Mein Sohn verweigert Ergo-Therapie

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

Moderator: Moderatorengruppe

Antworten
Beate139
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 182
Registriert: 18.07.2018, 19:40
Wohnort: Schleswig-Holstein

Mein Sohn verweigert Ergo-Therapie

Beitrag von Beate139 »

Hallo,

ich brauche mal euren Rat.

Mein Sohn, inzwischen 18 Jahre alt, bekommt seit 2 Jahren einmal die Woche Ergotherapie. Die ersten 1 1/2 Jahre musste ich mit in die Praxis-Räume, weil mein Sohn nicht alleine mit der Therapeutin sein wollte. Das Verhältnis zwischen den Beiden war von Anfang an etwas angespannt, mein Sohn hat oft in der Praxis Panikattacken gehabt. Ende letzten Jahres hatten wir dann den Erfolg, das er auch alleine in der Praxis sein mochte, ich habe ihn also hingefahren und wieder abgeholt.
Da sich sein körperlicher Gesundheitszustand verschlechtert hat und aufgrund Corona haben wir seit März diesen Jahres die Ergotherapie in einen Hausbesuch umgewandelt. Sowohl die Ergotherapeutin, wie auch die Neurologin empfahlen dann, die Ergo auf 2mal wöchentlich zu erhöhen. Anfangs klappte es auch, da die Therapeutin nachmittags kam, wenn ich zuhause war. Nun wollte sie allerdings einen Termin in den vormittag verlegen, einerseits, um einen anderen Termin im Nachbardorf miteinander zu verbinden, andererseits, um meinen Sohn zu mehr Selbständigkeit zu bringen.
Mein Sohn hat allerdings immer wieder "schlechte" Tage, an dem es ihm sowohl körperlich, wie auch geistig nicht gut geht. An solchen Tagen würde er nicht einmal mir die Tür öffnen, geschweige denn, überhaupt alleine aus dem Bett heraus kommen. Ich habe es der Therapeutin auch von Anfang an gesagt, das es immer wieder diese schlechten Tage gibt und ich nicht garantieren kann, das die Termine vormittags auch wirklich stattfinden können. 2mal klappte es und dann kamen ein paar schlechte Tage, wo die Ergotherapeutin vor der Tür stand und mein Sohn nicht in der Lage war, die Tür zu öffnen.
Das fand die Therapeutin natürlich alles andere als gut, also sagte sie mir, das sie möchte, das mein Sohn ihr unterschreibt, das er für ausgefallene Termine Geld zu bezahlen hat. Das ist in der Praxis schliesslich üblich. Am Montag war sie dann da, mein Sohn war ganz stolz, das er es geschafft hat, die Tür zu öffnen und dann präsentierte sie ihm das Schreiben, in dem stand, das er Geld zu bezahlen hat, wenn er ihr beim nächsten mal nicht die Tür öffnet. Mein Sohn war entsetzt darüber und meinte nachmittags zu mir, warum er bestraft werden soll, wenn er es nicht schafft, an die Tür zu gehen. Er kann doch nichts dafür, es ist doch nicht seine Schuld, wenn er nicht in der Lage dazu ist. Unter solchen Umständen will er dann lieber garkeine Ergo mehr haben.
Ich habe meinen Sohn dann dazu überreden können, das er zumindestens einmal die Woche nachmittags - wenn ich zuhause bin - Ergo machen sollte. Schliesslich ist Ergo wichtig, um ihm solange wie möglich die Grob- und Feinmotorik zu erhalten.
Ich habe es dann der Ergotherapeutin gesagt, das mein Sohn dann lieber nur den einen Termin am Nachmittag möchte und nun habe ich aber das Gefühl, das sie sauer darüber ist. Letztendlich sollte der Vormittagstermin der Selbständigkeit dienen. Für mich persönlich fühlt es sich falsch an, Selbständigkeit durch Bestrafung erzwingen zu wollen.

Mein Sohn ist seit Montag im Zwiespalt, denn eigentlich möchte er die Therapie komplett abbrechen, das Vertrauen in die Therapeutin, für das wir so lange gebraucht haben, ist seit Montag bei meinem Sohn nicht mehr vorhanden und er möchte am liebsten nichts mehr mit ihr zu tun haben.

