Nadine und Emelie (ASS)

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Nachtrag:
Leider blendet sie teilweise um sich herum alles aus und lässt alles ablaufen wie ein Film und nimmt in dem Moment auch nichts auf. Das stimmt mich dann auch etwas traurig, wenn man dann Unternehmungen macht und sie an dem Tag alles wegblendet und quasi nichts davon hat.
Das würde ich nicht unterstellen, dass sie nichts davon hat. Möglicherweise hatte sie so viel davon, dass sie es erstmal für sich und in Ruhe verarbeiten muss. Mein Sohn ist da ziemlich extrem, da kommt dann Monate oder gar Jahre später erst was. Vergessen aber wird NICHTS. :shock:

Wenn der Filter voll ist, geht einfach nichts mehr rein akut. Deshalb machen Autisten dann sinnvollerweise zu, und lassen zb „einen Film ablaufen“, das hilft beim Verarbeiten, und es kann dann irgendwann wieder weitergehen.
Mit der Form der Wahrnehmung ist das eine sehr sinnvolle und auch die einzig mögliche Reaktion: bei vollem Reizfilter sich ausklinken. Mit der Zeit erkennt man als Eltern die Anzeichen und kann schon vor dem Volllaufen reagieren, dosieren ...
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Sabine76
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Re: Nadine und Emelie (ASS)

Beitrag von Sabine76 »

Hallo Nadine,

Sorry, dass ich mich jetzt erste melde. Ich habe momentan viel zu tun. Wir organisieren für unseren Sohnemann grade eine Teilhabeassistenz für die Schule. Arbeit, Therapien und die Orga für die Schule unter einen Hut zu bringen ist grade fast unmöglich.

Mein Sohn hatte bisher auch mit Tieren nicht so viel am Hut. So ein Therapiehund ist aber eine andere Dimension, weil dieser Hund lernt sich auf Autisten einzulassen. Die Kosten für die Ausbildung kannst du bei der Krankenkasse beantragen. Ein Teil wird übernommen. Ist eine tolle Sache, weil es tatsächlich die Interaktion positiv fördert.

Die Kommunikationshilfen konnten wir auch bei der Krankenkasse als Kosten einreichen. Der Harken ist, dass man das vorher immer mit der Krankenkasse absprechen und im vorab beantragen muss. Im Nachhinein Kosten erstattet zu bekommen ist schwierig.

Mein Kleiner hat in den letzten zwei Jahren so tolle Fortschritte gemacht. Ich habe beim Lesen Deiner Geschichte gemerkt, dass unsere Kinder schon gewisse Parallelen haben.
Wir sind auch noch im Autismuszentrum und machen dort eine Ergotherapie. Das ist auch eine sehr wichtige Stunde für uns, weil wir dort auch konkrete Probleme ansprechen können.

Ich berichte am Wochenende noch ausführlicher...

Herzliche Grüße
Sabine

Sabine76
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Re: Nadine und Emelie (ASS)

Beitrag von Sabine76 »

Hallo Nadine,

im Prinzip klingt die Entwicklung meines Sohnemanns schon sehr ähnlich zu Emelie. Mit ca. 1 1/2 Jahren konnte Jannis immer noch nicht sprechen und war in seiner Welt sehr gefangen. Er hat mit den Armen geflattert und zeigte einige stereotype Verhaltensweisen. Der Kinderarzt sah keine Handlungsnotwendigkeit, weil sich Jungen oft langsamer entwickeln :roll: Wir haben den Kinderarzt so lange genervt, bis er endlich einer Abklärung durch das SPZ zugestimmt hat.
Logopädie konnten wir nun auch machen...da war Jannis zwei. Wir haben ein dreiviertel Jahr auf einen Termin im SPZ warten müssen. In der Zwischenzeit habe ich hier im Forum gestöbert und mich viel im dem Thema Autismus beschäftigt. Wir haben mit den Kommunikationskarten relativ früh angefangen, weil wir gemerkt haben, dass Jannis sehr stark auf visuelle Reize reagiert. Außerdem haben wir jedes Wort,das er sprach mit Belohnungen versehen (ein neues Spielzeugauto, ein Belohnungsstern am Tokenkalender, etc.) Klingt irgendwie nach Konditionierung...ist es irgendwie auch. Dann haben wir Metatalk, dank Engrid entdeckt.
Wir haben den Metatalker in den Alltag integriert. Wir haben mit Zügen gespielt und immer passend dazu im Metatalk die Bilder rausgesucht. Die Sprache fing an sich zu entwickeln. Dann kam mit 3 die Diagnose ASS und wir konnten eine Ergotherapie im ATZ anfangen. Dort empfahl man uns dann auch das therapeutische Reiten und eine Mototherapie. Das Schwimmen war echt eine Herausforderung. Er gewöhnte sich aber nach und nach ans Wasser und nach einem halben Jahr begann er dann zu schwimmen. Der Umgang mit dem Pferd motivierte Jannis auch mehr zu sprechen. Außerdem hat Jannis für sich entdeckt, dass er Musik liebt. Er singt sehr gerne und spielt etwas Klavier. Alles in allem haben wir jede Woche mit Jannis ca. 20 bis 30 Stunden "gearbeitet", soweit Jannis das eben mitmachte. Ansonsten hat er natürlich auch seine Auszeiten bekommen, in denen er auch für sich sein durfte. Es ist irgendwie ein Drahtseilakt zwischen ständiger Förderung und nicht überfordern wollen.
Heute merkt man eigentlich kaum noch, dass Jannis ein Autist ist. Beim genauen Hinschauen schon...er fragt zum Beispiel andere Kinder sofort,.willst du mein Freund sein? ...und das fragt er tausend mal ohne zu merken, dass der andere genervt ist...ist nur ein Beispiel von vielen ...

