Frage zu Lerntempo

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SonjaNikHan
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Frage zu Lerntempo

Beitrag von SonjaNikHan »

Hallo!
Haben nun in der 3. Klasse Regelschule gestartet.
Was mir gleich auffällt ist ihr extrem langsames Tempo in der Schule. Leider ist die Lehrerin nach wie vor nicht motiviert sie etwas zu unterstützen. Wir nehmen schon länger Equazen. Leider ohne gewünschten erfolg. Sie musste bereits einmal weinen da alle so schnell fertig waren. Sie hat zwar wenig Fehler aber oft nur die Hälfte geschafft. Machen bereits Ergotherapie und Lerntherapie seid einem Dreivierteljahr.
Bitte um Tipps was helfen könnte...
Es ist leider auch sehr laut in der klasse was ihr auch sehr zu schaffen macht und sie sich ständig ablenken lässt.
Danke!

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Alexandra2014
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Re: Frage zu Lerntempo

Beitrag von Alexandra2014 »

Hallo!

Ich kenne das von meinem reizoffenen Kind leider auch.
Ich merke das auch noch anhaltend, wenn sie von der Schule wieder da ist. So ca. eine Stunde geht da nichts mit Geschwindigkeit, nicht mal aufs Klo gehen. Alles wie in Zeitlupe.
Aus der Schule heißt es, dass die Konzentration nicht länger als 5-10 Minuten aufrecht gehalten werden kann.
Wir gehen deshalb jetzt zur Lerntherapie. Dort arbeitet Kind 1:1 mit der Therapeutin und ist 50 Minuten hochkonzentriert. Die Therapeutin ist jedesmal überrascht und begeistert, wie toll das klappt (ich bin auch dabei, kenne es von Zuhause aber auch so, dass Kind sich gut konzentriert).
Durch die Lerntherapie wird sie zwar in der Schule nicht schneller, aber wenigstens lernt sie, was nötig ist.
Die Schule sehe ich im Grunde nur noch als Selbstständigkeits- und Sozialkompetenztraining.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral
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Realität ist was für Leute, die Angst vor Drachen haben.

SimoneChristian
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Re: Frage zu Lerntempo

Beitrag von SimoneChristian »

Hallo!

Bei uns ist das klar von den Inhalten abhängig.
Mathe: keine Probleme
Deutsch: Katastrophe

Aufgrund der Lärm-Problematik darf mein Sohn (mit I-Helfer) oft in einem separaten Raum arbeiten.
Für unruhige Phasen in der Klasse hat er einen Baustellen-Gehörschutz, den er aber nicht gerne nutzt, weil er dann anders ist.

In einigen Klassen hier haben die Lehrer das allerdings so umgesetzt, dass die Mehrheit der Schüler einen eigenen Gehörschutz zur Verfügung hat und die entsprechend regelmäßig auch genutzt werden.

Ich kenne das von mir früher auch noch, dass ich Strukturierung und Arbeitstechniken ehr zu Hause mit meinen Eltern erarbeitet habe als in der Schule.
Was mache ich, wenn ich bei einer Aufgabe nicht weiter komme? Wie viel Zeit sollte jeder Arbeitsschritt in etwa dauern? Was ist der Erwartungshorizont?

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

HeikeLeo
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Re: Frage zu Lerntempo

Beitrag von HeikeLeo »

Hallo,
Die Schule sehe ich im Grunde nur noch als Selbstständigkeits- und Sozialkompetenztraining.
Ich hatte vorgestern ein Gespräch mit dem Schulleiter unseres Gymnasiums. Er hat bei Schule ständig von "Betreuung" gesprochen. Die Ansprüche, die ein Gymnasium an sich selber stellt sind also möglichst tief gehängt. In der Grundschule wird auf das schulische Lernen ganz sicher noch weniger Wert gelegt.
Es bleibt eben bei Selbständigkeits- und Sozialkompetenztraining, was eine andere Bezichnung dafür ist, dass das Kind selbständig schauen muss, wie es in einem Haifischbecken überlebt, ohne von den anderen Kindern verprügelt zu werden. Da entwickelt sich automatisch Sozialkompetenz, wenn man herausfinden muss, wem man wie aus dem Weg geht, oder wie man am besten kontert. Da gibt es sicher weniger gefährliche Möglichkeiten für Selbständigkeits- und Sozialkompetenztraining. Aber bislang gilt die Ronja-Räubertochter-Methode.
Vom Land wird immerhin wird ein Gebäude gestellt und Erwachsene, die das Kind in Listen eintragen.

