Nebenwirkungen Concerta /Verhalten

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

Antworten
silkemausk
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 59
Registriert: 08.03.2013, 19:56
Wohnort: bei Hamburg

Nebenwirkungen Concerta /Verhalten

Beitrag von silkemausk »

Hallo Ihr Lieben,

ich benötige dringend Hilfe.
Mein Sohn bekommt seit einigen Monaten Concerta (bzw. ein wirkstoffgleiches Medikament).
Sein Verhalten mir gegenüber wird immer schlimmer. Es hat sicherlich vielfältige Gründe.
Aber ich frage mich, ob es durch das Medikament zusätzlich getriggert wird.

Er ist unverschämt, beleidigend, nimmt keine Hilfe von mir an, lehnt mich im Grund völlig ab. Meint er ist "Chef", muss sich von mir gar nichts sagen lassen. Ist nicht mal mehr in der Lage, Denkanstöße anzunehmen und selbst die Entscheidung zu treffen. Es ist alles nur anti Mutter. Wirkt sich in der Schule aber auch aus. Er ist sicher mit der neuen Schulsituation (5. Klasse Gemeinschaftsschule) überfordert und eventuell auch mit dem Umstand, dass ich über 5 Jahre nach der Trennung von seinem Vater seit 2 Monaten einen neuen Freund habe.

Bei der behandelnden Ärztin konnte ich noch nicht nachfragen.

Die häusliche Situation ist inzwischen so dramatisch, dass ich überlege, dass Kind in Obhut des Jugendamtes zu geben.

Ich bin psychisch am ende (das spürt das Kind natürlich auch) und warte auf die Aufnahme in eine Tagesklinik.

Der große Bruder leidet inzwischen auch extrem.


Trotzdem möchte ich nichts unversucht lassen, meinem Kind zu helfen. Er redet leider bisher mit niemandem über seine Gefühle und Erlebnisse.
Ich traue dem System Jugendhilfe leider nicht. Fürchte, dass mein Kind mehr Schäden als Nutzen aus eine Herausnahme aus der Familie erleidet. Trotzdem muss ich natürlich nun auch mein Leben und das meines anderen Sohnes sichern , sonst reißt der Kleine uns alle mit.
Vielleicht habt Ihr eine Idee?


Lieben Dank
Silke

(Achso, ist Schleswig-Holstein)
Silke *1970, Z.n. Hinterwandinfarkt 2017, BurnOut 2016
N. *2005, möglicherweise hochbegabt und aktuell Pupertier
L. *2009, ADHS

SandyErgo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 537
Registriert: 07.09.2017, 13:18

Re: Nebenwirkungen Concerta /Verhalten

Beitrag von SandyErgo »

Hi!

Davon abgesehen, dass das Verhalten deines Junior heftig ist - könnte da zusätzlich auch das Thema Pubertät eine Rolle mit spielen??

Das Verhalten meines Sohnes - ebenfalls 2009 geb - hat sich in den letzten Monaten nicht unbedingt zum besseren gewandelt. Bei ihm sind aber auch schon erste körperliche Anzeichen der Pubertät sichtbar (Haarwuchs im Intimbereich, ...).
Mein Sohn bekommt sein Ritalin seit jetzt 4 Jahren in unveränderter Dosis. Seine "Verhaltensänderungen" treten bislang aber nur im häuslichen Umfeld auf und auch erst seit ein paar Monaten - sowohl in der Kur als auch vor den Ferien wurde er mir als das liebste und höflichste Kind beschrieben, nur das die Konzentration nicht mehr so gut ist wie sie schon mal war (Schule). Deshalb gehe ich nicht unbedingt davon aus, dass das Verhalten im häuslichen Umfeld eine "Nebenwirkung" des Medikaments ist - sonst müsste er ja überall so drauf sein. Über eine Dosisanpassung, wegen der konzentrativen Verschlechterung werde ich mit der Ärztin aber noch sprechen.

Und gerade Selbstbestimmung und oppositionelles Verhalten passt ja eigentlich zur Pubertät. Und wenn dann noch andere Aspekte - wie bei euch Schulwechsel und familiäre Veränderungen hinzukommen > könnte das im Zusammenspiel mit der Pubertät schon zu so heftigem Verhalten führen.

