Wahrnehmungsstörungen - Ausweis - ärztliche Überprüfungen

In dieser Rubrik könnt ihr euch über diverse Krankheitsbilder austauschen - z. B. Skoliose, Kyphose, Cerebralparese usw.

Moderator: Moderatorengruppe

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Silvia & Iris
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Wahrnehmungsstörungen - Ausweis - ärztliche Überprüfungen

Beitrag von Silvia & Iris »

Hallo ihr Lieben,

da ich ganz allgemein schreiben möchte:
Habt ihr eure Behindertenausweise alle zeitlich befristet, erhalten manche diese auch zeitlich unbefristet? - Vor allem bereits als Erwachsene?
... müssen auch Erwachsene regelmäßig prüfen lassen, ob ihre Wahrnehmungsstörung noch immer besteht? - Gibt es Wahrnehmungsstörungen welche verschwinden können? - Oder merkt man das vielleicht im Erwachsenenalter häufig nicht mehr so, weil eine gewisse Adaption statt gefunden hat?
Kann dadurch eine Wahrnehmungsstörung auch mal verschwinden??

Einmal Austismus diagnostiziert ist doch eigentlich für lebenslänglich, oder? - Natürlich kann der Betreuungsaufwand variieren und es ist sicherlich eine gewisse Spektrumsbreite vorhanden, doch die Diagnose löst sich nicht auf... - die besteht doch lebenslänglich...
das müsste doch bei AD(H)S auch so sein, oder doch nicht??
... genauso wie bei SVES oder AVWS...

so etwas ist doch nicht wie ein Knochenbruch, oder eine Kinderkrankheit, welche wieder verheilt und (normalerweise) spurlos verschwindet (sieht man mal vom Kallus am Knochen ab.)

Oder was ist der Grund sonst, dass man auch im Alter von 21 noch mal überprüft wird...
Wird dann vielleicht ein unbefristeter Ausweis ausgestellt??

Kennt sich da jemand näher aus? Vor allem: ich kann die Erwachsenen doch nicht rediagnostizieren... - das macht doch - zumindest kein Pädaudiologe...

Grüße aus dem Amtsdschungel
von
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
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HeikeLeo
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Re: Wahrnehmungsstörungen - Ausweis - ärztliche Überprüfungen

Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Silvia,

beim Schwerbehindertenausweis geht es um die Einschränkungen - NICHT um irgendeine Diagnose. Ein Diagnose kann helfen, die Einschränkungen besser zu erklären und zu begründen. Aber nicht die Diagnose berechtigt zu einem Schwerbehindertenausweis.

Und gerade bei jungen Leuten ist noch viel Entwicklung möglich, auch nachholende Entwicklung, gerade bei Entwicklungsstörungen wie Autismus.

Liebe Grüße
Heike
Silvia & Iris
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Re: Wahrnehmungsstörungen - Ausweis - ärztliche Überprüfungen

Beitrag von Silvia & Iris »

Hallo Heike,

also dann kann es also doch vorkommen, dass trotz Diagnose (angeboren, aus dem Spektrum Wahrnehmungsstörung) kein Ausweis mehr ausgestellt wird, weil die Kompensation z. B. sehr gut funktioniert? und daher der GdB von ab 50 nicht mehr erfüllt wird...

Meine Frage: Ist es jemanden hier aus dem Forum bereits passiert, dass ihm bei seinem Kind - Spektrum angeborene Wahrnehmungsstörung - in der Kindheit ein Ausweis ausgestellt wurde, aber irgendwann der Ausweis eingezogen wurde, weil die Kompensation nun so gut läuft, dass GdB von 50 nicht mehr erfüllt ist?

Liebe Grüße
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
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Fibi
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Re: Wahrnehmungsstörungen - Ausweis - ärztliche Überprüfungen

Beitrag von Fibi »

Hallo Silvia,

wir „kämpfen“ immer wieder um die Verlängerung des SBA. Ab einem bestimmten Alter werden die Merkzeichen „weggenommen“, jetzt geht es um die Prozente ..... ja, es soll Kinder geben, bei denen sich z. B. ein ADHS „verwächst“ in der Pubertät :wink:

Ich persönlich finde es nervig, wenn immer wieder neue Befunde und Gutachten eingefordert werden, die es nicht gibt. Warum soll ich jährlich mein „Kind“ diagnostizieren und begutachten lassen, wenn ich alles schon weiß ?

Die behandelnde Kinderärztin/Psychologin hat einen Bericht geschrieben, dieser reicht den Damen und Herren vom Amt nicht. Und was wir als Eltern angeben, zählt nicht , bin es echt leid .....

VG Fibi
Fibi (*69), Papa(*65) und Sohn (*2002) mit verschiedenen Baustellen, Azubi
Silvia & Iris
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Re: Wahrnehmungsstörungen - Ausweis - ärztliche Überprüfungen

Beitrag von Silvia & Iris »

Hallo Fibi,

danke für deine Antwort...
... das mit dem verwachsen... - hatte es hier, dass man manches einfach negiert hatte, weil man ja nicht auffallen will...
- ist dann der Betroffene in einer Gruppe, wo die anderen auch Handicaps haben... - plötzlich gibt man zu, dass sehr wohl gewisse Hilfen nicht schlecht wären...
Ist ja wie bei den Senioren,die den Ärzten doch noch beweisen müssen wie gut sie sind... kaum sind diese Weg, dann schaffen sie den Weg aufs Klo nicht mehr alleine... (z. B.)

