Schule in der Corona-Zeit

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

derzeit ist das noch reine Spekulation, dass Kinder weniger oder nicht ansteckend seien.
Ehrlich gesagt nervt mich diese oberflächliche und teils reißerische Berichterstattung. „Star-Virologe“ :roll: Die Bildzeitung setzt sich auf jede Sau, solange es Auflage oder Clicks verspricht. Behinderte und Risikogruppen sind denen wurscht, deshalb bedienen sie auch gerne die Leichtgläubigen mit Verschwörungstheorien, mit Feigenblatt-Fragezeichen dahinter.

Grüße
Engrid
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Silvia15
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Silvia15 »

Hmm Engrid,

ich gebe dir vollkommen recht, dass die Tatsache dass Kinder unter 10 weniger Infektiös sind wie Erwachsene rein auf statistischen Daten beruht welche durchaus Fehlerhaft sein können. Aber tatsächlich gehen viele Virologen davon aus, dass Kinder wenig Bedeutung im Infektionsgeschehen von Corona haben. Das hat jetzt erstmal nichts mit Bildberichterstattung zu tun.

Denn aufgrund dieser Erkenntnisse haben sich bereits einige Länder dazu entschlossen in Schulen und Kitas wieder den Rehelbetrieb zu starten. Auch mehrere deutsche Verbände mit Kinder und Jugendmediziner raten aufgrund dieser Erkenntnisse dazu. Ich glaube jetzt nicht dass sich Politiker und Ärzte an Bildberichterstattung orientieren.

Wenn man die Statistiken ansieht könnte man schon davon ausgehen, dass die Vermutung Kinder unter 10 haben keinen großen Einfluss bei der Verbreitung Corona stimmig ist. So gibt es z. B. in Bayern gerade mal um die 500 nachgewiesene Infektionen bei Kindern unter 10 was bei über 40 000 Gesamtinfektionen einen Anteil von nichtmal 2 % der Infizierten ausmacht.

Auch hat sich bisher weder im Vorfeld der Schließungen noch jetzt bei den Teilöffnungen eine Einrichtung als Hotspot oder sogenannter Superspreader erwiesen. Es gab immer nur einzelne Fälle die vermutlich dann auch gut nachverfolgbar sind.

Lediglich Herr Drosten hält mit einer kleinen Studie bisher dagegen. Diese Studie ist bei Wissenschaftlern jedoch mittlerweile auch umstritten und wird kontrovers Diskutiert. Das gilt g ebenfalls durch diverse Medien auch im nahen deutschsprachigen Ausland, gut z. b. die Schweiz muss ja ihren Weg der Öffnung begründen.

Das man weiterhin vorsichtig an die Öffnung der Schulen und Kitas herangeht finde ich richtig. Da derzeit alles mit viele Fragezeichen versehen ist in wie weit Kinder zum Infektionsgeschehen beitragen. Allerdings der Seite die sich aufgrund der derzeitigen Erkenntnise für die Öffnung ausspricht nur in Richtung Bildzeitung zu schieben finde ich einfach nicht gut, denn die Statistiken sprechen tatsächlich derzeit eher dafür, dass Kinder seltener Erkranken und somit auch für die Ausbreitung weniger verantwortlich sind.
Silvia mit Maximi (Juli 15, F84.5) und Minimi (Mai 17, ein normaler Wirbelwind)

Silvia15
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Silvia15 »

Sorry ich kann nicht mehr editieren es sind knapp über 1000 Fälle bei Kindern unter 10 in Bayern. Ich hab übersehen, dass die Balken in der Grafik in männlich und weiblich geteilt sind muss man dann natürlich zusammenrechen. Ist aber trotzdem noch sehr wenig im Gesamtverhältnis.

Die Zeit wird es zeigen was letztlich richtig ist. Aber eine Tendenz dass Kinder weniger betroffen sind ist einfach nicht mehr von der Hand zu weisen.
Silvia mit Maximi (Juli 15, F84.5) und Minimi (Mai 17, ein normaler Wirbelwind)

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

ja, ist halt gut möglich, dass die geringe Zahl der positiv getesteten Kinder davon kommt, dass hier nur symptomatische Personen getestet werden und maximal noch direkte Kontaktpersonen. Jüngere Kinder sind offenbar weit überwiegend asymptomatisch. Und dass in Studien mit Freiwilligen (Island) kaum Kinder dabei sind - wer schleppt seine quietschfidelen Kinder zu einem unangenehmen Test?
Diejenigen, die jetzt öffnen aufgrund der Annahme, dass Kinder weniger infektiös sind, interpretieren Statistiken halt so, wie sie es brauchen können, sicherlich auch oft in gutem Glauben, aber eben auch oft aufgrund ökonomischer Zwänge. Wissenschaftlich belegt ist es deshalb nicht, das bestreitet auch die Wissenschaft nicht.

