verwächst sich AD(H)S

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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sandra8374
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Re: verwächst sich AD(H)S

Beitrag von sandra8374 »

Kennst du? https://www.autismus-nordbaden-pfalz.de/Holland.pdf

Ich denke du musst erstmal an dir arbeiten. Neben dem ADHS kommt aktuell die Pubertät bei euch dazu.

Welche Regeln sind dir am wichtigsten? Welche wären diskutierbar/Kompromisse? Welche unwichtig?

Setze die Wichtigsten durch mit Konsequenzen. Überlege dir genau welche Konsequenzen es geben kann und muss. Und die musst du durchsetzen.

Ein Safe für Wertsachen kann Möglichkeiten nehmen. Schlaflabor wegen der Einschlafsituation (Melatoninmangel?) Medikamente gegen die Spitzen. Therapie für dich und fürs Kind. Möglichkeiten fürs Runterfahren beim Kind erarbeiten (Boxsack, Badewanne, laufen gehen, Brett mit Tapete zum knibbeln, Anti–Stressball,.....), feste Medienzeiten im Router eingeben, Dose pro Tag mit Süsskram und wenn leer dann leer, Tagesplan visualisieren (Bilder), Aufgaben visualisieren mit Möglichkeit des abhaken, Regeln visualisieren, ggfls Ablauf einzelner Handlungen mit Bildern aufzeigen (www.do2learn.com), mit Lehrer überlegen wie du an die Hausaufgaben kommst (Unterschriften jeweils z.B.), Hausaufgabenhilfe über Dritte, regelmäßige professionelle Zahnreinigung,......

Du siehst also es gibt Möglichkeiten/Ideen. Geh es an, bevor es zu spät ist, denn es ist ein weiter Weg.
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)

JennyK
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Re: verwächst sich AD(H)S

Beitrag von JennyK »

Zum Klauen: oft hilft, wenn die Kinder in den Laden zurückgehen und dort zugeben, geklaut zu haben, sich entschuldigen.

Konsequenzen: das ist nicht leicht, aber es lohnt sich. Du hast schon super gute Vorschläge bekommen. Wir machen das auch so, wenn alles einigermaßen gut klappt, hat er seine WLAN Zeiten und wir lassen ihm seine Ruhe. Wenn grundlegende Dinge nicht klappen, hat das Konsequenzen, die ihn treffen. Wir haben nun auch kleine Aufgaben an die Kinder verteilt, die sie selbständig erledigen sollen. Da hätte ich viel größeren Widerstand erwartet, ehrlich gesagt. Das klappt gerade beim Großen echt gut, ich muss ihn nur einmal drauf hinweisen, dass er seine Aufgabe noch nicht erfüllt hat, dann macht er es. Dass er es irgendwann dauerhaft ohne Hinweis schafft, ist ein Langziel, momentan bin ich sehr zufrieden damit, dass er sich überhaupt regelmäßig beteiligt. Hast du schon mal über eine sozialpädagogische Familienhilfe nachgedacht? Wir haben das seit einigen Monaten und es tut echt gut, da nochmal jemanden zu haben, der mit auf die Dinge schaut und konkrete Tipps gibt. Die Dame ist gleichzeitig die Autismustherapeutin vom Kleinen, hat also auch gut Ahnung von Autismus. Dein Sohn zeigt ja überwiegend pubertäres Verhalten, das macht mein Großer zur Zeit auch. Ich nehme seine emotionalen Ausbrüche nicht persönlich, weise ihn aber immer wieder darauf hin, dass sein Verhalten nicht ok ist, bleibe im Gespräch und erfahre so ganz oft, was dahinter steckt.

Ich wünsche dir viel Kraft und Entschlossenheit, aber auch ein gutes Händchen bei der Auswahl der Dinge, die du ändern möchtest. Kämpfe nicht jeden Kampf, sondern wähle sorgsam aus und suche auch nach Kompromissen...
Sohn 1 (2006), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (2013), Asperger Autismus, ADHS; PG 3; SBA 70 mit B, G, H

KäthemitA.
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Re: verwächst sich AD(H)S

Beitrag von KäthemitA. »

Liebe Silke,

ich finde auch, das Vieles, das Du beschreibst, erst mal eher nach Pubertät als nach ADHS klingt. Mein Sohn ist zwar noch deutlich jünger, aber ich habe lange Zeit ehernamtliche Arbeit vor allem mit Pubertisten zwischen 14 und 16 Jahren gemacht, da kommt mir schon Einiges bekannt vor.

