Autismus Pflegegrad ja oder nein

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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MarianneW
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Autismus Pflegegrad ja oder nein

Beitrag von MarianneW »

Hallo,

Ich bin etwas unschlüssig und wollte mal fragen wie ihr das seht:
Kann es für einen Jugendlichen negative Folgen haben wenn er einen Pflegegrad hat aufgrund von Autismus?
Kann er trotzdem jede Ausbildung machen, jede Schule besuchen etc? Natürlich im Rahmen seiner Möglichkeiten - klar.
Kurz: kann ein Pflegerad auch negative Folgen haben?

Ich Danke euch herzlich.
Liebe Grüße
Marianne

P.S. Kommt der MDK nicht alle drei Jahre um die Einstufung zu überprüfen? Bei uns wäre das im Januar fällig gewesen....

Lisaneu
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Re: Autismus Pflegegrad ja oder nein

Beitrag von Lisaneu »

Hallo MarianneW!

Du hast keine Auskunftspflicht bezüglich Pflegegrad. Das Pflegegeld bekommt ja der Pflegende (im Fall von Kindern und Jugendlichen meistens die Eltern) und nicht der Pflegebedürftige, da scheint nichts auf. Unabhängig von der Beeiträchtigung arbeiten etliche Menschen mit Pflegegrad am ersten Arbeitsmarkt. Bezüglich Ausbildung musst du (bzw. der Jugendliche) dann selbst überlegen, ob du mit offenen Karten spielst.

Bezüglich MKD und wie häufig der PG kontrolliert wird kann ich dir nichts sagen, da ich aus Österreich komme, wo die Gesetzeslage wieder anders ist. Für den PG meines Sohnes (7) bekomme ich 1x jährlich eine Vorladung zur Kontrolle, die am Amt stattfindet, und wo ich immer die aktuellen Befunde mithabe und die Formulare ausfülle.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

JennyK
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Re: Autismus Pflegegrad ja oder nein

Beitrag von JennyK »

An sich dürfte der Pflegegrad keinen Nachteil haben, eher die Gründe, weshalb man einen hat...

Im MDK-Gutachten steht drin, bis wann der Pflegegrad gilt. Bei meinen Kindern ist er jeweils für ca. 4 Jahre bewilligt worden. Ich glaube, das hat auch mit dem Alter der Kinder zu tun, da gibt es so Entwicklungsstufen/andere Bewertungsgrundlagen mit 11 und 15...
Sohn 1 (2006), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (2013), Asperger Autismus, Verdacht auf ADS; PG 3; SBA 70 mit B, G, H

NicoleWW
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Re: Autismus Pflegegrad ja oder nein

Beitrag von NicoleWW »

Hallo,

unsere Kinder haben keinen Nachteil wegen ihrem Pflegegrad, J. (12 Jahre) hat Pflegegrad 3 und S. (15 J.) hat Pflegegrad 2. sie gehen beide als Regelkinder (mit Schulbegleitung) aufs Gymnasium.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, ADS, Morbus Bechterew, Asthma) mit
J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
V.L. (07, J45.1, F98.0)
J.K. (07, F84.5, F98.0)
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Tanja0905
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Re: Autismus Pflegegrad ja oder nein

Beitrag von Tanja0905 »

Der Pflegegrad bringt keinen Nachteil mit, da ich ja niemandem sagen muss, dass mein Sohn pflegebedürftig ist. Würde ihm mit seinen 15 Jahren auch nicht gefallen, wenn andere (Lehrer, Praktikumsbetrieb usw.) genau wüssten, wobei er Hilfe von mir benötigt. Das er Hilfen benötigt, teilen wir aber entsprechend der Situation mit.

Anders sieht es in Rheinland-Pfalz mit einem Schwerbehindertenausweis aus. Den haben wir nicht beantragt, da er dann keinen Führerschein machen könnte, ohne vorher amtsärztlich untersucht zu werden. Allerdings trauen wir ihm auch mit Autismus zu, dass er Auto fahren könnte und nicht zur Gefahr für sich und andere im Straßenverkehr wird.

