Einschulung/AOSF/Inklusion

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

Moderator: Moderatorengruppe

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Margue
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Einschulung/AOSF/Inklusion

Beitrag von Margue »

Hallo zusammen,
ich bitte euch um Euer Wissen und eure Erfahrungen zum Thema Schulart/AOSF/Inklusion allgemein, in unserem Fall in BW.
Unsere Tochter (7 Jahre) hatte pränatal einen Hydrops fetalis aufgrund einer sehr schweren Anämie, die erfolgreich mit Bluttransfusionen über die Nabelschnur behandelt werden konnte. Nach einem Kaiserschnitt in der 36. SSW musste sie an die ECMO, da ihre Lungen leider nicht funktioniert haben. Es folgte nach der Entlassung noch einige Zeit mit Sauerstoff, Monitor und Magensonde zuhause. In den folgenden zwei Jahren waren wir oft im KH, da sie gehäuft bronchiale Infekte etc. hatte. Alles in Kombination mit Gedeihstörung, Fütterungsproblematik, Entwicklungsverzögerung, regelmäßige Besuche im SPZ…eine Bandbreite die sicherlich vielen Eltern hier gut bekannt ist. Inzwischen beschäftigen uns medizinisch auch seit mehreren Jahren Tumore (trotz vieler Untersuchungen keine genaue Diagnose - wir haben uns jetzt mit den Ärzten auf wahrscheinlich gutartig geeinigt und behandeln nur wenn einer aufgrund der Position stört). Wir haben diese ersten sehr schwierigen Jahre jetzt hinter uns gelassen, sie konnte mit zwei in die Krippe gehen (die auch schon der große Bruder besuchte) und hat sich dort sehr wohl gefühlt. Im Anschluss problemlos der Wechsel in den Kindergarten innerhalb der Kita, ab diesem Zeitpunkt mit Integrationshilfe. Sie benötigte die Integrationshilfe, weil sie sich nicht immer in die Abläufe und Strukturen im Tagesablauf problemlos einfügt. Sie hat einen sehr starken Willen und verweigert bei Übergängen oder einfach wenn sie schlichtweg keinen Sinn in der Aktivität sieht. Darüberhinaus hat sie sehr spät angefangen zu sprechen bzw. hat sehr lange in ihrer eigenen Sprache kommuniziert. In unseren Kindergarten kam „standardmäßig“ eine Sonderpädagogin des SBBZ geistige Entwicklung zur Frühforderung. Nach einigen Terminen wurde uns im Gespräch vermittelt, dass unserer Tochter ein „wohlbehütetes Plätzchen“ im SBBZ geistige Entwicklung bekommen könnte. Das hat uns sehr aus der Bahn geworfen, weil wir unsere Tochter als entwicklungsverzögert, aber kognitiv fit einschätzen. Wir haben dann in Abstimmung mit der Grundschule und dem Kindergarten unsere Tochter zurück gestellt und sie hat ein weiteres Jahr im Kindergarten verbracht. Parallel haben wir Logopädie/Ergotherapie/Reittherapie gemacht. Da die Meinungen zu ihren kognitiven Fähigkeiten sehr breit gefächert waren und auch aufgrund ihrer Sprachprobleme schwer einzuschätzen sind, hat uns die Ergotherapeutin empfohlen eine KJP zu kontaktieren und sie dort testen zu lassen. Diese Testung ergab einen mind. durchschnittlichen in machen Bereichen auch über dem Durchschnitt liegenden IQ und die Empfehlung sie in einer Regelschule mit Integrationskraft oder noch besser in der Sprachheilschule (aufgrund ihrer Sprachentwicklung) einzuschulen. Im weiteren Verlauf hat uns dann die Kooperationslehrerin der Grundschule gesagt, dass in dem Fall dieses AOSF Verfahren jetzt gestartet werden muss, und der pädagogische Bericht des Kindergartens eher schlechter ausfallen muss, um überhaupt überprüft zu werden und eine Integrationskraft zu bekommen. Bei diesem Bericht hatte ich schon Bauchschmerzen, aber er wurde dann abgeschickt…., weil es ja wohl nicht anders geht. Jetzt meldete sich das Schulamt und sagte bereits im ersten Telefonat, dass aus ihrer Sicht alles für das SBBZ Lernen spricht und sie deshalb jemand aus diesem Bereich zur Überprüfung schicken wollen (der Hinweis auf die KJP wurde mit den Worten quittiert, dass die Ärzte sich um ihr Gebiet kümmern sollen, und sie sich um die Schule/Padagogik kümmern). Soweit unser Stand, nun meine Frage/Befürchtung: IST DAS RICHTIG SO? Ich weiss nicht, ob wir jetzt wieder in eine Schublade gesteckt werden, in der unsere Tochter nichts zu suchen hat. Ich weiss auch nicht was jetzt passiert und bisher konnte mir auch noch niemand der Beteiligten was dazu sagen. Haben wir überhaupt Einflussmöglichkeiten? Unsere Befürchtung ist einfach, dass unsere Tochter nicht richtig gefördert wird - bisher haben wir immer die Erfahrung gemacht, dass sie sich auch am Umfeld orientiert und viel von ihrer Gruppe lernt. Ausserdem, sie entwickelt sich stetig weiter - bremst sie ein SBBZ aus und sie kann dann später nicht mehr oder nur sehr schwer an einen „normalen“ Bildungsweg anknüpfen? Meine Gefühlswelt schwankt zwischen: „alles laufen lassen, schliesslich sind das ja alles Experten „und „lieber gleich einen Anwalt suchen“….. ich hänge also in der Luft und habe ein sehr schlechtes Gefühl. Ausserdem kenne ich ja nicht mal unsere Möglichkeiten, am liebsten wäre es mir natürlich, wenn unsere Tochter weiterhin ganz normal ihren Weg gehen könnte (mit Unterstützung wo nötig), denn eigentlich ist aus meiner Sicht Inklusion der einzig richtige Weg. Hat irgendjemand verstanden was ich meine? Oder selber schon diesen Weg in Baden-Württemberg hinter sich gebracht und kann uns Tipps geben?