Mein Sohn braucht die Ergotherapie. Sollten wir versuchen, das Vertrauen irgendwie wieder her zu stellen ? Oder vielleicht lieber eine andere Therapeutin suchen, die mehr Verständnis für die Defizite meines Sohnes aufbringt und nicht mit Bestrafung irgendwas versucht, zu erwirken ? Letztendlich ist das Verhältnis zwischen meinem Sohn und der Therapeutin nie richtig gut gewesen und mein Sohn hat mir gesagt, das er - nur mir zuliebe - die Ergo über sich ergehen lässt

LG Beate

Benutzeravatar
Regina Regenbogen
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7611
Registriert: 12.07.2008, 18:37
Wohnort: Ostfriesland

Re: Mein Sohn verweigert Ergo-Therapie

Beitrag von Regina Regenbogen »

Beate139 hat geschrieben:
29.07.2020, 06:30
Mein Sohn braucht die Ergotherapie.
Aber ganz offensichtlich nicht diese Therapeutin. Von daher würde ich schnellstens eine(n) andere(n) Therapeut/in suchen. Für das Einlassen auf eine Therapie, auch wenn es "nur" Ergo" ist, braucht es Vertrauen und das ist ja offensichtlich von Anfang an nicht wirklich da gewesen.

Übrigens: Mein jüngster Sohn würde sich seit der Pubertät nur noch sehr ungerne von einer Frau anfassen lassen, vielleicht klappt es bei euch ja auch besser mit einem männlichen Therapeuten.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Rebekka7
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 11
Registriert: 20.06.2020, 09:21

Re: Mein Sohn verweigert Ergo-Therapie

Beitrag von Rebekka7 »

Im Grunde beantwortest Du Deine Frage ja schon selbst: Das Vertrauen ist nicht da, Dein Sohn mag die Therapeutin nicht und die Therapeutin geht nicht auf die besonderen Bedürfnisse Deines Sohnes ein.
Umgekehrt gefragt: Welchen Grund gibt es für Dich NICHT zu wechseln?

angela
Moderator
Moderator
Beiträge: 20123
Registriert: 22.12.2004, 07:45

Re: Mein Sohn verweigert Ergo-Therapie

Beitrag von angela »

Hallo Beate,

es ist keine Bestrafung wenn die Therapeutin die ausgefallene Therapiezeit bezahlt haben möchte. Normalerweise geht man einen Vetrag ein der da besagt das bei nicht abgesagten Therapiestunden (24h vorher) der Ausfall zu bezahlen ist.

Gut, 24h vorher ist bei schlechter Verfassung des Patienten genau an dem Therapietag nicht möglich, weiß ich und kenne ich (es kommt bei uns wöchentlich vor das aus behinderungsbedingten Gründen eine Therapie ausfallen muss). Aber ich muss die Therapie in der Praxis, beim Therapeuten absagen, und wenn es eine Stunde vorher ist, oder ich bekomme eine Rechnung.

In eurem Fall würde ich aber auch eher dazu tendieren eine andere Ergo zu finden, es bringt nix wenn dein Sohn bei der jetzigen so zu macht.

Und kurz gefragt, würde dein Sohn es schaffen telefonisch die Therapie abzusagen wenn er absolut nicht in der Lage ist sie wahrzunehmen?
Das wird ihn überall begleiten, das man vorher den Termin absagt .

Alles Gute für euch!

Angela
unsere Vorstellung: hier
Angela mit Eric (*93) und Franz (*98);
beide Dravet-Syndrom

steffimoppel
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 100
Registriert: 28.12.2018, 16:35
Wohnort: Berlin

Re: Mein Sohn verweigert Ergo-Therapie

Beitrag von steffimoppel »

Hallo,

es ist immer wichtig, beide Seiten einer Sache zu betrachten.
Es ist in Deutschland so, dass ein Therapeut eine Stunde von der Krankenkasse bezahlt bekommt, wenn er die Stunde durchführt. Findet die Stunde nicht statt, bekommt die Ergotherapeutin kein Geld. Wenn die Therapeutin extra zu Euch zum Hausbesuch fährt und dann öffnet keiner, ist das sehr ärgerlich für sie. Denn die Therapeutin kann auch nichts dafür, dass Dein Sohn die Tür nicht öffnen kann. Es ist also keine Bestrafung.
Nur wenn sowohl Therapeutin als auch Patient die Probleme des anderen verstehen können kann eine vertrauensvolle Therapie stattfinden.
Bei uns ist es auch schon passiert, dass mein Sohn kurz vor der Therapie erbrechen musst, dann müssen wir kurzfristig absagen, bisher mussten wir noch nie bezahlen, aber ganz zu anfang habe ich auch unterschrieben, dass wir die ausgefallenen Stunden bezahlen, wenn wir nicht 24h vorher absagen. Das ist absolut üblich.
Ich würde aber auch eine andere Ergo suchen, wenn Dein Sohn sie nicht mag, dann bringt das nichts, rechne aber damit, dass auch bei jemand anderem Stunden bezahlt werden müssen, die man nicht absagt.

