Muss in BW ein ärztliches Attest vorliegen für Homeschooling?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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JasminsMama
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Muss in BW ein ärztliches Attest vorliegen für Homeschooling?

Beitrag von JasminsMama »

Hallo zusammen,
bei uns ist heute (eigentlich) der 1. Schultag, aber mein Kind liegt heulend im Bett. :?

Sie hat schon das ganze WE schlecht geschlafen und auf Rückfrage gesagt, sie freue sich auf die Schule habe aber total Angst sich jetzt nach den Ferien mit Corona anzustecken und dann womöglich meinen LG, der Hochrisikopatient ist, anzustecken.

Heute morgen kam dann das schon befürchtete Drama, Kind kann auf keinen Fall aufstehen und zur Schule gehen.

Ich habe die Schule dann kontaktiert, das Kind für heute entschuldigt und gefragt, ob man notfalls für 14-Tage, bis das Risiko, dass einer der Mitschüler sich im Urlaub mit Corona infiziert hat,
geringer ist, auf Homeschooling umstellen könnte... Tja, Rückmeldung der Schulleitung, dass wir ein ärztliches Attest benötigen. Klar, wie sollte es anders sein... :evil: unser Hausarzt ist seit Freitag für 14 Tage in Urlaub und der Vertretungsarzt schreibt so ein Attest nicht.

Was nun? Kann die Schule auf ein ärztliches Attest bestehen? Wahrscheinlich schon oder?

Es geht ja auch nicht darum, dass das Kind Risikopatient ist, sondern mein LG. Könnte seine Hausärztin da evtl. was schreiben?

Ich bin etwas ratlos. Ich kann ihre Sorge verstehen, (nicht alle an ihrer Schule können verlässlich Maske tragen, vom Abstand ganz zu schweigen) will sie auch ernst nehmen, aber ich kann ja kein ärztliches Attest aus dem Ärmel schütteln.

Habt Ihr eine Idee?

Danke schon mal für Euren Input.

LG
Sandra
Sandra 06/76
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JanaSnow
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Re: Muss in BW ein ärztliches Attest vorliegen für Homeschooling?

Beitrag von JanaSnow »

Hallo Sandra,

für Kinder, die Risikopatienten sind, gibt es in BadenWürttemberg gemäß Information des Kultusministeriums KEINE Attestpflicht. (Stand 20.08.2020 gültig ab 14.09.2020).
Zu Mitbewohnernm von Risikopatienten habe ich dies gefunden:

Zitat: (Quelle: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/se ... ikogruppe/ )
Lehrkräfte können sich präventiv von der Präsenzpflicht an ihrer Dienststelle entbinden lassen. Sie dürfen aber freiwillig präsent sein. Schülerinnen und Schüler mit relevanten Vorerkrankungen müssen nicht in die Schule kommen. Das gilt auch, wenn ihre Eltern, Geschwister oder weitere im Haushalt lebende Personen betroffen sind. Erziehungsberechtigte können darüber entscheiden und dies den Schulen melden.Zitatende.

Hört sich für mich nicht nach Attestpflicht an.
Dennoch würde ich tatsächlich Deinen Lebensgefährten damit beauftragen, dass er sich für Deine Tochter von seinem Arzt ein entsprechendes Schreiben ausstellen lässt. Der Kinderarzt kann dazu ja tatsächlich nichts sagen.
Wenn die Hausärztin Deines Lebensgefährten keine Notwendigkeit sieht, dass Deine Tochter nicht in die Schule geht, kann sie vielleicht auch dem Kind die Sorge nehmen. Und wenn die Notwendigkeit da ist, wird sie aus meiner Sicht ein solches Schreiben besser erstellen können, als der Kinderarzt.

Ich würde mir ein Schreiben ausstellen lassen - alleine um Klarheit zu dokumentieren.

Alles Gute für Euch
Liebe Grüße Jana

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JasminsMama
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Re: Muss in BW ein ärztliches Attest vorliegen für Homeschooling?

Beitrag von JasminsMama »

Hallo Jana,

vielen Dank für Deine Antwort. Dein Link bzw. das Zitat haben mir schon sehr weitergeholfen.

LG
Sandra
Sandra 06/76
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JanaSnow
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Re: Muss in BW ein ärztliches Attest vorliegen für Homeschooling?

Beitrag von JanaSnow »

Noch dazu:

FAQs des Kultusministeriums:

https://km-bw.de/,Lde/Startseite/Ablage ... en/7166142



Kann ich mein Kind vom Unterricht befreien lassen?


