Schule in der Corona-Zeit

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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LasseUndJohannes
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von LasseUndJohannes »

Alexandra2014 hat geschrieben:
28.05.2020, 09:34
Die Frau des Patienten 1 war ja Erzieherin und selbst erkrankt. 4 Kinder hatte sie infiziert.
Das ist alles noch vage, klar, aber ich sehe da schon gewisse Tendenzen.
Hi,
die Geschichte der Kita geht noch weiter. Die Erzieherinnen wurden auch alle getestet. Von knapp 30 waren etwa 30 % infiziert. Das sind 30 Prozent bei Erwachsenen zu 4 Prozent bei Kindern.

Dies ist ein einzelnes Ausbruchsgeschehen. Daneben deuten viele andere in die gleiche Richtung. Es ist für mich wesentlich mehr als bloße Spekulation.

Auf die Studien dazu werden wir warten müssen. Habe mir auch die Studie von Drosten zur Virenlast bei Kindern durchgelesen. Ein Problem wird dabei offenbar. Mediziner sind was Statistik angeht manchmal eher schwach auf der Brust.
VG
Lasse

Johannes 2008, extremes ADHS, Fehldiagnose (?) Autismus
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Alexandra2014
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Alexandra2014 »

LasseUndJohannes hat geschrieben:
28.05.2020, 13:26
Alexandra2014 hat geschrieben:
28.05.2020, 09:34
Die Frau des Patienten 1 war ja Erzieherin und selbst erkrankt. 4 Kinder hatte sie infiziert.
Das ist alles noch vage, klar, aber ich sehe da schon gewisse Tendenzen.
Hi,
die Geschichte der Kita geht noch weiter. Die Erzieherinnen wurden auch alle getestet. Von knapp 30 waren etwa 30 % infiziert. Das sind 30 Prozent bei Erwachsenen zu 4 Prozent bei Kindern.

Dies ist ein einzelnes Ausbruchsgeschehen. Daneben deuten viele andere in die gleiche Richtung. Es ist für mich wesentlich mehr als bloße Spekulation.

Auf die Studien dazu werden wir warten müssen. Habe mir auch die Studie von Drosten zur Virenlast bei Kindern durchgelesen. Ein Problem wird dabei offenbar. Mediziner sind was Statistik angeht manchmal eher schwach auf der Brust.
Ich schrieb ja auch Tendenzen, nicht Spekulation. :wink:

Statistik muss man mögen (die meisten tun es nicht). Das ist allgemein nicht jedermanns Sache. Mein Mann jammert heute noch, dass das im Studium (nicht Medizin) das schlimmste Fach war. :mrgreen:
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

liebe Silvia, ich bin selber Wissenschaftlerin. Eine, wie Du schreibst „ wissenschaftlich begründete Vermutung“ ist nichts weiter als das: eine Vermutung. Eine vielleicht schlüssige, aber jedenfalls unbewiesene These. Manche Virologen vermuten, dass Kinder weniger ansteckend sind oder fast gar nicht, andere finden die Belege dafür zu dünn. Diesem letzten Satz wird jeder der seriösen Virologen, die mit Coronaviren näher befasst sind, zustimmen.
Nun kann man sagen: „Wird schon schiefgehen“ und so tun als wäre es schon bewiesen. Mit Wissenschaft hat das dann nichts mehr zu tun.
Dem Virus sind Vermutungen egal ...

Hat mal jemand einen Link zu diesem Kindergarten-30:4-Ausbruch?

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Anna Pia
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Anna Pia »

“Das Gegenteil von gemeinsam“. Der Fall eines Siebenjährigen mit Down-Syndrom zeigt, wie gefährdet Inklusions-Erfolge in Corona-Zeiten sind

Hier weiterlesen: https://www.sueddeutsche.de/politik/ink ... -1.4921039

Ein halbseitiger Artikel äußerst prominent platziert im Politik-Teil der Süddeutschen Zeitung (das kommt in der Online-Ausgabe nicht so rüber, macht aber natürlich sehr viel aus für die Wahrnehmung.)
Anna Pia: Kinderlose Historikerin auf der Suche nach einer inklusiven Gesellschaft.

Anna Pia
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Anna Pia »

Vielleicht noch das wichtigste Zitat aus dem Artikel (Hervorhebung von mir):
So wurde der Fall Frederick letztlich zu einem Lehrstück dafür, was in Corona-Zeiten und darüber hinaus mit der Inklusion an Deutschlands Schulen passieren kann, wenn die Betroffenen nicht ganz genau aufpassen. Denn Inklusion ist ein Menschenrecht. Es gehe dabei, wie der Bundes-Behindertenbeauftragte Jürgen Dusel betont, nicht "um irgendwas Nettes, sondern um die Umsetzung von fundamentalen Grundrechten".
Anna Pia: Kinderlose Historikerin auf der Suche nach einer inklusiven Gesellschaft.

