18 Std. Bedarf an PD - nur 16 Std. Behandlungspflege - Möglichkeiten "aufzustocken"?

So manches Kind muss aufgrund seiner Behinderung besonders intensiv betreut werden - z. B. mit Hilfe eines Pflegedienstes. Viele Kinder werden von einer Krankenschwester in Kindergarten oder Schule begleitet, um optimal versorgt werden zu können. Das gilt beispielsweise für viele tracheotomierte Kinder. In dieser Rubrik können sich Eltern von so genannten Intensivkindern über die besonderen Bedürfnisse ihrer Kinder austauschen.

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Mama Ursula
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18 Std. Bedarf an PD - nur 16 Std. Behandlungspflege - Möglichkeiten "aufzustocken"?

Beitrag von Mama Ursula »

Hallo und gesegnete Ostern!

Meine Freundin pflegt seit Jahren Ihre schwerstmehrfachbehinderte Tochter (wird heute 18 :D ) rund um die Uhr alleine - sie ist Kinderkrankenschwester, alleinerziehend und daher nicht berufstätig.
Sie bekommen keinen Unterhalt und finanzieren sich mit ALG2, Pflegegeld (Grad 5) und Kindergeld.

Nun ist meine Freundin am Ende ihrer Kräfte und selbst auf längere Zeit erkrankt.
Da die Tochter u.a. ein Schlaf-Apnoe-Syndrom bei einer 50%igen Trachealstenose mit NIV-Beatmung, Inhalationstherapie, CoughAssist, zig Medikamenten-Gaben, jejunale Dauersondierung ... hat, wurden von der GKV 16Std. Intensiv-Pflegedienst genehmigt.

Nun hat meine Freundin ein Attest, dass sie selber aktuell höchstens 6Std. Pflege/ Tag leisten kann.
Außerdem braucht sie aufgrund ihrer eigenen Medikamente zwingend NW (ab 22Uhr).

Die 3 langen Schultage (niemand in der Schule traut es sich zu, das Kind b.B. abzusaugen, Medis zu verschiedenen Zeiten über die eng-lumigen Sonden zu geben..., schuleigenePK betreut mit einer 50% Stelle 3 verschiedene Häuser) fordern aber Tagdienste von 6-16 Uhr, also insgesamt 18 Stunden.

Wir finden aktuell keinen geeigneten PD, dessen MiA bereit sind Dienste unter (8)9-12 Std. zu arbeiten.

Entlastungsleistungen decken nur rund 35 Std/Jahr ab, werden aber natürlich "eingesetzt".

PB ist aktuell nicht leistbar.

Gibt es einen Weg, den IntensivPD über einen weiteren "Topf" 2 weitere Std. täglich zu finanzieren ohne das PG und die Verhinderungs/Kurzzeit-Pflege aufzugeben?

Wie sieht es mit der Möglichkeit der Finanzierung über Teilhabe oder Hilfe zur Pflege aus?

Was für "Modelle" habt Ihr?

Liebe Grüßle
Ursula
Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.
Pflegemutter von Jessy (18J., Asphyxie-ICP, Baclofenpumpe in Mannheim bei Dr. Kunkel, trotz schwerster Skoliose, dank CBD anfallsfrei), kl.Bub (2J. SHT-ICP, Baclofenpumpe, trotz OP-Gewicht < 15kg, dank CBD anfallsfrei), 2 gr. Jungs - ausgezogen.

SonnenscheinStella
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Re: 18 Std. Bedarf an PD - nur 16 Std. Behandlungspflege - Möglichkeiten "aufzustocken"?

Beitrag von SonnenscheinStella »

Hallo Ursula
spontan fällt mir ein, warum nur 16h uns nicht 18h beantragt wurden oder sind mehr beantragt und nur 16h genehmigt? Wäre mehr beantragen eine Option oder ein Widerspruch?

Meine Erfahrung bei Hilfe zur Pflege, muss erst das Pflegegeld genutzt werden, nur wenn dieses nicht ausreicht springt Hilfe zur Pflege ein.

Teilhabe, im Form von Schulbegleutung, schaut sehr genau hin, was Leistungen der KK sind, da haben wir bis jetzt einmal gesplittet gehabt, Medigabe über KK und Sondenversorgung über Teilhabe, nur wenn ein kontinuierlicher Bereitschaftsdienst für Beatmung/ absaugen nötig ist, kommt vorrangig KK ins Spiel. Egal wo und wie die dann genutzt werden.

Persönliche Budget würde ja auch dann nur die 16h sein ( mir ist klar, hier keine Option ) ich will damit sagen es steht und fällt mit diesem 16h, diese sollte man irgendwie überdenken.

LG
Stellas Mama
Papa und Ich ( PDL in Kinderintensivdienst) mit Adoptivmaus Stella 06/12: Arnold-Chiari 2 Malformation, Rhickham Shunt, Trachestoma, PEG mit Jejunalsonde, ANS 24h Vollbeatmung, Syringomyeliene, MMC

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Inga
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Re: 18 Std. Bedarf an PD - nur 16 Std. Behandlungspflege - Möglichkeiten "aufzustocken"?