Wenn Dein Sohn lügt oder stiehlt, musst Du aus meiner Sicht auch gar nicht sofort die passende Konsequenz parat haben. Wenn mein Sohn einen richtigen Bock schießt, zu dem mir erst mal nichts mehr einfällt, schicke ich ihn erst mal auf Zimmer und sage auch ganz klar, dass wir (also mein Mann und ich) später darauf zurück kommen. Also zum Besipiel :"Über die Konsequenzen unterhalten wir uns beim Abendessen. Du kannst Dir ja selber schon einmal überlegen, was angemessen wäre." Das gibt mir Zeit zu überlegen und mich mit meinem Mann abzustimmen, vielleicht hat der einen passenden Einfall. Und auch Dein Sohn ist damit eingeladen, über sein Tun und mögliche Konsequenzen nachzudenken.
In dem Fall, in dem Dein Sohn den Opa bestohlen hat, hätte ich auf jeden Fall versucht, den Opa für die Konsequenzen mit ins Boot zu holen, also ihn zu fragen, wie er "entschädigt" werden möchte und ihn auch ermutigt, Deinem Sohn gegenüber seine Enttäuschung und seinen Ärger zu äussern.

Kürzlich habe ich von Haim Omer das Buch "Neue Autorität" gelesen, ich fand, da waren viele (auch erst mal ungewöhnlich anmutende) Ideen zum Umgang mit Pubertsiten dabei. Vielleicht magst Du da ja mal reinschauen.

Liebe Grüße
Käthe
Käthe mit A. *06.13 Asperger Autist

Anjali
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Re: verwächst sich AD(H)S

Beitrag von Anjali »

Liebe Silke,

ich möchte dich darin bestärken, dir auch Hilfe von außen zu holen.

Dein Mann scheint Dir ja in dieser Sache keine so große Stütze zu sein, aber das ist für mich nicht der Hauptpunkt.

Was ich traurig finde, ist dass dein Sohn noch nie Freunde hatte und dass er sich mit anderen Kindern so schwer zu tun scheint.
Alleine deswegen finde ich es gerechtfertigt, mit professioneller Unterstützung nach möglichen Ursachen und Lösungen zu forschen.
Erste Schritte hast Du ja bereits getan.

Ob es nun letztendlich auf einen stationären Aufenthalt herauslaufen wird oder sich andere, ambulante Unterstützungsmöglichkeiten (ggf. Diagnostik, Elternberatung, Therapie) ergeben, ich würde auf jeden Fall „dran bleiben“.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (19 Jahre / Asperger-Autist)

Lisaneu
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Re: verwächst sich AD(H)S

Beitrag von Lisaneu »

Silke1204 hat geschrieben:
10.10.2020, 17:10
@ Lisaneu,

Erstmal vielen lieben Dank für Deine ausführliche Antwort. Einerseits macht es mir mut, andererseits habe ich angst bzw. bin verwirrt.

