Zukunft meines Sohnes

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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KerstinS
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Zukunft meines Sohnes

Beitrag von KerstinS »

Hallo
Ich habe sehr lange nichts mehr geschrieben.Ich habe ein Problem und wollte fragen ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat.
Mein Sohn 21 geistig behindert(Stand 7-12 Jahre)lebt im ambulant betreuten Wohnen.Er ist im Ausbildungsbereich in einer Werkstatt.Er hat keine Lust zum arbeiten und rennt von Arzt zu Arzt.
Ich komme diesbezüglich nicht mehr an ihn ran.Er blockt ab .Er wird von der Wohngruppe offen gegen mich beeinflusst so dass er immer respektloser wird.Ich habe ihm nix zu sagen und es geht mich nix an.
Ich bin auch gesetzlicher Betreuer.Er wurde sogar beeinflusst einen Brief ans Gericht zu schreiben um Betreuerwechsel zu erwirken.
Das wurde abgeschmettert da ich nicht gegen diese Richtlinien verstosse und er das unter Einfluss geschrieben hat.
Damit er aber halb seinen Willen kriegen soll machen wir jetzt mit einem männlichen Betreuer Tandembetreuung.Er wird aber nur zu meiner Unterstützung tätig.
Ich versuche ihn meinen Sohn ein bisschen auf der finanziellen Schiene zu führen da ihm vermittelt wird ich habe ihm als Mutter und Betreuer nix zu sagen.Das heisst der junge Mann bekommt nur noch Taschengeld und keine Extrawünsche mehr.
Der Facharzt und die Klinik und der Sozialdienst der Werkstatt rät ihn stationär unterzubringen.
Er selbst äussert den Wunsch nach mehr Betreuung-auch nachts.
Das Landratsamt weigert sich da die von der WG sagen wie wunderbar alles läuft.
Was nun?

Leasanne
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Re: Zukunft meines Sohnes

Beitrag von Leasanne »

Hallo Kerstin,

erst einmal: lass dich mal drücken! Das ist alles so oder so schon nicht einfach. Wenn dann auch noch die Einrichtung gegen einen arbeitet. Dann kann es schnell unerträglich werden.

Du bist emotional involviert. Das macht es so schwer. Tatsächlich ist es so, dass du deinem Sohn schon ne ganze Menge sagen kannst. Aber ihm vorschreiben, wie er sein Leben zu leben hat, das kannst du nicht. Wenn er von Arzt zu Arzt rennen will, dann soll er das tun. Es ist weder als Mutter noch als Betreuerin deine Aufgabe, ihn zu führen. Er ist erwachsen und soll und muss sein eigenes Leben leben. Deine Aufgabe ist es, ihn auf seinem Weg zu begleiten, nicht den Weg vorzugeben, den du für ihn als am besten erachtest. das über das Finanzielle zu machen. "Entweder machst du, das was ich dir sage und das so wie ich es mir vorstelle oder ich drehe den Geldhahn zu" (überspitzt ausgedrückt) ist ein Machtspiel. Das führt zu nichts.

Gegen die Beeinflussung der Wohngruppe wirst du nicht ankommen. Dort hat dein Sohn seinen Lebensmittelpunkt. Und da er eh schon gegen dich auf Krawall gebürstet ist, sind die Worte seiner Betreuer Wasser auf seinen Mühlen. Mit Druck kommst du da nicht weiter und erreichst nur das Gegenteil.
Versuche, ein gutes Verhältnis zu seinem Sohn aufzubauen und weg zu kommen von deiner Mutterrolle. Ich weiß, dass sich das hart anhört, aber ich weiß aus Erfahrung auch,wovon ich spreche.
Ich habe bis vor ein paar Monaten auch an allen Fronten für meinen Sohn gekämpft und mich mit Gott und die Welt angelegt. Irgendwann musste ich einsehen, dass das weder gut für unsere Beziehung noch für mich persönlich ist.Da habe ich mich schweren Herzens und mit vielen Tränen dazu entschlossen, die Betreuung nicht zu übernehmen. Mein Sohn hat nun eine rechtliche Betreuerin in allen Bereichen, mit der ich in regelmässigem Kontakt stehe. Meistens werden rechtliche Berufsbetreuer von den Wohngruppen eher akzeptiert als Betreuer aus dem familiären Umfeld. Das Verhältnis zu meinem Sohn hat sich durch diesen Entschluss deutlich entspannt. Ich bin nach wie vor für ihn da, mache eine ganze Menge für ihn, kämpfe aber nicht mehr an vorderster Front für ihn.

