Berufsschule...Ausgrenzung...

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

Moderator: Moderatorengruppe

Antworten
Leni2003
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 12
Registriert: 27.12.2020, 19:19

Berufsschule...Ausgrenzung...

Beitrag von Leni2003 »

Hallo ihr lieben,

ich bin gerade mega traurig.
Leni besucht aktuell die Berufsfachschule im Sozialwesen und sie ist eine wirklich gute Schülerin.

In den Erstgesprächen haben sich die Lehrer als "mega toll" verkauft.

Leni ist die einzige mit Handicap in der Klasse.
Die Lehrer sagten uns, dass es sich um eine soziale Klasse handelt und Leni dort sehr gut integriert werden wird.

Pustekuchen, keiner der Mitschüler/innen spricht mit ihr oder ist an einer Kontaktaufnahme interessiert...... das setzt ihr mittlerweile sehr zu und verletzt sie.

Sie hat mehrfach versucht mit anderen in Kontakt zu treten, aber ihr wird immer so was gesagt wie "sorry, keine Zeit" ....

Wie soll sie das alles bis Schuljahresende durch stehen, abgewiesen zu werden ist mega blöd.....


Wo und wie finden Eure fast Erwachsenen Kids Freunde?

Traurige Grüsse
Isa
Werbung
 
Shelly
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 178
Registriert: 10.07.2019, 17:46

Re: Berufsschule...Ausgrenzung...

Beitrag von Shelly »

Hallo Isa,
Die besten Freunde habe ich über meine Hobbys (gleiche Interessen) , auf Rehas (wenig erklären, viel Verständnis 😉 leider sind das oft "Fernfreundschaften", da die Patienten aus ganz DE kommen), und im Jugendkreis einer evangelischen Gemeinde (die sind tatsächlich oft sehr inkusiv, aber am Anfang ist es ein bisschen schwierig als Fremder reinzufinden) gefunden.
LG
HeikeLeo
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1091
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Berufsschule...Ausgrenzung...

Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Isa,

ist von den anderen wahrscheinlich gar nicht bös gemeint. Die haben wirklich auch mega-Stress und keine Zeit. Die hängen auch alle voll in Problemen drin und kämpfen. Es hilft vielleicht, wenn man es so sieht.

Liebe Grüße
Heike
Benutzeravatar
JasminsMama
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1771
Registriert: 09.08.2010, 11:27
Wohnort: Region Heidelberg / Baden-Württemberg

Re: Berufsschule...Ausgrenzung...

Beitrag von JasminsMama »

Hallo Isa,

ich kann Deine Traurigkeit verstehen. Leider kann man niemanden "zwingen" jemand anderen zu mögen oder gerne Zeit mir ihm/ihr zu verbringen.

Ich musste lernen, dass mein Kind und das Kind meiner besten Freundin niemals Freunde werden und das höchste der Gefühle war, dass sie neben einander her spielten, was aber auch nicht immer geklappt hat.

Das war nicht immer leicht für uns weil unsere Familien eng befreundet waren und vor den Kindern schon viel Zeit miteinander verbracht haben...nachdem die Kinder dann eigene Persönlichkeiten waren (so im Kindergartenalter) gab es eine Zeit wo wir uns kaum zu Festen oder auch nur zum zusammen sitzen treffen konnten, weil die Kinder das torpediert haben....war nicht leicht und wurde erst besser als man sich auch wieder ohne Kinder treffen konnte, da diese älter waren und nicht immer dabei sein mussten.

Das ist jetzt natürlich nicht ganz mit der Situation Deiner Tochter vergleichbar, ich wollte Dir nur aufzeigen, dass es eben nicht planbar ist, ob jemand gut integriert wird bzw. ob Menschen sich "riechen" können.
Die Lehrer konnten beim Erstgespräch kaum wissen, ob Dein Kind von der Klasse gut integriert wird. Vielleicht sehen die Lehrer auch schon eine Integration gegeben, wenn Dein Kind nicht gemobbt wird und in der Klasse akzeptiert wird. :?

Hast Du schon mal mit den Lehrern gesprochen? Vielleicht sehen sie etwas, an dem Dein Kind arbeiten kann oder an dem die Lehrer mit der Klasse arbeiten können, damit ein Miteinander einfacher wird.

