Ich hasse Dehnübungen und Anna hasst Vojta

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

Moderator: Moderatorengruppe

r.bircher
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1028
Registriert: 12.09.2005, 09:17
Kontaktdaten:

Re: Ich hasse Dehnübungen und Anna hasst Vojta

Beitrag von r.bircher »

Hallo Leon

Der Fuss sollte einiges über den Rechten Winkel kommen. Es ist halt die Frage, ob nur die Spastik blockt oder der Muskel. Ich würde es sinnvoll finden, wenn du einen Therapeuten hättest, der sich mit Faszienarbeit auskent. Das ist eine relativ neue Geschichte. Die Rolle der Faszien wurden erst in den vergangenen Jahren richtig erforscht. Sie dürften einen grossen Anteil an den Muskelverkürzungen haben. Man kann Faszien trainieren, dies braucht allerdings spezielles Training.

Gruss Raphael
-------------------------------------------------------------------
*1980 ICP Selbstbetroffen. Freelancer und Coach Programmierung in einer Behinderteninstitution
Meine Vorstellung
Mein Blog

Sarolta
Neumitglied
Neumitglied
Beiträge: 4
Registriert: 23.01.2021, 07:26

Re: Ich hasse Dehnübungen und Anna hasst Vojta

Beitrag von Sarolta »

Leon müller hat geschrieben:
09.01.2021, 12:08
die Mama macht gerade wieder mit Anna Vojta mitlerwiele erkenne ich an Annas schreien/brüllen welche Übung die Mama mit ihr gerade macht in der Bachlage ist Anna am lautesten dar ist sie ein Brüllaffe und manchmal auch ein Wurm weil sie sich versucht rauszuwinden bei den anderen Übungen in Rückenlage und beim Peckchen ist sie ein Schreiadler
Hallo Leon,

Vojta-Therapie ist durchaus umstritten, in erster Linie wegen der schreienden Patienten, s. hier:
https://www.medizin-im-text.de/2021/727 ... -mehr-mut/

Ich habe für mein Baby im Alter von 2 Monaten Vojta verschrieben bekommen und habe die Therapie abgebrochen, obwohl es vom Therapeuten hieß ich werde schuld dran sein, wenn das Kind später sozusagen einen Defekt hat.
Ich habe daraufhin nur gesagt, ich möchte nicht schuld dran sein, wenn mein Kind vom viel Stress einen seelischen Schaden erleidet. Oder davon gar körperlich krank wird (psychosomatische, autoimmun etc. Krankheit).
Das war dann das frühe Ende unserer Vojta-Therapie.

LG,
Sarolta

AnnaF2008
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 173
Registriert: 10.03.2018, 11:16

Re: Ich hasse Dehnübungen und Anna hasst Vojta

Beitrag von AnnaF2008 »

Hallo Zusammen,

ich habe sowohl als Baby vor 46 Jahren, als auch heute noch Vojta bekommen und keinen seelischen oder anderen Schaden davon getragen.

@Leon: Bei Vojta werden Punkte am Körper mit dem Finger gedrückt (leicht) und das Kind dabei in einer bestimmten Position festgehalten. Das mögen die Kinder oft nicht, weil sie sich nicht bewegen können wie sie wollen. Schmerzen haben sie dabei keine.

@Sarolta: Ich brauche jetzt nicht zu wiederholen, was ich Leon geschrieben habe. Nur soviel: Ich bin auch selbst Mama und natürlich leide auch ich mit, wenn das Kind schreit und ich mich nicht hineinversetzen kann. Jeder muss das letztlich selbst für sich entscheidenm was er für den richtigen Weg hält. Ob das Kind mit/ohne Vojta/Bobath/PNF... mehr oder weniger Fortschritte gemacht hätte, weiß keiner, denn der Blick in die Glaskugel funktiioniert leider nicht.