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

danke, Pia, ein echt guter Artikel. :-)
Und nachdem was da berichtet wird, hat der Gang an die Öffentlichkeit nun auch geholfen.
Alles Gute weiterhin für die Inklusion! <3 Vielleicht wird’s ja doch noch.

Grüße
Engrid
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LovisAnnaLarsMama
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von LovisAnnaLarsMama »

Das ist ein sehr schönes Ergebnis, hoffentlich ziehen andere Schulen nach, die ein Problem damit haben.
Lg
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

grace
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Re:

Beitrag von grace »

Engrid hat geschrieben:
29.05.2020, 00:59
Hallo,

liebe Silvia, ich bin selber Wissenschaftlerin. Eine, wie Du schreibst „ wissenschaftlich begründete Vermutung“ ist nichts weiter als das: eine Vermutung. Eine vielleicht schlüssige, aber jedenfalls unbewiesene These. Manche Virologen vermuten, dass Kinder weniger ansteckend sind oder fast gar nicht, andere finden die Belege dafür zu dünn. Diesem letzten Satz wird jeder der seriösen Virologen, die mit Coronaviren näher befasst sind, zustimmen.
Nun kann man sagen: „Wird schon schiefgehen“ und so tun als wäre es schon bewiesen. Mit Wissenschaft hat das dann nichts mehr zu tun.
Dem Virus sind Vermutungen egal ..
Danke Engrid für deinen Beitrag, manche User sollten sich wirklich gut überlegen ob es Sinn macht bei den Coronavirus Themen mitzuschreiben, denn es scheint Ihnen jegliche Basis zu fehlen und sie denken egoistisch einfach nur an die eigenen Bequemlichkeit!

Ich will nicht wissen was diese Eltern sagen würden, sollten sich ihre Kinder und dann die gesamte Familie tatsächlich In der Schule anstecken, weil diese es mit den neuen Vorschriften nicht so genau nimmt oder eben dieses „wird schon schiefgehen“ System anwendet und wieder aufmacht als sei nichts geschehen...

Das Geschrei wäre riesengroß, vor allem von den Eltern die sich jetzt am meisten lamentieren und beschweren!

Sie würden die Schule, die Lehrer und den Staat angreifen, denn diese sind sowieso immer an allem Schuld, auch an der eigenen Unfähigkeit!

Dem Virus sind nicht nur Vermutungen egal, sondern auch Demokratie, Gerechtigkeit, Inklusion usw.

Es ist unglaublich wie stark da einige Menschen in ihrem „Wohlstands-Denken“ festliegen und meinen der „Staat“ oder die „Anderen“ müssten dafür sorgen das es ihnen und ihren Kinder an nichts fehlt.

Im Respekt der vielen Tausende von Menschen (und nein, sie waren nicht alle alt und/oder mit Vorerkrankungen) die alleine und einsam sterben mussten und deren Angehörigen nicht einmal Abschied nehmen konnten, sollten einige Leute ihre „Luxusprobleme“ doch einfach für sich behalten und den Wissenschaftlern die notwendige Zeit geben den neuartigen Virus besser zu verstehen.

Grace

Silvia15
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Silvia15 »

Ich denke auch in einem solchen Forum sollte Meinungsfreiheit gelten und man sollte kontrovers diskutieren dürfen.

Ich habe nirgends geschrieben, dass ich die Pandemie und das Virus auf die leichte Schulter nehme, mich nicht an die Regeln halte etc. ich finde es sehr schade wenn man mir so etwas unterstellt.

Denn nur weil ich in einem in punkto Sicherheit mit allem Schnick Schnack ausgestatteten Auto fahre, heißt dies noch lange nicht dass ich mich nicht an die Verkehrsregeln halten muss und vor jeglicher Gefahr im Straßenverkehr geschützt bin.

Ich fand es lediglich falsch, die Tatsache, dass Kinder in der Übertragung von Corona eine eher untergeordnete Rolle spielen unter dem Scheffel der Boulevardpresse zu stellen obwohl sich mehrere wissenschaftliche Fachverbände bereits dafür ausgesprochen haben, dass dies nach derzeitigen Erkenntnissen wohl der Fall ist.

Aber auch hier gilt wenn es denn so ist, das gleiche wie mit dem Auto eine 100 % Sicherheit gibt es nicht. Es bedeutet doch lediglich man kann sich im Bezug auf Kinder etwas entspannen.