Benutzeravatar
JasminsMama
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1566
Registriert: 09.08.2010, 11:27
Wohnort: Region Heidelberg / Baden-Württemberg

Re: Mein Sohn verweigert Ergo-Therapie

Beitrag von JasminsMama »

Hallo Beate,
das Zahlen ausgefallener, nicht (rechtzeitig) abgesagter Therapiestunden ist, wie hier schon einige geschrieben haben, usus.

Aber.... das Dein Kind es in diesem Fall als Bestrafung empfindet kann ich durchaus nachvollziehen, mein Kind würde es ebenso sehen. Denn die Art und Weise, wie die Therapeutin das rüber gebracht hat, noch dazu an einem für Deinen Sohn "guten Tag" an dem er es geschafft hat die Tür zu öffnen, ist mehr als unglücklich und für mich, neben den anderen Dingen, die Du schon beschrieben hast, ein Grund einen anderen Therapeuten zu suchen.

Ich denke auf Dauer wird es immer wieder zu solchen Konflikten und "Missverständnissen" kommen und so kann eine Therapie meiner Ansicht nach nicht die gewünschten Erfolge erzielen.

LG und alles Gute
Sandra
Sandra 06/76
Jasmin Marie 05/02 globale Entwicklungsverzögerung, vis. Wahrnehmungsstörung, Lernbehinderung, starke Hyperopie rechts, hochpathologisches EEG (Besserung seit Jan. 12),
PG 3, SBA 80% B, G, H
***Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht***

Beate139
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 182
Registriert: 18.07.2018, 19:40
Wohnort: Schleswig-Holstein

Re: Mein Sohn verweigert Ergo-Therapie

Beitrag von Beate139 »

Hallo Ihr,

vielen dank für eure Kommis.

Ja, ist klar, das nicht abgesagte Termine bezahlt werden müssen. Mein Sohn ist ja auch bei der Krankengym und bei der Logo. Und dort gibt es die gleichen Bedingungen.
Nur hatte ich der Ergo vorab gesagt, das ich es für keine gute Idee halte, wenn sie ihn besucht, wenn ich nicht da bin zum öffnen der Tür. Bei den anderen Therapeuten ist es auch kein Thema, da sind sämtliche Termine in Zeiten, wo ich entweder meinen Sohn begleiten kann oder ich zuhause bin, um zu öffnen.
Sie hat also gewusst, das es passieren kann, das er nicht öffnet. Und mir wäre es lieber gewesen, wenn sie 2 Termine nachmittags hätte anbieten können. Probieren obs klappt ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden.

LG
Beate

angela
Moderator
Moderator
Beiträge: 20123
Registriert: 22.12.2004, 07:45

Re: Mein Sohn verweigert Ergo-Therapie

Beitrag von angela »

Hallo Beate,

dann kommuniziere das deutlich der Therapeutin gegenüber.
Schlussendlich sind Du und Dein Sohn doch diejenigen die zu Zeitvorschlägen ja oder nein sagen.


Wenn es Vormittags nun nicht geht aus genannten Gründen dann ist es so.
Dann versucht den 2. Nachmittagstermin zu bekommen wenn ihr bei der Ergo bleibt.

Oder ihr sucht eine andere Praxis.



LG - Angela
unsere Vorstellung: hier
Angela mit Eric (*93) und Franz (*98);
beide Dravet-Syndrom

HeikeLeo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 896
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Mein Sohn verweigert Ergo-Therapie

Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Beate,

meinem Gefühl nach sind unpassende Termine von Anbietern immer ein Versuch, aus der Nummer rauszukommen. Direkt sagen kann die Therapeutin es wohl nicht. Na dann...

Liebe Grüße
Heike

Antworten

Zurück zu „Erwachsen werden: Leben, Arbeit, Wohnen“