Meine Tochter tut sich sehr schwer neue Freunde zu finden, aber sie hatte das Glück, dass immer ein paar Kinder aus ihrer Klasse mit in die nächste Klasse gewandert sind, da hatte sie immer Anschluss.

Jetzt in der Werkstatt tut sie sich leichter damit Bekanntschaften zu schließen, wahrscheinlich, weil sie sich dort nicht verrenken muss um angenommen zu werden. Jeder trägt dort sein Päckchen und somit wird weniger mit dem Finger auf jemanden gezeigt der etwas nicht so gut kann, oder anders ist oder aussieht.

Viel helfen konnte ich Dir jetzt wahrscheinlich nicht, aber ich drücke Euch die Daumen, dass Dein Kind es schafft Freundschaften zu schließen.

Vielleicht klappt es wirklich, wie Shelly schreibt, über Hobbies oder Freizeitaktivitäten Freundschaften zu schließen mit jungen Menschen, die die gleiche Interessen haben. Meine Tochter hat z.B. bei den Aktivitäten der Lebenshilfe viele Freunde gefunden, die man zwar nicht jeden Tag sieht, aber dann bei jeder Veranstaltung wieder trifft und sofort Anschluss hat.

Ich drücke Euch auf jeden Fall die Daumen!

LG
Sandra
Sandra 06/76
Jasmin Marie 05/02 globale Entwicklungsverzögerung, vis. Wahrnehmungsstörung, Lernbehinderung, starke Hyperopie rechts, hochpathologisches EEG (Besserung seit Jan. 12),
PG 3, SBA 80% B, G, H
***Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht***
Tina&Andi
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 328
Registriert: 16.09.2017, 14:18

Re: Berufsschule...Ausgrenzung...

Beitrag von Tina&Andi »

Hallo Isa,
mir tut es für Leni sehr leid-
Finde gerade für eine Schule für Sozialwesen sollte es zu Selbstverständigkeit gehören dass mein Menschen mit einer Behinderung intergiert.

Es fällt mir schwer die ein guter Tipp zu geben. Aber wenn Leni sich dort nicht wohlfühlte wäre es gut eine Alternative zu suchen. Ich bin froh in einer Werkstatt zu sein, weil dort werde ich so akzeptiert so wie ich bin.
Es zeigt mir dass man Inklusion nicht verordnen kann, sondern sich entwickeln muss.
Ich glaube ich wäre in eine Klasse oder einer Firma auch die Außenseiterin.

Ich wünsche auch alles Gute.

LG
Tina
Tina : Tetraspastik, beinbetont,

Andi : Tetraspastik, armbeton, vorallem schreibfaul
sandramaus
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 41
Registriert: 27.10.2006, 21:48

Re: Berufsschule...Ausgrenzung...

Beitrag von sandramaus »

Hallo,
leider kann man niemanden zwingen.

Ich würde auch mal mit den Lehrern reden, ob sie sagen können, woran es liegt, dass deine Tochter keinen Anschluss findet.
Ist sie denn sonst beliebt, hat sie viele Freunde ausserhalb der Schule?

Falls sie sich auch sonst schwer tut, kann zum Einen eine Psychotherapie helfen und ansonsten möglichst viele positive zwischenmenschliche Erfahrungen .

Ausserhalb der Schule eignen sich Freizeitaktivitäten, wie etwa Chor, Sport, Theater, politische Aktivitäten, Jugendgruppen in Gemeinden, Jugendclubs um andere Jugendliche kennenzulernen.
Vielleicht schaut sich deine Tochter auch mal offiziell inklusive Gruppen, oder Behindertensport an.

Viele Grüße Sandra
Leichte Form der ICP mit Diparese
Neurogene Blasenentleerungsstörung
Chantal-Marie
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 501
Registriert: 23.03.2016, 20:28

Re: Berufsschule...Ausgrenzung...

Beitrag von Chantal-Marie »

Wie lange ist Leni an der Berufsschule? Erst seit Beginn des neuen Schuljahres? Wenn dem so ist dann würde ich dir raten den Kids einfach Zeit zu geben und nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen. Nach so kurzer Zeit würde ich Leni auf gar keinen Fall raus nehmen denn auf einer anderen Schule muss es nicht besser sein. Ich bin mir auch gar nicht sicher ob ein Berufsschulwechsel so einfach möglich ist.

