Muss ein behinderter Erwachsene in der Familienversicherung bleiben?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Nata
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Muss ein behinderter Erwachsene in der Familienversicherung bleiben?

Beitrag von Nata »

Liebe Gemeinschaft,

Anton ist schon seit Januar 18, und wir haben immer noch nicht die Fragen der Krankenversicherung, Zuzahlungsbefreiung etc. geklärt.
Die Aussagen der KK Mitarbeiter widersprechen sich teilweise total.
Unser Sohn bekommt Grundsicherung bei voller Erwerbsminderung. Er war bzw. ist familienversichert. Nach der ersten Aussage einer KK-Mitarbeiterin hieß es, da er als Grundsicherungsbezieher als Ein-Mann-Bedarfsgemeinschaft zähle, solle er selbständig versichert werden. So habe ich einen Antrag für ihn gestellt.
Heute nach knapp 2 Monaten habe ich dort angerufen um nachzufragen, was aus dem Antrag geworden ist, und sprach mit einem anderen Mitarbeiter. Dieser meinte, das Sozialamt würde die Kosten für die KV unseres Sohnes auf keinen Fall übernehmen, denn es bestehe die Möglichkeit einer Familienversicherung.
Diese besteht bis 23 Jahre und in unserem Fall sicherlich auch darüber hinaus. Heißt es, dass unser Sohn lebenslang bzw. so lange wir leben in der Familienversicherung bleibt?
Für den Befreiungsantrag würden dann die Einkommen von meinem Mann, mir und die Grundsicherung von Anton zusammengerechnet. 1% würde dann grob geschätzt 800,- sein und das sind ungefähr die Zuzahlungen, die wir auch im Jahr leisten würden. Also, keine Befreiung. Das kann doch nicht wahr sein, oder?
Wo soll ich anfangen? Das zuständige Sozialamt ist bzw. sielt sich in dieser Frage ziemlich unbeholfen und wird der baldigen Lösung nicht beitragen.

Ich danke Allen im Voraus
mit besten Grüßen
Natalja
Natalja mit Anastassia 8/97, einer Leseratte und Anton 1/03, Zwerchfellhernie, perinatale cerebrale Schädigung, Hydrocephalus et vacuo, mehrfach behindert aber ein Sonnenschein
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*Sally*
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Re: Muss ein behinderter Erwachsene in der Familienversicherung bleiben?

Beitrag von *Sally* »

Fakt ist , dass meine Tochter über mich familienversichert ist , im Hinblick auf die Zuzahlung aber bedingt durch die GruSi als alleinige Bedarfsgmeinschaft zählt und somit nur den Mindestbetrag ( ca. 53 € in 2021 ) zahlen muß.
Evi mit Tochter - Maus * 95
angela
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Re: Muss ein behinderter Erwachsene in der Familienversicherung bleiben?

Beitrag von angela »

Hallo Natalja,

Familienversicherung geht, Zuzahlungsbefreiung gilt dann aber nur für Deinen Sohn, da er GruSi bezieht und eine alleinige Bedarfsgemeinschaft bildet.
So wie Evi es schreibt.

Sollte Dein Sohn in einer WfbM in eine Ausbildung gehen bzw arbeiten, wird er selbst versichert werden. (So war es zumindest vor 5 Jahren, als Franz in den Berufsbildungsbereich ging.)

Solange er im Förderbereich ist bleibt die bestehende Familienversicherung definitiv. Und als Schüler ebenso.

LG - Angela
Angela mit Eric (*93) und Franz (*98)
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Sandra B.
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Re: Muss ein behinderter Erwachsene in der Familienversicherung bleiben?

Beitrag von Sandra B. »

Hallo,

das ist ja interessant. Bei uns ist die Situation nämlich ganz genau so wie bei Natalja. Bei uns wurde aber tatsächlich auch immer das Familieneinkommen als Berechnungsgrundlage genommen und wir haben reichlich Zuzahlungen geleistet. Muss ich mich diesbezüglich dann bei der KK melden?

Liebe Grüße
Sandra (50) und Max (51) mit Nina, 20, geistig und körperlich schwer behindert nach Frühgeburt. 25.SSW, 530g, sehr starke Sehbehinderung, keine Sprache, autistische Züge, infektabhängige Anfälle und vieles mehr
& Lukas, geb. 19.06.2008 (ADHS)
angela
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Re: Muss ein behinderter Erwachsene in der Familienversicherung bleiben?

Beitrag von angela »

Hallo Sandra,

in unseren GruSi-Bescheiden steht irgendwo:
"Bedarfsgemeinschaft: Eric Nachname"
bzw Franz Nachname.

Den Bescheid will die Kasse ja haben .
Das sollte ausreichen das eure Tochter für ihre Zuzahlungen nur die ca 53€ für dieses Jahr zahlt.
Ihr als Eltern werdet nicht berücksichtigt in dieser Rechnung.

Ich würde die Kasse drauf aufmerksam machen, definitiv.

LG - Angela
ftopic137916-10.html#p2211587
Dort Beispiel 17, in dem Link
Angela mit Eric (*93) und Franz (*98)
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AngelikaB
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Re: Muss ein behinderter Erwachsene in der Familienversicherung bleiben?