Eltern, die nicht wollen, dass ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt, können dies der Schule weiter formlos anzeigen. Eltern können ihr Kind ebenfalls aufgrund einer relevanten Vorerkrankung unbürokratisch von der Teilnahme am Unterricht entschuldigen. Eine Attestpflicht für Schüler besteht nicht. Die Schülerinnen und Schüler müssen dann am Fernunterricht teilnehmen.

(Stand: 7. August 2020)

Dine07
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Re: Muss in BW ein ärztliches Attest vorliegen für Homeschooling?

Beitrag von Dine07 »

Nimm doch Kontakt zum zuständigen Schulamt auf. Die können es dir schriftlich bestätigen, dass du momentan kein Attest benötigst.
Liebe Grüße, Dine

JanaSnow
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Re: Muss in BW ein ärztliches Attest vorliegen für Homeschooling?

Beitrag von JanaSnow »

Hallo,

ich gebe zu, ICH würde mir gut überlegen, ob ich auf mein Recht beharre, oder einen Mittelweg gehe. Gleich zu Beginn des neuen Schuljahres ist es aus meiner Sicht manchmal besser, seine Rechte zwar zu kennen, aber sie nicht unbedingt auszuspielen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Die Reaktion, die dann seitens der Schule folgen könnte - nämlich künftig völlig stur sein - kann eventuell recht unangenehm werden.
ABER: Vielleicht ist auch der von Dine vorgeschlagene Weg der, der bei Euch besser passt. Das kannst Du sicher selbst am besten einschätzen. Ich wollte nur loswerden, dass ICH es erst einmal im Guten versuchen würde, ohne JETZT gleich das Schulamt einzubinden.

Liebe Grüße
Jana

Anne-Katharina
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Re: Muss in BW ein ärztliches Attest vorliegen für Homeschooling?

Beitrag von Anne-Katharina »

Hallo!
Meine Antwort bezieht sich jetzt nicht richtig auf deine Frage, aber es ist ein Gedanke.
Wäre es nicht besser, deiner Tochter die Angst zu nehmen, als diese durch ein Attest zu unterstützen?
Die Sorge vor Corona kann ich verstehen, aber sie oder du könnt euch doch auch in der Stadt, bei Freunden, etc. anstecken. Niemand kann sicher sein es nicht zu haben. Bleibt ihr nur zuhause, trefft ihr niemanden?
Ich selbst bin in mehrfacher Hinsicht Risikopatient, bin vorsichtig, nehme Immunsuppressiva und arbeite inzwischen wieder im Krankenhaus, aber Kontakte gänzlich vermeiden geht doch auch nicht. Auch nach 2 Wochen Unterricht können Mitschüler oder Lehrer sich irgendwo infiziert haben ohne davon zu wissen.
Mit Corona müssen wir noch lange leben müssen.
Nachdenklichen Gruß
Anne-Katharina
Zustand nach Pankreatitis, Meningitis und 15 OP´s, Multiple Sklerose

HeikeLeo
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Re: Muss in BW ein ärztliches Attest vorliegen für Homeschooling?

Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Jasmin,

ich habe der Schule meines Sohnes schon am Freitag mitgeteilt, dass er von zu Hause aus mitlernen wird.

Die Schule hat sich sehr überrascht gezeigt und hat natürlich keinen Plan. Bei uns geht es aber ganz sicher nicht anders. Die Schule wird es schon noch lernen.
Ich denke, bei Euch geht es auch nicht anders.

Also teile der Schule ganz freundlich mit, dass es leider so ist, dass Ihr von dem Recht, zu Hause mitzulernen, Gebrauch machen müsst und Ihr hofft, dass Eurer Tochter dadurch keine Nachteile entstehen. Das steht auch irgendwo in einem der Papiere des Kultutministeriums, ich meine zum Thema Distanzunterricht.

Liebe Grüße
Heike

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JasminsMama
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Re: Muss in BW ein ärztliches Attest vorliegen für Homeschooling?

Beitrag von JasminsMama »

Danke für Eure Antworten. Ich habe jetzt, nach einem langen Familiengespräch, die Schule um vorerst 14 Tage Homeschooling gebeten, den Link mitgeschickt und mitgeteilt, dass ich davon ausgehe, dass meine Entschuldigung bzw. Mitteilung, dass das Kind Homeschooling machen soll reicht, mal sehen was da kommt.