Vielleicht solltest du mal darüber nachdenken, was dir wichtiger ist: ein gutes Verhältnis zu deinem Sohn oder die Illusion, über sein Leben bestimmen zu können.

Wie gesagt: lass dich drücken - wenn auch nur virtuell!
Liebe Grüße
Leasanne
_________________________________________
Eva (*’76), Burn-out, alleinerziehend
Jonas (*’95), Lutz (*’02), ASS, ADHS, Dyskalkulie, extreme Knick-Senk-Füsse, Skoliose, seit 2019: LQTS, Til (*’05) extrem nervendes Pubertier

BettinaDA
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Re: Zukunft meines Sohnes

Beitrag von BettinaDA »

KerstinS hat geschrieben:
27.06.2020, 07:08
Der Facharzt und die Klinik und der Sozialdienst der Werkstatt rät ihn stationär unterzubringen.
Er selbst äussert den Wunsch nach mehr Betreuung-auch nachts.
Das Landratsamt weigert sich da die von der WG sagen wie wunderbar alles läuft.
Natürlich weigert sich der Kostenträger, denn ambulante Wohnheimplätze sind schließlich deutlich billiger als stationäres Wohnen.
KerstinS hat geschrieben:
27.06.2020, 07:08
Er blockt ab .Er wird von der Wohngruppe offen gegen mich beeinflusst so dass er immer respektloser wird.Ich habe ihm nix zu sagen und es geht mich nix an.
Na, dann würde ich der Wohngruppe mal viel Spaß dabei wünschen, wenn der junge Mann eben aus diesem Grund seine offensichtlich ungeliebte Arbeit hinschmeisst :icon_pale:

Gibt es einen Grund, warum Du die Betreuung nicht vollständig abgibst? Dein Sohn ist ja ohnehin schon der Meinung, daß Du ihm nichts zu sagen hast, das wird auf Dauer also sowieso nur Ärger geben und zwar sowohl mit der Wohngruppe als auch mit ihm selbst.

Viele Grüße
Bettina
Sohn 8/90 atpischer Autismus, Hypogonadismus.

KerstinS
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Re: Zukunft meines Sohnes

Beitrag von KerstinS »

Ich möchte ihn mit den Empfehlungen der Ärzte in eine stationäre Einrichtung bringen. Die gehen mit solchen Sachen anders um.Bei seiner Zwillingsschwester hatte ich auch massive Probleme. Die entwickelt sich seitdem gut

KerstinS
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Re: Zukunft meines Sohnes

Beitrag von KerstinS »

Mein Sohn fängt eben jetzt gerade erst an aufzumucken.Er war jetzt 1 Monat in der Klinik da hat er mich nicht einmal beschimpft.Das mit dem finanziellen hat der Berufsbetreuer mir geraten.Er wird nur im Hintergrund agieren da auch der Richter der Meinung ist dass ich nichts entzogen bekomme.
Der Betreuer sagt knallhart keine Leistung-keine Extras.
Ich habe zu meinem Sohn gesagt er darf machen was er will-kein Thema.Aber wenn er mich nicht anständig umgeht muss er mit meiner Reaktion klar kommen.
Wenn ich geschafft habe dass er in eine stationäre Einrichtung kommt oder ambulant bei einem anderen Träger dann gebe ich die Betreuung ab

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