Behinderungsbedingte Mehrkosten bei Kindesunterhaltsberechnung

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Jadewe
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Behinderungsbedingte Mehrkosten bei Kindesunterhaltsberechnung

Beitrag von Jadewe »

Hallo,

der 17-jährige Sohn meines Mannes kam in den Ferien spontan die Idee zu seiner Mutter zurückzuziehen, nachdem er 4 Jahre bei uns gelebt hat.

Mutter ist gleich zum Jugendamt/Beistandschaft und die beziehen sich auf einen alten Unterhaltstitel, wo unsere 2 Kinder noch nicht geboren waren. Jetzt will das JA neu berechnen und wir wissen aus unseren bisherigen Erfahrungen, dass es sehr nachteilig für uns rechnet.

Sie wollen einen konkreten Nachweis unserer behinderungsbedingten Kosten. Unsere Tochter hat einen GdB von 100, Merkzeichen G, aG, H und B.

Habt ihr Erfahrungen, was ich alles aufführen kann?
Ich kann doch nicht jede Fahrt zur Therapie aufführen, das macht einfach viel zu viel Arbeit. Vermehrter Windelbedarf, Zuzahlungen zu Hilfsmitteln. Ich meine, wozu gibt es die gesetzlichen Pauschalen, wenn diese nicht angewendet werden? Letztendlich habe ich auch höhere steuerliche Abzüge aufgrund der schlechteren Steuerklasse.

Habt ihr Ideen, was wir alles aufführen können?

Kann man sich dazu irgendwo beraten lassen (z.B. beim Inklusionsamt?) Aus Erfahrung wissen wir, dass die Anwälte sich dazu nicht auskennen.

Mich macht es nur unendlich traurig, dass von Amts wegen keinerlei Verständnis vorhanden ist. Soviel zur Inklusion.

LG,
Jadewe
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Anne_mit_2
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Re: Behinderungsbedingte Mehrkosten bei Kindesunterhaltsberechnung

Beitrag von Anne_mit_2 »

Spontane und nicht ganz ernst gemeinte Idee zu 'Wo kann man sich hinwenden?': Wenn es dasselbe Jugendamt ist, das auch für euch zuständig ist, dann lass Dich beraten, ob in dieser Sache eine Beistandschaft für Deine Tochter und Euer weiteres Kind sinnvoll ist. Dann muss das Amt die Rechte der Kinder gegeneinander selbst abwägen.

Ansonsten: Schreib mal eine Woche alle Fahrten und alle Mehrkosten auf, die mind einmal in der Woche anfallen und die bei einem gesunden Kind nicht anfallen. Dann rechne die sporadischen Kosten anteilig dazu.

Viele Grüße,
Anne
Anika14
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Re: Behinderungsbedingte Mehrkosten bei Kindesunterhaltsberechnung

Beitrag von Anika14 »

Dafür gibt es aber doch den Pauschbetrag bei der Steuer.
Ich bekomme für meine Kinder keinen Cent mehr Unterhalt nur weil sie behindert sind und verstehe auch nicht, warum das umgekehrt so sein sollte.
Anika mit
Maxi Bub (*04/11) ASS, ADHS & HB
Mini Bub (*11/14) 33+0 SSW, Katarakt, Kleinwuchs, kongenitale Myasthenie, neurosensomotorische Dysphagie, massiv gestörte Körperwahrnehmung, Hypoglykämien, Kamikaze mit viel Verstand, großem Herz & stets gut gelaunt, AMT G-JET-Button, PG 4 und 80% G,B,H
Jadewe
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Re: Behinderungsbedingte Mehrkosten bei Kindesunterhaltsberechnung

Beitrag von Jadewe »

Guten Morgen,

Vielen lieben Dank für eure Antworten!

@Anne: Leider dient der Beistand nur zur Unterhaltseinforderung und Vaterschaftsfeststellung. Das wäre ja ein Traum, wenn man das so machen könnte…

@Anika: Bei uns ist der Fall genau anders herum. Die mit der Steuer angesetzten Pauschalen gelten als Einkommen und erhöhen somit den Unterhalt. Außerdem haben sich diese Pauschalen 2021 erhöht. Ich denke, das JA wird die Pauschalen nicht anerkennen. Und eigentlich wissen ja alle hier, dass die Pauschalen nicht den Echt-Einbußen entsprechen, aber diese finanziellen Steuer-Nachteilsausgleiche sind natürlich eine Unterstützung und besser als nichts.

