Sertralin - Kind verändert

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Katrinchen*
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Katrinchen* »

Danke für eure lieben Antworten, soviel Mühe....

Es ist so das mein Sohn wirklich den ganzen Tag nahtlos bummt. Wir versuchen so sehr ihm nicht zu belasten, Druck raus zu nehmen und ihm Entspannung zu geben. Selbst wenn er einen Film schaut, ein Eis ißt oder spazieren gehen wird gebrummt. Am Abend im Bett ist es dann besonders schwierig. Hintergrundmusik und Ohrstöpsel haben ich ihm angeboten, aber er lehnt es ab. Am Licht oder der Aufteilung wurde nichts verändert, das dürften wir sich gar nicht 😉. Momentan hole ich ihm abends zu mir ins Bett und das hilft auch. In den Ferien ist es kein Problem, sonst muss ich sehr früh aufstehen und würde ihn dadurch wecken.

Da ich berufstätig bin, würde sich eine Krankmeldung oder das Homeschooling schwer gestalten lassen. Würde es jedoch keine Alternative jetzt in der Akutphase geben, würde ich das selbstverständlich tun und mit meinem Chef sprechen.

Ich habe schon nach einem niedergelassenen Kinderpsychiater gesucht und bin auch fündig geworden. Ersttermin Ende Januar. Nach nachhaken sind wir nun bei Muttern November, also koch vier Wochen. Dann haben wir wenigstens einen Anfang.

Parallel wechseln wir gerade unseren Kinderarzt, leider steht er dem Thema Autismus nicht der offen gegenüber und Unterstützung ist nicht gegeben.

Es ist nun etwas auf dem Weg, aber jetzt gerade akut bin ich sehr hilflos. Jeden Tag frage ich mich, wie ich den nächsten überstehen. Denn nicht nur unser Sohn leidet extrem, auch wir Eltern kommen nervlich an unsere Grenzen. Therapeutin und LVR raten zu einer stationären Aufnahme. Wir sind da vom Bauchgefühl überhaupt nicht.

Wir sind überzeugt dass das Hauptproblem in der Schule liegt. Er wurde wieder von einem Kind massiv geärgert, zudem ist die Belastung am sich fort sehr hoch. Aber keiner sieht es.

Danke euch so sehr fürs zuhören....
Katrin mit P. Asperger Autist geb. 2011

SimoneChristian
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von SimoneChristian »

Hallo Katrin,

ich möchte noch mal einige Punkte aufgreifen:
- Spazieren gehen ist für meinen Sohn überhaupt keine Entspannung (zu hell, zu windig, zu laut)
Da lohnt es sich vielleicht, noch mal hin zu sehen.
- Belastung in der Schule:
Kann er die Pause in einer ruhigen Ecke verbringen? Stresst ihn evtl die Maske? Oder dass die anderen Kinder sich nicht an die "Regeln" halten?
Wie sieht es mit einem I-Helfer aus? Wäre das eine Option?
- Wecken:
Vielleicht gewöhnt er sich an dein frühes Aufstehen (mein Sohn schläft oft einfach weiter, auch wenn wir Eltern schon länger laut sind)?
Bzw. vielleicht reichen einfach weniger Stunden Schlaf, wenn sie dafür ruhiger sind.

Noch ein anderer Denkansatz:
Vielleicht hat er aktuell subjektiv so wenig Kontrolle über sein Leben, dass er über das Brummen versucht, da die Kontrolle zu bekommen.
Das kann auch so unterbewusst ablaufen, dass er das gar nicht in Worte fassen kann.

Oder:
Es hat doch eher mit sensorischen Wahrnehmung zu tun und irgendein anderer Reiz kann das Brummen kompensieren.

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

Katrinchen*
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Katrinchen* »

Hallo Simone,
danke für deine Gedanken!!
spazieren gehen tut ihm gut, gerade im Wald, ein ganz anderes Kind. Einkaufen gehen stresst ihn beispielsweise.
Er hat mir vorhin erzählt, das er zu viele Gedanken und Sorgen bzgl. Schule hat. Eine I-Helferin hat er. Masken ist kein Problem.....aber das ärgern anderer Kinder. Kein Sohn ist da sehr empfindsam. Im Kindergarten damals hatten wir eine Situation durch Mobbing, da hat er seine Ängste geäußert indem er alle 5 Minuten auf die Toilette musste. Und jetzt Anfang des Jahres durch Mobbing eines Klassenkameraden kam das zwanghafte Verhalten alles berühren zu müssen.
Ich habe ja eine Idee wo es herkommt, kann aber im Moment nur bedingt etwas tun! Und das macht es so schwer!
Katrin mit P. Asperger Autist geb. 2011

rena99
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von rena99 »