Eine Lösung kann ich dir aber auch nicht nennen.
Wäre denn das Thema Tagesklinik nicht auch eine Option für deinen Sohn - das er dort "lernt", sein Verhalten in den Griff zu bekommen. Denn wenn es wirklich pubertär bedingt sein sollte - weiß ich nicht, ob das Thema Herausnahme aus der Familie das Optimale wäre. Kurzfristig natürlich schon - um dir eine Möglichkeit der Regeneration zu bieten.

LG
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

Anjali
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3147
Registriert: 15.02.2008, 11:15

Re: Nebenwirkungen Concerta /Verhalten

Beitrag von Anjali »

Hallo Silke,

welche Unterstützung erhält dein Sohn denn bei seinen Problemen?

Muss er in der Schule z.B. „alleine“ durch alle Unsicherheiten? Hat er z.B. eine Schulbegleitung?

Er hält er therapeutische Unterstützung? Z.B. Eine Verhaltenstherapie?

Erhälst du im Umgang mit seinen herausfordernden Verhaltensweisen irgendwelche Unterstützung/Beratung?

Gäbe es irgendeine andere Bezugsperson als Dich, der er sich evtl. anvertrauen könnte, wenn er denn wollte?

Das sind Fragen, die sich mir als Außenstehender stellen und Die du nicht beantworten brauchst.


Aber ehrlich gesagt denke, ich, dass eine Obhutnahme durch das Jugendamt wegen solcher Verhaltensweisen, wie oben beschrieben (Respektlosigkeit, Nicht-Hörenwollen, Keine-Hilfe-Annehmen) eigentlich eine etwas voreilige und unverhältnismäßige Reaktion wäre. Zumindest, wenn alle anderen Optionen noch nicht ausgeschöpft wurden.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (19 Jahre / Asperger-Autist)

Anjali
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3147
Registriert: 15.02.2008, 11:15

Re: Nebenwirkungen Concerta /Verhalten

Beitrag von Anjali »

Hallo Silke,

welche Unterstützung erhält dein Sohn denn bei seinen Problemen?

Muss er in der Schule z.B. „alleine“ durch alle Unsicherheiten? Hat er z.B. eine Schulbegleitung?

Er hält er therapeutische Unterstützung? Z.B. Eine Verhaltenstherapie?

Erhälst du im Umgang mit seinen herausfordernden Verhaltensweisen irgendwelche Unterstützung/Beratung?

Gäbe es irgendeine andere Bezugsperson als Dich, der er sich evtl. anvertrauen könnte, wenn er denn wollte?

Fehlt vielleicht der Vater als männliche Bezugsperson? Falls ja, könnte da ein „Ersatz“ (Trainer, Therapeut, Lehrer, Freund der Familie) gefunden werden?

Das sind Fragen, die sich mir als Außenstehender stellen und Die du nicht beantworten brauchst.


Aber ehrlich gesagt denke, ich, dass eine Obhutnahme durch das Jugendamt wegen solcher Verhaltensweisen, wie oben beschrieben (Respektlosigkeit, Nicht-Hörenwollen, Keine-Hilfe-Annehmen) eigentlich eine etwas voreilige und unverhältnismäßige Reaktion wäre. Zumindest, wenn alle anderen Optionen noch nicht ausgeschöpft wurden.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (19 Jahre / Asperger-Autist)

Anjali
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3147
Registriert: 15.02.2008, 11:15

Re: Nebenwirkungen Concerta /Verhalten

Beitrag von Anjali »

...sorry, habe versehentlich doppelt gepostet, dabei wollte ich nur noch eine Ergänzung hinzufügen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (19 Jahre / Asperger-Autist)

JohannaG
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2474
Registriert: 03.07.2013, 21:33
Wohnort: Bayern

Re: Nebenwirkungen Concerta /Verhalten

Beitrag von JohannaG »

Hallo,
ich hab hier auch so einen Kandidaten. Der wurde ebenfalls im 5. Schuljahr so extrem, dass ich kurz davor war, ihn in die Psychiatrie zu bringen. Auch Jugendamt und Herausnahme aus der Familie hab ich erwogen. Davon abgehalten hat mich allerdings die Furcht, dass er das als Zurückweisung empfinden würde und dann noch extremer werden könnte (er ist Adoptivkind). Nach langem inneren Ringen nimmt er seit gut einem Jahr zusätzlich zu MPH noch Risperidon, um die Aggressionen in Schach zu halten. Das war für uns ein Segen: Er kann durchaus immer noch Emotionen ausdrücken, aber er wird nicht mehr so extrem. Und noch wichtiger: Er war MIT dieser Medikation endlich bereit und willens, eine Therapie anzufangen und tatsächlich auch mit zu machen. Jetzt lebt es sich ganz ok mit ihm, für unsere Verhältnisse jedenfalls.
Ich weiß: Noch ein Medikament dazu ist nicht toll. Aber anders hätte ich ihn nicht in der Familie halten können, und ich bezweifle, dass das für ihn besser gewesen wäre. So ab ich die berechtigte Hoffnung, dass wir dieses Medikament in einer Weile dann auch wieder absetzen können - aber in aller Ruhe, bis er selber mehr gelernt hat, sich im Griff zu haben.
Vielleicht ist das ein Gedanke...
Liebe Grüße und gute Nerven!
Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