Also nehme ich jetzt die Pauschale für 2021:
Für H: 7400 €
Für aG: 4500 € obwohl ich glaube, dass der Einzelnachweis höher ausfallen wird.
Pflegepauschbetrag

Wird das jetzt hälftig für meinen Mann anerkannt?

Viell ist ja ein Steuerfachmsnn unter euch oder jemand hat den behinderungsbedingten Mehraufwand schonmal ähnlich in Unterhaltsfragen nachweisen müssen.

LG,
Jadewe
Anika14
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Re: Behinderungsbedingte Mehrkosten bei Kindesunterhaltsberechnung

Beitrag von Anika14 »

Ich bin keine Fachfrau, aber könntet ihr euch getrennt veranlageb lassen und die Pauschbeträge bei dir reinpacken? Ich habe einen Schriftsatz von meinem Ex, in dem steht, dass der gesamte Pauschbetrag mir zufällt.
Anika mit
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Anne_mit_2
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Re: Behinderungsbedingte Mehrkosten bei Kindesunterhaltsberechnung

Beitrag von Anne_mit_2 »

Jadewe hat geschrieben: 14.10.2021, 08:15
@Anne: Leider dient der Beistand nur zur Unterhaltseinforderung und Vaterschaftsfeststellung. Das wäre ja ein Traum, wenn man das so machen könnte…
Hallo Jadewe,

ich meinte nicht, dass die zuständig sind (das war mir klar), sondern dass Du die um Hilfe bittest, die Rechte Deiner behinderten Tochter im Rahmen des Unterhaltsverfahrens (in Abwägung der Ansprüche aller Kinder) zu wahren oder Dich diesbezüglich an eine andere Stelle zu verweisen, die Dich unterstützen kann. Es war mir klar, dass die nicht zuständig sind, aber manchmal kann man sich ein bischen dumm stellen und ein Sachbearbeiter hat einen lichten Moment, so dass er sich einen Sachverhalt bzgl. unvermeidlicher Sonderausgaben ansieht und bewertet, statt die Tabelle auf der Basis eines einzelnen Zahlenwertes vom Lohnzettel zu abzulesen....

Viele Grüße,
Anne
kati543
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Re: Behinderungsbedingte Mehrkosten bei Kindesunterhaltsberechnung

Beitrag von kati543 »

Hallo,
für deine Steuerklasse würde ich dir schleunigst den Gang zum Steuerberater empfehlen. Die Steuerklasse 3 für deinen Mann erscheint mir extrem ungünstig für euch. Ihr seid nur zur Steuerklasse 4 verpflichtet. Kindesunterhalt ist kein nachehelicher Unterhalt. Hier zählt wirklich die Steuerklasse und das bereinigte Netto. Ihr zahlt also ohnehin schon viel zu viel. Wenn ihr es euch (monatlich) leisten könnt, nehmt lieber 4/4 und erledigt den Rest über die Steuererklärung.

Ich habe das jetzt so verstanden, dass ihr behinderungsbedingte Freibeträge eingetragen habt und das Jugendamt nun diese aus dem Einkommen wieder herausrechnen muss. Da hier wirklich die Steuerfreibeträge zählen, musst du nichts einzeln angeben.

Wenn deinem Mann die Berechnung nicht gefällt, muss er das nicht unterschreiben. Wichtig ist, dass er das Ganze befristet bis zur Volljährigkeit.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Fettstoffwechselstörung (HeFH), Esstörung, Taub R, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Mikrodeletion 3p26.3, Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)
kati543
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Re: Behinderungsbedingte Mehrkosten bei Kindesunterhaltsberechnung

Beitrag von kati543 »

Anika14 hat geschrieben: 14.10.2021, 09:02 Ich bin keine Fachfrau, aber könntet ihr euch getrennt veranlageb lassen und die Pauschbeträge bei dir reinpacken? Ich habe einen Schriftsatz von meinem Ex, in dem steht, dass der gesamte Pauschbetrag mir zufällt.
Hallo,
welchen Sinn macht das?
Wenn SIE die schlechtere Steuerklasse hat als ER, hat ER das deutlich höhere Einkommen, ggf. hat SIE sogar gar kein steuerpflichtiges Einkommen.
Der Pauschbetrag hat einen viel höheren Effekt bei einem hohen Einkommen als bei niedrigem Einkommen. Das wäre also definitiv empfindlich viel weniger Geld vom Finanzamt.

