Bemerkung zu Diagnose auf Zeugnis?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Sophie-11
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Bemerkung zu Diagnose auf Zeugnis?

Beitrag von Sophie-11 »

Hallo,

meine Tochter geht in die 1. Klasse einer Regelgrundschule (NRW) und hat die Diagnose Asperger. Nun hat mich die Lehrerin gefragt, ob sie dies auf dem Zeugnis mit erwähnen soll (in den Zeugnissen der 1. und 2. Klasse wird ja nur ein Text zur Lernentwicklung etc. geschrieben, keine Noten). Sie sieht z.B. Schwierigkeiten in Musik, wo sie der Meinung ist, dass meine Tochter wegen der Pandemie (= kein Singen) und durch ihre Einschrämkungen weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Das würde sie wohl gerne irgendwie auf dem Zeugnis berücksichtigen, weiß aber nicht wie.

Was ist da im Allgemeinen möglich und was könnten die Auswirkungen sein? Spontan würde ich ja erstmal davon ausgehen, dass das Zeugnis aus der 1. Klasse in ein paar Jahren keinen Menschen mehr interessiert, aber ich will da jetzt auch nicht irgendwas lostreten, was sich dann nicht mehr ändern lässt.

Danke für euren Input und LG!
der Große *12/2007 (eher Spektrumsnah)
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die Kleine *02/2014 (Asperger)

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JasminsMama
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Re: Bemerkung zu Diagnose auf Zeugnis?

Beitrag von JasminsMama »

Hallo!

Die Diagnose hat nichts auf dem Zeugnis zu suchen!

Die Aufnahme ärztlicher Diagnosen in Zeugnisse ist aus datenschutzrechtlichen Gründen auch gar nicht zulässig.

LG
Sandra
Sandra 06/76
Jasmin Marie 05/02 globale Entwicklungsverzögerung, vis. Wahrnehmungsstörung, Lernbehinderung, starke Hyperopie rechts, hochpathologisches EEG (Besserung seit Jan. 12),
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kati543
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Re: Bemerkung zu Diagnose auf Zeugnis?

Beitrag von kati543 »

Hallo,
also meine Söhne sind jetzt in der 7. bzw. 8. Klasse, aber so eine Idee hatte noch kein Lehrer.
Mein Jüngster wurde bisher mit dem Förderbedarf Geistige Entwicklung beschult. Genau das stand dann auf dem Zeugnis ganz unten als Fußnote. Aber es stand weder drin, dass er eine Schulbegleitung hat, noch welche Diagnosen er hat.
Mein Ältester wurde lernzielgleich mit dem Förderbedarf Sprachheilförderung beschult. Außerdem hat er unzählige Nachteilsausgleiche und einen Schulbegleiter. Nichts davon steht im Zeugnis. Natürlich auch keine Diagnosen. Das Zeugnis unterscheidet sich durch nichts von dem eines gesunden Kindes.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

MelSch
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Re: Bemerkung zu Diagnose auf Zeugnis?

Beitrag von MelSch »

Hallo!

Die Diagnose hat im Schulzeugnis nichts verloren.
Und ganz ehrlich: kann es sein, daß eure Lehrerin etwas übereifrig ist? 🙈
Es geht um Musik, in der 1. Klasse...

Liebe Grüße,
MelSch

MelSch
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Re: Bemerkung zu Diagnose auf Zeugnis?

Beitrag von MelSch »

Hallo!

Die Diagnose hat im Schulzeugnis nichts verloren.
Und ganz ehrlich: kann es sein, daß eure Lehrerin etwas übereifrig ist? 🙈
Es geht um Musik, in der 1. Klasse...

Liebe Grüße,
MelSch

Sophie-11
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Re: Bemerkung zu Diagnose auf Zeugnis?

Beitrag von Sophie-11 »

Danke für Eure Antworten!

Musik war nur ein Beispiel. Und ich denke, die Intention der Lehrerin ist es eigentlich, dem Kind gegenüber möglichst fair zu sein. Sie bemüht sich wirklich sehr, allen Kindern mit ihren Besonderheiten gerecht zu werden.

