Übergewicht beim Kind

Hier könnt ihr Fragen rund ums Thema Ernährung stellen. Usern, deren Kinder über eine Sonde ernährt werden, möchten wir hier ebenfalls eine kleine Austauschplattform bieten.

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Lisaneu
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Übergewicht beim Kind

Beitrag von Lisaneu »

Hallo,

mein älterer Sohn hat in den letzten zwei Jahren deutlich zugenommen und ist übergewichtig. Er wiegt bei ca. 142cm Größe jetzt 46kg, was einem BMI von 23 entspricht. Mein Sohn bewegt sich leider sehr ungern und wir haben noch keinen Sport gefunden, der ihm zusagt (haben einiges ausprobiert, unter anderem turnen, klettern, Rad fahren, wandern, Ski laufen, Kung Fu, Judo,...) . Der einzige Sport, den er mag, ist schwimmen. Da wir das alle mögen sind wir oft im Bad oder am See (obwohl wir nichts in unmittelbarer Nähe haben), im Sommer 1-3x pro Woche, im Winter auch noch 3-4x im Monat. Hie und da kann ich ihn auch zu einer kurzen Radtour überreden, aber das war´s dann auch schon.

Wir essen alle nicht sehr gesund, aber auch nicht extrem ungesund. Sind vielleicht 2-3x im Monat beim bei Kindern beliebten, amerikanischen Fastfood-Konzern essen, aber ansonsten wird zu Hause Hausmannskost gekocht. Hie und da mal Paniertes (Schnitzel, Fischstäbchen,...) aber auch Nudelgerichte (Schinkenfleckerl, Spaghetti Carbonara oder Bolgnese, Lasagne, Fleischnudeln,...), Fleisch- und Wurstgerichte (Augsburger mit Spinat, Leberkäse mit Spiegelei, Schweinsmedaillons mit Rahmgemüse, Rindersaftfleisch mit Nockerl,...) und fleischlose Gerichte (Knödel mit Schwammerlsosse, geröstete Knödel mit Ei, Eiernockerl,...). Und es gibt auch hie und da mal Tiefkühlpizza oder Tiefkühl-Fleischknödel. Beilage sind meistens Reis oder Kartoffeln, selten Pommes.

Das ist jetzt nicht allzu gesund und ich würde gern was daran ändern. Problem daran ist, dass ich selbst Gemüse nicht sonderlich mag und die Kinder auch nicht. Daher koche ich es auch selten. Dafür gibt es immer wieder mal einen gemischten Obstteller um Nasch-Attacken vorzubeugen. Meine Jungs naschen beide gern und es gibt auch immer wieder mal Schokolade und Gummizeugs, aber nur in moderaten Mengen (z.B. ein 20-g-Schokoriegel oder 10 Gummibärli,...) und nicht frei verfügbar.

Ich will meinen Sohn nicht auf Diät setzen, aber mir wäre schon wichtig, dass sein Übergewicht nicht noch schlimmer wird. Mein Mann ist auch übergewichtig. Mein jüngerer Sohn und ich sind normalgewichtig. In den letzten Wochen habe ich verschiedene "leichte", gesunde Gerichte ausprobiert, aber die meisten wurden von meiner Familie schlichtweg abgelehnt :( . Ich habe auch ein Buch über zuckerfreies Kochen für Kinder gekauft, da waren aber leider nur einige wenige brauchbare Anregungen drin.

Daher bin ich für Tipps, wie wir unsere Ernährung optimieren könnten, sehr dankbar. Theoretisch weiß ich sehr gut Bescheid was eine gesunde und ausgewogene Ernährung betrifft. Aber irgendwie bringe ich meine Kenntnisse nicht auf den Tisch, bwz. werden sie nicht angenommen. Und ich bin nicht der Typ, der die Familienmitglieder dann zwingt, etwas zu essen, was niemanden schmeckt (oft nicht mal mir selbst).
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

Shelly
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Re: Übergewicht beim Kind

Beitrag von Shelly »

Hallo Lisa,
um Leute zum Sport herauszufordern finde ich die Bewegungs-Spiele, die es für Konsolen so gibt eigentlich ganz spannend, z. B. Ringfit adventures für die switch. Vielleicht gibt es bei eurem Sportverein auch mal einen Tag der offenen Tür, an dem man verschiedene Sportarten ausprobieren kann. Für eure Kinder ist es sicher auch nicht schlecht, wenn ihr Eltern ihnen da als Vorbild voran geht.