Die Behinderung wird beim Unterhalt nicht berücksichtigt… bei keinem Kind. Jedoch muss die behinderungsbedingte Steuerrückerstattung, die zu einem scheinbar höheren Einkommen führt, natürlich beim echten bereinigten Netto wieder herausgerechnet werden. Diese Kosten sind ja entstanden, aber ausschließlich für das behinderte Kind.

LG
Katrin
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Re: Behinderungsbedingte Mehrkosten bei Kindesunterhaltsberechnung

Beitrag von Jadewe »

Anne_mit_2 hat geschrieben: 14.10.2021, 09:47
Jadewe hat geschrieben: 14.10.2021, 08:15
@Anne: Leider dient der Beistand nur zur Unterhaltseinforderung und Vaterschaftsfeststellung. Das wäre ja ein Traum, wenn man das so machen könnte…
Hallo Jadewe,

ich meinte nicht, dass die zuständig sind (das war mir klar), sondern dass Du die um Hilfe bittest, die Rechte Deiner behinderten Tochter im Rahmen des Unterhaltsverfahrens (in Abwägung der Ansprüche aller Kinder) zu wahren oder Dich diesbezüglich an eine andere Stelle zu verweisen, die Dich unterstützen kann. Es war mir klar, dass die nicht zuständig sind, aber manchmal kann man sich ein bischen dumm stellen und ein Sachbearbeiter hat einen lichten Moment, so dass er sich einen Sachverhalt bzgl. unvermeidlicher Sonderausgaben ansieht und bewertet, statt die Tabelle auf der Basis eines einzelnen Zahlenwertes vom Lohnzettel zu abzulesen....

Viele Grüße,
Anne
Danke!
Ja, natürlich, das habe ich auch so verstanden. Das Amt für Inklusion im selben Landratsamt fühlt sich jedenfalls nicht zuständig. Sie können keinen Anwalt empfehlen und auch nichts zu den Mehrkosten, da sie nicht für Unterhaltsberechnung zuständig sind. Das hat mal so gar nicht geholfen…

Die zuständige Sacharbeitern hasst uns noch von vor 7 Jahren. Leider kann man den Sachbearbeiter nicht wegen Befangenheit wechseln.

LG, Jadewe
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Jadewe
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Re: Behinderungsbedingte Mehrkosten bei Kindesunterhaltsberechnung

Beitrag von Jadewe »

kati543 hat geschrieben: 14.10.2021, 12:22
Anika14 hat geschrieben: 14.10.2021, 09:02 Ich bin keine Fachfrau, aber könntet ihr euch getrennt veranlageb lassen und die Pauschbeträge bei dir reinpacken? Ich habe einen Schriftsatz von meinem Ex, in dem steht, dass der gesamte Pauschbetrag mir zufällt.
Hallo,
welchen Sinn macht das?
Wenn SIE die schlechtere Steuerklasse hat als ER, hat ER das deutlich höhere Einkommen, ggf. hat SIE sogar gar kein steuerpflichtiges Einkommen.
Der Pauschbetrag hat einen viel höheren Effekt bei einem hohen Einkommen als bei niedrigem Einkommen. Das wäre also definitiv empfindlich viel weniger Geld vom Finanzamt.

Die Behinderung wird beim Unterhalt nicht berücksichtigt… bei keinem Kind. Jedoch muss die behinderungsbedingte Steuerrückerstattung, die zu einem scheinbar höheren Einkommen führt, natürlich beim echten bereinigten Netto wieder herausgerechnet werden. Diese Kosten sind ja entstanden, aber ausschließlich für das behinderte Kind.

LG
Katrin
Ich kann aufgrund der Pflege unserer Tochter nicht so viel arbeiten und verdiene weniger als die Hälfte meines Mannes. Also macht die Kombi der Steuerklassen bei uns Sinn. Steuerklassen kann man übrigens nur bis zum 30.09. des Jahres wechseln. Wir sind zusammenveranlagt, weil da mehr rauskommt, insofern bringt die Pauschale nicht mehr oder weniger, weil sie dem gemeinsamen Einkommen zugeordnet wird.

Mein Gedankengang ist auch, dass ich 100 % der behinderungsbedingten Pauschalen mir zuordnet. Im Steuerprogramm sehe ich, wie viel der Steuerrückerstattung mir bzw. meinem Mann zugeordnet werden.Ich weiß aber nicht, ob das weniger Steuerrückerstattung bringt. Muss ich mal im Programm durchtippen.

Danke für eure Gedankengänge!

LG,
Jadewe
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