Wahrnehmungsstörungen [2]

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Ricco92
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Wahrnehmungsstörungen [2]

Beitrag von Ricco92 »

Hallo!

Ich hatte vor einigen Monaten bereits über meine aktuelle Situation geschrieben & seit dem hat sich einiges bei mir getan. Teilweise zum positiven. Oft aber auch zum negativen. Mein ursprünglicher Beitrag ist hier einsehbar: ftopic136391.html

Ich habe mittlerweile mit dem Kampfsport angefangen & weiter in der Gastronomie gearbeitet. Leider musste ich zwischendurch feststellen, dass ich mir doch etwas zu viel zumute. Fremdsprache lernen, für den Führerschein üben & quasi "nebenbei" in einem stressigen Job arbeiten, ist dann zu viel gewesen.

Mittlerweile habe ich wieder das Bedürfnis darüber zu sprechen/schreiben. Geselliger bin ich mittlerweile geworden. Mir fällt es viel leichter, und macht es auch tatsächlich Spaß auf Menschen zuzugehen.

Leider bin ich vor wenigen Tagen wieder gekündigt wurden, und langsam bekomme ich den Eindruck, in dem falschen Beruf zu arbeiten. Ich habe eine Menge gelernt. Oft waren auch Arbeitgeber dabei, die zufrieden mit mir gewesen sind. Aber da ich noch nicht voll ausgelernt bin, und ich oft in Betriebe lande in denen schon einiges schief läuft, schaffe ich es nicht alle Bereiche so schnell zu lernen, wie es manche Arbeitgeber gerne hätten.

Ich habe nächste Woche ein erstes telefonisches Gespräch mit einer Psychotherapeutin, der ich dann wahrscheinlich einen kurzen Überblick über mich als Person geben soll. Die nächsten Tage konzentriere ich mich darauf den Führerschein zu machen um beruflich mehr Chancen zu haben. Nächste Woche habe ich allerdings auch wieder den Termin beim Arbeitsmarktservice (wohne in Österreich, so heißt das dementsprechend hier). Wahrscheinlich geben die mir gleich wieder ein Vorstellungsgespräch für die Gastronomie. Nach den vielen Rückschlägen aber auch Fortschritte, bleibt eine mulmiges Gefühl zwischen Hoffen & Bangen.

Man bekommt bei Kündigungen natürlich immer nur seine negativen Seiten vorgetragen. Die Personen haben keine Ahnung, wie sehr man sich in den letzten Jahren bereits zum positiven verändert hat. Das lässt einen selbst manchmal glauben, dass man komplett Versagen würde. Auch wenn ich eigentlich weiß, dass es nicht stimmt.

Beste Grüße,

Ricco92

sandramaus
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Re: Wahrnehmungsstörungen [2]

Beitrag von sandramaus »

Hallo,da
wie stark bist du denn motorisch und kognitiv eingeschränkt?

Hast du einen Berufsabschluss in der Gastronomie, oder bist du in den Job reingerutscht?

Ich finde es mutig, mit motorischen und kognitiven Problemen in der Gastronomie, wo es auf Schnelligkeit und Flexibilität ankommt.

Ich weiss nicht, wie das Gesundheitssystem in Österreich ist?!
Hier in Deutschland würde ich dir eine neurologische Reha empfehlen und Ergotherapie sowie Krankengymnastik..

Ansonsten kann helfen:
- Sport (Schwimmwn, Tanzen, ect.)
- Feldenkrais, Yoga, Qi Gong, Taichi
- Instrument erlernen, Chor

Viele Grüße Sandra

Ricco92
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Re: Wahrnehmungsstörungen [2]

Beitrag von Ricco92 »

Hallo Sandra,

ich habe quasi eine "Schnellausbildung" gemacht, da in der Gegend in der ich wohne sehr dringend Arbeitskräfte in der Gastronomie gesucht werden.
Ich tue mich bei neuen Dingen häufiger schwer, weil ich länger brauche um es zu lernen. Mehrere Teller tragen, hat mit viel Übung funktioniert. Viele andere Dinge funktionieren auch dank sehr viel Training, und dadurch dass ich mit der Zeit kognitiv an Leistung zugenommen habe.

Viele Betriebe in denen ich gewesen bin, haben auch häufig keine Zeit einem etwas richtig beizubringen. Und die Frunstrationstoleranz geht wegen der eigenen prekären Lage des Arbeitgebers (viele versuchen bereits seit Jahren ein Team an Mitarbeitern zusammen zu stellen.) gegen 0. Das habe ich immer wieder bei banalen Dingen bemerkt, die maximal aufgebauscht wurden. Wo andere Menschen höchstens drüber schmunzeln würden.

Hauptsächlich aber besteht das Hauptproblem im der Gedächtnisleistung (Wo stand nochmal jenes? oder dieses?, welches Gericht ist das?) bzw ferner in der Motorik. Bei meinem letzten Arbeitgeber bin ich als einziger Kellner nach dem Umbau des Restaurants dort gewesen. Das hat überraschend gut funktioniert. Einen Überblick in stressigen Situationen zu behalten, gelingt mir mittlerweile ganz gut. Allerdings habe ich auch vieles wieder vergessen, nachdem ich nun einige Wochen coronabedingt Pause machen musste. Vieles habe ich auch in diesem Betrieb nicht richtig gelernt, weil man so überfordert wird, dass man keine Zeit hat Dinge "sacken zu lassen".

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Ich glaube das Gesundheitssystem ist bei solchen Dingen ähnlich aufgebaut wie in Deutschland. Kann es aber nicht mit Gewissheit sagen.

Von "Feldenkreis" habe ich schon mal gehört. Ich werde das mal "nachschlagen".

Ich habe in Deutschland Ergotherapie ausprobiert. Das hat leider nicht besonders viel gebracht bzw ich hatte den Eindruck, als wenn dort kein Konzept vorhanden wäre, das einigermaßen auf Erwachsene zugeschnitten ist. Die Ergotherapeutin war sichtlich irritiert, als sie mit mir arbeiten sollte.

Beste Grüße,

Ricco92

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