Bezüglich des Essens könntest du man versuchen, etwas "gemüselastiges" mit deinen Kindern gemeinsam zu kochen. Als Ergebnis eines gemeinsamen Erlebnises haben sie vielleicht eine andere Beziehung dazu. Bei uns in der örtlichen Volkshochschule werden auch immer wieder interessante Kochkurse angeboten. Auch bei denen, die nicht gezielt auf zuckerarme Ernährung abzielen (die gibt es auch), bekommt man immer wieder tolle Anregungen. Auch sowas kann man vielleicht gemeinsam als Familie machen.

Hast du mal auf der Seite eurer Krankenkasse geschaut, ob sie etwas zum Thema anbieten? Auch bei eurem Haus- oder Kinderarzt kannst du dir bei dem Thema Hilfe erbeten.
Liebe Grüße, Shelly

kati543
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Re: Übergewicht beim Kind

Beitrag von kati543 »

Hallo,
der beste Weg, insbesondere Süßigkeiten zu reduzieren, ist einfach der, sie nicht mehr einzukaufen.

Ansonsten finde ich eure Speisekarte schon ziemlich heftig. Ihr Esst sehr viel Fleisch. Die Fast-Food-Kette besuchen wir nur auf der Hin-und-Rückfahrt zur Oma. Diese wohnt 500km entfernt. Wir besuchen sie im Jahr ca. 5 Mal - das ist im Jahresdurchschnitt also nicht ganz ein Besuch im Monat.
Statt den Fischstäbchen würde ich richtiges Fischfilet (ohne Panade!) anbieten. Wenn es denn schon Schnitzel sein muß, dann nur sehr wenig Fett im Tiegel verwenden. Die Panade saugt das Fett ja unheimlich auf. Und einfache Spaghetti mit selbstgemachter Tomatensauce reicht auch (es muss kein Fleischzusatz oder Käse sein).
Im Grunde kannst du damit anfangen, dass du einfach die Zubereitung änderst und das Fett nach und nach immer mehr weglässt. Ist deine Familie nicht "einsichtig", dann Strecke die Gerichte einfach. Verwende einfach immer weniger Hackfleisch in der Bolognesesauce.
Lass die Tiefkühlpizza weg und Belege die Pizza lieber selbst.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

GretchenM
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Re: Übergewicht beim Kind

Beitrag von GretchenM »

Hallo,

Wir essen leider auch eher kräftig. Aber ich versuche etwas daran zu ändern.

Beispiel: es gibt wenige Gemüsesorten, die auch mein Kind mag: bisher vor allem Broccoli und Blumenkohl und in Suppen/Soßen auch mal Möhre. . Das versuche ich zu variieren. Er isst gerne Kartoffelpurree, das mache ich nur mit Milch oder auch Hafermilch/Mandelmilch (letztere ist richtig beliebt) .

Soßen für Nudeln mache ich nicht mehr mit Sahne sondern mit Milch oder eben Milchersatz, und sowieso normalerweise komplett ohne Fleisch. Insgesamt versuche ich Nudeln auf einmal pro Woche zu begrenzen. Stattdessen gibt es Kartoffeln, Eintopf (Linsen, oder Bohnen, und auch mal Experimente die ausgehalten werden müssen), Reis usw.

Da gekochtes Gemüse eher ungeliebt ist, gibt es bei allen Mahlzeiten ohne gekochtes Gemüse dann rohes: Paprika geht zB ganz gut, manchmal auch Tomate, Gurke und roher Mais direkt vom Kolben. Ich esse auch gerne Kohlrabi oder rohe braune Champignons. Ich bitte dann um ein bisschen probieren.

Fleisch gibt es bei uns jetzt seltener schon seit einiger Zeit, und wenn wird die Menge pro Person sehr reduziert.

