensiven autismusspezifischen Therapie profitieren wird. An den Schulen (beide von privaten Trägern), wo ich mir die Einschulung vorstellen kann, kann keine Förderung statt finden. Alles muss zusätzlich zu Schulzeit laufen. Mir scheint es überhaupt nicht schlimm zu sein, das Kind, was eh besonders ist und immer nur alleine spielt, ein Jahr später einzuschulen.
Natascha mit Kämpfer *2015 bei 25+3, IVH III bds, Hydrocephalus, Shunt, ICP, beinbetont, frühkindlicher Autismus, SB 90%, aG, H, B. PG 4. Unser Sonnenschein
Michaela.Sandro
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Re: Kindergarten verweigert Verlängerung der Kindergartenzeit

Beitrag von Michaela.Sandro »

Hallo zusammen, ich finde, dass ein Kind mit 7 Jahren in die Schule gehen sollte, es muss ja sowieso irgendwann sein und je älter das Kind, umso schwieriger sowohl in der Schule als auch im Kindergarten, weil es schon viel größer/älter ist als die anderen Kinder. Man muss ja auch sehen, dass andere Eltern sehnsüchtig darauf warten, dass sie für ihr kleineres Kind mit Förderbedarf überhaupt einen Platz im KiGa bekommen. Ich hatte damals mit der Erzieherin darüber gesprochen und ich fand ihre Argumente für die Schule überzeugend, Sandro war 6,5 Jahre bei Einschulung. Liebe Grüße Michaela
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!
Natascha43
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Re: Kindergarten verweigert Verlängerung der Kindergartenzeit

Beitrag von Natascha43 »

Michaela.Sandro hat geschrieben: 10.11.2021, 14:33 Hallo zusammen, ich finde, dass ein Kind mit 7 Jahren in die Schule gehen sollte, es muss ja sowieso irgendwann sein und je älter das Kind, umso schwieriger sowohl in der Schule als auch im Kindergarten, weil es schon viel größer/älter ist als die anderen Kinder. Man muss ja auch sehen, dass andere Eltern sehnsüchtig darauf warten, dass sie für ihr kleineres Kind mit Förderbedarf überhaupt einen Platz im KiGa bekommen. Ich hatte damals mit der Erzieherin darüber gesprochen und ich fand ihre Argumente für die Schule überzeugend, Sandro war 6,5 Jahre bei Einschulung. Liebe Grüße Michaela
Hallo Michaela,
danke für die Antwort. Ja, so in etwa argumentiert die Kita auch.
Zusätzlich nur, dass sie den Effekt der Autismustherapie anzweifeln.
Liebe Grüße.
Natascha
Natascha mit Kämpfer *2015 bei 25+3, IVH III bds, Hydrocephalus, Shunt, ICP, beinbetont, frühkindlicher Autismus, SB 90%, aG, H, B. PG 4. Unser Sonnenschein
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Rita2
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Re: Kindergarten verweigert Verlängerung der Kindergartenzeit

Beitrag von Rita2 »

Hallo Natascha,

ihr habt doch jetzt noch ein dreiviertel Jahr Autismustherapie vor euch, bis zum Schulbeginn. Würde die Autismustherapie überhaupt für nächstes Jahr verlängert werden? Du schreibst sie nehmen nur Vorschulkinder. Das klingt für mich so, daß es nur 1 Jahr (das Vorschuljahr) geht.

Siehst du eine realistische Chance, daß er nach der Therapie eine Regelschule zielgleich besuchen kann? Wenn ja, dann kämpfe um die Rückstellung. Wenn nein, rede mit den infrage kommenden Schulen, hospitiere dort.
Wer konnten uns eine Einschulung zum normalen Zeitpunkt auch nicht vorstellen. Haben es dann doch gemacht (es begann in dem Jahr eine Integrationsklasse in der Grundschule in unserer Straße) und es war auf jeden Fall nicht schlechter wie ein Jahr weiter Kindergarten.

Viele Grüße
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel
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