Soll ich mich wirklich NUR auf das wichtige konzentrieren und von meinen bisherigen "Familienvorstellungen" muss ich Abschied nehmen?
Zum Beispiel das Sonntags-Frühstück:
Bisher habe ich immer mehrmals geweckt und er saß dann auch gutgelaunt am Frühstück mit Brötchen, Ei und vielem leckern Essen. Ich finde es (oh, ich - vielleicht nicht er) schön und auch wichtig dass man einmal gemeinsam am Tisch sitzt, Zeit hat, reden kann - egal worüber. Soll/Muss ich davon Abschie nehmen?
@Silke:
Müssen tust du erst mal gar nichts. Du weißt selbst am besten, wie wichtig DIR etwas ist und du weißt auch aus Erfahrung, was du dafür "in Kauf" nehmen musst. Wenn für dich okay ist, wenn dein Sohn nach mehrmaligem Wecken gutgelaunt am Frühstückstisch sitzt - was spricht dagegen, das weiterhin zu tun?
Silke1204 hat geschrieben:
10.10.2020, 17:10
Samstag-Abend: Meist bin ich vor meinem Sohn im Bett. Wenn er noch an der PS spiele kommt es vor dass er so laut wird und mich mit seinen wütenden Begriffen weckt. Soll ich ihm die PS in sein Zimmer geben damit ich ruhe habe? Oder aber er lässt viele Dinge (Chips, Getränke oder auch Schuhe, Fernbedienungen) einfach rum liegen. Mich stört das morgens wenn ich vor ihm aufstehe. Ich möchte das einfach weg haben und zwar von ihm. Mag sein dass es ihn nicht stört - aber mich. Ich kann doch nicht auf meine Werte und meine Meinung und was ich möchte verzichten nur weil er anders ist?
Es geht nicht darum, auf deine Werte zu verzichten. Es geht darum, genau hinzuschauen und dich selbst zu fragen "Wie wichtig ist MIR das Ganze?" Wenn dich ärgert, dass Sachen von deinem Sohn rumliegen, kannst du auf verschiedenste Weise reagieren. Du kannst mit ihm rumkeppeln und es dann selbst wegräumen. Du kannst es selbst wegräumen, ohne was zu sagen. Du kannst in ein anderes Zimmer gehen wo du die Dinge nicht siehst. Du kannst gleich nach dem aufwecken darauf bestehen, dass er die Sachen wegräumt. Du kannst ihn auch bestrafen, z.B. indem er keine Chips mehr bekommt, wenn er sie am Vortag rumgestreut hat, oder indem du für jedes rumliegende Teil, das du wegräumen musst, 10 Cent vom Taschengeld abziehst,...

...du bist die Chefin, du machst die Regeln :) . Du musst auch nicht jetzt ein- für allemal beschließen wie du damit umgehst, dass dein Sohn Dinge rumliegen lässt. Du darfst ausprobieren, welche Umgang für DICH am besten ist. Wenn du merkst es geht dir mit Plan A nicht gut probierst du einfach Plan B oder Plan C aus.
Silke1204 hat geschrieben:
10.10.2020, 17:10
Bein stehlen: Natürlich kaufe ich ihm das PS spiel nicht nur damit er nicht stiehlt.
Ein Beispiel aus dem März. Wir waren im Decathlon einen neuen Helm zum Ski fahren kaufen. Er wollte noch ein Skateboard. Ich sagte nein weil er noch ein Pennyboard zu Hause haben muss. Er meinte das wurde in der Schule geklaut. Meine Antwort darauf: Du kannst es Dir vom nächsten Taschengeld kaufen. 3 Wochen später im Ski-Urlaub, mein Mann und ich in einem Zimmer - Mein Vater und Markus in einem Zimmer. Ich bat Markus mir seine Wäsche zu bringen um die saubere in den einen Korb und die gebrauchte in den anderen Korb zu machen. Dabei bemerkte ich dass seine Socken knistern. Er hatte von meinem Vater - als er duschen war - 40 Euro aus dem Geldbeutel genommen. Ich fragte ihn warum? Seine Antwort: Du hast mir das Skateboard nicht gekauft, das Pennyboard ist weg und ich habe ja das Taschengeld schon ausgegeben. Du bist Schuld - hättest es gekauft - hätte ich das nicht machen müssen.
Was bitte soll ich darauf antworten? Wi sll ich darauf bitte reagieren? Wie soll ich sowas verhindern? NUR unter Beobachtung? Nicht mal duschen kann ich ohne dabei zu denken was macht er jetzt schon wieder?
Du musst in so eine krassen Situation nicht gleich einen perfekten "Reaktionsplan" in der Tasche haben. Das einzige, was ich in so einer Situation für wirklich wichtig halte ist, dem Sohn die eigenen Gefühle dazu mitzuteilen: Enttäuschung, Verzweiflung, Angst, Wut,... er hat ein Recht darauf, zu erfahren, was sein Handeln mit seiner Mutter macht. Und zwar nicht von oben herab ("Du weißt doch genau, dass WIR nicht stehen! Was soll der Opa jetzt von Dir denken? ") sondern echt authentisch z.B. mit Worten wie "Ich bin total enttäuscht weil du deinen Opa bestohlen hast. Mein Vertrauen zu Dir hat einen großen Knick bekommen und ich weiß nicht, wie ich es wieder bekommen kann. Sogar unter der Dusche gehen mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf, was alles sein könnte, wenn du die Menschen, von denen ich geglaubt habe, dass sie dir wichtig sind, bestiehlst. Am liebsten würde ich dich ganz arg bestrafen, dir das Taschengeld für ein Jahr streichen oder Dir nichts zu Weihnachten schenken, aber ich weiß, dass das nichts bringt. Ich bin echt total enttäuscht, verletzt und wütend!"