Und natürlich darf man und kann man das kontrovers Diskutieren, muss aber stichhaltige Argumente anderer nicht für Nonsens erklären. Denn Momentan gibt es weder stichhaltige wissenschaftliche Beweise dafür, dass Kinder besonders ansteckend sind noch wissenschaftliche Beweise, dass dem nicht so ist. Beide Richtungen beruhen lediglich auf Vermutungen und auch die Studie von Herrn Drosten in wie weit Kinder ansteckend sind, wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Also es ist alles nichts halbes und nichts Ganzes. Man kann sich nur die statistischen Zahlen ansehen, die sind für jeden ersichtlich und ich muss kein Wissenschaftler sein um mir ein Bild davon zu machen. Natürlich kann man hier immer fragen wie und wie viel wurde in jeder Altersgruppe getestet etc.. Aber wenn man alles zusammennimmt und sich auch die Meldungen zu den Ergebnissen der Heidelberger Studie ansieht, dann deutet derzeit eben viel darauf hin, dass Kinder eben in der Verbreitung des Virus eine untergeordnete Rolle spielen. Auch, dass Kinder in der Regel weniger stark erkranken ist nicht von der Hand zu weisen.

Was ich aktuell an unserer Gesellschaft kritisiere ist lediglich die Prioritätensetzung. Da werden behinderte Kinder von Schulen ausgeschlossen zum teil schikaniert (was ja jetzt hier ins Thema passt) weil sie sich nicht an die Regeln halten können. Aber anstelle, dass man die Schwachen in unserer Gesellschaft mitzieht und bei etwaigen Regelverstößen ein Auge zudrückt. (Denn es heißt ja nicht, dass für diese Kinder die Regeln nicht gelten, es heißt nur dass sie bei Verstößen nicht in dem Maße belangt werden wie ein gesundes Kind) Muss z. B. der Ball in der Bundesliga wieder rollen und es ist sowas von egal ob unsere Herren Fußballspieler sich an die Regeln halten und wenn eben nicht, da wird dann mal Du du du gemacht und das wars. Einem Schüler hingegen droht der Schulausschluss. Mich macht einfach wütend, dass wir von unseren Kindern, die das Ganze am wenigsten verstehen, mehr verlangen wie von uns Erwachsenen selbst. Eigentlich müsste es doch eben umgekehrt sein, wir Erwachsene müssen die Kinder schützen und nicht die Kinder uns. Aber so kommt es für mich Momentan rüber. Und gerade unter dem Aspekt, dass nach momentanen Erkenntnissen Kinder womöglich im Infektionsgeschehen kaum eine Rolle spielen ist das Ganze für mich eben erst recht eine Farce.

Nein und es heißt für mich nicht im Umkehrschluss, dass wir jetzt alle Schulen und Kindergärten in den ganz normalen Regelbetrieb öffnen wie vor der Pandemie. Allerdings muss es irgendwann in langsamen Schritten weitergehen. Wir dürfen nicht aus Angst in einer art Schockstarre verweilen.
Silvia mit Maximi (Juli 15, F84.5) und Minimi (Mai 17, ein normaler Wirbelwind)

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HeikoK
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von HeikoK »

Hallo,

ich arbeite als Logopäde in einem heilpädagogischen Kindergarten, wir haben für uns einen sehr klaren Pandemie-Hygieneplan aufgestellt und auf unsere Einrichtungen zugeschnitten... Aber es ist verdammt hartes Brot! Ich therapiere mit Maske und möglichst mit Abstand, anteilig mit Maske und Speichelschutzwand, anteilig mit Visier und Abstand...aber erstens gibt es auch noch Kinder bei denen kein Abstand eingehalten werden kann (ich arbeite mit vielen schwerstmehrfachbehinderten oder autistischen Kindern zusammen) und zweitens ist ein Logopäde mit Maske vor dem Mund auch nicht das gelbe vom Ei. Ich will sagen, WIR Erwachsen tun unser möglichstes, aber die Kosten-Nutzen-Rechnungen sind echt schwierig. Und natürlich kann ich Kindern Hygieneregeln und Niesetikette beibringen...Aber wer sorgt für die Einhaltung? Wenn ich jedes mal wenn das Kind vor mir die Hände in den Mund steckt das Kind zum Händewaschen schleppe, wird dem Kind schwindelig.... Wir waschen vor der Therapie und auch nach der Therapie die Hände.... aber was ist im Kindergartenalltag? Wie oft wandern da die Hände in den Mund und anschließend über irgendeinen Gegenstand... wie soll da die Hygieneeinhaltung funktionieren? Ich bin wirklich froh darüber, das meine Kids wieder da sind, aber es ist nun mal nicht mit einem Stück Papier getan, auf dem Hygieneplan steht, dieser muss auch umgesetzt werden bzw. überhaupt umsetzbar sein....Ich denke, die die die Kinder nicht von jetzt auf Gleich in die Kita schicken wollten haben somit nicht zwangsläufig etwas gegen Kinder oder missachten deren Rechte...sondern machen sich Gedanken, wie die Vorschriften dann in der Realität umgesetzt werden sollen und können.

LG Heiko
Logopäde
Sprachanbahnung, Fachtherapeut für kindliche Schluckstörungen

"Wie hast du den Vogel zum Singen gebracht, Momo? Niemand hat das bisher geschafft!" "Ich denke, man muss ihm auch zuhören, wenn er nicht singt!" (M.Ende)

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