LG
Tanja

Silvia15
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Re: Autismus Pflegegrad ja oder nein

Beitrag von Silvia15 »

Führerschein, da muss man doch ne Auskunft über mögliche Erkrankungen, gesundheitliche Einschränkungen etc. beim Antrag abgegeben oder nicht? Wiegt das nicht mehr wie ein Schwerbehindertenausweis. Dadurch könnte ich mir schon vorstellen, dass bei Autisten generell eine MPU notwendig ist um den Führerschein zu machen.
Silvia mit Maximi (Juli 15, F84.5) und Minimi (Mai 17, ein normaler Wirbelwind)

NicoleWW
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Re: Autismus Pflegegrad ja oder nein

Beitrag von NicoleWW »

Hallo,

mir wäre neu, dass ein Autist generell eine MPU machen muss. Wenn das so wäre bräuchte man nur nicht mehr diagnostizieren und schon braucht man es nicht mehr ?! Es gibt ja Autisten die auch ohne Diagnose halbwegs gut leben könnten, das sieht man ja bei den Erwachsen, sehr viele erwachsene Autisten haben ja keine Diagnose oder bekommen sie erst sehr spät. Die Diagnose macht einen ja nicht mehr oder weniger fähig ein Auto zu fahren.
Ich denke man muss das halt angeben wenn wirklich Probleme beim Auto fahren auftreten, aber dann sollte man auch überlegen ob derjenige überhaupt Auto fahren sollte. Ich kenne viele Autisten die Auto fahren und die meisten davon haben sicher keine MPU gemacht.
Ich persönlich fände es schwierig Jemanden der schon als Fußgänger im Strassenverkehr nicht zurecht kommt oder keine Gefahren erkennt, ein Auto fahren zu lassen (so als Beispiel).

Liebe Grüße
Nicole
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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

natürlich brauchen Autisten nicht pauschal eine MPU, zehntausende fahren hier in Deutschland Auto, nicht besser oder schlechter als Leute mit AD(H)S und mit neurotypischer Ausstattung.
Sie fahren auch Krankenwagen, sind Ärzte, ziehen Kinder auf, ... :wink:

Ab PG 2 fällt man aus manchen Versicherungen raus (bitte hier im Forum danach googeln), wobei erst zu klären wäre ob man da nicht auch wegen der dokumentierten pflegegradrechtfertigenden Beeinträchtigungen eh schon rausfällt ...

Grüße
Zuletzt geändert von Engrid am 01.07.2020, 07:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Silvia15
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Re: Autismus Pflegegrad ja oder nein

Beitrag von Silvia15 »

Ich weiß es schlichtweg nicht. Ich habe es aber schon gelesen dass es vorkommt.

Aber ich sehe in der Diagnosen Autismusspektrumstörung viel eher einen Grund für eine MPU wie wenn lediglich ein Schwerbehindertenausweis vorliegt. Weil es kommt meiner Meinung nach viel mehr auf die Erkrankung an und ob diese zu Einschränkungen der Fahrtauglichkeit führen könnte. Zum einen beantragt nicht jeder der Einschränkungen hat einen SBA und zum anderen führt nicht jede Erkrankung für die man einen SBA bekommt dazu dass die Fahrtauglichkeit in Frage gestellt werden muss.

Das Problem ist doch, dass viele sich ja nicht richtig einschätzen bezüglich Fahrtauglichkeit. Leider sind die Menschen da wenig selbsreflektiert bzw. Ehrlich. Es gibt eben unter Autisten durchaus einen Anteil die gerade bei vielen Reizen, wie im Straßenverkehr unter Orientierungslosigkeit oder Konzentrationsschwächen leiden. Ich fände es nicht verwunderlich wenn man versucht diesen Anteil vorher durch eine MPU herauszufiltern.

Ich finde das nichts schlimmes nur müsste die MPU halt einfach kostenlos sein. Die Menschen können ja nichts für ihr Handycap
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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Ich finde das schon was schlimmes, Pauschalurteile. Ich kenne ein paar Autisten, die fahren weitaus verantwortungsvoller als viele von den NT-Führerscheinneulingen, die ich hier am Land so mitbekomme, die rasen, Regeln missachten oder alkoholisiert fahren (das dürfte bei Autisten selten vorkommen).
Und ich kenne auch Autisten, die verantwortungsvoll für sich beschlossen haben, keinen Führerschein zu machen, weil ihnen das Autofahren eh zu stressig ist.
Autisten, die wahrnehmungsbedingt Schwierigkeiten beim Autofahren haben, müssen ja schon in der Fahrschule und dann in der Fahrprüfung zeigen, dass/ob sie Autofahren können. Das reicht, so wie bei den Nichtautisten auch. Dafür gibt’s ja die Fahrprüfung, zum „Herausfiltern“.

Man kriegt ja übrigens auch nicht pauschal „wegen Autismus“ einen SBA, aus gutem Grund.

Übrigens ist Autismus keine Krankheit. :idea:

Grüße
Zuletzt geändert von Engrid am 01.07.2020, 08:05, insgesamt 2-mal geändert.
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