Vielen Dank!

kati543
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Re: Einschulung/AOSF/Inklusion

Beitrag von kati543 »

Hallo,
wir kommen aus Hessen. Insofern kann ich zu Besonderheiten des Bundeslandes nicht viel sagen.

Allerdings stimmt es, dass die Begutachtung für den sonderpädagogischen Förderbedarf immer ein Förderschullehrer vornimmt. Das macht kein Arzt. Allerdings wird anhand der Gutachten der Fachärzte und der Erzählungen der Eltern geschätzt, welcher Förderbedarf denn in Frage kommen könnte. Ein Förderschullehrer der entsprechenden Förderschule wird dann geschickt um dein Kind zu begutachten und natürlich um mit euch zu sprechen.
Du kannst aber dem Förderschullehrer gewisse „Hilfen“ an die Hand geben um ihn etwas zu lenken. Kein Förderschullehrer wird ärztlich fundierte Gutachten und Standardtests ignorieren (können).

Bitte bedenke, es geht hier nur um den Förderbedarf, nicht um den Förderort. Der Förderort kann erst festgelegt werden, wenn der Förderbedarf feststeht. Und ja, da habt ihr ein Wörtchen mitzureden. Ihr dürft euch durchaus dafür entscheiden, dass eure Tochter inklusiv beschult wird.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Kirsten12F
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Re: Einschulung/AOSF/Inklusion

Beitrag von Kirsten12F »

Hallo!

Lass Dich am besten, bevor Du die nächsten Schritte machst, beraten.
Auf die Schnelle habe ich nur folgende Internet-Seite gefunden: https://www.lag-bw.de/m wenn die selbst nicht beraten, können sie Dir vielleicht eine andere Stelle nennen.

Gruß
Kirsten

Anika14
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Re: Einschulung/AOSF/Inklusion

Beitrag von Anika14 »

Soweit ich weiß. hat man in ganz Deutschland ein Recht, sein Kind inklusiv beschulen zu lassen und wenn Eurer Tochter das gut tut, würde ich das auch versuchen durchzusetzen.

