Therapiestuhl abgelehnt - könnt ihr mir helfen?

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Susi
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Therapiestuhl abgelehnt - könnt ihr mir helfen?

Beitragvon Susi » 14.01.2005, 21:05

Hallo,

unser Sohn hat eine rechtsbetonte spastische Tetraparese. Beim Sitzen zeigt er eine extreme Schieflage nach rechts. Um seine Haltung zu korrigieren und um weitere Schäden zu vermeiden haben wir von der Ärztin im SPZ 2 Rezepte erhalten. Das Erste für einen Therapiestuhl für den häuslichen Bereich und das Zweite für denselben Stuhl aber für den Integrationskindergarten.

Die Prüfung für den Stuhl im häuslichen Bereich ist noch nicht abgeschlossen. Heute jedoch erhielten wir eine Ablehnung für den Stuhl, den Simon im Kindergarten nutzen soll.

Begründung: "Der Besuch eines Kindergartens oder einer ähnlichen Einrichtung gehört nach Auffassung der Sozialgerichtsbarkeit (Urteil vom 20.11.2001, Az: S 9 kR 8/01, Sozialgericht Neuruppin) nicht zu den Grundbedürfnissen des täglichen Lebens, für deren Sicherstellung die Träger der gesetzlichen Krankenversicherung Sorge zu tragen haben. Das Bundessozialgericht hat den Erwerb eines elementaren Schulwissens bzw. den Schulbesuch als ein solches Grundbedürfnis anerkannt. Die darüber hinaus gehende soziale Rehabilitation fällt aber nicht in den Zuständigkeitsbereich der sozialen Krankenversicherung, sondern ist Aufgabe anderer Sozialleistungssysteme."

Kurz: Es gibt eine Schulpflicht aber keine Kindergartenpflicht und so fühlt sich die Kasse aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nicht zur Genehmigung verpflichtet.

Simon hat sich in der kurzen Zeit im Kindergarten so super gemacht. Er lernt mehr vom Modell "sehen und nachmachen". Verbale Aufforderungen ignoriert er, aus welchen Gründen auch immer. Also hat er durch den Kontakt mit den Kindern seiner Integrativgruppe schon super Fortschritte gemacht. Zu Hause nur mit Mutti wäre das jetzt noch nicht so weit.

Meine Fragen an euch sind: Hat jemand schon ähnliches mit positivem oder negativem Ausgang erlebt? Haben wir überhaupt eine Chance? Sollten wir Widerspruch einlegen, worauf können wir uns dann beziehen?
Gibt es noch andere Stellen, die einen Stuhl für Simons Kita evtl. finanzieren würden? (Integrationsamt hab ich schon versucht - sind für diese Altersklasse noch nicht zuständig)

Bin über jede Info dankbar. :P

Liebe Grüße Susi
Susi

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Bea F.
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Beitragvon Bea F. » 14.01.2005, 21:15

Hallo,

das ist ja ein Hammer - wo soll Simon denn sitzen, wenn nicht in einer körperangeoassten Sitzschale? Was habt ihr denn bisher?

Ich würde mich mit den Ärzten und Therapeuten beraten. Man könnte doch die schlechte Körperhaltung und die daraus resultierenden Folgen als Begründung angeben. Anderenfalls würde ich als Begründung Wachstum angeben, dann muß die Kasse genehmigenIch würde auf jeden Fall Widerspruch einlegen - kann ja nicht sein, daß Simon deswegen nicht in den Kindergarten kann - wo bleibt da die Gleichstellung?

Ansonsten Mitglied beim VDK oder ähnlichen Verbänden werden, die helfen beim Widerspruch!

Viel Erfolg!

Liebe Grüße

Bea

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Beitragvon Susi » 14.01.2005, 21:48

Hallo Bea,

Simon sitzt zur Zeit in der Einrichtung auf einem normalen Zwergenkinderstuhl - aber schief und der rechte Arm, welcher am meisten betroffen ist, liegt immer auf dem Schoß auf.
Man muß den Arm immer auf den Tisch legen a) damit er nicht ganz so schief sitzt
und b) damit er auf seine rechte Körperhälfte aufmerksam gemacht wird und sich dieser immer wieder bewußt wird und sie evtl. mit einsetzt.

Ich muß noch zum besseren Verständnis erklären: Simon kann laufen, das rechte Bein ist dabei auffälliger, er fällt schnell hin; schlimmer hat es den rechten Arm erwischt (versteift, liegt nach unten hängend vorwiegend beim Laufen am Körper an)

Was heißt übrigens VDK ausgesprochen?

