Ganz frisch im Heim- wie ging es euch?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Binicita
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Ganz frisch im Heim- wie ging es euch?

Beitrag von Binicita »

Liebe Mitleser, seit 4 Tagen ist mein 15 jähriger Sohn mit Downsyndrom im Heim. Es ging eigentlich schon lange nicht mehr. Er ist ein relativ fitter Zeitgenosse, allerdings mit Gewaltausbrüchen, denen wir familiär nicht mehr gewachsen sind. So hatten wir uns schon vor 3 Monaten für ein wirklich tolles Heim entschieden, warteten aber noch auf einen Platz. Nachdem er dann am Mittwoch auf mich losgegangen ist, weil ich ihm sein doofes Handy nicht entsperren wollte, ging es dann ganz schnell, und jetzt ist er schon seit Donnerstag im Heim. Er weiß warum, wir wissen dass es die richtige Entscheidung war,... und trotzdem...es tut so so weh... er fehlt hier so... auch wenn ich aufatmen, ich liebe dieses Kind so sehr.. nach der Eingewöhnung werden wir ihn jedes zweite Wochenende holen etc. Alles gut- alles richtig. Aber es zerreißt mir mein Herz, auch weil ich weiß, wie sehr er Heimweh hat und sein Zuhause vermisst... wie konntet ihr das aushalten? War es auch so schmerzhaft? Wie lange hat es gedauert, bis es besser wurde?
LG Sabine

Sandra9902
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Re: Ganz frisch im Heim- wie ging es euch?

Beitrag von Sandra9902 »

Hallo,

unser Sohn war 16, als er auszog. In eine wundervolle Einrichtung. Er brauchte neuen Input, den er von uns behinderungsbedingt nicht annehmen konnte. Er hat anfangs so sehr gefehlt, wir waren immer ganz nah an ihm dran. Ich war sehr traurig, ja. Und es hat auch lange gedauert, bis wir zuhause unser Leben und die Strukturen, die sehr auf ihn zugeschnitten waren, geändert haben. Noch Wochen nach dem Auszug haben wir Eltern uns sehr genau abgesprochen, wer wann etwas in seiner Freizeit macht. Es musste eben immer einer zuhause bei unserem Sohn sein, als er noch hier wohnte. Oder ich brauchte die Entlastung und Ablösung durch meinen Mann in der Betreuung unseres Sohnes. Das es Spontanität in unserem Leben geben kann, mussten wir wieder lernen.
Mit der Zeit wurde es einfacher für uns. Er ist jetzt 21 und zieht bald in eine Erwachseneneinrichtung um. Und er fehlt mir auch immer noch oft. Aber er selber war sehr schnell ziemlich begeistert davon, in der Wohneinrichtung immer Action zu haben, da ist immer was los. Er kam lange Zeit auch jedes zweite Wochenende oder auch zwischendurch, wenn er wollte. Schön war der Moment, als er zu uns sagte: Nein, ich habe keine Lust zu kommen. Ich habe euch lieb aber hier ist es besser. Ja, es hat einen Moment lang auch gepiekst aber letztendlich ist es schön zu wissen, dass er sich dort so sehr wohlfühlen.
Du hast die Gewissheit, dass es der richtige Schritt ist, das spürt dein Sohn und das ist so sehr wichtig. Kopf hoch, das rüttelt sich zurecht und wird wirklich leichter für dich, ganz sicher.

Liebe Grüße, Sandra
Sandra mit PS, geb 1999, frühkindlicher Autist,gb, ADHS, Epilepsie, anfallsfrei
PT, geb 2002, PTBS

Binicita
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Re: Ganz frisch im Heim- wie ging es euch?

Beitrag von Binicita »

Puh, das liest sich gut. Danke für deine Nachricht.
LG

carina20
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Re: Ganz frisch im Heim- wie ging es euch?

Beitrag von carina20 »

Hallo,

meine Tochter 24 Jahre ist jetzt seit 2 Jahren im Heim. Diese Maßnahme kam durch den Tod meines Mannes. Es geht ihr dort recht gut.
Es ist aber für mich immer noch manchmal schwer. Der Verstand sagt alles richtig gemacht. Aber das Herz meldet sich immer noch ab zu.
Ich denke das wird bleiben. Das sind eben die Mütter !!!!


Liebe Grüße Erika

-maja-
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Re: Ganz frisch im Heim- wie ging es euch?

