Wort- bzw. Satzfindungsstörung durch ADHS?

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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Silvia15
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Wort- bzw. Satzfindungsstörung durch ADHS?

Beitrag von Silvia15 »

Hallo,

mein Maximi hat neben der Asperger Diagnose auch die Verdachtsdiagnose ADHS.

Er ist sprachlich gut entwickelt und kann wenn er will sehr gut reden. Er hat auch einen eher altersgemäß überdurchschnittlichen Wortschatz.

Allerdings sind mir bei ihm die letzte Zeit des öfteren (nicht immer, aktuell eher gelegentlich) Wortfindungsstörungen aufgefallen. Wie als wenn die Platte hängen bleibt, wiederholt er plötzlich im Sstz das letzte bzw die letzten Worte mehrfach und schafft es dann auch nicht den Satz zu beenden und hört dann einfach auf zu sprechen.

Er wirkt dabei sehr angestrengt, ruhig und eher abwesend.

Die Damen von der Autismus Beratungsstelle hat gemeint das würde gut zu ADHS passen. Jetzt meine Frage kennt das Verhalten jemand. Ich glaube es ist für meinen Maximi sehr belastend, weil er trotz guter Sprachentwicklung dennoch auch so probleme in der Kommunikation hat.

Liebe Grüße
Silvia mit Maximi (Juli 15, F84.5) und Minimi (Mai 17, ein normaler Wirbelwind)

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Alexandra2014
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Re: Wort- bzw. Satzfindungsstörung durch ADHS?

Beitrag von Alexandra2014 »

Hallo Silvia,

ADHS ist bei uns ausgeschlossen, aber mein Kind hat genau das gleiche Problem. Bei uns ist es wohl die Epilepsie. Wenn mein Kind gut eingestellt ist und keine (sichtbaren) Anfälle hat, kommt es kaum zu diesen Aussetzern.

Unabhängig davon, hat mein Kind aber auch autismusbedingt Schwierigkeiten beim Sprechen, wenn man etwas konkret von ihr wissen möchte und sie dabei direkt anschaut. Dann gerät sie auch ins Stocken.
Am besten kann man sich mit ihr abends im Bett unterhalten, wenn sie mir den Rücken zudreht. 😁

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

SandyErgo
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Re: Wort- bzw. Satzfindungsstörung durch ADHS?

Beitrag von SandyErgo »

Hi!

Junior hat schon von Beginn an Wortfindungsstörungen - die sich bei ihm aber so äußern >> wenn ihm ein Wort nicht einfällt, dann kreiert ein neues oder benutzt ein verwandtes oder ähnlich klingendes.
Gleichzeitig hat er aber auch Probleme, Sätze korrekt zu bilden.

Das das evtl. mit seinem ADHS zusammenhängen könnte, wäre mir neu und hat auch noch keiner der "Fachleute" bisher als Möglichkeit genannt. (Auch nicht in der Sprachheilkur - und die müssten es ja wissen :icon_scratch: )

Wobei - wenn er mit seinem Lego/Playmobil spielt > da klappt die Kommunikation der Figuren aber auch fast problemfrei  8) .

LG
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

Anna Kerpen
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Re: Wort- bzw. Satzfindungsstörung durch ADHS?

Beitrag von Anna Kerpen »

Hallo zusammen,

so wie ihr es beschreibt, Alex und Silvia, hat es meine 9j Tochter auch.

Der Grund würde mich auch brennend interessieren...
Ich tippe bei meiner Tochter auf zu viele Sachen/Gedanken auf einmal im Kopft... Ich glaube, sie spricht gerade den Satz und hat dabei schon gleichzeitig neue/anderen Gedanken, denen sie nachhängt...

Sie hat ASS und AD(H)S...
Ich glaube, die Mischung aus beidem ist dafür verantwortlich... Wir warten gerade auf einen Termin beim Kinderpsychiater zwecks Beratung Medikation...

Vielleicht liest jemand mit, bei dem dieses Problem unter der Gabe der üblichen AD(H)S-Medikamente besser wurde? Oder unverändert blieb? Würde mich sehr interessieren...

Epilepsie ist wohl ausgeschlossen... Hmmm... Wir beobachten nichts in die Richtung und die letzten (Schlafentzugs)EEGs waren unauffällig... wobei sie tatsächlich bei dem letzten leider nicht einschlief... Aber die Neurologin ist sich sehr sicher, dass keine Epilepsie vorliegt... Da muss ich jetzt einfach mal drauf vertrauen... :?

