Förderung Fahrdienst abgelehnt

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Tatjana Ostrava
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Förderung Fahrdienst abgelehnt

Beitrag von Tatjana Ostrava »

Hallo,

manchmal muss ich über die Briefe von offiziellen Stellen nur schmunzeln. Unser Kleiner, 7 Jahre, geht seit letztem Jahr auf eine Förderschule sozial/emotional und Lernförderung. Er hat den Verdacht auf atypischen Autismus, ADHS und Entwicklungsstörung, Pflegegrad 2. Es war jetzt ein großer Schritt für ihn, dass er sich vorstellen konnte, bald mit dem Fahrdienst zur Schule zu fahren. Er spricht, aber könnte nie ein Gespräch führen, um nach dem Weg zu fragen oder ein Missverständnis zu klären. Er ist total in seiner Gaming-Welt und lässt sich schnell ablenken. Geräusche und grelles Licht machen ihm Angst. Das habe ich alles in den Antrag geschrieben. Als Antwort auf den Antrag bei der Stadt wurde uns geschrieben, dass "dem Schüler die selbständige Bewältigung des gegebenen Schulwegs mit öffentlichen Verkehrsmitteln zugemutet werden kann." Benutzung von zwei verschiedenen Bussen mit Umstieg auf großer Kreuzung. Jetzt müssen wir wieder mal zum Kinder- und Jugendärztlichen Dienst zur Untersuchung. Die Schwester am Telefon hat die Sache auch nicht verstanden. So eine Personalverschwendung in Coronazeiten. Aber der Amtsschimmel möchte gefüttert werden. Ich werde mich für den Termin natürlich mit allen Unterlagen ausrüsten und unser Kleiner wird sein Ding schon machen.

Liebe Grüße
großer Sohnemann geb. 2007 mit Verdacht auf ADHS
kleiner Sohnemann geb. 2013 mit Verdacht auf Atypischen Autismus, ADHS und Entwicklungsstörung

SandyErgo
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Re: Förderung Fahrdienst abgelehnt

Beitrag von SandyErgo »

Hi!

Was mich immer verwundert - dass es so viele Probleme gibt, wenn es um die Genehmigung der Beförderung von Schülern der Klassen von 1-4 geht.
Klappt das bei uns nur, weil wir auf dem Land wohnen? Ist es für Städter allgemein schwerer?

Bei beiden Kids war es von der 1. bis zur 4. Klasse kein Problem, die Beförderung genehmigt zu bekommen.
Bushaltestelle war vor der Tür, nur am Schulort wäre ein kurzer Fussweg nötig gewesen.
Es reicht eigentlich, dass das Kind nicht die wohnortnahe Schule - sondern eine Förderschule besucht -- die natürlich namentlich benannt werden muss. Auch müssen bei uns keine Befunde, ... eingereicht werden > wie ich schon von vielen gehört habe. Man füllt den Antrag mit allen Daten aus - den Orten, wo Kind ein/aussteigt - also Wohnadresse und Schule - und dann kommt die Genehmigung.
Keine Ahnung, wie das in der nächstgelegenen Großstadt läuft. Was ich mitbekommen habe, als meine Tochter dort eine Schule besucht hat - dass die Stadtkinder nicht unbedingt mit den Kleinbussen kamen, sondern auch mit größeren Fahrzeugen > die aber definitiv kein ÖPNV waren, sondern speziell Kids in die Schule gebracht haben.

Und gerade, wenn es entsprechende Diagnosen gibt, ist zumindest der Transport der Kleineren definitiv mgl - und führt sogar dazu > das auch größere = ab 5. (solange keine geistige bzw. körperliche Behinderung besteht - denn dann erfolgt Transport definitiv) auch die Beförderung bekommen.