Beitrag von -maja- »

Hallo,
bei mir ist es grade ähnlich. Mein Kind (12) lebt seit etwa 1,5 Jahren in einer 5-Tage Gruppe im Internat der Schule. Schon damals war die Entscheidung schwer, aber durch unseren Umzug weiter weg und meine Trennung war die Situation auch nicht mehr anders tragbar. Es hat von Anfang an sehr gut geklappt, und sie Eingewöhung war auch problemlos. Da meine Lebenssituation aber nicht einfacher wurde, eher belastender, zudem das Kind größer, (und damit auch die Sorgen) habe ich mich entschlossen ihn ab April für den 7-Tage Platz anzumelden. Die Entscheidung war alles andere als einfach, aber ich habe durch so viele Belastungen in meinem Leben endlich gelernt, wie wichtig auch Selbstfürsroge ist. Mein Kind wird nach aktueller Planung alle 14 Tage übers Wochenende Heim kommen und die Hälfte der Ferien. Trotz aller negativen Gefühle, denke ich, es ist die richtige Entscheidung für alle Beteiligten. Auch wenn die Abstände größer werden, in denen man Zeit verbringt, kann das viel für die Qualität der Zeit tun, und ich bin der Meinung, wenn es der Mutter/den Eltern gut geht, hat das auch immer guten Einfluss auf das Kind. Ich kann deine Traurigkeit sehr gut nachvollziehen, und sie wird bestimmt auch noch eine Weile anhalten, aber mit der Zeit wird es einfacher und man kann besser durchatmen :-)
Viele Grüße
Erwachsene verstehen nie was, und für Kinder ist es mühsam immer alles zu erklären.

Silvia & Iris
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Re: Ganz frisch im Heim- wie ging es euch?

Beitrag von Silvia & Iris »

Hallo Sabine,

es ist ganz natürlich, dass man die Kinder mal los lässt. - Bei mir war es das Internat ab 10 Jahren, da das tägliche Fahren mit dem Fahrtendienst schwierig wurde (täglich 130 km fahren war für mich nicht wirklich zumutbar)... - kurze Zeit später musste ich dann diesen sogar wechseln, weil sie wohl den Sohn, aber nicht die Tochter transportieren wollten... (ich konnte aber einen anderen Dienst finden und beauftragen.)
Inzwischen sind hier 8 Jahre um, ich habe es nicht bereit. Die Belastung war dadurch nicht so groß, mein Sohn kam dadurch auch mehr zum Zug...
Untern Strich war sie dennoch die Hälfte des Jahres zu Hause, die Hälfte im Internat - auch durch die Therapien, welche ich mit ihr machte...
Jetzt ist der Tag X gekommen und sie übersiedelt in das Wohnheim, da Internat bis 18 möglich, danach - mit Schuljahreswechsel - dann der Wechsel notwendig ist. - Da jetzt sowohl mein Mann, als auch ich inzwischen gesundheitlich angeschlagen sind, können wir die Pflege zu Hause gar nicht mehr leisten... natürlich werde ich mich auch weiterhin um sie kümmern, doch wie das dann im Detail ausschauen wird, das muss ich nun auf mich zukommen lassen.
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, Tetraparese, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

Binicita
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Re: Ganz frisch im Heim- wie ging es euch?

Beitrag von Binicita »

Vielen Dank für eure Antworten. Wir sind alle irgendwie im Trauerprozess... Abschied, Neuanfang... wie lange hat es gedauert, bis eure Kinder sich daran gewöhnt hatten? Wir waren kurz am Dienstag in der Einrichtung, da war mein Sohn erst 5 Tage dort. Er war ziemlich durch den Wind, war nicht schön. Wobei ich wirklich denke, dass die Einrichtung gut ist! Er kommt Ostern das erste Mal nach Hause. Vorher besuchen wir ihn einmal und rufen wöchentlich an. Es ist schwer für mich auszuhalten...

Silvia & Iris
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Re: Ganz frisch im Heim- wie ging es euch?

Beitrag von Silvia & Iris »

... bei uns ist das so, dass es sogar erwünscht ist, wenn das Kind bis zu 72 (genaue Zahl habe ich nun nicht im Kopf) Tage im Jahr zu Hause verbringt... - dazu zählt jeder Tag an dem das Kind tatsächlich 24 Stunden nicht in der Einrichtung ist...
wenn du dein Kind alle 2 Wochen für das Wochenende nach Hause holst sind das schon 52 Tage... und dann noch zusätzlich 2 Wochen Urlaubszeit...
so ganz weg ist dann dein Kind auch nicht.
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, Tetraparese, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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