Leider wird dann am Kind herumkorrigiert. Dabei ist das Kind richtig.
Ich kenne das von mir früher auch noch, dass ich Strukturierung und Arbeitstechniken ehr zu Hause mit meinen Eltern erarbeitet habe als in der Schule.
Immerhin ist inzwischen die körperliche Zügchtigung abgeschafft. Hat auch lange gedauert. Eine Anpassung an Inklusion und schulischens Lernen wird schon auch noch kommen. Wir dürfen auf die nächsten fünfzig Jahre hoffen.

Liebe Grüße
Heike

JennyK
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Re: Frage zu Lerntempo

Beitrag von JennyK »

SimoneChristian hat geschrieben:
19.09.2020, 09:21
Hallo!

Bei uns ist das klar von den Inhalten abhängig.
Mathe: keine Probleme
Deutsch: Katastrophe

Aufgrund der Lärm-Problematik darf mein Sohn (mit I-Helfer) oft in einem separaten Raum arbeiten.
Für unruhige Phasen in der Klasse hat er einen Baustellen-Gehörschutz, den er aber nicht gerne nutzt, weil er dann anders ist.

In einigen Klassen hier haben die Lehrer das allerdings so umgesetzt, dass die Mehrheit der Schüler einen eigenen Gehörschutz zur Verfügung hat und die entsprechend regelmäßig auch genutzt werden.

Das kenne ich auch so und finde es sehr schade, wenn diese Möglichkeit nicht genutzt wird.

Ich kenne das von mir früher auch noch, dass ich Strukturierung und Arbeitstechniken ehr zu Hause mit meinen Eltern erarbeitet habe als in der Schule.
Was mache ich, wenn ich bei einer Aufgabe nicht weiter komme? Wie viel Zeit sollte jeder Arbeitsschritt in etwa dauern? Was ist der Erwartungshorizont?

Und das finde ich ganz schlimm, denn das sehe ich in erster Linie als grundlegende Aufgabe der Schule an.

LG
Simone
Sohn 1 (2006), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (2013), Asperger Autismus, ADHS; PG 3; SBA 70 mit B, G, H

SimoneChristian
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Re: Frage zu Lerntempo

Beitrag von SimoneChristian »

JennyK hat geschrieben:
19.09.2020, 11:07
SimoneChristian hat geschrieben:
19.09.2020, 09:21

Ich kenne das von mir früher auch noch, dass ich Strukturierung und Arbeitstechniken ehr zu Hause mit meinen Eltern erarbeitet habe als in der Schule.
Was mache ich, wenn ich bei einer Aufgabe nicht weiter komme? Wie viel Zeit sollte jeder Arbeitsschritt in etwa dauern? Was ist der Erwartungshorizont?

Und das finde ich ganz schlimm, denn das sehe ich in erster Linie als grundlegende Aufgabe der Schule an.

LG
Simone
Als Ergänzung:
Meine gesamte Familie ist nicht neurotypisch.
Wir hinterfragen Aufgabenstellungen in einer Weise, die so gar nicht alterstypisch ist, folglich passt auch die allgemeine Erklärung für uns nicht.
Das hat in dem Sinne auch nichts mit Inklusion zu tun, sondern erfordert ein ganz tiefes empathisches Verständnis von Denkmustern.
Das kann ich im Rahmen von Regelschule und neurotypischem Lehrpersonal einfach nicht erwarten.

Als Beispiel:
Mein Sohn muss verstehen, warum er eine Aufgabe lösen soll. Ergibt die in seinem Weltbild keinen Sinn, verweigert er.
Das bedeutet, dass ich ihm (3. Klässler) Grammatik und die dazugehörigen Aufgaben häufig auf dem theoretischem Niveau der 7. Klasse erkläre, damit er versteht, was das Lernziel ist.

Ähnlich ist es auch mit Lerntechniken zur Strukturierung. Das wird zwar immer wieder angerissen, aber eben noch nicht vertieft.
Bei der Schullektüre habe ich ihm dann schon mal gezeigt, wie man für eine Inhaltangabe Text markieren und strukturieren kann.
Im Deutschbuch kommen solche Techniken immer mal wieder vor, werden aber leider nicht regelmäßig wiederholt.
Gerade Inhaltsangaben und Strukturierung könnte man an fast jedem Text üben. Das ist aber nicht vorgesehen.

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

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