Beitrag von Inga »

Hallo Ursula,

Wenn die Tochter doch nun 18 Jahre alt ist, kann sie grundsätzlich alleine leben mit Rund um die Uhr persönlicher Assistenz. Da übernimmt zum Teil die PK die Kosten und zum Teil die Eingliederungshilfe.
"Alleine Leben" kann man auch in einer WG (mit der Mutter😉). Die Leistung kann als Sachleistung oder als PB gewährt werden. Bei einer Sachleistung kann der Kostenträger bestimmen, wer die Sachleistung erbringt. Wann kann aber auch PB beantragen und dann eine Abtretungserklärungung unterschreiben, dass die Gelder direkt über Dienst A oder zu 2/3 über Dienst A und 1/3 über Dienst B abgerechnet werden. Oder wie auch immer, da gibt es viele Varianten. Zumindest könnte deine Freundin so bei Bedarf sogar 24 h bekommen. Bei 24 h wird aber ein Teil des Pflegegeldes einbehalten. Also macht es mehr Sinn bei den 16 h Behandlungspflege zu bleiben und über das PB 20 h pro Woche Fachkraft-Assistenz zu beantragen und dann das Geld direkt an den PD ab zu treten.
Da kann man sich auch bei einer EUTB-Stelle beraten lassen. Bitte aber nicht einfach so zur nächsten gehen, sondern vorher vorfühlen, paar konkrete Fragen stellen und dann entscheiden, zu welcher EUTB-Stelle man geht.
Ich habe per Mail 8 verschiedene EUTB-Stellen angeschrieben, konkrete Fragen gestellt, an den Antworten konnte ich dann erkennen, wer bei meinem konkreten Anleigen Ahnung hatte und für die Stelle habe ich mich dann entschieden. Eigentlich sollten alle EUTB-Stellen unabhängig sein, aber wenn sie z.B. bei einem großen Träger der Behindertenhilfe angegliedert ist, kann man sich fast sicher sein, dass sie immer pro Einrichtung beraten werden.
Ansonsten, wenn du noch weitere Fragen hast, melde dich einfach bei mir.
Wir hatten schon so viele Arten von PB bei diversen Ämtern und jeder macht es anders. Es ist unglaublich, wie unterschiedlich man so paar Sätze im Getzt auslegen kann...

Gruß, Inga

P.S. Unbekannterweise herzlichen Glückwunsch an die Tochter deiner Freundin!
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else
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Re: 18 Std. Bedarf an PD - nur 16 Std. Behandlungspflege - Möglichkeiten "aufzustocken"?

Beitrag von else »

Hallo Ursula,
nach meinen Erfahrungen mit der KK, wäre ich vorsichtig mit dem Antrag von sog. Assistenzkräften ohne Intensivausbildung über einen anderen Kostenträger. Es kann gut sein, dass die KK dann gleich die Behandlungspflege streicht, weil sie meinen, wenn Assistenzkräfte für ein paar Stunden ausreichen, warum dann nicht für die ganze Zeit? Und dann wird man immer zwischen beiden Kostenträgern hin und her geschoben. Die Kosten für eine Assistenzkraft sind auch viel niedriger und wenn ich mir die Beschreibung durchlese, ist das doch ganz klar Behandlungspflege.
Besser zu begründen ist eine Aufstockung der Behandlungspflege auf den wirklichen Bedarf von 18 Std. Es gibt für Behandlungspflege auch ein neues Urteil mit „ausreichend Nachtschlaf für die Eltern“, das vllt für Deine Freundin passt.

https://www.kai-kongress.de/sozialgeric ... t-pflicht/

LG
Else

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Inga
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Re: 18 Std. Bedarf an PD - nur 16 Std. Behandlungspflege - Möglichkeiten "aufzustocken"?

Beitrag von Inga »

Hallo Else,

nein, wenn als Assistenz auch eine Fachkraft notwendig ist, ist dies nicht zwingend weniger Stundensatz als beim PD!
Ja, es ist nicht einfach durch zu setzen, aber durchaus möglich!

Steven hat z.B. 24h Fachkraft-Assistenz, da wir reines PB haben ohne Abtretungserklärung, sind wir günstiger als ein Pflegedienst, aber bei Michelle z.B. haben wir zum Teil Nichtfachkraft und zum Teil Fachkraft. Der Fachkraft-Stundensatz ist da deutlich höher, als das, was der Kinderpflegedienst vor 3 Jahren bei Joleen pro Stunden bekommen hat.

Gruß, Inga
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Re: 18 Std. Bedarf an PD - nur 16 Std. Behandlungspflege - Möglichkeiten "aufzustocken"?

Beitrag von else »

Danke Inga, das ist sehr interessant. Ist eine Fachkraft immer eine Pflegefachkraft mit dieser Intensivweiterbildung oder könnte man so auch einen Heilerziehungspfleger bekommen? Unser PD bekommt unter 40,- Euro. Ist das dann mehr?
LG
Else

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