So eine persönliche Klarstellung ist das einzig wirklich Wichtige. Und die muss auch nicht unmittelbar nach der Situation kommen, das kann man am Abend oder am nächsten Tag auch noch machen. Denn DAS (wie es den Leuten, die ihn mögen, und die das stehlen betrifft, damit geht) ist die einzige wirkliche Konsequenz. Alles andere sind Strafen. Und auch die darfst du ruhigen Gewissens geben, denn nach wie vor bist du die Chefin :) !

Silke1204 hat geschrieben:
10.10.2020, 17:10
Versteh mich bitte nicht falsch. Natürlich darf er fehler machen. Natürlich bekommt er was zu essen, er kann es sich auch gerne wieder in der Micro war machen. Das WILL er aber nicht. Er will dann Süßigkeiten. Woher kommen da bitte die Vitamine - Mineralstoffe oder was der Körper noch braucht. Vertragen könnte er es. Es gibt auch gerne so mal was - auch gene mehr als in anderen Familien - er kann es vertragen. Allerdings mag ich nicht die gemeinsame Zeit am Tisch aufgeben. Wenn es nach ihm geht steht er auf, hockt am TV - PS - Handy und kommt wenn er will zum essen, bzw. fragt wann es dann fertig ist passt es von der Zeit wieder nicht. Später ist es kalt - aus der Micro schmeckt es nicht und er macht sich Pizza. Super!

Verwirrt bin ich weil Du sagst laufen lassen - überlegen was wichtig ist - und da konsequenzen ziehen. Andererseits Station 5 ist vom Austehen bis zum zu-Bett-gehen komplett durchgeplant - sogar die duschzeiten. Natürlich gibt es mittags "Zimmerzeit" die zur freien - ruhigen - Verfügung steht. So kann ich das zu Hause gar nicht leisten, das wäre ein 24-Stunden-Job ohne Ablösung.
Du schreibst da von ganz viel verschiedenen Dingen (Sachen liegen lassen, Opa bestehlen, ungesunde Ernährung, Sachen kaputt machen,...) und irgendwie kommt alles gleichwertig rüber. So, als gäbe es keinen Unterschied zwischen achtlos rumliegenden Schuhen und Diebstahl oder zwischen mutwilliger Sachbeschädigung und Pizza statt eines gesunden Abendessens.

Hier ist mal wichtig, Dir ein Bild darüber zu machen, wie "schlimm" du die jeweiligen Dinge siehst. Ich kenne weit und breit keinen Teenager, der einen akut gefährlichen Vitamin- und Mineralstoffmangel hat. Dabei kenne ich viele Jugendliche, die sich ungesund ernähren, zu viel Medien konsumieren, Sachen rumliegen lassen, selten Zähne putzen und rummuffeln - natürlich wünscht sich das Mama-Herz da was Anderes, aber das fällt zumindest in meinem Wertebild unter "normal pupertär" und daher betrachte ich es nicht als streng fahrlässig, als Mutter da mal Fünfe grad sein zu lassen.

Aber auch hier bist du die Chefin. Du kannst Süßigkeiten rationieren oder frei zur Verfügung stellen. Du kannst dafür sorgen, dass Pizza im Tiefkühlfach ist, oder eben nicht. Du kannst dich hinstellen und aus gesunden Sachen, die dein Sohn mag, ein Exklusiv-Essen für ihn kochen. Und du brauchst dafür niemanden Rechenschaft ablegen :wink: .

Von anderer Seite sind auch schon einige gute Anregungen gekommen. Wichtig ist dabei, dass es DEINE EIGENEN Werte sind, die du wichtig nimmst. Nicht die von anderen Forumsmitgliedern, nicht die vom Opa oder vom Lehrer oder von der Nachbarin. Die dürfen (oder durften) bei ihren eigenen Kinder ihre eigenen Werte wichtig nehmen. Wenn du weißt, dass das, was du willst, für dich wirklich wichtig ist, dann lebst du auch leichter damit, mal Entscheidungen zu treffen, die deinem Sohn nicht so gefallen.

"Nein aus Liebe" von Jesper Juul (der Tipp von Kurtine) habe ich übrigens auch gelesen. Ich finde es sehr gut.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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