Lasagne zB mit mehr Tomate und statt mit normalem Hack mit Bio-Soja-Hack - und weniger Lasagneplatten statt normalerweise

Brot wird meist mit Frischkäse gegessen und wenn mit Wurst oder Schnittkäse, dann nur ohne Butter usw. Dazu gibt es immer auch Gurke oder anderes Frisches. Süßes auf Brot ist eine Ausnahme.

Pizza wird selbst belegt, und gibt es auch nicht so oft.

Ach ja: was auch gut ist: Linsensuppe oder Erbsensuppe - da braucht es wenig Wurst oder Fleisch, aber die gesamte Suppe schmeckt danach.

Restaurantbesuche haben wir jetzt seltener gemacht, aber wenn dann zelebriert - und sind jetzt ab vom Fastfood eher beim guten Italiener - essen dann auch gerne mal Bruchetta (was mein Sohn interessanterweise gerne mag) oder gebratenes Gemüse, was zuhause gar nicht geht.

Was er auch mag ist Käse - Hackfleisch-Suppe die ich jetzt aber mit weniger Käse und statzdessen Milch mache, und wieder Tofu-Hack statt normalem. Er schiebt zwar viel vom Porree zur Seite aber isst immer bereitwilliger auch mal "das Grüne".

Geholfen haben dabei ein vor allem gemeinsame Experimente mit Nudelsoßen und Gewurzen direkt aus dem Topf.

Wichtig ist glaube ich auch drauf zu achten, dass zwischen den Mahlzeiten nicht zu viel gegessen wird. Das fällt mir ehrlich besonders schwer.

Lg

GretchenM
Mama *76 Epilepsie (anfallsfrei), SB
Sohn *07 starkes Träumer-ADS, grenzwertig ASS

Die Freiheit besteht nicht in erster Linie aus Privilegien, sondern aus Pflichten.

Camus

esram
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Re: Übergewicht beim Kind

Beitrag von esram »

Hallo Gretchen,
dir wird wahrscheinlich nichts Anderes übrig bleiben, als deinen Alltag und deine Essgewohnheiten umzustellen.

Ich habe ein darmkrankes Kind und muss aus diesem Grund sehr auf die Ernährung achten.

Frühstück:
Müsli selber zusammenstellen:
Packung Haferflocken, Packung Schokotropfen/Chrunchymüsli/etc, ein paar Rosinen. Ich strecke das Müsli.
Naturjoghurt mit Marmelade, viel weniger Zucker als Fruchtjoghurt.
Brot mit Vollkornmehlanteil

Kartoffelbrei mit der Hälfte Karotten kochen.

In Tomatensauce alles Gemüse pürrieren.

Öfter Reis, Kartoffeln, Vollkornnudeln anstatt in Butter/Fett gebratene Beilagen bzw Knödel

Wochenplan schreiben

Keine Süßigkeiten mehr zu Hause haben. Braucht kein Kind


Uuund jeden Tag ne halbe Stunde spazieren gehen. Wunderbar bei diesem tollen Herbstwetter
esram mit Sohn Sommer2013 (chronische Verstopfung ohne Diagnose, Verdacht auf Morbus Hirschsprung, Verdacht Tumor FNH Leber) und Sohn Winter2015 (nix)

Anjali
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Re: Übergewicht beim Kind

Beitrag von Anjali »

Guten Morgen Lisa
für’s Abnehmen und allgemein für die Fitness und Gesundheit wäre regelmäßige Bewegung, am besten an frischer Luft unheimlich vorteilhaft, das weißt Du ja sicher.
Der Stoffwechsel wird angekurbelt, der Grundumsatz erhöht sich dauerhaft.

Das Problem ist, dass regelmäßige Bewegung an frischer Luft nicht so einfach in jeden Familienalltag integrieren lässt.
Du hattest ja eure Hindernisse beschrieben.

Ich schlage eine etwas ungewöhnlichere Methode vor, vielleicht ist sie für euch eine Option:
Der zusätzliche, regelmäßige Einsatz eines Hometrainers (z.B. eines Fahrrades).

