Tod erklären

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iko100
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Tod erklären

Beitrag von iko100 »

Guten Abend,
meine Mutter ist seit Mai 2020 im Krankenhaus, wurde mehrfach operiert und verlegt. Das hat sie leider physisch und psychisch nicht gut verkraftet.
Ins Krankenhaus habe ich meine Tochter Katharina (geistig behindert, 21 Jahre alt) nicht mitgenommen. Das ging zum einen nicht wegen der Corona-Regeln, zum anderen hätte es sie sehr erschreckt.
Seit einer Woche ist meine Mutter in der Kurzzeitpflege und wir habe sie gemeinsam besucht. Meine Tochter freute sich, die Oma zu sehen, auch wenn diese sehr schwach war und nicht viel sagte.
Entgegen unseren Hoffnungen hat sich meine Mutter nicht erholt und liegt nun im Sterben. Wie mache ich das meiner Tochter klar, ohne ihr Angst zu machen oder sie zu überfordern?
Leider kann ich auch nicht sagen, inwieweit meine Tochter das Thema versteht. Einerseits erkennt sie manchmal erstaunliche Zusammenhänge, andererseits sagen ihr die einfachsten Spielregeln nichts.
Ergänzen möchte ich noch, dass meine Tochter nicht sprechen kann.
Ich stehe ratlos vor der Situation. Wer hat einen Tipp?
Viele Grüße
Iko
Iris mit Katharina *1999 in Bulgarien, seit 2001 in Deutschland, geistig behindert, keine Sprache, keine Diagnose

Denke nicht so oft an das, was dir fehlt, sondern an das, was du hast.

Beate139
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Re: Tod erklären

Beitrag von Beate139 »

Hallo Iko,

das gleiche Thema hatte ich Anfang des Monats bei meinem 18 Jährigen Sohn auch. Mein Sohn kann sprechen, aber er versteht Zusammenhänge oft nicht. Er ist vorher auch noch nie bewusst mit dem Tod konfrontiert worden. Ich hatte die Mutter meines Freundes auf dem Sterbebett besucht und bin dort geblieben, bis sie hinübergegangen ist. Mein Sohn war zuhause aber ich hatte ihm erzählt, das sie im sterben liegt und das ich dorthin gehe, um mich von ihr zu verabschieden. Wenn ein Mensch im KKH im sterben liegt, können die Angehörigen dorthin, um sich zu verabschieden. Deiner Tochter wäre es also möglich, sie noch einmal zu besuchen. Ich würde an deiner Stelle ganz offen mit ihr darüber reden und es ihr erklären. Und wenn sie möchte, würde ich es ihr ermöglichen, ans Sterbebett zu gehen. Mein Sohn wollte es nicht, aber er wollte mit auf die Beerdigung. Ich habe ihm vorher erzählt, was auf der Beerdigung gemacht wird und das sicherliche viele dort weinen werden. So habe ich ihm die Angst vor etwas Unbekanntem genommen. Er konnte nicht ganz mit ans Grab, da die Mutter gerne unter einem Baum begraben werden wollte und es dorthin nur über eine Wiese ging. Mit dem Rollstuhl war der Weg dadurch zu schwer zu befahren. Aber er konnte von weitem zuschauen. Was mein Sohn ein wenig erschrocken hatte, war eigentlich etwas ganz belangloses : Es stand eine brennende Kerze in einer Ecke hinten in der Kapelle, die die ganze Zeit flackerte. Und mein Sohn konnte sich selbst nicht erklären, warum die Kerze flackert, obwohl es dort doch kein Luftzug gab.Wenn ich ehrlich bin, habe ich nichtmal gesehen, das auch hinten in der Ecke Kerzen standen.

LG
Beate

sandra8374
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Re: Tod erklären

Beitrag von sandra8374 »

Ehrlich sein.

Und es gibt tollte Kinderbücher und Filme zu dem Thema. Vielleicht guckst du mal in dem Bereich.

Leb wohl lieber Dachs als Buch fällt mir ein. Einige Kindersendungen wie Willi wills wissen etc haben Kurzfilme dazu.oder auch die Sendung mit der Maus.
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)

sandra8374
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Re: Tod erklären

Beitrag von sandra8374 »

Und Beerdigung würde ich gucken. Wenn das „Kind“ mitgeht würde ich jemanden als Begleitung fürs Kind abstellen, die mit dem Kind auch gehen kann. Du selber bist an dem Tag ja selber auf verschiedenste Weise beschäftigt und kannst nicht weg.
LG Sandra

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Brigitte 1953
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Re: Tod erklären

Beitrag von Brigitte 1953 »

Guten Morgen,

mein Beileid zu dieser traurigen Veränderung liebe Iko.

Unser Sohn ist mit 33 Jahren am 9. Mai verstorben und es war schlimm für uns Alle. Unsere Tochter 35 Jahre mit Down Syndrom hat mit ihrem Bruder seit 2006 in einer Wohngruppe gelebt. Sie kann auch nur wenig solcher Zusammenhänge verstehen und die Mitarbeiter der Wohngruppe und wir haben ihr erklärt, dass Ihr Bruder nun ein Engel ist und mit allen schon verstorbenen Freunden, Verwandten und Tiere nun vom Himmel aus auf uns aufpasst.