Ich denke nicht dass die anderen Schüler Leni bewusst ausgrenzen sondern dass sie sich erst aneinander gewöhnen müssen, Leni sowie ihre Mitschüler. Leicht wird es vermutlich nicht aber jetzt schon aufgeben ist absolut keine Option. Wart einfach mal ab, ja es ist leichter gesagt als getan aber halte dich zurück und lass Leni das machen. In einem halben Jahr kannst immer noch entscheiden wie es weiter geht.

Viel Glück und einen langen Atem...........
Liebe Grüße von Chantal-Marie und Mama
Rita2
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3064
Registriert: 30.09.2004, 09:07
Wohnort: Region Heidelberg-Mannheim

Re: Berufsschule...Ausgrenzung...

Beitrag von Rita2 »

Hallo,

ich kann Chantal-Marie nur zustimmnen.

Ich würde aber das Gespräch mit den Lehrern suchen. Einmal um zu erfahren, was ihr Eindruck ist. Aber viel wichtiger, die Lehrer bitten etwas zu unternehmen, daß Leni eingebunden wird. Dafür gibt es sicher verschiedene Wege. Das wissen andere sicher besser als ich.

Viel Erfolg
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel
Benutzeravatar
Regina Regenbogen
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 8162
Registriert: 12.07.2008, 18:37
Wohnort: Ostfriesland

Re: Berufsschule...Ausgrenzung...

Beitrag von Regina Regenbogen »

Leni2003 hat geschrieben: 27.10.2021, 12:51 Leni ist die einzige mit Handicap in der Klasse.
Die Lehrer sagten uns, dass es sich um eine soziale Klasse handelt und Leni dort sehr gut integriert werden wird.

Pustekuchen, keiner der Mitschüler/innen spricht mit ihr oder ist an einer Kontaktaufnahme interessiert...... das setzt ihr mittlerweile sehr zu und verletzt sie.

Berufsfachschulen haben meistens auch Vertrauenslehrer. Deine Tochter könnte sich ja mal mit diesem in Verbindung setzen und ihr Problem schildern. Meistens findet man bei diesen Gesprächen eine Lösung oder zumindest eine Erkenntnis. Kommt bestimmt besser an als wenn du dich an die Lehrkräfte wendest, immerhin handelt es sich um eine Bildungseinrichtung für Erwachsene.

Wie lange ist sie denn überhaupt schon im Präsenzunterricht an dieser Schule? Grundsätzlich haben alle Schüler und Studenten nach dieser Coronapause Anlaufschwierigkeiten im sozialen Miteinander. Das Einfinden in eine Klassengemeinschaft dauert erheblich länger als noch vor 2 Jahren.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese
Werbung
 
Ayden
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 434
Registriert: 13.10.2015, 21:35

Re: Berufsschule...Ausgrenzung...

Beitrag von Ayden »

Hallo,
hat Leni evtl. Lust auf Schauspielunterricht? Manchmal stimmt die "Gegenübertragung" einfach nicht. Unsere Tochter, sie trägt ein Korsett, das ziemlich extrem ist und ihr auch ständig weh tut hat in der Coronazeit viel Zeit vor dem Spiegel verbracht und Mimikkontrolle und Haltungskontrolle geübt, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie sie in welcher Haltung auf andere wirkt. Krumm, steif und mit schmerzverzerrtem Gesicht wirkt sie für andere nicht so toll. Das hat sie - ohne es zu werten - reichlich erlebt.

Wenn etwas besonders schwierig für unsere Tochter ist oder die Schmerzen wegen des Korsetts sehr stark sind, hat sie sich deshalb jetzt angewöhnt, ein strahlendes Lächeln aufzusetzen - zumindest, bis sie alleine ist. Das hebt dann auch ihre Laune. Unsere Tochter- die 12 Jahre ist- hat nämlich festgestellt, eines ist noch schlimmer als Schmerzen haben : Dafür bedauert werden. Und am allerschlimmsten ist, Schmerzen so zu haben, dass alle es mitbekommen und dann doch nicht bedauert zu werden, sondern ausgegrenzt zu werden.

Mit dem Lachen im Gesicht läuft auch nicht immer alles perfekt, aber viel besser.
Allerdings ist dieser Weg nicht jedermanns Sache. Ist auch nur eine Idee. Es wäre schön, wenn Leni jemanden fände, mit dem/der sie in der Schule die Pausen verbringen könnte! Viel Glück! Ayden
Antworten

Zurück zu „Kindergarten und Schule“