LG

Anna
Lexi (2010), kombinierte Entwicklungsstörung, Autismus-Spektrum-Störung, V.a. AWVS
Leni (2013), Z.n. West-Syndrom (anfallsfrei), kombinierte Entwicklungsstörung

Bika
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Re: Wort- bzw. Satzfindungsstörung durch ADHS?

Beitrag von Bika »

Anna Kerpen hat geschrieben:
08.09.2020, 13:54

Vielleicht liest jemand mit, bei dem dieses Problem unter der Gabe der üblichen AD(H)S-Medikamente besser wurde? Oder unverändert blieb? Würde mich sehr interessieren...

LG

Anna
Ja, bei meiner Tochter ( ADS, mittlerweile 16) ist die Wirkung von Methylphenidat am deutlichsten über ihr Kommunikationsverhalten spürbar.
Ihr Sprachverständnis war immer sehr weit über dem Durchschnitt ausgeprägt, ihre Verarbeitungsgeschwindigkeit unterdurchschnittlich.
Ohne Medikamente spricht sie langsamer, macht teilweise grammatikalische Fehler und hat partielle Wortfindungsstörungen ( alles allerdings sehr milde ausgeprägt und für sich genommen noch nicht behandlungsbedürftig).

Das liegt aber nicht daran, dass ihre Denkprozesse an sich zu langsam sind, sondern daran, dass zu viele Informationen auf einmal ihr Hirn fluten.

Mit Medikamenten hat sie vollen Zugrif auf ihr rhetorisches Talent ( sie liebt den verbalen Diskurs über alles) ist fokussiert und strukturiert in ihrem Gesprächsfluss.

Sie hatte es in der 9. Klasse bis ins Landesfinale von “Jugend debattiert“ geschafft und möchte es dieses Schuljahr unbedingt bis in die Bundesrunde schaffen.

Allerdings ist das wirklich nur und ausschließlich mit dem Einsatz von Psychopharmaka möglich und das beunruhigt mich als Mutter.

Wir haben gerade einen langen Auslassversuch hinter uns, meine Tochter hat sich entschieden, nun doch wieder Medikamente zu nehmen, da sie der Unterricht in der Oberstufe ( G8) sonst zuviel Kraft kostet.
Ohne Medikation kam sie absolut erschöpft von der Schule nach Hause, mit Medikation ist sie nahezu grundentspannt.

Ich war dennoch dagegen. Mein unendlich liebenswertes und vertorftes Chaoskind mit ( vermeintlich) langer Leitung habe ich nun wieder hergeben müssen und ganz tief in mir schrillen leise die Alarmglocken.

LG

JohannaG
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Re: Wort- bzw. Satzfindungsstörung durch ADHS?

Beitrag von JohannaG »

Hallo,
von meiner großen Tochter kenne ich das. Über lange Zeit konnte sie gar nicht zusammenhängend erzählen, es fällt ihr auch jetzt noch sehr schwer. Oft hat sie Wörter "vergessen", die sie eigentlich kennt. Viel, viel Training und Logopädie und Medikation haben geholfen. Ob sie ihre Medis genommen hat oder nicht merkt man ganz schnell an der Kommunikation...

LG Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

melly210
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Re: Wort- bzw. Satzfindungsstörung durch ADHS?

Beitrag von melly210 »

Ich kenne das von meinem Sohn auch. Er ist 5,5, hat für sein Alter ein exzellentes Sprachverständnis und einen überdurchschnittlich großen Wortschatz. Trotzdem macht er teilweise Grammatikfehler, und hat Probleme Sätze zu formulieren. Er fängt dann einen Satz an, hört mitten drin auf, und sagt dann das was er sagen wollte umformuliert. Also quasi, wenn ers auf eine Art nicht sagen kann, sagt ers anders. Mitunter brauchts auch mal 3 Anläufe. Das passiert ihm allerdings nur wenn er sehr aufgeregt ist oder was komplexes erzählen möchte. Langsam redet er nicht, eher ohne Punkt und Komma :lol:
Ich hatte das bisher eigentlich eher in Richtung seiner Dyspraxie geschoben. Motorische Dyspraxie hat er ja verbrieft und deutlich (obwohl sowohl schwimmen als auch radfahren lustigerweise komplett problemlos klappt). Bei der Handlungsplanung teilweise leicht, wahrscheinlich nicht genug um zu sagen er hätte ideatorische Dyspraxie, aber man merkt schon daß es ihn mehr Anstrengung kostet kreativ und abwechslungsreich zu spielen als ein gesundes Kind. Und ich hatte angenommen, dieses Satzfindungsproblem in komplexen Situationen wäre halt auch vielleicht ein Ausruck davon. AD(H)Sler und Autisten haben ja auch zusätzlich oft Dyspraxie in unterschiedlicher Ausprägung, würde also schon auch dazu passen ?
Söhnchen (02/2015) mit motorischer Dyspraxie und Wahrnehmungsstörungen

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Alexandra2014
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Re: Wort- bzw. Satzfindungsstörung durch ADHS?