Alles Gute

Gruß AnnaF2008

Sarolta
Neumitglied
Neumitglied
Beiträge: 4
Registriert: 23.01.2021, 07:26

Re: Ich hasse Dehnübungen und Anna hasst Vojta

Beitrag von Sarolta »

Hallo Anna,

ja, das behauptete unsere Physiotherapeutin auch, dass das nicht weh tue.
Dies kann man aber nicht garantieren, im Gegenteil:
Ich selbst bin Physiotherapeutin und rate absolut von Vojta ab, außer du willst deinem kind Schmerzen zufügen (...)
Vojta arbeitet mit einer schmerzhaften Technik, da man hier Punkte direkt auf der Knochenhaut stimuliert und das tut weh, richtig weh! (...)
Ich finde, dass so was einfach nicht sein muss, da gibts andere Mittel und Wege.
https://www.urbia.de/forum/9-baby/42087 ... rfahrungen

Das Problem ist, ein Baby kann nicht für sich sprechen ob das jetzt weh tut oder nur sonstwie unangenehm ist.
Die verschiedenen Arten von Geschrei und dessen Vojtaische Interpretation anbelangt: ehrlich gesagt das ist mir keine Absicherung.
Das Baby schreit jedenfalls aus Streß und Streß macht potenziell krank.

Und leider scheinen einige ehemalige Vojta-Babys Schaden davongetragen zu haben, es gibt mehrere in Behandlung u.a. beim Psychotherapeuten.
Und mehrere Eltern haben hier im Forum beschrieben, dass das Baby bereits schreit wenn es merkt, bald wird Vojta gemacht.
Das soll auch "Anstrengung" sein?
Das Baby ist erst ja auf dem Weg zur Therapie oder wurde gerade auf den Wickeltisch gelegt....
Katharina fing an zu schreien, sobald wir auf den Parkplatz der KG fuhren und hörte erst wieder auf, als wie wieder nach Beendigung der KG ins Auto stiegen - da war sie 7 Monate alt!!! Sie wusste damals also schon genau, was gleich auf sie "zukommen" würde und brüllte sich die Seele aus dem Leib - ein Baby, das sonst nie schrie!
von Evi » 03.02.2005, 14:52
ftopic1641.html

oder
Meine Kleine schrie schon, wenn sie die Krankengymnastin sah. Sie ließ sich fortan überhaupt nicht mehr 'führen'. Reagiert panisch bei allem, was aussieht wie Arzt, merkt sich Gesichter und Orte.
von Sonja Luzia » 04.02.2005, 01:41
ftopic1641.html

Ja, ich sehe das auch so, dass jeder für sich entscheiden muss, ob man Vojta macht oder nicht.
Für SICH SELBER.

D.h. wird mein Kind so alt, dass ich ihm das erklären kann und er einwilligen kann dann - und nur dann! - habe ich selber auch nichts gegen Vojta einzuwenden.

Gruß
Sarolta

r.bircher
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1028
Registriert: 12.09.2005, 09:17
Kontaktdaten:

Re: Ich hasse Dehnübungen und Anna hasst Vojta

Beitrag von r.bircher »

Hallo zusammen

Ich denke, der Nutzen im Baby/Kleinkind alter ist bei Vojtha meist weit höher als der Schaden. Vojtha basiert ja auf Druckpunkten die auch schon im Vorgeburtlichen Statium in der Gebärmutter angesprochen werden. Vojtha hat herausgefunden, dass das Kind während der Schwangerschaft auf diese Weise erste Beewegungsmuster einprogrammiert bekommt.

Die Vojthapunkte sind bei Babys noch sehr ausgeprägt vorhanden. Das nimmt relativ schnell ab. Da Vojtha die möglichkeit bietet, das Vorgeburtliche motorische lernen zu verlängern, ist die Therapie bei Babies auch hoch effektiev. Die Effektivität der Therapie lässt aber relativ schnell nach, da A) der Körper keine Grundbewegungsmuster mehr braucht, wenn er schon komplexe Bewegungsmuster hat, B) Die Reaktion auf die Druckpunkte massiv Schwächer werden.

Vojtha macht aus meiner Sicht deswegen nur im Baby, Kleinkind, vielleicht noch Kindesalter sinn. Im Jugendalter ist Vojtha meist ein Zahnloser Tieger, und Zeitverschwendung. Von daher kann man mit Vojtha nicht zuwarten.

Man sollte aber die Therapie (wie jede Methode) auch nur dann anwenden, wenn sie effektiv ist. Leider sind Physios oft auf eine Methode eingeschossen, und erkennen nicht, wenn es Zeit für ein Wechsel währ. Das ist auch verständlich, denn man kann sich nicht in verschiedenen Methoden richtig gut auskennen. Das selbe gilt übrigens auch bei Sporttrainern. Die haben oft auch ihre Methode. Deswegen tut Athleten einen Trainerwechsel machmal auch ganz gut. Das selbe gilt auch für Physios.

