Corona-Abstand - welche Lösung für SchulKinder, die es nicht können/verstehen?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Martina78
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Corona-Abstand - welche Lösung für SchulKinder, die es nicht können/verstehen?

Beitrag von Martina78 »

Hallo,
Langsam sollen die Kinder wieder in die Schule gehen. Julia ist mobil, kann also laufen und tut dies auch sehr gerne, aber sie ist kognitiv nicht in der Lage so etwas wie Abstand halten zu verstehen, Mundschutz akzeptiert sie ebenfalls nicht. Bislang ist noch nicht klar, wie sie künftig beschult werden kann.
Um evtl. hier der Schule und dem Amt Anregungen zu geben, würde ich gerne wissen, welche Lösungen es für vergleichbare Fälle gibt und wie es anderswo gehandhabt wird, wenn Schüler den Mindestabstand nicht einhalten können. Julia hat eine persönliche Assistenz, ich vermute, dass sie wahrscheinlich ihre Schulzeit, sofern sie überhaupt Hingehen darf, ausschließlich mit dieser verbringen wird.
Welche Lösungen gibt es noch oder droht für unsere Kinder der totale Schulausschluss?
LG martina
Martina mit Julia (*1/2012), Pachygyrie und Epilepsie, Pflegegrad 5. Seit 6/15 sehr erfolgreich Ketogene Diät. Kann kurze Strecken laufen. Plus Neuankömmling Franziska (*12/16).
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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Martina,

also für Bayern hab ich gehört, dass Schüler und zugehörige Schulbegleitung als „Einheit“ betrachtet werden, die zu allen anderen Mindestabstand hält, aber untereinander nicht. Das heißt dann aber auch, die SB hat wohl eine FFP2-Maske auf, und evtl sonstigen Schutz.

Kommt aufs Bundesland an, konkret auf die Anweisungen vom Kultusministerium.

Grüße
Engrid
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kati543
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Re: Corona-Abstand - welche Lösung für SchulKinder, die es nicht können/verstehen?

Beitrag von kati543 »

Hallo,
die Schulbegleitung darf das Kind sogar „umarmen“ und im Bedarfsfall trösten oder wickeln (Maskenpflicht (Stoffmaske) besteht hier für ALLE). Hat das Kind aber keine Schulbegleitung, welche regulierend eingreifen könnte, oder verweigert das Kind die Maske oder lässt sich das Kind von der Schulbegleitung nicht beherrschen, dann ist der Schulausschluss ganz klar im Gesetz vorgeschrieben (Hessen). FFP2 oder höher wird hier von Niemanden verlangt. Da kommt man um. Schon nach 1/2 Stunde konzentrierter Arbeit unter der Wegwerfmaske ist man vollkommen außer Atem...die Kinder müssen das aber 3 Stunden aushalten.
Die Schulbegleitung darf nicht mehr in die Nähe der anderen Kinder.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
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D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Elena2012
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Re: Corona-Abstand - welche Lösung für SchulKinder, die es nicht können/verstehen?

Beitrag von Elena2012 »

Hallo,

ich kann bis jetzt noch nichts zum Thema beitragen, aber mich treibt es auch schon länger um.

Unser Frederick (7, Down-Syndrom) wird diese Regeln auch nicht verstehen und dementsprechend nicht einhalten. Eine Maske akzeptiert er nicht. Mir graut es auch vor dem Schulbesuch demnächst. Es umarmt so gerne Kinder, die er mag. Es wird für ihn eine Qual sein. Ob sich bereits jemand gefragt hat, was dies für die psychische Gesundheit der Kinder bedeutet?

Viele Grüße
Elena

Ullaskids
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Re: Corona-Abstand - welche Lösung für SchulKinder, die es nicht können/verstehen?

Beitrag von Ullaskids »

Hallo Elena,
betrachte es doch einmal aus der Sicht anderer Eltern. Ich möchte z.B. schon, dass in der Schule sichergestellt wird, dass meine Tochter zur Zeit nicht von einem anderen Kind einfach so umarmt wird.
Willst du ernsthaft die psychische Gesundheit deines Kindes gegen die körperliche Gesundheit meines Kindes aufwiegen???
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (16): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

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Alexandra2014
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Re: Corona-Abstand - welche Lösung für SchulKinder, die es nicht können/verstehen?