Beitrag von AngelikaB »

Hallo,
Jonna war immer familienversichert bis zu ihrem Berufsbeginn bei der Lebenshilfe. Seitdem ist sie selber das Mitglied. Aber die Zuzahlungsbefreiung habe ich bereits ab 18 für sie bekommen, eben wegen der Grundsicherung. Ich habe von uns Eltern nichts angegeben.
Ich empfehle, erstmal einen Antrag für das Kind schriftlich stellen. Dann gibt es auch den Bescheid schriftlich. Damit hat man was in der Hand und kann reagieren. Telefonisch kann immer behauptet werden, dass es so gar nicht gesagt wurde oder man hat inkompetente Mitarbeiter am Telefon, die sich nicht bemühen. Und am Ende verschwendet man seine Zeit und Energie.
Viele Grüße
Angelika
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Sandra B.
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Re: Muss ein behinderter Erwachsene in der Familienversicherung bleiben?

Beitrag von Sandra B. »

Hallo

@angela: Super, vielen lieben Dank!

Liebe Grüße
Sandra
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Re: Muss ein behinderter Erwachsene in der Familienversicherung bleiben?

Beitrag von Jannice »

Meine Söhne sind beide in meiner Bedarfsgemeinschaft ( Hartz4 ) und bekommen Sozialgeld als Erwerbsunfähige übers Jobcenter, ich bekomme aufstockend Hartz4.

Ich hab nun die Anträge auf Familienversicherung laufen, da das Jobcenter für beide keine Krankenkassenbeiträge mehr bezahlt, die müßten doch dann familienversichert werden könne über mich ? Beide bekommen ansonsten nur noch Kindergeld, was ja aber beim Sozialgeld angerechnet wird.

Und bei der Befreiung, wird dann bei uns alles zusammen gerechnet, weil wir eine BG sind ? Oder jeder einzeln ? ( die Jungs sind 17 und 21 )
LG Jannice
mit "der Kleine" ( 17J. , globale Entwicklungsverzögerung., Asthma, EDS3, sel. Mutismus, Mutation auf Col11A1 u.a.) und "der Große" ( 20J. , Entwicklungsverz. , Depression, Hashimoto, Schwerhörig, Autismusspektrumsstörung, Adipositas) . Beide Jungs haben eine Duplikation auf dem ARX-Gen.
Mama Ursula
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Re: Muss ein behinderter Erwachsene in der Familienversicherung bleiben?

Beitrag von Mama Ursula »

Hallo,

Jannice - soweit ich weiß, können/ müssen die Jungs bei Dir mitversichert werden und Ihr werdet gemeinsam veranschlagt und fährt damit wohl insgesamt auch am Besten.

Alle - wir sind Pflegefamilie und dennoch konnten wir alle Pflegekinder über uns Familienversichern.
Die großen Buben sind ausgezogen und heute wieder über die leibliche Mutter versichert, da sie noch zur Schule gehen.
Jessy bleibt trotz Volljährigkeit bei uns und geht auch noch zur Schule.

Antrag auf Grundsicherung hatten wir gestellt, aber Sozialamt und Eingliederungshilfe haben sich darauf geeinigt, dass die EGH weiterhin Unterhalt und Pflegefamilie "bezahlen".

Nun besteht die GKV darauf, dass wir (obwohl gar nicht unterhaltspflichtig) gemeinsam veranschlagt werden müssen.

Eigentlich wollten wir nur Jessy befreien lassen, was die GKV eigentlich günstiger kommen würde, da das Gesamteinkommen nicht hoch ist.

Unser Problem, wir brauchen bei gemeinsamer Veranschlagung den Steuerbescheid von 2020 und das dauert noch.

Weiß jemand, wie das bei Pflegefamilien ist?

Grüßle
Ursula
Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.
Pflegemutter von Jessy (18J., Asphyxie-ICP, Baclofenpumpe in Mannheim bei Dr. Kunkel, trotz schwerster Skoliose, dank CBD anfallsfrei), kl.Bub (2J. SHT-ICP, Baclofenpumpe, trotz OP-Gewicht < 15kg, dank CBD anfallsfrei), 2 gr. Jungs - ausgezogen.
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Nata
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Re: Muss ein behinderter Erwachsene in der Familienversicherung bleiben?

Beitrag von Nata »

Hallo Zusammen!
Vielen Dank für Ihre hilfreichen Antworten!
Ja, ich habe im Grundsicherungsbescheid den Satz „Bedarfsgemeinschaft Anton...“ gefunden.
Telefonisch stellen sich die Mitarbeiter der KK aber stur und belehren mich in Punkto, man träge in einer Familie Verantwortung für einander. Die wollen mir nicht mal das Antragsformular schicken.
Außerdem verwies die Mitarbeiterin auf SGB V §62: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__62.html

Steht es vielleicht irgendwo geschrieben, dass Grundsicherungsbezieher als alleinige Bedarfsgemeinschaft zählen, auch wenn sie im Haushalt der Eltern wohnen?
Wie kann ich sonst die Kasse dazu bringen, nur das Einkommen meines Sohns zu berücksichtigen?
Grüße
Natalja
Natalja mit Anastassia 8/97, einer Leseratte und Anton 1/03, Zwerchfellhernie, perinatale cerebrale Schädigung, Hydrocephalus et vacuo, mehrfach behindert aber ein Sonnenschein
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