Das mit der schlechten Haltung und den Folgen habe ich schon ERFOLGLOS angebracht als ich einen Drohbrief schicken mußte. Mein Rezept und der Kostenvoranschlag lagen seit Mitte Oktober bei der Kasse. 2 Wochen Bearbeitungszeit dürfen es nur sein. Ich habe dann am 7.1.2005, nachdem ich noch nichts gehört habe(außer am 20.12.04 ein Telefonat ohne Resultat) einen Brief an die KK gesendet, welcher etwas eindringlicher war.
Als Anlage noch eine Empfehlung (2-seitig) eines Pflegedienstes, dass der Therapiestuhl für die Einrichtung unbedingt notwendig ist. Hat aber nichts geholfen wie man sieht. :roll:

susi
Susi



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Beitragvon AnnaL » 14.01.2005, 22:05

Hallo,
ich bin etwas müde weil hier das Männerlazarett eingerichtet wurde.
Ich denke, dass die Kasse evt. Recht hatte mit der Ablehnung. Weiss ich nicht, deshalb solltest Du auf jeden Falll einen Widerspruch einlegen. Und wenn er nur vorsorglich ist. Zurückziehen kannst Du ihn immer noch.
Wir hatten heute unser Gespräch im Kindergarten: es gibt verschiedene Hilfsmittel, die aus verschiedenen Töpfen bezahlt werden. So wird der Autositz vom Sozialamt, der Stehtrainer von der Pflegekasse, der zweite Rehabuggy evt. von der Krankenkasse...
Was ich sagen will: vieleicht musst/kannst du das Teil über das Sozialamt oder das Landschaftsamt bezahlen lassen. Dein Kind braucht es, und Du musst den Kostenträger finden. Wer das sein kann, da müsste Dir die Kindergartentherapeutin oder die Leiterin was zu sagern können. Ich habe eine Frau von der Frühförderstelle des Jugendamtes zur Seite.
Ich bin da manchmal ganz verwirrt wieviele Kostenträger mir da um die Ohren fliegen. Aber es ist nicht nur die Krankenkasse die zahlen muss/kann.
Mag ja sein, dass Schulpflicht aber keine Kindergartenpflicht besteht, aber dein Kind hat ein Recht auf Integration und damit einen Anspruch auf Eingliederungshilfe. Wer das zahlt, da gibt es vieleicht aus dem Forum noch Antworten, sicher aber wenn du bei Sozialamt, Jugendamt, Landschaftsverband, Pflegekasse, und Krankenkasse Anträge stellst und Widersprüche einreichst.
Viel Glück.
Die müde Anna

Andrea
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Beitragvon Andrea » 14.01.2005, 23:06

Hallo Susi,

mein Rat an dich mach auf jeden Fall einen Widerspruch. In Sina ihrem Fall war es so das wir auch einen zweiten Therapiestuhl für den Kindergarten brauchten. Unsere KK (AOK) hat diesen sofort abgelehnt, mit der Begründung das wir unseren den wir zu hause haben jeden Tag mit in die Einrichtung geben soll. Die von der AOK wollten mir sogar weiß machen das es die Pflicht des Taxiunternehmens ist so einen Stuhl oder andere Hilfsmittel täglich zu transportieren. Wenn die aber mal nach gedacht hätten, wäre den selbst aufgefallen, das sowas gar nicht geht. in unserem Taxi was früh und nachmittag kommt sitzen auch noch andere Kinder und wenn die Fahrer für jedes dieser Kinder ein Hilfsmittel transportieren soll, müßten die Taxifahrer ja mit einem LKW vor fahren.
Naja in unserem Fall haben sie dann einen zweiten Stuhl innerhalb von einer Wochen genehmigt.

LG Andrea

Helmut
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Beitragvon Helmut » 15.01.2005, 09:16

Hallo Susi,

ich weis nicht so recht worüber man sich hier aufregt...;-)

Im Schreiben der KK steht doch ganz klar drin, das sie die Kosten nicht übernimmt, weil es die Aufgabe anderer Kostenträger ist, diese zu übernehmen. Für solche Hilfsmittel ist die Eingliederungshilfe zuständig. Sonja hat ihre Hilfsmittel, die sie speziell für Kiga oder auch die Schule brauchte... darunter auch ein Therapiestuhl... nie von der KK, sondern von der Eingliederungshilfe bekommen. Stell also einen Antrag bei der Eingliederungshilfe. Schick denen die Verordnung für den Stuhl, eine Kostenvoranschlag dafür, und eine Kopie von Bescheid der KK, dann sollte es kein Problem damit geben.

:-) Helmut
Vater von Sonja, 22.J. alt, nach einer schweren Erkrankung im Alter von 2 Wochen aber auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ICP, HC, Epi. gehörlos, kaum Verständigung. Schwerstmehrfachbehindert.

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Beitragvon Susi » 15.01.2005, 13:10

Hallo Helmut, hallo Andrea,

den Widerspruch werde ich auf jeden Fall vorsorglich einreichen.

Danke für Deinen Tip Helmut! Werde mich gleich am Montag darum kümmern.
Die Eingliederungshilfe - wo ist die bei euch zu finden? Kann so etwas ein Fachbereich des Landratsamtes sein? Oder muß man da zum Sozialamt gehen?

Liebe Grüße und noch ein schönes Wochenende

Susi
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