Der Vorteil: man ist tageszeitlich flexibler und vom Wetter unabhängig.
Noch ein Vorteil: man kann sich währende des Sportelns ablenken, durch Fernsehschauen, Musikhören, Hörspiel-Hören und damit quasi „nebenbei „ sporteln und sich leichter motivieren.


Bei der Ernährung würde ich auf Fettreduzierung achten und, wie bereits vorgeschlagen, einzelne Rezeptzutaten durch andere, fettärmere ersetzten. Viele Fleischgerichte lassen so gut Gemüse strecken, dass der gewohnte Geschmack nur leicht verändert wird. (Reispfannen z.B.)

Vielleicht wäre es für euch eine Option, einen bestimmten Tag (oder zwei Tage) in der Woche für Süßigkeiten zu reservieren.
Dadurch hättet ihr einen besseren Überblick über die konsumierten Mengen (es läppert sich unter der Woche ja doch so einiges zusammen) und Süßigkeiten würden vielleicht bewusster konsumiert. Sie sollten im Idealfall ja nicht täglicher Bestandteil der Ernährung sein.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (19 Jahre / Asperger-Autist)

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Inga
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Re: Übergewicht beim Kind

Beitrag von Inga »

Hallo
Hackfleisch kann man auch gut mit Hirse strecken, merkt man so gut wie gar nicht.
Bei uns kommt in Hackfleischsoße auch immer ganz klein geschnittene Möhren mit rein.
Die meisten panierten Sachen kann man auch im Backofen machen, dass hat man nicht noch zusätzlich das Bratenfett.

Ich würde dir empfehlen kleinschrittig an zu fangen, sonst gibt es zu viel Frust.
Direkt die komplette Ernährung um zu stellen ist mega schwer und wie bei einer Diät meist nicht duaerhaft durchhaltbar.

Wie Gretchen schrieb, ist es wichtig, nix zwischendurch zu Essen.
Wenn möglich 3 gute Mahlzeiten, Zwischenmahlzeiten braucht kaum ein Mensch, aber fast jeder isst sie.
Süßes besser als Nachtisch und nicht zwischendrin anbieten.
Die Verbrennung von "angesetztem" beginnt erst, wenn das Gegessenen verarbeitet ist. Wenn aber immer neues Essen hinterher kommt, kann nie das Verbrannt werden, was schon länger da ist... Daher ist es optimal mind. 4 h zwischen dem Essen zu haben, damit der Körper die Altlasten verbrennen kann.

Zudem, sei "gnädig" mit dir und deiner Familie.
Manchmal ist Übergewicht einfach auch bisschen Veranlagung.
Unser Joshua ißt super gesund, ist jetzt 6 Jahre, ißt Industriezucker erst seid ca. einem Jahr (150 g Vaniellepudding pro Tag) er ißt gar keine Süßigkeiten, kein Fettzeug wie Chips usw... trotzdem ist er Übergewichtig, vermutlich hauptsächlich daher, weil er sich behinderungsbedingt so gut wie gar nicht bewegt.
Nico dagegen ist eigentlich den ganzen Tag über am Essen, zwar auch viel Obst und Gemüse, aber auch alles an Süßem und Salzigen, was er finden kann, macht keinen Sport, er ist aber im unterem Bereich des Normalgewichtes.
Emma ißt eher ungesund, setzt das Taschengeld in Gummizeug und Chips um, macht nur 2 h pro Woche Sport - sie ist trotzdem absolut normalgewichtig.
Du siehst, nicht immer ist das Gewicht nur mit der Ernährung beeinflußbar.

Viel Erfolg!
Inga
Josephine 05 Albinismus
Emma 07
Nico 09 ADHS,...
Joshua 14 Epi, Hemi, Blind
Joleen 16 Schinzel-Giedion-Syndrom

Betreuer von Danielo 96 (FAS), Steven 98 (gB) & Michelle 02 (Apert-Syndrom)

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html

KäthemitA.
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Re: Übergewicht beim Kind

Beitrag von KäthemitA. »