LG
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

Tatjana Ostrava
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Re: Förderung Fahrdienst abgelehnt

Beitrag von Tatjana Ostrava »

Hallo,

ich habe mir die Schülerbeförderungs-Satzung unserer Stadt noch einmal genau angeschaut und da fällt unser Kleiner eben durch das Raster. Es müssten zwei Umstiege sein oder er müsste das Kennzeichen H (hilflos) haben. Die Satzung ist schon von 2014 und wurde 2018 aktualisiert. Die Pflegereform ist dort gar nicht abgebildet. Interessant ist, dass er sofort die Genehmigung bekommen würde, wenn auf auf die Sprachförderschule gehen würde. Diese hat ihn aber abgelehnt, weil sie seinen Bedürfnissen nicht gerecht werden können. Einen Schwerbehindertenausweis haben wir noch nicht beantragt, aber langsam glaube ich, dass das auch ab und zu helfen könnte.

Liebe Grüße
großer Sohnemann geb. 2007 mit Verdacht auf ADHS
kleiner Sohnemann geb. 2013 mit Verdacht auf Atypischen Autismus, ADHS und Entwicklungsstörung

Tatjana Ostrava
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Re: Förderung Fahrdienst abgelehnt

Beitrag von Tatjana Ostrava »

Hallo,

damit die Geschichte komplett ist, hier ein Update. Gestern hatten wir unseren Termin beim Kinder- und Jugendärztlichen Dienst. Unserem Kleinen wurden Fragen gestellt wie: In welche Schule gehst du? Wusste er nicht. In welche Klasse gehst du? Hab ich schon gesagt. Wie ist dein Schulweg? Ratlosigkeit. Hast du schon dein Zeugnis bekommen? Kopfschütteln von mir. Darauf meinte die Ärztin schnell, dass der Fall klar sei und wir natürlich den Fahrdienst bekommen würden, erstmal Klasse 1 und 2. Wir sollten uns aber nicht zu sehr auf solche Hilfen verlassen und an seiner Selbständigkeit arbeiten. Darauf meinte ich, dass der Fahrdienst ein Riesenschritt zur Selbständigkeit wäre, aber wir natürlich zu Hause kleine Sachen üben: Bring das in dein Zimmer, hol dir neue Socken, ruf deinen Bruder zum Mittag. Dafür wurden wir gelobt und wir sollen es ausweiten, dass er mal ein Paket zum Nachbarn bringt usw. Dann hat die Ärztin noch nach den Hobbys gefragt (Unverständnis vom Sohnemann, ich habe Malen gesagt) und ob er Zahlen mag. Dann wurde noch sein Impfstatus überprüft. Darauf hat mich zum Glück die Schwester vorher hingewiesen, dass die Ärztin gern mal in das Vorsorgeheft und in den Impfausweis schaut. Ich versteh nicht, was das mit Fahrdienst zu tun hat, aber ich habe natürlich alles mitgebracht. Als alles vorbei war, hat Mausi angefangen zu sprechen und die Bilder im Zimmer kommentiert und angefangen zu tanzen.

Zusammengefasst muss ich sagen: Es war alles nicht schlimm, aber es frisst natürlich wieder Nerven und Zeit. Das sind so Aktionen, die laufen im Alltag einfach mal nebenbei und müssen aber auf hohem Niveau erledigt werden. Ich glaube nicht, dass die Sachbearbeiterin auf dem Amt sich vorstellen kann, welchen Wirbel sie mit so einem Schreiben in unseren Familien auslöst. Ich würde mich freuen, wenn da lieber mal nachgefragt wird, ob wir noch Gutachten nachreichen können oder begründen, warum der Fahrdienst wichtig sei. Das ging alles nicht bei dem Online-Formular. Und es hätte natürlich auch anders ausgehen können: Wenn Mausi seinen Rappel bekommen hätte und nicht mitgekommen wäre oder die Ärztin eine eigene Meinung zu Autismus gehabt hätte ("Er hat Augenkontakt, er kann nicht autistisch sein." - hatten wir auch schon). Aber in dem Fall - Ende gut, alles gut.

Liebe Grüße
großer Sohnemann geb. 2007 mit Verdacht auf ADHS
kleiner Sohnemann geb. 2013 mit Verdacht auf Atypischen Autismus, ADHS und Entwicklungsstörung

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