Das Schulamt möchte ich ungern einschalten, ich habe ein sehr gutes Verhältnis zur Schulleitung.

Wegen der steigenden Zahlen sind wir der Meinung, dass an einer Schule, an der nicht alle zuverlässig Maske tragen und Abstand halten können, zur Zeit ein zu hohes Risiko des Ansteckens besteht.

@Anne-Katharina: Du hast natürlich Recht und man sollte es nicht übertreiben mit der Vorsicht, aber die 14 Tage nach den Ferien, in denen das Risiko, dass jemand das Virus aus dem Urlaub mitgebracht hat am höchsten ist, würden wir gerne mit dem Homeschooling überbrücken.

Tatsächlich ist es so, dass mein Kind weder in die Stadt geht, noch sich groß mit Freunden trifft. Außer mit Freunden der Familie mit Abstand und wenn möglich draußen. Sie ist zu Hause, mal beim Einkaufen dabei oder mit der Familie unterwegs, d.h. das Ansteckungsrisiko ist wirklich in der Schule am größten.

Mir ist klar, das auch die 14 Tage kein Allheilmittel sind und wenn die Zahlen noch höher steigen werden wir auch überlegen noch länger ins Homeschooling zu gehen.

LG
Sandra
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Sheila0505
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Re: Muss in BW ein ärztliches Attest vorliegen für Homeschooling?

Beitrag von Sheila0505 »

Hallo, wir sind aus Bayern daher könnte ich auch nur googeln. Aber ich habe mir folgendes gedacht, was dir vllt per se als Gedankenanstoß weiterhilft:

Ihr habt einen Cov19- Hochrisikobürger in der Familie/im Haushalt und
- ja, das Ansteckungsrisiko ist nach Einschätzung der BRD (Bund & Länder) durch die vielen Urlaubsrückkehrer derzeit erhöht
- die ersten 2 Schulwochen zählen hierbei als besonders heikel und wird beobachtet, punktuell wurden/werden sogar Maßnahmen und Hygienepläne verschärft
- ja, in eurer Schule ist davon auszugehen, dass sich einige Schüler/innen nicht an die Vorgaben halten können

Schlussfolgerung: dein Kind hat recht (ihr argumentiert ja nun auch mit ihren Argumenten) , dennoch hättet ihr sie geschickt und erst nachdem sie sich wehrt und weint, gibt ihr nach und ruft die Schule an.



Nur falls ihr der Schule den Ablauf auch so erzählt habt:
Der Schule hier zu erklären dass das Kind weint und partout nicht gehen will und die Argumente aufzählen finde ich schwierig. Denn erstens sollte ein Kind diese Last gar nicht tragen und zweitens kann sich die Schule denken: na von den Eltern aus wäre das Kind gegangen.

Also beim ersten Anruf an die Schule hätte ich das Gemüt des Kindes außen vor gelassen, denn bei der Aussetzung der Präsenzpflicht im Einzelfall geht es glasklar darum, Hochrisikokinder oder Familienangehörige präventiv zu schützen.
Also in dem Moment in welchem ihr die Schule diesbzgl kontaktiert, solltet ihr als Eltern eure Einschätzung/Überzeugung hervorheben. Denn anders kommt es ein wenig so rüber: nun ja, von aus wäre sie ja gegangen, aber..

Verstehst wie ich meine? Ich selbst bin in sowas nicht so gut, ich denke mir (bei mir selbst) oft erst im Nachinein beim reflektieren dass es anders vllt besser gewesen wäre.
Aber Ihr bzw deine Kleine ist ja im Recht und wenn sich nach den 14 Tagen ein übersichtlicheres Infektionsgeschehen nachvollziehen lässt, dann kann man ja weiterschauen und dem Kind erklären. Wichtig fände ich es, mein Kind etwas zu stärken was das Thema angeht. Wir sind nicht schutzlos, wir haben bspw AHA Regeln welche dem Virus Einhalt gebieten. Man weiß schon mehr über das Virus, die Behandlung wird besser, weil die Ärzte dazu lernen. Und nicht jeder Hochrisikobürger erkrankt automatisch an COVID-19, das Risiko ist halt erhöht wie bei vielen anderen bekannten Viren auch.
Gespräche zur Stärkung fände ich ganz wichtig wenn ich von der Reaktion eurer Kleinen lese, denn es liest sich schon etwas traumatisiert von der Angst.

LG und ich wünsche euch alles Gute + dass ihr eure Tochter ohne Probleme daheim lassen könnt

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