Übergang in eine Heimunterbringung

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Ludger
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Übergang in eine Heimunterbringung

Beitrag von Ludger »

Hallo zusammen,

nach langer Zeit, mal wieder ein Beitrag von mir. Eher eine Frage.

Hannah ist mittlerweile 18 und langfristig müssen wir uns mit dem Gedanken beschäftigen, in welche WFBM es geht und ob wir Sie langfristig zu Hause behalten können, oder ob WIR Ihr ein Heim aussuchen, bevor wir Sie irgendwann abgeben müssen, weil es nicht mehr geht.

Wir haben uns bereits eine WFBM angesehen und gestern waren wir im Josefsheim in Bigge/Olsberg.

Mich würde interessieren, wie Eure Erfahrungen mit Heimunterbringung sind ? Wie kann man einen Übergang in eine Betreuung gestalten, damit es positiv für alle ist.

Leider habe ich im Forum dazu nichts gefunden. Bin gespannt auf Eure antworten.
Hannah 04/03 Sinusvenenthrombose
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Sandra9902
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Re: Übergang in eine Heimunterbringung

Beitrag von Sandra9902 »

Hallo,

unser Sohn ist mit 16 ausgezogen. Da hatten wir Glück, die eine Einrichtung, die für uns in Frage kam, hatte durch einen unglaublichen Zufall kurzfristig einen Platz frei. Unser Sohn ist, was sowas betrifft, einfach ein Glückskind. Er konnte damals natürlich nicht erfassen, was „ausziehen“ bedeutet. Er wurde sehr eng begleitet von der Einrichtung und er war anfangs auch oft hier. Er ist aber auch sehr kontaktfreudig und offen.
Wichtig war und ist, dass wir zu hundert Prozent hinter der Entscheidung und vor allem der Einrichtung standen. Das spürt er und gibt ihm Sicherheit. Uns war auch wichtig, dass nicht zuviele Änderungen in seinem Leben auf einmal kommen. Also erst der Auszug, zwei Jahre später die Werkstatt, hat nicht geklappt, dann Tagesförderstätte und als er dort angekommen war, zog er um in eine Einrichtung für behinderte Erwachsene.
Wir haben uns alle Unterbringunsmöglichkeiten, die für ihn in Frage kommen, angeschaut. Wir leben in Bremen und dort sollte er auch bleiben. Jede einzelne Einrichtung habe ich besucht, angeschaut und Gespräche geführt. Viele waren toll, eine ging gar nicht, da hätten wir ihn niemals hingegeben und zwei waren herausragend. Wir haben ihn miteinbezogen, so gut es ging. Er wusste, dass ich mir Einrichtungen anschaue, bei zwei Trägern sollte er mitkommen, eine Einrichtung hat ihn in der Jugendwohngruppe besucht.
Er war nicht begeistert, dass er wechseln sollte aber wir haben ihm dauernd schmackhaft gemacht, dass er ja erwachsen ist und welche Vorteile das Erwachsensein für ihn hat.
Wie gesagt, er ist ein Glückskind und hat in unserer absoluten Topfavoriten einrichtung einen P,atz bekommen. Auch hier hat er gespürt, dass wir uns gefreut haben und absolut dahinter standen. Das braucht er nach wie vor. In Situationen, in der er durchaus mal sagte, er will nicht umziehen, haben wir ihm gesagt, dass wir das durchaus verstehen, dass es aber trotzdem passieren wird. Ohne Wenn und Aber. Auch das gab ihm Sicherheit.
Wichtig war ihm, dass er schon sehr kurz nach dem Umzug nach Hause kommen konnte, wir hatten den Eindruck, er musste sich vergewissern, dass wir alle, das Haus, die Hinde und sein Zimmer, das er bis heute hier natürlich hat, noch existieren. Und er spürt auch auf jeden Fall, dass wir Eltern und die Wohngruppe ein sehr gutes Verhältnis und einen guten Austausch haben.
Wichtig war uns bei der Suche, dass individuell auf ihn geschaut wird, wenn er Heimweh hatte z.B. und das wir als Eltern, deren Kind zwar nicht mehr Zuhause wohnt, ernstgenommen werden und mit einbezogen werden. Im Gegenzug haben wir sehr großes Vertrauen zur Einrichtung, so dass wir sie in vielen Bereichen machen lassen können.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen.

Viele Grüße, Sandra
Sandra mit Sohn, geb. 1999, frühkindlicher Autist,gb, ADHS, Epilepsie, anfallsfrei
Tochter, geb. 2002
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