Diagnose ADHS - was tun?

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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JennyK
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Diagnose ADHS - was tun?

Beitrag von JennyK »

Hallo,
mein Kleiner wurde letztes Jahr mit Asperger Autismus und Verdacht auf ADHS diagnostiziert. Da es im ersten Schuljahr nicht gut lief, haben wir eine ADHS Diagnostik gemacht und die hat ein eindeutiges Ergebnis gebracht. Nun ist die Überlegung, wie wir mit der Situation umgehen. Beim Großen war es klar, dass er Medikamente bekommt, er hat wahnsinnig gelitten. Die KJP sagte, Arbeitsverweigerung sein ein Punkt, an dem Medikamente angebracht sind. Der Kleine arbeitet in der Schule kaum mit, vor allem schriftliche Arbeiten erledigt er nur, wenn ich neben ihm stehe und intensiv motiviere. Eine Schulbegleitung ist beantragt und bewilligt, ein Träger beauftragt, aber es gibt momentan keine freien Mitarbeiter. Durch Corona würden alle SB, die eigentlich im Sommer auslaufen sollten, bis Herbst verlängert. Die Klassenlehrerin ist als Risikopatientin nicht im Präsenzunterricht, aber im Hintergrund aktiv. Sie macht bisher wenig Druck und will die erste komplette Schulwoche abwarten und sich dann mit dem Vertretungslehrer beraten.
Als ich im Mai im Krankenhaus war, war der Kleine ein paar Tage bei meiner Schwester, die Sonderpädagogin ist. Sie hat mit ihm an den Homeschooling-Aufgaben gearbeitet und hat mir direkt gesagt, dass das schon heftig ist, wie er arbeitet. Sie würde zu Medikamenten raten.
Ich bin etwas unschlüssig, habe mit dem Kleinen darüber geredet und er sagt, dass es ihn schon stört, dass er nicht so gut mitarbeiten kann. Er wurde die Tabletten gerne ausprobieren.
Die KJP hat mir auf meine Frage, was es alternativ oder ergänzend zu Medikamenten gibt, noch Neurofeedback genannt. Da werde ich mich weiter erkundigen, das ein oder andere Gute habe ich davon schon gehört.
Was mich auch zu den Medikamenten hin überlegen lässt, ist das Ergebnis vom WISC IV, in der VG hat er einen Wert von 65, im SV und WLD 125 bzw. 119. Das AG liegt bei 96. Der Große hatte schon große Differenzen zwischen Höchst- und Tiefstwert, aber die vom Kleinen ist nochmal deutlich größer...

Ich glaube, eigentlich habe ich mich schon für einen Versuch mit Medikamenten entschieden, aber ich würde mich freuen, wenn ihr mir noch Möglichkeiten aufzeigt, die ich nicht bedacht habe oder einfach Meinungen und Argumentationen von anderen Betroffenen lesen.

Lieben Dank und ein schönes Wochenende!
JennyK
Sohn 1 (2006), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (2013), Asperger Autismus, ADHS; PG 3; SBA 70 mit B, G, H

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Regina Regenbogen
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Re: Diagnose ADHS - was tun?

Beitrag von Regina Regenbogen »

Wir haben bei unserem Großen die Medikation viel zu lange hinaus gezögert, indem wir fast 2 Jahre nach alternativen Möglichkeiten gesucht haben - er hat daduch wahnsinnig gelitten. Den Fehler haben wir bei unserem Kleinen nicht gemacht WEGEN der guten Erfahrungen, die wir mit der Medikation bei unserem Großen gemacht haben.

Bei unserem Großen haben alle Therapien erst nach erfolgreicher Einstellung auf MPH gegriffen, auch Neurofeedback.

Hör auf dein Bauchgefühl und dein Kind. ;-)
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Bika
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Re: Diagnose ADHS - was tun?

Beitrag von Bika »

Hallo,

Was genau lässt dich zögern?
Das extrem heterogene Leistungsprofil ist schon heftig.
Dein Sohn hat auf seine guten Ressourcen ja kaum Zugriff bei der VG. Im Kopf ein Schnelldenker, der zu lange braucht, um geistige Inhalte in Handlung ( auch in verbale?) umzusetzen.
Der kann sich dann immer schön mit Kindern vergleichen, bei denen eher das Gegenteil der Fall ist:
Zu eher übersichtlicher kognitiver Komplexität befähigt aber blitzschnell ( und wahnsinnig selbstbewusst) alles herausgebrüllt, boah das bringt Spaß und motiviert ungemein. :cry:

Ich würde es versuchen, zumal dein Kind das auch möchte.

Euch alles Gute!

_Marta
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Re: Diagnose ADHS - was tun?

Beitrag von _Marta »

Hallo Jenny,

bei meinem Sohn sieht das Leistungsprofil wie bei deinem aus, lediglich die Differenz ist größer. Anders als du hatte ich keine Erfahrung mit einem anderen Geschwisterkind und war MPH gegenüber sehr skeptisch, vor allem, weil mein Sohn viele "klassische" ADHS-Auffälligkeiten nicht hat. Es gab Spezialisten, die ADHS ausschlossen.