Beitrag von Alexandra2014 »

melly210 hat geschrieben:
08.09.2020, 21:13
Ich kenne das von meinem Sohn auch. Er ist 5,5, hat für sein Alter ein exzellentes Sprachverständnis und einen überdurchschnittlich großen Wortschatz. Trotzdem macht er teilweise Grammatikfehler, und hat Probleme Sätze zu formulieren. Er fängt dann einen Satz an, hört mitten drin auf, und sagt dann das was er sagen wollte umformuliert. Also quasi, wenn ers auf eine Art nicht sagen kann, sagt ers anders. Mitunter brauchts auch mal 3 Anläufe. Das passiert ihm allerdings nur wenn er sehr aufgeregt ist oder was komplexes erzählen möchte. Langsam redet er nicht, eher ohne Punkt und Komma :lol:
Ich hatte das bisher eigentlich eher in Richtung seiner Dyspraxie geschoben. Motorische Dyspraxie hat er ja verbrieft und deutlich (obwohl sowohl schwimmen als auch radfahren lustigerweise komplett problemlos klappt). Bei der Handlungsplanung teilweise leicht, wahrscheinlich nicht genug um zu sagen er hätte ideatorische Dyspraxie, aber man merkt schon daß es ihn mehr Anstrengung kostet kreativ und abwechslungsreich zu spielen als ein gesundes Kind. Und ich hatte angenommen, dieses Satzfindungsproblem in komplexen Situationen wäre halt auch vielleicht ein Ausruck davon. AD(H)Sler und Autisten haben ja auch zusätzlich oft Dyspraxie in unterschiedlicher Ausprägung, würde also schon auch dazu passen ?
Mein Kind hat ja auch eine diagnostizierte verbale Dyspraxie. Man sieht aber dennoch, dass es sprachlich deutlich besser wird, wenn Kind gut medikamentös eingestellt ist.
Die Ursachen der verbalen Dyspraxie sind ja auch noch nicht geklärt und können vielfältig sein.
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Sybille11
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Re: Wort- bzw. Satzfindungsstörung durch ADHS?

Beitrag von Sybille11 »

Hallo,
bei meinem Großen (AdhS) konnte ich das nicht beobachten. Lediglich, dass er spät angefangen hat zu sprechen.
Beim Kleinen (ADS) ist mir schon im Kindergarten aufgefallen, dass er sehr lange braucht, um zu formulieren.... dabei häufig den Faden verliert. Leider hört ihm oft schon niemand mehr zu, weil das alles so lange dauert und verworren wird. :?
Er ist bei der Arbeitsgeschwindigkeit sehr langsam. Ich hab es immer darauf geschoben. Ein Logopädin. die mit ihm gearbeitet hat, fand es allerdings unaufällig und meinte, dass es daran läge, dass er genau überlege, was und wie er es ausdrücken soll...

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

wenn im Kopf grade viel passiert, die Gedanken nicht linear, sondern kreativ komplex verknüpft „querschiessen“ (was es bei AD(H)S und ASS gerne gibt, genauso aber zb bei HB), dann kommt bei manchen als Output erstmal gar nichts, bei anderen hakt es ständig, oder „die Platte hängt“. Das wäre EINE mögliche Erklärung für das Verhalten. Ich würde mal genau beobachten, ob sie das bei bestimmten Anforderungen (zb bei offenen, bzw für Autisten unklare gestellte Fragen) und/oder in komplexeren sozialen Situationen häuft (nicht 1:1, mit Fremden, in Gruppen, nach längeren Anforderungen, ...).
Verkürzt: Große Komplexität im Kopf, expressive Umsetzung kommt nicht hinterher, Blockade entsteht, Redefluss wird gestört.
Ansonsten kenne ich mich mit Epilepsie nicht aus, würde das aber sehr sorgfältig und nachhaltig abklären lassen, nachdem was ich hier von Wegbegleitern aus dem Forum über die Jahre mitbekomme.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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