Wollen wir mal hoffen, dass es so ist, dass Kinder das Virus weniger verbreiten. Wenn nicht, wird’s eckig ...

Grüße
Engrid
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Alexandra2014
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Alexandra2014 »

Hallo!

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es bezüglich Ansteckung bei Kindern, die nicht auf Statistik beruht.
Prof. Streeck z.B. hat das ja mit in die Heinsberg Studie einfließen lassen. Dort stellte es sich zumindest so dar, dass infizierte Kinder überwiegend von Erwachsenen angesteckt wurden, sich aber nicht groß untereinander ansteckten und auch kaum Erwachsene ansteckten.
Die Frau des Patienten 1 war ja Erzieherin und selbst erkrankt. 4 Kinder hatte sie infiziert.
Das ist alles noch vage, klar, aber ich sehe da schon gewisse Tendenzen.

Auch Schweden hatte ja zu keiner Zeit Kitas und Grundschulen geschlossen und auch hier gibt es keine größeren Ausbrüche. Spätestens wenn asymptomatische Kinder ihre Eltern anstecken würden, würde das Ganze ja auffallen.

Erstaunlich fand ich auch die Testung von vier kleinen Kindern, deren Mutter infiziert war. Keines der Kinder hatte Antikörper, obwohl da ja eine sehr enge Verbindung zur Mutter bestand.

Der erste Infizierte hier im Kreis ist ein Bekannter von uns. Er hatte sich im Skiurlaub angesteckt. Auch er hat seine beiden Jungs (die nicht mit im Urlaub waren) nicht angesteckt.
Und auch die Theorie, dass alle in einem Haushalt lebenden Personen sich sowieso anstecken würden, ist mittlerweile ja wieder vom Tisch.

Es bleibt spannend!

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

RikemitSohn
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von RikemitSohn »

Hallo,

Engrid hat es ganz gut auf den Punkt gebracht. Es gibt Möglichkeiten der Übertragung, die aber noch keiner genau weiß. Viele Eltern und Wirtschaftsstrategen deuten diese Vielleichts gerade in gegebene Tatsachen um. Was ist, wenn es sich als falsch herausstellt? Wer möchte für die Folgen die Verantwortung übernehmen?
Es gibt keine Hygienekonzepte für Kindergärten oder Krippen, denn wenn sich 25 Kinder in relativ engen Räumen tummeln, ist das gar nicht machbar. Öffnet man jetzt, ist das ein Experiment, von dem keiner genau sagen kann, wie es ausgeht. Wer bereit ist, das zu riskieren, kann normal öffnen.
Schweden ist für mich ein immer noch schlechtes Beispiel, denn die haben mit ihrer Art der Pandemieeindämmung extrem hohe Fallzahlen. Hätten wir die gleichen Fallzahlen pro 100.000 Einwohner in Deutschland wären wir bei über 80.000 Toten.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

Silvia15
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Silvia15 »

Hmm ich verlinke jetzt mal die
Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), der Deutschen
Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), der Deutschen Akademie für Kinder- und
Jugendmedizin (DAKJ), der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP)
und des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland (bvkj e.V.) zu Schulen und Kitas sollen wieder
geöffnet werden. Der Schutz von Lehrern, Erziehern, Betreuern und Eltern und die
allgemeinen Hygieneregeln stehen dem nicht entgegen

Die Stellungnahme ist relativ neu, auch untermauert scheinbar eine Studie aus Heidelberg nun die Aussagen die hier in dieser Stellungnahme getroffen werden.

Ich vage zu behaupten, dass dieses Schreiben weder von Politikern noch von Wirtschaftsstrategen angetrieben wurde.

Aber eben genau zu dem Entschluss kommt, dass Kinder nach jetziger Datenlage eben eher keine Rolle in der Ausbreitung des Virus spielen. Ich kann die Stellungnahme nicht direkt verlinken aber nachzulesen auf der Seite des Berufsverbandes der Kinder und Jugendärzte e. V.
https://www.bvkj.de/startseite/

Ich finde es völlig in Ordnung das ganz Kritisch zu betrachten. Aber man kann die Hinweise, dass Kinder eben in der Pandemie tatsächlich eine geringe Rolle spielen, einfach nicht mehr nur ins Land der Ammenmärchen schieben.
Silvia mit Maximi (Juli 15, F84.5) und Minimi (Mai 17, ein normaler Wirbelwind)

RikemitSohn
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von RikemitSohn »

Hallo Silvia,

ich habe den verlinkten Text von dir gelesen. Da steht eindeutig drin, dass momentan mehrere Studien laufen, deren Ergebnis mit Spannung im Juni erwartet wird. Bis dahin wird auch in dieser Stellungnahme zu kontrollierten Öffnungen in Kleingruppen geraten. Es wird gesagt, dass Kleinkinder betreut werden sollen. Aber bis klare Ergebnisse da sind, sollen sie nur unter Hygienebedingungen betreut werden, die momentan für alle Kinder nicht leistbar sind.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

SandyErgo
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von SandyErgo »

Hi!