Sie scheint es so angenommen zu haben, obwohl deutlich wurde, dass dass ausräumen des Zimmers ihres Bruder für sie nicht okay war. Nun lebt ein anderer Bewohner in diesem Zimmer uns sie sagt mir ab und an, dass Baggi weg ist. Dann macht sie ihr Programm weiter.

Es ist wirklich nicht leicht, Menschen die Worte nicht richtig umsetzen können, Tod und Veränderung zu erklären.

Aber nichts zu sagen oder zu zeigen, käme mir unehrlich vor.

Alles Gute für Euch und viel Kraft

Brigitte

Oda.
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Re: Tod erklären

Beitrag von Oda. »

Hallo Iko,
Ich weiß nicht, ob deine Tochter Bilderbücher mag, aber wie schon hier erwähnt, gibt es wirklich gute zum Thema Tod - Und was kommt dann?, Leb wohl lieber Dachs, Wohin gehst du, Opa?
Hat deine Tochter vorher schon mal Erfahrung mit dem Thema Tod gemacht? In Förderschulen zur geistigen Entwicklung wird Tod und Sterben (im Gegensatz zu den meisten anderen Schulen) häufig behandelt und versucht, den Kindern ihren Möglichkeiten nach greifbar zu machen. Vor allem, weil es nicht selten vorkommt, dass Mitschüler versterben. Vielleicht hat deine Tochter sogar schon ein Gefühl dazu?
LG
Oda

iko100
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Re: Tod erklären

Beitrag von iko100 »

Guten Morgen
und herzlichen Dank für eure Antworten.
Ja, an Bilderbücher hatte ich auch schon gedacht. Allerdings schaut sie die nicht besonders gerne. Filme übrigens auch nicht.
Ich werde gleich mal im Pflegeheim anrufen und fragen wie es meiner Mutter geht. Danach werde ich entscheiden, ob ich Katharina mitnehme oder nicht.
Mit ihr darüber reden werde ich auf jeden Fall. Sie hängt sehr an der Oma, zeigt auf ihr Foto und ist irritiert, wenn wir wegen Post und Blumen zum Haus fahren und sie nicht da ist.
LG iko
Iris mit Katharina *1999 in Bulgarien, seit 2001 in Deutschland, geistig behindert, keine Sprache, keine Diagnose

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Kati_Li
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Re: Tod erklären

Beitrag von Kati_Li »

Guten Morgen,
hat sie vielleicht einen guten Zugang zu Musik? Da gibts auch ein paar wenige Lieder, die sich mit Tod und Sterben auseinandersetzen. Zum Beispiel : Fredrik Vahle - Meine Katze ist gestorben https://www.youtube.com/watch?v=e_lIgOzJX3k
Musik transportiert vielleicht noch mal die Stimmung und die Emotionen auf einer anderen Ebene.
Alles Gute für euch!
Jeder neue Tag ist ein Geschenk, ganz egal welche Farbe der Himmel hat, der über dir hängt. -Matze Rossi

Silvia & Iris
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Re: Tod erklären

Beitrag von Silvia & Iris »

Hallo Iko,

... leider hatten wir nicht die Möglichkeit von unserer Mutter und Großmutter direkt zu verabschieden, noch im KH (sie war zu weit entfernt). Aber ich erinnere mich noch, als ich mit meiner damals noch ganz kleinen Tochter jemanden in der unmittelbaren Nachbarschaft besucht hatte, die kurz danach auch verstorben ist...
... schon alleine wie sie mit der alten Frau in dem Raum war, sie hat da ein Unbehagen gezeigt, gespürt, dass da etwa Unangenehmes in der Luft liegt... - ich denke, dass gerade jene Kinder, die verbal etwas schwach oder verbal gar nicht unterwegs sind sehr wohl Situationen erfassen, aber auf anderen Kanälen als durch die Sprache... - Dass sie ihre Oma noch gesehen hat in diesem nicht mehr sonderlich guten Zustand... - sie wird es auf ihrem Kanal sehr wohl registrieren... - ob sie es auch so umsetzen wird, wie du dir das vorstellst, ist natürlich ein anderes Thema... - Aber das macht eh jeder sehr unterschiedlich...

Herzliches Beileid! - Veilleicht treffen sich ja jetzt unsere Mütter in dieser unbekannten anderen Dimension...
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, Tetraparese, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

KatharinaSvR
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Re: Tod erklären

Beitrag von KatharinaSvR »

Hallo,

von Ralph Caspers (der von der Sendung mit der Maus) gibt es ein Buch darüber, wie man seinen Kindern helfen kann, mit dem Tod umzugehen :

https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/bue ... id_6549645

Liebe Grüße
Katrin
Katrin mit H. (3/2011; Mutation im COL4A1-Gen [c.2716+2T>C; heterozygot] mit Hirn-und Augenfehlbildungen: Mikrozephalie, Balkenmangel, Schizenzephalie und Pachygyrie, Mikrophthalmie, Mikrocornea, bds. Blindheit), schwere symptomatische Epilepsie (Z.n. West-Syndrom), PEG, bds. Augenprothesen; und L. (3/2011) und K. (5/2014)

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