Gruss Raphael
-------------------------------------------------------------------
*1980 ICP Selbstbetroffen. Freelancer und Coach Programmierung in einer Behinderteninstitution
Meine Vorstellung
Mein Blog

Sarolta
Neumitglied
Neumitglied
Beiträge: 4
Registriert: 23.01.2021, 07:26

Re: Ich hasse Dehnübungen und Anna hasst Vojta

Beitrag von Sarolta »

r.bircher hat geschrieben:
24.01.2021, 16:13
Ich denke, der Nutzen im Baby/Kleinkind alter ist bei Vojtha meist weit höher als der Schaden.
Hallo Raphael,

vielen Dank für die Information!

Mein Kind hat nur eine bevorzugte Seite, diese fällt nur Fachmenschen auf, uns erst gar nicht.
Dieses "Problem" sollte sozusagen mit Vojta auskuriert werden.
Ich habe gelesen, dass so etwas oft einfach von sich aus weggeht.
Tatsächlich hatte mein Cousin einen deformierten Kopf und eben die bevorzugte Seite und damals stand dort noch keine Vojta-Therapie zur Verfügung. Er wurde auch ohne Physio ein ganz normaler, gesunder Mensch. Auch sein Kopf sieht nicht mehr deformiert aus, obwohl die Mutter ihn nicht einmal mit Lagerung etc. kuriert hat.
Ich denke vieles wachsen die Kinder aus. Zumindest war das bei ihm so.

Was der Schaden anbelangt, die Person, die mir die Vojta-Therapie nahegelegt hat, hatte selber ihr Kind mit Vojta therapiert.
Das Kind hat jetzt im Alter von 7 Jahren bereits eine schwere Autoimmunerkrankung.
Den Grund weiß ihr niemand zu sagen.
Ich sage das nicht dass es sich um eine direkte Nebenwirkung von Vojta handelt (so etwas nachzuweisen wäre eh unmöglich), doch allgemein bekannt ist, dass viel Stress das Immunsystem schadet sowie dass Stress ein Mitauslöser von teilweise schweren Krankheiten ist.

Ich finde das Konzept von Vojta verlockend, klar, und gäbe es eine "schreifreie" Version, dann hätte ich mich vielleicht anders entschieden.
Aber in unserem Fall werde ich erst mal abwarten.
Mein Sohn ist erst 2 Monate alt.

Gruß
Sarolta

Rita2
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3030
Registriert: 30.09.2004, 09:07
Wohnort: Region Heidelberg-Mannheim

Re: Ich hasse Dehnübungen und Anna hasst Vojta

Beitrag von Rita2 »

Hallo,

unser Sohn wurde auch mit Vojta therapiert. Unser Sohn ist gerne zur Therapie gegangen. Er hat nur während der Übung geschrien, sobald die vorbei war hat er zufrieden gespielt. Allerdings hat unsere Therapeutin mit ihm zwischen den einzelnen Übungen gespielt oder Quatsch gemacht. Viele Therapeuten finden das falsch. Ich vermute er ging wegen dem Spielen gerne hin, das andere hat er dafür in Kauf genommen.
Ich habe ihn damals einfach mal in einer ansonsten angenehmen Position festgehalten, so daß er sich nicht einfach bewegen konnte. Da hat er auch angefangen zu weinen.

Ich kenne eine Familie mit 2 behinderten Kindern, aber geistig normal (bzw. eher weit für das Alter) entwickelt.
Wenn mit der Kleinen (2 Jahre Unterschied) Vojta geturnt wurde, sagt die Große aufhören. Auf die Frage warum und ob es denn weh tut, war die Antwort: "Es tut nicht weh, ihr selber geht es danach besser, aber die Schwester soll nicht schreien müssen. " Der Größeren hat Vojta auch keinen Spaß gemacht, aber da es ihr gut getan hat, wollte sie die Übungen machen.

@Sarolta: wenn ein Kind sich so verhält wie du es beschreibst, dann macht die Therapeutin etwas falsch. Oder das Kind ist extrem empfindlich. Bei ersteren sollte man versuchen die Therapeutin zu wechseln. Bei letzteren sollte man dann wirklich die Therapieart wechseln. Aber nur weil es Fälle gibt, bei denen es nicht funktioniert eine gute Therapiemethode zu verteufeln, finde ich alles andere als gut.