Hallo Lisa,

die meisten Gerichte, die Du aufgezählt hast, sind ziemliche Kalorienbomben. Da könnte man mit mehr Gemüse/Reis und weniger Fleischund Soßen bestimmt einiges an Kalorien sparen.
Ich war früher ziemlich schlank und habe sehr viel Sport getrieben, habe aber in den letzen Jahren dank Kind und Ehe mit einem extremen Fleischfresser auf Normalgewicht zugenommen.
Um das zu stoppen koche ich Fleischgerichte zum Beispiel ohne Sättigungsbeilage. Also wenn es Steak gibt mache ich dazu Gemüse oder Salat, aber es gibt keine Kartoffeln oder Brot dazu.
Mein Sohn isst auch vieles nicht, rohes Gemüse (wie schon von einigen Vorschreibern erwähnt) geht aber ganz gut, das biete ich auch den Tag über immer mal an.
Außerdem gibt es beim Essen keine Extrawürste. Wenn mein Sohn sich für nichts beigeistern kann, das auf dem Tisch steht, darf er eine Banane essen oder sich selbst ein Brot machen.

Außerdem gibt es ja auch nicht nur das Abendessen, man kann ja schon morgens und in der Frühstücksdose mit den Obstsorten, die gegessen werden und rohem Gemüse nachsteuern.

Den größten Unterschied macht aber in der Tat Bewegung. Als ich noch 5 mal die Woche Sport getrieben habe, habe ich mir oft nach der Arbeit auf dem Weg zum Sport noch ein süßes Teilchen vom Bäcker reingezogen und dann später noch zu Abend gegessen, ohne zuzunehmen. Heute, mit weniger Bewegung, schlägt die Waage gefühlt schon aus, wenn ich einen Blick in die Auslage einer Bäckerei werfe.
Ich meine, Du hattest mal geschrieben, dass Du ganz viel Rad fährst. Vielleicht könntest Du da zusätzliche Radstrecken für alle mit in den Alltag moglen?

Liebe Grüße
Käthe
Zuletzt geändert von KäthemitA. am 23.10.2020, 09:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Übergewicht beim Kind

Beitrag von KäthemitA. »

Noch ein Nachtrag: Grade gestern erzählte mir eine Freundin, ihr Son liebe Suppen, hasse aber Gemüse, weshalb sie das Gemüse in pürierter Form in den Suppen "versteckt".
Vielleicht wäre das auch eine Variante für Euch?
Käthe mit A. *06.13 Asperger Autist

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Regina Regenbogen
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Re: Übergewicht beim Kind

Beitrag von Regina Regenbogen »

Inga hat geschrieben:
23.10.2020, 08:28
Ich würde dir empfehlen kleinschrittig an zu fangen, sonst gibt es zu viel Frust.
Direkt die komplette Ernährung um zu stellen ist mega schwer und wie bei einer Diät meist nicht duaerhaft durchhaltbar.
Ja, genau so.

Als ich vor 5 Jahren meine Ernährung wegen Diabetes umstellen musste, war ich dafür in einem Ernährungsberatungskurs. Man kann nur schwer für mehrere Personen gleichzeitig die Ernährung umstellen, erst recht, wenn nur einer oder zwei davon es "nötig" haben. Dafür brauchte ich etwas Hilfe.

Der erste Schritt war, kein Weißmehl mehr zu verwenden, weder beim Backen noch beim Kochen, nur noch Dinkelmehl - merkt niemand. Zucker kann man auch sofort reduzieren, Stevia ist ein guter Zuckerersatz zum Entwöhnen, mittlerweile geht es hier auch ohne. Kleiner Tipp: Wenn man beim Backen immer nur die Hälfte der angegebenen Zuckermenge (und dann auch nur Erythrit) verwendet, merkt es auch niemand. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt: Weniger Salz verwenden, wenn man das recht schleichend macht, gewöhnt sich jeder daran. Süßigkeiten sollten zu etwas besonderem werden, nicht zu einer Regelmäßigkeit!

Was allen meinen Familienmitgliedern aufgefallen ist: Bei Umsetzung der oben genannten Punkte fing jeder von uns an, erst mal Wasser abzubauen - jeder hat sofort 2-3 Kilo abgenommen bei gleichem Essverhalten. Ebenso haben alle gemerkt, dass die Lebensmittel einen intensiveren Eigengeschmack bekommen haben, liegt wahrscheinlich daran, dass die Geschmacksnerven durch den Salz- und Zuckerentzug sensibler geworden sind.