Katrinchen,

ich bin sogar sicher, dass das Hauptproblem in der Schule liegt. Aber leider hat dein Sohn diesen Zwang bereits entwickelt und der hat sich bereits verselbstständigt. Das wird vermutlich besser, wenn die Belastung in der Schule nicht so hoch ist (das ist eher etwas für die Autismus-Therapeutin), aber das wird das Problem nicht mehr komplett einfangen können, fürchte ich. Ich drücke dir die Daumen, das der Kinderpsychiater fähig ist!

Und ja, als Eltern kommt man da total an die Grenzen. Versuche besonders unaufgeregt mit der Sitauation umzugehen. Ziehe dich emotional da raus, schaue mehr von außen drauf. Wenn dein Sohn im Moment nur bei dir einschlafen kann, dann darf er das, aber tue in der Zeit, was du gerne tun möchtest, etwas lesen, selber mit Kopfhörern etwas hören, ignorier sein Brummen tunlichst und versuch dich halbwegs zu entspannen. Klingt schwierig, ist auch schwierig, aber es ist der einzige Weg. Bleibe freundlich und zugewandt. Je fertiger du selbst wirkst, desto schlimmer wird das. Versuch ebenfalls, positiv besetzte Zeit miteinander zu verbringen, also ein Gesellschaftsspiel oder etwas bauen etc.

Und dann muss daran gearbeitet werden, dass er "seine Außengrenze" besser spüren und schützen kann, das ist so der Raum um einen herum, von dem man nicht möchte, dass andere ihn betreten. Das klingt ja so, als würde jedes "ärgern", was andere Kinder vielleicht noch normal finden, durch seine emotionale Deckung schlagen. Das ist eine Aufgabe für die Therapeuten, das kannst du als Mutter nicht leisten. Mach dir da keine Vorwürfe. Ich kann mir aber vorstellen, dass das, was dein Sohn so trifft, für andere Beteiligte gar nicht so krass gesehen wird. Und wie Simone oben schrieb, die Zwänge geben ihm in diesen Situationen Sicherheit in seinem Leben.

Das ist ein langer Weg, aber Stück für Stück gelingt es.
Rena mit (mittlerweile erwachsener) Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)

Katrinchen*
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Katrinchen* »

Liebe Rena, ich danke dir so sehr für deine Unterstützung und deine Mühe. Ganz sicher werde ich mir dein Schreiben zu Herzen nehmen. Diese Thematik ist ein ewiger Kampf und bedarf viel Energie. Ich bin froh in dieser Gemeinschaft so toll aufgenommen geworden zu sein.

Werde euch auf dem laufenden halten, vielen vielen Dank!!
Katrin mit P. Asperger Autist geb. 2011

SimoneChristian
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von SimoneChristian »

Hallo Katrin.

Wenn er eine I-Hilfe hat, hat er die auch für die Pausen?
Dann würde ich die dringend ins Gebet nehmen, wie sie deinen Sohn da besser schützen kann.
Unser I-Helfer ist fest in den Klassenverband integriert und moderiert immer wieder Situationen auf dem Schulhof und in der Klasse.
Allerdings bildet er auch mit unserer Klassenlehrerin ein super Team.

Ansonsten würde ich noch den Schulpsychologischen Dienst in den Ring werfen. Da werden wir immer super Unterstützt und die Lehrer eben auch.

Ich drücke euch fest die Daumen für einen guten KJP.

Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

Katrinchen*
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Katrinchen* »

Hallo ihr Lieben,
ich wollte mich nochmal kurz melden und ein Update geben.
Es wird tatsächlich ruhiger, wir sind so erleichtert. Gut ist es noch nicht, aber definitiv besser. Wir haben einen niedergelassenen Kinderpsychiater gefunden, der uns ernst nimmt und unterstützend zur Seite steht.

So schwer es manchmal ist, ich habe im Laufe der Zeit gelernt das es besser wird und vor allem, das man nicht alleine ist. Man darf niemals aufgeben! Es gibt Höhen und Tiefen, aber irgendwann wird es ganz plötzlich besser!

Ich danke euch von Herzen fürs mutmachen, aufbauen und die tollen Ratschläge. Für eure Gedanken und fürs zuhören. Ihr seid hier alle unglaublich toll!!
Katrin mit P. Asperger Autist geb. 2011

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