Für den VG-Teil wird viel Auge-Hand-Koordination und Motorik benötigt. Da mein Sohn eine Entwicklungsverzögerung in der Motorik hat, habe ich lange auch auf Förderung und Training in dem Bereich gesetzt. Ich dachte, die Schulverweigerung wird auch dadurch getriggert, dass er mit der Stiftführung so große Probleme hat. In Sachen Motorik hat es gute Fortschritte gebracht. Alles andere hat es nicht beeinflusst.

Im Forum kannst du nachlesen, was wir alles vesucht haben, um ohne Tabletten auszukommen. Wenn ich das im Nachhinein lese: Wahnsinn.

Ich konnte mich erst vor 4 Monaten zu MPH durchringen. In unserem Fall ist das Ergebnis so einschneidend gut, ich bin immer noch ein wenig fassungslos.

Gruß von Marta
Sohn *09/10, Frühgeburt
2018 - F90.0G, F84.1V, F82.1

JennyK
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Re: Diagnose ADHS - was tun?

Beitrag von JennyK »

Danke für eure Antworten!
Ich habe heute die KJP angeschrieben, sie schickt mir die Überweisungen für EEG, EKG und Blutuntersuchung zu. Sobald die Befunde bei ihr sind, bekommen wir einen Termin zur Besprechung der Medikation. Bis das alles durch ist, haben wir ja auch schon eine Rückmeldung der Schule...
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KäthemitA.
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Re: Diagnose ADHS - was tun?

Beitrag von KäthemitA. »

Liebe Jenny,

unser Sohn hat ebenfalls Asperger, zusätzlich wurde nach der Einschulung ein ADS (mir ist schleierhaft, warum ohne "H") diagnostoziert.
Weil es in der Schule (Einschulung 2019) zunächst GAR NICHT geklappt hat, haben wir Medikation ins Auge gefasst und in absprache mit der KJP alle nötigen Untersuchungen absolviert.
Mein Mann und ich hatten lange Diskussionen dewegen, ich war eher pro, mein Mann eher contra Medikation eingestellt.
Bis wir das abschließende Gespräch in mit der KJP hatten, lief es in der Schule mit der passenden THA und einigen Anpassungen von Seiten der Schule deutlich besser.
Die KJP hätte immer noch Medikamente verschrieben, aber unser Sohn hat sich rundheraus geweigert, diese zu nehmen. "Das könnte meine Persönlichkeit verändern und das will ich nicht."

Wir haben jetzt vorerst auf die Medikation verzichtet, ich habe meinem Sohn aber gesagt, dass ich schon erwarte, das er die Medikamente versucht, wenn es in der Schule entweder wegen seines Verhaltens oder wegen der Konzentration überhaupt nicht funktionieren sollte.
Von daher möchte ich Dich ermutigen, es zu wagen, vor allem, wenn Dein Sohn dem Versuch auch postiv gegenüber steht.
Sollten die Medikamente keine Verbesserung bringen, können Sie ja wieder abgesetzt werden.

Liebe Grüße
Käthe
Käthe mit A. *06.13 Asperger Autist

JennyK
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Re: Diagnose ADHS - was tun?

Beitrag von JennyK »

Es hat alles ein bisschen gedauert, aber seit Dienstag nimmt er nun Medikinet retard und ich bin überwältigt... er hat seitdem erstmals Stempel im Verstärkerplan, hat die HA ohne motzen gemacht und ist deutlich ausgeglichener...
Sohn 1 (2006), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
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Fibi
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Re: Diagnose ADHS - was tun?

Beitrag von Fibi »

Hallo Jenny,

kommt mir bekannt vor :wink:

Ich drücke euch die Daumen, dass es weiter besser läuft auch wenn es immer mal Höhen und Tiefen gibt!

VG Fibi
Fibi (*69), Papa(*65) und Sohn (*2002) mit verschiedenen Baustellen, war Intergrativkind an einer RS, jetzt glücklicher Teenie auf Förderschule im Abitur

JennyK
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Re: Diagnose ADHS - was tun?

Beitrag von JennyK »

Nun nimmt er die Medikamente schon einen Monat und es tut ihm richtig gut. Wir haben sie auch in den Ferien durchgängig gegeben und freuen uns, dass er bisher keine Nebenwirkungen hat. Am Montag geht die Schule wieder los, im Laufe der Woche soll dann die Schulbegleitung starten. Leider kann mir keiner sagen, ob ein vorheriges Kennenlernen möglich ist oder wann die SB kommt, da die Leiterin des Trägers in Urlaub ist... Außerdem haben wir noch keinerlei Info darüber, wer die Klasse nach den Ferien unterrichtet. Der Vertretungslehrer hatte gesagt, dass er bis zu den Herbstferien die Klassenleitung übernimmt... ich finde das absolut katastrophal, die Klasse hatte schon vor Corona ständig Vertretungen, wurde aufgeteilt etc... die eigentliche Klassenlehrerin ist als Risikopatientin nicht im Präsenzunterricht, bereitet aber im Hintergrund viel vor und nach. Trotzdem ist es so echt blöd für die Kinder.
Sohn 1 (2006), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (2013), Asperger Autismus, ADHS; PG 3; SBA 70 mit B, G, H

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