Bei meiner Tochter habe ich nun endlich einen "Dauerzustand" - das hätte man in ihrem Fall (angeborene Hirnfehlbildung) doch bereits mit 4 Jahren machen können... ??? - ... aber das ist ja auch eine andere Baustelle...
... und wenn man hier im Forum liest, dann geben auch manche Erwachsene zu, dass sie sich auch in der Diagnose ihrer Kinder wiederfinden... - vor allem die Mütter, ob das auch daher kommt, weil meist die Mütter hier schreiben?
Daher kam mein Gedanke, dass auch Wahrnehmunggstörungen (nachgewiesen angeborene) nicht einfach wieder verschwinden...
Liebe Grüße
Silvia
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Lisaneu
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Re: Wahrnehmungsstörungen - Ausweis - ärztliche Überprüfungen

Beitrag von Lisaneu »

Hallo Silvia!

Ich habe ja ausgeprägte ADHS, erst vor 1/2 Jahr diagnostiziert, aber sicher schon lebenslang vorhanden. Da ich als Kind und Jugendliche noch keine Diagnose hatte gab esauch keinen Behinderteausweis und keinerlei Hilfen oder Vergünstigungen.

Hauptaussage ist aber: als Kind und Jugendliche hatte ich massive Probleme wegen niedriger Frusttoleranz und mangelnder Emotionskontrolle -typisch für ADHS! Diese Schwierigkeiten sind mit zunehmenden Alter kleiner geworden und schließlich - zumindest für Außenstehende - ganz verschwunden. Tatsächlich habe ich nur gelernt, damit umzugehen. Ich habe immer noch ADHS, aber sie verursacht keine massiven Schwierigkeiten mehr, sondern ist nur für mich selbst immer noch belastend. Sie hat aber auch gute Seiten. Z.B. meine Kreativität und meine Fähigkeit zum Querdenken kommen auch aus dieser "Ecke".

So gesehen ist die Wahrnehmungsstörung bei mir zwar nicht "verschwunden" und hat sich auch nicht "ausgewachsen", ich leide aber längst nicht mehr so darunter wie vor 30, 35 oder 40 Jahren.

Inwieweit sich diese Besserung ärztlich bestätigen lässt weiß ich aber nicht. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass der GdB auch nach dem Erreichen der Volljährigkeit noch sinken oder ganz wegfallen kann. Rückblickend war ich in meiner Jugend tatsächlich behindert (auch ohne offiziellen Befund), heute bin ich es subjektiv nicht mehr.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama ADHS (mit 49 diagnostiziert)
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Regina Regenbogen
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Re: Wahrnehmungsstörungen - Ausweis - ärztliche Überprüfungen

Beitrag von Regina Regenbogen »

Silvia & Iris hat geschrieben: 10.09.2021, 14:51 Meine Frage: Ist es jemanden hier aus dem Forum bereits passiert, dass ihm bei seinem Kind - Spektrum angeborene Wahrnehmungsstörung - in der Kindheit ein Ausweis ausgestellt wurde, aber irgendwann der Ausweis eingezogen wurde, weil die Kompensation nun so gut läuft, dass GdB von 50 nicht mehr erfüllt ist?
Mein Jüngster hatte nach der Diagnose mit 5 Jahren einen SBA mit 100 und den Merkzeichen G, B und H. Nach der Grundschulzeit mit Schulbegleiter, aber noch vor Ende der Autismustherapie wurde der SBA bei der Überprüfung auf 70 reduziert mit Merkzeichen H und B. Die nächste Überprüfung sollte mit Erreichen des 18. Lebensjahres stattfinden. Mein Sohn fühlte sich aber mit 16 bereits nicht mehr behindert und hat daher die Überprüfung von sich aus beantragt. Das Versorgungamt hat ihm dann unbefristet den Grad mit 30 zugesprochen und den Schwerbehindertenausweis eingezogen.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese
Silvia & Iris
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Re: Wahrnehmungsstörungen - Ausweis - ärztliche Überprüfungen

Beitrag von Silvia & Iris »

Danke Regina! Das klingt ermutigend! Ist er nun am ersten Arbeitsmarkt gelandet? Bekommt er noch Unterstützungen? GdB 30 ist ja nicht nichts...

LG
Liebe Grüße
Silvia
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Regina Regenbogen
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Re: Wahrnehmungsstörungen - Ausweis - ärztliche Überprüfungen

Beitrag von Regina Regenbogen »

Ja, er macht eine betriebliche Ausbildung. Nach der Ausbildung kann er (sofern notwendig) einen Gleichstellungsantrag stellen. Unterstützung? Ich wüsste jetzt nicht wobei bzw. wofür. Doch, ein GdB von 30 ist im Prinzip nichts, genauso wie er es wollte, denn diesen GdB muss er nicht angeben.

Er hat sich seine Ausbildungsstelle bzw. den Betrieb genau ausgeguckt, indem er vor dem Schulabschluß sehr viele auch freiwillige Praktika gemacht hat. Da, wo er jetzt ist, sind alle ein wenig "anders", da fällt er gar nicht auf. Und sein Bruder hat auch da gelernt, ist jetzt als Geselle dort beschäftigt und passt auf ihn auf, von daher ist er gleich in den inneren Kreis aufgenommen worden. ;-)
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Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
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Silvia & Iris
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Re: Wahrnehmungsstörungen - Ausweis - ärztliche Überprüfungen

Beitrag von Silvia & Iris »

Hallo Regina,

... ja ich hoffe, dass jetzt auch dieser berüchtigte Knopf aufgeht... Danke für deine Motivation!
Für die nächsten Jahre habe ich mir aber noch etwas Unterstützung ins Boot geholt, danach fällt das auch alles weg...
... es ist ja jedes Kind individuell verschieden (selbst bei identen Diagnosen) - und ich bin froh, dass es verschiedene mögliche Wege gibt :D
Liebe Grüße
Silvia
Ö
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