Viele Grüße
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

Sarolta
Neumitglied
Neumitglied
Beiträge: 4
Registriert: 23.01.2021, 07:26

Re: Ich hasse Dehnübungen und Anna hasst Vojta

Beitrag von Sarolta »

@Rita
Einwände gegen eine Therapiemethode zu äußern als "Verteufelung" zu bezeichnen finde ich eine Unterstellung.
Klingt so als hätte ich meine Einwände nicht ordentlich begründet und als hätte ich die Methode allumfassend verurteilt.
Dies ist nicht der Fall.

Ich halte Vojta wegen der potenziellen seelischen Nebenwirkungen (psychische Traumatisierung) zu gefährlich für Babys, die den Sinn und Zweck der Therapie noch nicht verstehen können.

Ich finde interessant, dass ein Kind, das selber schon Sinn und Nutzen der Therapie versteht trotzdem sagt, dass die Mama mit der Schwester aufhören soll.

Die Begründung des Kindes: "schmerzt zwar nicht aber die Kleine soll nicht schreien müssen", ist dem Alter entsprechend.
Denn das Kind drückt aus - soweit es kann - dass es etwas gibt, was da ungut ist und das muss nicht der Schmerz sein.

Ein Kind das noch sehr jung ist, kann das eigentliche Problem nicht unbedingt verbalisieren. Es kann nicht sagen, "ja mein Vertrauen in dir wird missbraucht Mama..." oder "ich finde diese Ohnmacht einfach unerträglich" usw.
Klar, es kann sein, dass nur das laute Geschrei unangenehm ist. Ich würde aber kein Gift drauf nehmen.

Dass ein Baby, das bei einer Übung die Seele aus dem Leib schreit, danach Erwachsene anlächelt ist übrigens kein sicheres Zeichen dafür, dass da jetzt alles in Ordnung ist.
Das sagen höchstens Physiotherapeuten, aber da sie keine Psychotherapeuten sind, kennen sie sich genausowenig mit Psychotraumatologie aus wie ihre Kunden.
Identifikation eines Traumaopfers mit dem Täter u.a. ist für Laien halt kein Begriff.

Ich finde das, was Leon hier bescheibt (die schreiende Baby-Schwester), ziemlich katastrophal.

Im Beitrag von Kate » 04.12.2016, 11:15 in diesem Forum wird ein Teil der möglichen Spätfolgen beschrieben:
ftopic125042-10.html

Gruß
Sarolta

Benutzeravatar
Mango(Anna)
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 254
Registriert: 30.06.2020, 07:53
Wohnort: Berlin

Re: Ich hasse Dehnübungen und Anna hasst Vojta

Beitrag von Mango(Anna) »

Vielen Dank für das Verlinken des Beitrags. Die Informationen von Kate waren sehr interessant.
Selbstbetroffen:
2005- zentrale Koordinationsstörung m. Störung der Motorik R27.8 G
2017- Asperger Syndrom F84.5
2020- Tic-Störung, nicht näher bezeichnet F95.9
2020- Schallempfindungsschwerhörigkeit bds. H90.5 G B
2021- Sehnervenhypoplasie

Lisa Maier
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2200
Registriert: 29.09.2004, 21:07
Kontaktdaten:

Re: Ich hasse Dehnübungen und Anna hasst Vojta

Beitrag von Lisa Maier »

Hallo Sarolta,
traumatisiert sind viele der heute erwachsenen Behinderten durch ihre Therapien, auch ohne Vojta. Bei mir war es ein völlig idiotisches (da das Ziel nicht erreichbar war ), extensives Gehtraining und diverse Krankenhausaufenthalte, bei denen man damals im wahrsten Sinne des Wortes allein gelassen war. Wie Kate weiter unten schreibt, man hat mit uns als Kinder nicht geredet, uns in die Therapien nicht einbezogen. Wir wurden behandelt wie ein Stuhl, der gestrichen wird. Ich bin davon überzeugt, daß die Art, wie man uns behandelte, einen sehr großen Anteil an der Traumatisierung hat, wahrscheinlich mehr als die Therapie selbst.

Viele Grüße

Lisa

Antworten

Zurück zu „Krankengymnastik, Frühförderung und andere Therapien“