Beitrag von Alexandra2014 »

Sicherstellen kann man sowas nicht. Es handelt sich um Kinder. Und wer bestimmt, was schwerer wiegt - ob psychische oder körperliche Folgen?
Man muss da schon schauen, dass man beides im Auge behält.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Emma1909
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Re: Corona-Abstand - welche Lösung für SchulKinder, die es nicht können/verstehen?

Beitrag von Emma1909 »

Guten Abend in die Runde,

An unserer Schule(NRW) müssen alle Abstand zueinander halten. Also auch SB und zu Betreuender. Ich bin Mal gespannt wie das wird, Sowohl für unser Kind als auch für die SB.

Wird der Abstand nicht eingehalten, geht's direkt nach Hause.

Bei drei Stunden wird es sicherlich klappen. Aber angedacht sind hier 6 Schulstunden. Das wird eine Herausforderung.

LG Emma

Ullaskids
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Re: Corona-Abstand - welche Lösung für SchulKinder, die es nicht können/verstehen?

Beitrag von Ullaskids »

Hallo,
natürlich wiegen körperliche und psychische Folgen nicht unbedingt unterschiedlich schwer.
Aber man kann die psychischen Belange eines Kindes nicht auf Kosten eines anderen Kindes (oder auch mehrerer? Das Umarmen-wollen wird sich ja nicht auf nur ein Kind beschränken) bedienen.
Dafür muss eine Lösung gefunden werden, die andere Kinder nicht beeinträchtigt.

Davon abgesehen, kann ich mir nicht vorstellen, dass es gleich zu einer manifesten psychischen Beeinträchtigung kommt, wenn ein Kind ein paar Schulstunden lang mal niemanden umarmen darf. Das kann es morgens und nachmittags zuhause in der Familie doch wieder kompensieren.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (16): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

RikemitSohn
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Re: Corona-Abstand - welche Lösung für SchulKinder, die es nicht können/verstehen?

Beitrag von RikemitSohn »

Hallo,

zum einen muss ich Ulla recht geben. Momentan wird in der Diskussion leicht das Mass verloren. Es geht um den Schutz der Gesundheit und im Gegensatz zu anderen Ländern, sind Kinder hier nicht so eingeschränkt.
@ Elena nimm es als Chance für dein Kind das Nichtumarmen zu üben. Das muss er sowieso lernen, denn das mag ja längst nicht jeder.

Zum eigendlichen Punkt: es gibt keine andere Möglichkeit von Abstand halten, ausser die der Überwachung durch eine Schulbegleitung. Kleine Kinder und Kinder auf diesem Stand können keinen Abstand halten. Das ist seit Wochen eine unnütze Diskussion, die geführt wird und Ressourcen bindet. Sich etwas anderes einzureden ist Schönfärberrei und in letzter Konsequenz gefährlich.
Daher wird nur eine gute Begleitung helfen und das würde ich allen Beteiligten klar machen.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Alexandra2014
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Re: Corona-Abstand - welche Lösung für SchulKinder, die es nicht können/verstehen?

Beitrag von Alexandra2014 »

Hallo!

Natürlich löst ein nicht Umarmen keine psychischen Störungen aus, aber der Weg dahin.
Was „gestern“ noch völlig in Ordnung war, wird heute sanktioniert, ohne dass das für das Kind im Geringsten nachvollziehbar ist.
Sicher sollte das Kind auch irgendwann lernen, dass man nicht immer alle umarmen kann. Aber das lässt sich bei fehlendem Verständnis nicht von heute auf morgen einfach abstellen.
Das wird ja nun in den Kitas nicht anders sein. Da erwartet auch niemand, dass die Kinder Abstand halten. Es wird schlicht nicht umsetzbar sein.

Wer ein Risikokind oder in der Familie einen Risikopatienten hat, dem ist freigestellt, sein Kind Zuhause zu lassen. Alle anderen haben nicht viel zu befürchten. Der Schutz der Kinder dient im Grunde nur dem Schutz anderer. Im Gegensatz zu Influenza, sind Kinder eben kaum schwer betroffen von Corona.
Auch wenn es in jedem Land eine Hand voll Kinder mit Komplikationen (Kawasaki Syndrom) gibt. Das Syndrom gab es aber auch schon vor Corona.
Und mal ganz ehrlich? Wieviele Kinder sind denn jedes Jahr gegen Influenza geimpft? Bei Influenza gehören Kinder definitiv zur Risikogruppe.

Man darf einfach nicht vergessen, die Relationen im Auge zu behalten.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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