Schweiz: Wie kommt man zu einem Pflegebett?

Zum Teil unterscheiden sich die rechtlichen und organisatorischen Strukturen zwischen Deutschland und den verschiedenen Nachbarländern erheblich. Hier in dieser Rubrik sammeln wir alle landesspezifischen Infos.

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karinchen
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Schweiz: Wie kommt man zu einem Pflegebett?

Beitrag von karinchen »

Hallo zusammen,

ich wende mich an euch, in der Hoffnung, dass jemand weiterhelfen kann. Eine meiner Schülerinnen (9 Jahre, schwere geistige Behinderung) wird grösser und passt nicht mehr lange in ihr Gitterbettchen. Dazu kommt, dass sie beginnt, übers Gitter zu klettern und sich so massiv gefährdet (Maisonettewohnung).
Ich habe der Mama angeboten, mich schlau zu machen, wie sie zu einem geeigneten Bett kommen können. Sie haben nicht die finanziellen Mittel um so ein Bett selbst zu kaufen.
Weiss jemand wie man in der Schweiz zu einem Pflegebett für Kinder kommt, das hohe Gitter/Plexiglaswände hat?

Vielen Dank für eure Hilfe.

karinchen
klinische Heil- und Sozialpädagogin, arbeitet in einem Sonderschulheim als Klassenlehrerin von 4 mehrfach- schwerbehinderten Kids zwischen 8 und 12 Jahren

Matthias84
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Re: Schweiz: Wie kommt man zu einem Pflegebett?

Beitrag von Matthias84 »

Wir haben ein Bett von Woodland, die machen die Bettgitter auch extra hoch.

kati543
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Re: Schweiz: Wie kommt man zu einem Pflegebett?

Beitrag von kati543 »

Hallo,
wäre es eine Lösung, sie auf einer Matraze (plus Lattenrost) auf dem Boden schlafen zu lassen? Da muss sie nicht klettern. Das Zimmer kann entsprechend kindersicher gestaltet werden. Dazu kann an der Decke noch ein Babyfon installiert werden zur Überwachung.
Eine reine geistige Behinderung wäre jetzt (bei mir zumindest) nicht so wirklich der Grund für ein Gitterbett auf ewig. Das Kind wird auch mal erwachsen. Ich denke hier sollte man schon weiter planen und dem Kind solche alltagspraktischen Fähigkeiten beibringen. Mein Jüngster (auch GE) hat ein sehr breites Futonbett. Der Rahmen besteht aus 2 übereinanderlegen es Bambusrohren. Da kann man sich auch nicht an einer scharfen Kante verletzen. Das ist alles rund.
Wenn sonst keine Krankenversicherung das Bett zahlen würde, bleibt wohl nur selbst kaufen.
Kann das Kind denn auf Toilette gehen nachts oder wie werden sonstige Bedürfnisse (z.B. trinken) erfüllt.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

AndreaR
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Re: Schweiz: Wie kommt man zu einem Pflegebett?

Beitrag von AndreaR »

Hallo Karinchen

Ich gehe davon aus, dass das Kind ein GG hat und bei der IV angemeldet ist?
Wir bekamen eine Kostengutsprache für ein Pflegebett (allerdings ist Lucia nicht mobil) und das Auforum in Münchenstein vertreibt in der Schweiz die Kayserbetten: https://www.auforum.ch/auforum-markenwe ... etten.html , Modell "Olaf" wäre vielleicht was?

Liebe Grüsse

Andrea (Haimwehbaslere ... ;) )
Lucia (2004), mehrfachbehindert (spastische Tetraparese) wegen multipler de novo Mikrodeletionen, Isabelle (2006) fit und munter

karinchen
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Re: Schweiz: Wie kommt man zu einem Pflegebett?

Beitrag von karinchen »

Hallo zusammen,

danke für die Antworten.
Ich muss glaube ich die Situation/das Kind besser beschreiben:

Das Mädchen kann sich selbst gar nicht versorgen. Toilette etc. braucht sie Hilfe (trägt Windeln). Das grosse Problem ist die Selbstgefährdung. Bei einem kognitiven Entwicklungsstand von ca. 4 Monaten ist alles wo sie sich unbeobachtet bewegen kann gefährlich, da sie absolut kein Gefahrenbewusstsein hat und auch alles (wirklich alles!) in den Mund stopft. Die Motorik ist (leider, oder zum Glück) weit voraus. D.h. sie klettert (auch über Türgitter für Babies) und rennt etc. Treppen geht sie noch nicht sicher. In Kombination mit dem fehlenden Gefahrenbewusstsein finde ich dies sehr schwierig.
Das Mädel kommt von sich aus auch kaum zur Ruhe. Selbst wenn ihr die Augen beinahe zufallen, rennt der Körper weiter (habe ich selbst schon mehrmals erlebt!). Sie braucht da wirklich engen Grenzen zum Runterfahren.
Ich denke auch, dass es für die ganze Familie wichtig ist, dass nicht die ganze Wohnung "sicher" eingerichtet sein muss, da eben alles unerreichbar aufbewahrt werden muss (in der Schule habe ich alles potentiell verschluckbare und gefährliche auf 1.50 m Höhe).
Wenn ich in der Schule gerade keine Person zur "Aufsicht" abstellen kann, dann sitzt sie auf dem Therapiestuhl. Ich weiss, das tönt krass, aber wenn es um ihre Sicherheit geht, ist mir das lieber als dass unter Umständen ein weiteres Heimlich-Manöver nötig wird (hatte ich schon, möchte ich nicht noch einmal).
Das Bett wäre auch eine Erleichterung für die Mama, damit sie wieder ruhig schlafen kann und nicht immer Angst haben muss, dass das Kind die Treppe runterfällt, erstickt, weil sie sich etwas in den Mund steckt etc.