silkemausk
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 59
Registriert: 08.03.2013, 19:56
Wohnort: bei Hamburg

Re: Nebenwirkungen Concerta /Verhalten

Beitrag von silkemausk »

Danke Ihr lieben.

Nein, er erhält keine Therapie, weil er ja in Gesprächen mit Ärztin, Sozialpädagogik etc nie etwas sagt.
Das ist die Begründung der Ärztin bisher gewesen, ihn nicht in die Therapie zu schicken. Nun ist er auf der Warteliste.....

Er ist noch nicht besonders körperlich entwickelt, kann aber natürlich trotzdem sein mit Pubertät.

Tagesklinik habe ich ihn heute angemeldet.
1. Gespräch am 21.9./ Aufnahme???

Wegen der Medikamente nehme ich morgen Kontakt mit der Ärztin auf.

Erziehungsbeistand stellt sich nächste Woche vor.
Ein Mann, vielleicht ist er dann eher bereit zu reden.
Ja Vater fehlt. Der nimmt ihn mit Glück alle 4 Wochen 2 Tage und da ist meist noch die Freundin des Vaters in die Betreuung eingebunden.

Bisher ist er sehr ablehnend wenn es heisst, Arzt, Therapie und ähnliches. Insoweit auch die Frage, wieweit er sich überhaupt auf das erlernen von Verhaltensweisen einlassen kann.

Schulbegleitung hat er nicht. In der Grundschule ging es, bzw hat die Schule alles versucht, damit die bloss nicht zuviel Initiative zeigen musste für das Kind.....
Ist jetzt thematisiert mit der Familienhilfe

Aber die Bürokratie ist ja eine Hürde..... Ich habe keine Kraft mehr, alles zu regeln und überall hinterher zu sein.

Er hatte Ergotherapie bis Ostern, da hat er sich gut gemacht
Bei allem was 1:1 geht, klappt es gut.
Therapeutisches Reiten auch.

Er bekommt Mathe nachhilfe seit Anfang Juni.
Auch da nur 3 Personen. Klappt gut.
Laut Nachhilfe Lehrer ist er sehr intelligent, aber er bekommt seine Energie nicht unter Kontrolle und der Grad zwischen unter und überforderung und dann komplett verweigern ist minimal.

Ich habe habe auch die Sorge, dass er sich dann endgültig abgelehnt und minderwertig fühlt, wenn er woanders untergebracht wird.

Es mahlen auch bei diesem Thema die Mühlen der Bürokratie sehr sehr langsam.

Also muss ich jetzt irgendwie mit ihm klar kommen.

Nur das geht zur Zeit einfach gar nicht.

Sorry, ist etwas durcheinander und lang.
Der Tag war wieder extrem.

Danke nochmal.
Mal schauen, was die Ärztin morgen sagt.

Schönen Abend
Silke *1970, Z.n. Hinterwandinfarkt 2017, BurnOut 2016
N. *2005, möglicherweise hochbegabt und aktuell Pupertier
L. *2009, ADHS

silkemausk
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 59
Registriert: 08.03.2013, 19:56
Wohnort: bei Hamburg

Re: Nebenwirkungen Concerta /Verhalten

Beitrag von silkemausk »

Achso,
Die ganzen Therapien (Ergo, reiten, Nachhilfe) liefen und laufen nur durch meine Initiative, andere Stellen sahen nie Bedarf.
Ich bezahle es vom Pflegegeld.

Silke
Silke *1970, Z.n. Hinterwandinfarkt 2017, BurnOut 2016
N. *2005, möglicherweise hochbegabt und aktuell Pupertier
L. *2009, ADHS

Antworten

Zurück zu „Krankheitsbilder - ADS/ADHS“