Mal sehen, ob bei uns hier in Sachsen es zu einer Zunahme von infizierten Erwachsenen und/oder Kids in nächster Zeit kommt. Am Wochenende sind die ersten 14 Tag rum, in denen Grundschule und Kindergarten für alle geöffnet sind. Meines Wissens sind zwar noch nicht wieder 100% da, aber in den meisten Grundschulen doch ein Großteil wie auch in den Kindertageseinrichtungen.
Nach Pfingsten wäre ja die Inkubationszeit rum - mal sehen, ob sich da was verändert. Wobei es hier in den letzten Tagen kaum Neuansteckungen vermeldet wurden. Und die Ausbrüche, die passiert sind - konnten auch gut nachverfolgt werden.
>> da müssen wir uns mal überraschen lassen.

LG
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

Silvia15
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Silvia15 »

RikemitSohn hat geschrieben:
28.05.2020, 10:44
Hallo Silvia,

ich habe den verlinkten Text von dir gelesen. Da steht eindeutig drin, dass momentan mehrere Studien laufen, deren Ergebnis mit Spannung im Juni erwartet wird. Bis dahin wird auch in dieser Stellungnahme zu kontrollierten Öffnungen in Kleingruppen geraten. Es wird gesagt, dass Kleinkinder betreut werden sollen. Aber bis klare Ergebnisse da sind, sollen sie nur unter Hygienebedingungen betreut werden, die momentan für alle Kinder nicht leistbar sind.

LG Rike
Ganz so wie du das her runterbrichst steht es da nicht drin. Die vorgeschlagenen Hygienebedingungen der Kommissionen, wie vermehrtes Händewaschen, den Kindern gewisse Hygienestandards in Kindgerechter Art und Weise näher bringen, funktioniert schon bei den Kleinen. Auch gewöhnen sich Kinder an die Tatsache, dass Menschen/Erzieher Masken tragen. Vielleicht nicht alle aber doch die meisten. Das mit den Masken wird für Kinder schneller Alltag als wir denken. Ansonsten schreibt die Kommission vor allem, dass Lehrer und Erzieher und Eltern sich an die Maßnahmen halten müssen und weniger die Kinder.

Natürlich muss man noch vorsichtig sein und das ist auch überhaupt nicht verkehrt. Es ist gut, dass man weiter forscht um auch die Schlüsse aus der jetzigen Datenlage im Bezug auf die Rolle der Kinder in der Pandemie, wissenschaftlich zu belegen. Es gibt z. B. Vermutungen, dass bei Kindern unter 10 Jahren gewisse Rezeptoren an die das Virus gut andocken kann noch nicht so ausgereift sind. All das muss belegt werden. Bevor man sagen, kann ja es ist definitiv so, bis dahin sind alles nur Mutmaßungen.

Aber die Datenlage lässt dennoch aktuell eben eine wissenschaftlich begründete Vermutung zu, dass Kinder für die Ausbreitung kaum bis gar nicht verantwortlich sind. Weshalb wir einfach davon abkommen sollten die Kinder als Ursache allen Übels zu sehen.

Denn ich habe den Eindruck von den Kindern wird mehr im Bezug auf Abstand, Hygiene, Umsicht, Vorsicht erwartet wie von den Erwachsenen. Die dürfen nämlich wieder in Biergärten, Fitnessstudios, natürlich ins Büro etc. und viel pfeifen auf Hygiene und Abstand. Nur weil jemand erwachsen ist heißt es nicht dass er umsichtig ist. Ich finde einfach wir Erwachsene tragen unsere Bedürfnisse auf dem Rücken der Kinder aus. Weil wenn wir Erwachsene uns an alles halten würden, dann wäre es durchaus verkraftbar wenn Kinder es nicht zu genau nehmen würden. Auch sind wir wahrlich oft schlechte Vorbilder aber die Kleinen sind die Leidtragenden.
Silvia mit Maximi (Juli 15, F84.5) und Minimi (Mai 17, ein normaler Wirbelwind)

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