Ich bin sicher, sie ist nicht das einzige Kind mit solchen Bedürfnissen. Was habt ihr für Lösungen, wenn es kein Pflegebett ist?

kati543 hat geschrieben:
24.05.2020, 17:46
Hallo,
wäre es eine Lösung, sie auf einer Matraze (plus Lattenrost) auf dem Boden schlafen zu lassen? Da muss sie nicht klettern. Das Zimmer kann entsprechend kindersicher gestaltet werden. Dazu kann an der Decke noch ein Babyfon installiert werden zur Überwachung.
Eine reine geistige Behinderung wäre jetzt (bei mir zumindest) nicht so wirklich der Grund für ein Gitterbett auf ewig. Das Kind wird auch mal erwachsen. Ich denke hier sollte man schon weiter planen und dem Kind solche alltagspraktischen Fähigkeiten beibringen. Mein Jüngster (auch GE) hat ein sehr breites Futonbett. Der Rahmen besteht aus 2 übereinanderlegen es Bambusrohren. Da kann man sich auch nicht an einer scharfen Kante verletzen. Das ist alles rund.
Wenn sonst keine Krankenversicherung das Bett zahlen würde, bleibt wohl nur selbst kaufen.
Kann das Kind denn auf Toilette gehen nachts oder wie werden sonstige Bedürfnisse (z.B. trinken) erfüllt.
LG
Katrin
Hallo Katrin,
die Matratze wäre grundsätzlich denkbar. Allerdings teilt sich das Mädel das Zimmer mit der kleinen Schwester, die dann auch keinen Zugang zu ihren Spielsachen hätte... Und sie könnte ja trotzdem aus dem Zimmer raus und in die ganze Wohnung...
Bei den alltagspraktischen Fähigkeiten sind wir dran, aber da ist sie weit weg davon, dass man sie aus den Augen lassen kann.
Meine Frage ist ja eben auch, wie man vorgehen muss und ob die IV oder die Krankenkasse so ein Bett übernimmt. Ich hatte bisher nur Schüler, denen eine Bett mit niedrigen Bettgittern reichten und die ein Bett von Cerebral bekamen. Dieses Bett ist für diese Schülerin aber nicht das richtige.

AndreaR hat geschrieben:
24.05.2020, 18:45
Hallo Karinchen

Ich gehe davon aus, dass das Kind ein GG hat und bei der IV angemeldet ist?
Wir bekamen eine Kostengutsprache für ein Pflegebett (allerdings ist Lucia nicht mobil) und das Auforum in Münchenstein vertreibt in der Schweiz die Kayserbetten: https://www.auforum.ch/auforum-markenwe ... etten.html , Modell "Olaf" wäre vielleicht was?

Liebe Grüsse

Andrea (Haimwehbaslere ... ;) )
Hallo Andrea,
betreffend GG bei der IV bin ich gerade unsicher. Kann das aber morgen nachschauen. Habt ihr dann einfach bei der IV einen Antrag gestellt, oder lief das über einen Arzt?
Danke für den Link. Ja genau, an Olaf habe ich eben auch gedacht.

Griessli us Basel :D
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AndreaR
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Re: Schweiz: Wie kommt man zu einem Pflegebett?

Beitrag von AndreaR »

Das ging über den Arzt, der ein Rezept dafür ausstellte und einen kurzen Brief dazu schrieb.
Dann aber völlig problemlos
Leider vermietet das Auforum den Olaf nicht, aber wahrscheinlich könnte die Familie den mal angucken gehen?
Damals (vor 8 Jahren ... ;) ) waren die Kontakte in Münchenstein alle sehr nett und hilfsbereit!
Griessli zrugg :)
Andrea
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Re: Schweiz: Wie kommt man zu einem Pflegebett?

Beitrag von Sia »

Hallo Zusammen

Wir haben unser Pflegebett auch über die IV bekommen. Die sind zuständig. Ich nehme an, dass dieses Kind, wenn es so wie beschrieben "unselbständig" ist, HE und IPZ erhält. Dann sollte die Kostengutsprache über die IV kein Problem sein. Unser Bett ist auch von Auforum!
Der behandelnde Arzt soll einen Bericht / Verfügung schreiben, der Orthopäde eine Offerte für ein Bett erstellen und dann alles zusammen an die IV senden!
Eine schöne Zeit wünscht
Sia (aus der Schweiz :wink:)
Stell' dich täglich dem Wind, dann trotzt du dem Sturm. Geh' lachend durch den Regen und du überwindest die Flut
J. 2004 MPS3a / K. 2005 hochfunktionale ASS / M. 2010 ADHS

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