Sobald man es in der normalen Hausmannskost schafft, Fette, Zucker und Salz zu reduzieren, hat man einen großen Schritt geschafft. Nur noch Getränke in Form von stillem Wasser oder (wer damit nicht klar kommt) mit wenig Kohlensäure tun ihr übriges dazu.

Zum Thema Gemüse: Kinder essen selten gerne gekochtes Gemüse, das ändert sich aber im Laufe der Jahre. Also: Immer wieder anbieten, aber nicht zwingen. Ansonsten viel Rohkost und regelmäßig Obst (aber hier versteckt sich auch viel Fruchtzucker) und zusehen, dass sich die Portionen auf ein normales Maß reduzieren - wir essen hier alle sehr gerne und dann isst man gerne auch mal zu viel. Richtig schädlich ist aber Fastfood, damit hatten wir allerdings die wenigsten Probleme, da wir höchstens 2 mal im Jahr den Drang danach hatten.

Eins noch zum Thema Jungs und Übergewicht bei normaler Hausmannskost: Meine Töchter waren immer sehr, sehr schlank, aber nur die eine war ein mäkeliger Esser, die andere hat immer schon gerne gegessen, nahm aber trotzdem nicht über Gebühr zu. Entsprechend schockiert war ich, als meine Jungs beide nacheinander im Alter von ca. 11 Jahren anfingen, massiv zuzunehmen. Der Jüngste war bis dahin eher ein Hungerhaken wie seine Schwestern, der Ältere normal. Beide wurde übergewichtig. Das änderte sich auch nicht wirklich durch die Ernährungsumstellung. Mir widerstrebte es sehr, meine Söhne während des Wachstums auf Diät zu setzen, da sie auch beide ganz offensichtlich auf ihren Vater kamen, groß und kräftig. Nachdem ich meine Schwiegermutter interviewt hatte, wusste ich, dass mein Mann als Kind genauso war: Erst ein Hungerhaken und bis ca. 17/18 Jahre übergewichtig. Ich habe meinen Mann mit Anfang 30 kennengelernt, da war er sehr schlank und hielt seine Figur auch ohne Probleme. Mir ist auch eingefallen, dass meine Brüder früher im Alter zwischen 12 und 18 ebenfalls sehr "merkwürdig" ausgesehen haben, die Proportionen passten irgendwie nicht zusammen.

Um es mal zum Ende zu bringen (schon wieder ein Roman): Unser Großer ist jetzt 19 Jahre alt, groß, sehr schlank und muskulös (184 cm mit 90 kg) geworden, er hat innerhalb von 2 Jahren ohne Diät (wahrscheinlich nur durch seine Arbeit) gut 15 Kilo abgenommen. Der Kleine fängt gerade mit seiner Ausbildung an, aber es ist jetzt schon eine körperliche Veränderung zu merken, er hat in den letzten Monaten gut 5 Kilo abgenommen bei gleichem Essverhalten. Auch er ist jetzt schon sehr groß mit 186 cm, in der Statur (Schultern) noch breiter als sein Bruder, wiegt allerdings (noch) zuviel mit fast 100 kg.

Wir haben durch den Auszug von 2 Kindern vor wenigen Monaten ein sehr großes Zimmer mit allen möglichen Geräten zum Fitness-Studio umbauen können, da trainiert er jetzt regelmäßig mit einem Trainingsplan, den ihm ein Kollege aufgestellt hat - in erster Linie Cardio (Ausdauer auf- und Fett abbauen). Jetzt will er was aus eigenem Antrieb an sich tun.

Ich habe mir damals viel Kritik von netten Familienmitgliedern anhören müssen, weil ich mich geweigert habe, meine pubertierenden und bewegungsfaulen Söhne auf Diät zu setzen und ihnen womöglich eine Eßstörung anzuerziehen. Jetzt bin ich mir sicher, dass ich den richtigen Weg gegangen bin: Die Kinder nicht unter Druck setzen, damit sie einer "Norm" entsprechen. Gerade bei Jungs regelt die Entwicklung in der Pubertät so einiges.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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