Sag mal, wie ist bei Emelie? Kannst du sie in den Arm nehmen oder schaut sie dich direkt an?
Jannis schmust ab und zu ganz gerne. Wenn Fremde ihn anfassen wollen, brüllt er allerdings los. Ist aber nicht unbedingt schlecht :lol: . Blickkontakt kann Jannis zwar mittlerweile ab und zu aufbauen aber nicht permanent halten. Das fällt ihm nach wie vor sehr schwer.

In einer Woche wird Fanny, unsere Hundewelpin, bei uns einziehen. Wir freuen uns schon auf die Kleine.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntagnachmittag!

Liebe Grüße
Sabine

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Nadine R.
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Re: Nadine und Emelie (ASS)

Beitrag von Nadine R. »

Hallo Engrid :-)

na das klingt ja super mit den Karten und ziemlich simple, wenn man das an sich selbst auch anpassen kann. Ich hab schon wieder zu schwierig gedacht :D .
Heute habe ich ja wieder eine Liste zum abarbeiten von Behörden ect...*ehrlich, ich mach drei Kreuze, wenn das gröbste geschafft ist* ..jedenfalls werd ich mich da dann gleich mit kundig machen. Gestern war dann auch Kinderarzt -Termin, damit der auch mal auf dem neuesten Stand ist, dann da waren wir das letzte Mal vor Corona. Er hat diese Form von Autismus bisher noch nie gesehen, da sich Emelie wirklich auch auf der Kante befindet, wie wir auch immer sagen.
Ich danke Euch für eure wirklich sehr hilfreichen Tipps, die mir echt sehr gut weiterhelfen und Sorry, das ich immer so spät antworte. Wir sind immer den ganzen Tag unterwegs meist und Abends bin ich dann einfach zu platt :-|

Ich wünsche euch schönen Tag :icon_flower:

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Nadine R.
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Re: Nadine und Emelie (ASS)

Beitrag von Nadine R. »

Huhu Sabine,
ich habe die zweite Seite garnicht gesehen :lol:

dann fang ich mal ganz unten an :-)
Ja emelie will auch kuscheln und schmusen, aber nur in der Familie und nur dann wenn sie es will. Von fremden lässt sie sich nicht anfassen, was im Grunde nicht verkehrt ist. Was ihr allerdings fehlt ist ebenfalls das Einfühlungsvermögen, die Emphatie. Ihr ist es quasi egal, warum man weint oder lacht. Auch wenn sie hinfällt, da hatten wir vor einigen Wochen leider einen Unfall mit dem Tisch, lässt sie sich nicht trösten...sondern sie ging schnurstracks, blutend zum Wasserhahn, nahm sich einen Lappen und wollte kühlen. Wir waren ziemlich Baff. Wir mussten dann den RTW holen weil ich Angste hatte, das die Nase gebrochen war...ich glaube soviel Angst hatte ich schon lange nicht mehr :D und die waren auch über ihr Handeln sehr erstaunt. Andere Kinder schreien gleich nach Papa und Mama ect aber sie weinte kurz und lief gleich los.
manchmal wenn sie was tolles malt oder ein Puzzle schafft ( und das kann sie wirklich gut), dann freut sie sich wenn sie sieht, das uns es gefällt. Diese Reaktion gab es vor einem halben Jahr überhaupt nicht. Das sind so die Dinge die mich hoffen lassen und wo man auch sieht, das Geduld sich auszahlt.
Ich finde persönlich das es voran geht, nur halt in Emelies Tempo...wir dürfen nicht soviel erwarten in einer kurzen Zeit. Diese Erkenntnis war schon bitter, da ich normalerweise kein geduldiger Mensch war. :lol:

Wenn wir im Therapiezentrum ich sag mal, an die Reihe kommen, dann werde ich es mit den Tieren auch ansprechen. Ich selber bin auf dem Dorf aufgewachsen und finde immernoch, das sie die besten Therapeuten für ein Kind sein können. Es wäre wirklich schön, wenn das für Emelie auch so wäre.
An Schwimmen habe ich auch gedacht...letztes Jahr konnten wir an den Strand gehen, was ihr auch sehr gefallen hat. Bevor Corona kam, wollte ich mit ihr ins Schwimmbad, aber jetzt sind die Kinderbecken zu, und in ein großes traue ich mich nicht mit ihr. Weil ich auch nicht weiß, wie sie reagieren wird, da sie zuhause nichtmal in die Badewanne geht sofern da nur ein bisschen Wasser drin steht.

Mit dem SPZ haben wir auch eine Tortour durch...warten auf Termine, dann verschoben..dann weitergereicht und und und...das ganze hat uns 2 Jahre gekostet und das ärgert mich am meisten. Wir können erst jetzt loslegen mit ihr, was wirklich schade und völlig unnötig ist.

Liebe Grüße ;-)

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