Ich habe hier 1,5 Jahre geackert bis mein Kleiner dann schließlich doch vorzeitig an die Regelschule konnte. Insbesondere das vorzeitig war ein großes Problem, aber defintiv die richtige Entscheidung. Daher kann ich Dir nur raten, nach Deinem Bauch zu gehen, der hat ja doch meistens Recht. Und wenn es gar nicht an der Regelschule klappt, kann man immer noch auf eine Förderschule umschulen. Ich kann DIr gerne unsere Odyssee und die Hürden ausführlich schreiben, aber nicht hier so öffentlich ;-)
Allerdings gelten meine Erfahrungen natürlich für Bayern. Hier gibt es am Schulamt auch einen Bereich, der sich mit Inklusion befasst, vielleicht gibt es das bei Euch auch. Die beraten auch gut.
Anika mit
Maxi Bub (*04/11) ADHS & HB
Mini Bub (*11/14) 33+0 SSW, Katarakt, Kleinwuchs, muskuläre Hypotonie, neurosensomotorische Dysphagie, massiv gestörte Körperwahrnehmung, Hypoglykämien, Kamikaze mit viel Verstand, großem Herz & stets gut gelaunt, AMT G-JET-Button, PG 4 und 80% G,B,H

Margue
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Re: Einschulung/AOSF/Inklusion

Beitrag von Margue »

Danke für die Antworten!

ThorstenK
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Re: Einschulung/AOSF/Inklusion

Beitrag von ThorstenK »

Ich sehe bei dem Verfahren kein Problem. Ein IQ Test ist bei der Feststellung eines lernzieldifferenten Förderschwerpunkts ein gewichtiges Argument. Natürlich lässt sich dieser auch ohne IQ Test begründen- Da schon ein Test gemacht wurde der Gegenteiliges aussagt, wird das Schulamt nur dagegen ankommen, wenn ein neuer Test gemacht wird. Bei diesem müsste der IQ dann unter 85 liegen. Es wäre interressant zu wissen, wie es weitergeht.

mel1220
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Re: Einschulung/AOSF/Inklusion

Beitrag von mel1220 »

Hallo,

wir haben unser AOSF in BW auch mit einer ersten Testung einer Fachkraft im Bereich lernen gestartet.
Es war dann nach der Testung schnell klar, dass der Bereich SE geprüft werden muss.
Nach Klarheit darüber dass Junior den Förderschwerpunkt bekommt, wurde auch uns ein Platz an entsprechender Förderschule angeboten.
Da hat aber unser Bauch nicht mitgemacht.
Deshalb haben wir uns für integrative Beschulung an der Regelschule entschieden. Der Start war sehr holprig, wir hatten viel zu kämpfen. Jetzt, in der 3. Klasse können wir sagen dass sich alles gelohnt hat. Junior und seine Schulbegleitung sind ein super Team und er kommt sehr gut klar mittlerweile.

Ich würde euch auch empfehlen alle und euch selbst kritisch zu hinterfragen, objektiv von oben zu betrachten und den Bauch mit entscheiden zu lassen.

Viele Grüße
Mel

Sarah-Christine
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Re: Einschulung/AOSF/Inklusion

Beitrag von Sarah-Christine »

In BW gibt es für die Eltern ein Wahlrecht, an welcher Schule die Beschulung auch mit einem Förderschwerpunkt stattfinden soll.
Der FS Lernen kann m.M.n. nur vergeben werden, wenn zwei IQ-Tests, einer davon nonverbal, vorliegen. Vorhandene Tests, die allgemein anerkannt sind, müssen berücksichtigt werden. Ja, es ist schwierig, später zu wechseln. In manchen BL gibt es für die ersten Jahre den FS Lernen nicht, um erstmal zu schauen und nicht gleich festzulegen.

Wenn eine zielgleiche Beschulung möglich ist - und das klingt ja so, wäre eine zusätzliche Förderung über den FS Sprache möglich.

Hier steht etwas über das Verfahren:
https://www.service-bw.de/leistung/-/sb ... toc-block1

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