Aber es stimmt, dass datenschutzrechtlich die Schule eher unbedarft ist :roll: ... Insofern war ich irritiert und habe lieber noch mal nachgefragt. Dann werde ich das so weitergeben.

Danke nochmal!
der Große *12/2007 (eher Spektrumsnah)
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Anjali
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Re: Bemerkung zu Diagnose auf Zeugnis?

Beitrag von Anjali »

Hallo,

...wenn es darum geht, den Besonderheiten Deiner Tochter gerecht zu werden bzw. Rechnung zu tragen, wäre es vielleicht zielführender, über die Gewährung behinderungsspezifischer Nachteilsausgleiche nachzudenken.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (19 Jahre / Asperger-Autist)

lauli
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Re: Bemerkung zu Diagnose auf Zeugnis?

Beitrag von lauli »

Hallo,

weder die Diagnose Asperger noch ein Nachteilsausgleich haben etwas auf einem Zeugnis verloren. Letztere sollten im Schulalltag installiert und konkret dokumentiert werden, damit diese verlässlich von allen Lehrkräften umgesetzt werden.
Im Berichtszeugnis kann ggf. auf neutrale Begrifflichkeiten wie Entwicklungsbesonderheiten oder Entwicklungsstörung statt Ausismus zurückgreifen, wenn man aufzeigen möchte, dass beispielsweise die alltägliche Leistungsfähigkeit durch durch die bekannten Einschränkungen hinsichtlich der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung limitiert wird und eine Diskrepanz zu den kognitiven Ressourcen erkennbar ist.

VG
Claudia
Lehrkraft im mobilen sonderpäd. diagn. Dienst in S. A.

HeikeLeo
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Re: Bemerkung zu Diagnose auf Zeugnis?

Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Sophie,
Sie sieht z.B. Schwierigkeiten in Musik, wo sie der Meinung ist, dass meine Tochter wegen der Pandemie (= kein Singen) und durch ihre Einschrämkungen weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt.
Dann soll sie doch eine optimistische sogenannte "pädagogische Beurteilung" schreiben, die motivierend ist und eben die Möglichkeiten aufzeigt anstatt nur das, was jetzt mit den ganzen Einschränkungen hart zu sehen ist.

Pädagogische Beurteilungen sind ja generell möglich und schließen eben Nachteilsausgleiche mit ein. Das ist genau der Beurteilungs- und Bewertungsspielraum, den die Lehrerin qua Amt hat. Soll sie ihn doch bitte ausnutzen.
Genau diese Spielräume sollen ja bei autistischen Kindern generell eher ausgeschöpft werden, bevor man härtere Geschütze auffährt. Und jetzt in Coronazeiten ist der Spielraum eigentlich noch weiter aufgeweitet worden.

Wenn da Bedenken geäußert werden, habe ich eher immer den Eindruck, dass man diesen Spielraum eben gerade NICHT ausnützen möchte, dass man allergrößte Angst hat, ein autistisches Kind zu gut zu bewerten. Das ist dann immer gleich in der Rubrik Nachteilsausgleiche = Vorteile. "Und da dürfen behinderte Kinder auf keinen Fall zu dolle gepampert werden. Hinterher schneiden die noch besser ab als die "Normalen" und das kann ja dann keiner wollen.... " Wenn ich diesen Gedanken schon hervorkriechen sehe :evil:

Du schreibst ja, sie meint es gut. Hm.

Liebe Grüße
Heike

EvaJune
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Re: Bemerkung zu Diagnose auf Zeugnis?

Beitrag von EvaJune »

Genau, Diagnose gehört nicht aufs Zeugnis.
Was wir bisher nur hatten war die Bemerkung „aus gründen, die der Schüler nicht zu verantworten hat, wurde auf eine Bewertung verzichtet“ in einzelnen Bereichen. Aber die genauen Gründe sind letztlich nicht relevant.
Eva mit
S. (*04): CAPS, JIA (besonders betroffen Kiefer und Handgelenke), POTS, schwerhörig, chron. Sinusitis, chron. Urtikaria,chron. Schmerzen, PG4, GdB 80 H B
E. (*05): Asthma, Depression, Angststörung, Long-Covid

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