Freistellung wegen Corona-Risiko-Kind ??

So manches Kind muss aufgrund seiner Behinderung besonders intensiv betreut werden - z. B. mit Hilfe eines Pflegedienstes. Viele Kinder werden von einer Krankenschwester in Kindergarten oder Schule begleitet, um optimal versorgt werden zu können. Das gilt beispielsweise für viele tracheotomierte Kinder. In dieser Rubrik können sich Eltern von so genannten Intensivkindern über die besonderen Bedürfnisse ihrer Kinder austauschen.

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Jakob05
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Freistellung wegen Corona-Risiko-Kind ??

Beitrag von Jakob05 »

Hallo Ihr,
unsere INTENSIVkinder sind ja im Prinzip alle Risikopatienten im Sinne einer Corvid19-Ansteckung.
Gibt es eine Freistellung von der Arbeit allein mit der Begründung, dass man seinem Kind nicht täglich die Keime
nach Hause tragen möchte ?
Unser Kind ist zuhause, mein Mann im Homeoffice und ich war länger krank zuhause. Nun soll ich wieder arbeiten gehen.
Ich könnte, darf aber kein Homeoffice machen, weil mein Chef dies generell untersagt, denn "zuhause schafft ja eh keiner was".
Im Büro sind wir zu ACHT im Raum, viele Skype-Meetings ohne Headsets (weil es keine mehr gibt), also auch Stress pur und kaum
klares Arbeiten möglich.
Deckt das Infektionsschutzgesetz das erhöhte Schutzbedürfnis unserer INTENSIVkinder irgendwie ab ??
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†,* 05, 37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, HG-versorgt, Lordose, Rachenfehlbildung => Tracheostoma...)

Andrea1
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Re: Freistellung wegen Corona-Risiko-Kind ??

Beitrag von Andrea1 »

Hallo,

meines wissens gibt es für Eltern zur Betreuung mit Kindern bis zu 12 Jahre bzw. mit behinderten Kindern 67 % vom Nettogehalt bis zu max 6 Wochen. Ich habe leider noch nicht gefunden, wo man dies beantrag. Das bekommt man aber nur, wenn sonst niemand die Betreuung übernehmen kann.

LG
Andrea Scheuffele
Julian geb. 18.01.07; 28/0 SSW 1090g. Ventrikelseptumdefekt, Atemnotsyndrom,Pneumothorax rechts, BPD,Lungenhypoplasie, Tracheostoma, derzeit CPAP beatmet, Krampfanfälle, Leistenbruch, Lungenbiopsie,Gedeistörung,deshalb PEG,Nov. 09 Reflux-op, seit April 09 ohne Beatmung mit Sauerstoff, Aug 10 Tracheostomaverschluß

JanaSnow
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Re: Freistellung wegen Corona-Risiko-Kind ??

Beitrag von JanaSnow »

Hallo Andrea,

gilt diese Regelung nicht lediglich dann, wenn das Kind zu Hause betreut werden muss, weil die Einrichtung (KiTa, Schule,...) geschlossen ist?

Auszug aus folgender Quelle:

https://familienportal.de/familienporta ... k-1-154114

Zitat: Lohnersatz wegen Kita- und Schulschließung

Wenn Sie wegen der geschlossenen Kitas und Schulen nicht zur Arbeit können und einen Verdienstausfall haben, weil Sie Ihr Kind betreuen müssen, können Sie eine Entschädigung bekommen. Diese soll Sie gegen übermäßige Einkommenseinbußen absichern.

Sie können eine Entschädigung von 67 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens (maximal 2.016 Euro) für bis zu sechs Wochen bekommen. Die Auszahlung übernimmt Ihr Arbeitgeber.

Voraussetzungen für die Entschädigung sind:

Sie sind erwerbstätig und
für Ihr Kind sorgeberechtigt.
Ihr Kind ist unter 12 Jahre alt oder
wegen einer Behinderung auf Hilfe angewiesen.
Es gibt keine andere zumutbare Betreuungsmöglichkeit (muss auf Verlangen auch gegenüber dem Arbeitgeber dargelegt werden).

Eine Entschädigung gibt es nicht für die Zeiten, in denen Kitas und Schulen ohnehin wegen der Schulferien geschlossen würden.

Zitatende

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LG Jana

SandiZ
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Re: Freistellung wegen Corona-Risiko-Kind ??

Beitrag von SandiZ »

Das selbe Problem habe ich auch.
Ich war erst krankgeschrieben, dann eine Woche Homeoffice, dann Urlaub.
Habe eine Stellungnahme aus der Charite bekommen die darum gebeten hat mich von der Notbetreuung anderer Kinder frei zu stellen. Bin selbst Erzieherin und müsste quasi die Kinder Notbetreuen wo die Eltern selbst in Risikoberufen arbeiten.
Nach Vorlage des Schreibens beim Arbeitgeber habe ich eine bezahlte Freistellung von 10 Tagen bekommen. Da ich nur 4 Tage in der Woche arbeite bin ich jetzt bis zum 6.5. Raus. Wie es danach weiter geht weiß ich auch noch nicht.
Aber wahrscheinlich werde ich wieder arbeiten gehen müssen.
Arthur wird dann zu Hause durch seine Einzellfallhelferin betreut.
Eigentlich keine Ideallösung.
Aber weiter bin ich noch nicht.
Ich hatte mich an unser örtliches Gesundheitsamt gewandt, aber die konnten mir auch nichts sagen.

VG und viel Erfolg Sandra
Sandra, Tommy und Arthur 14.08.2008 ,BicD2 assoziierte Spinale Muskelatrophie, z.N. 2x Rhabdomyolyse, Hypothyreose, Psychomotorische Entwicklungsretadierung, SBA 80% Merkzeichen aG,G,B und H, PG 5 und Emil 09/2015 bis jetzt gesund

Kaja
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Re: Freistellung wegen Corona-Risiko-Kind ??

Beitrag von Kaja »

Hallo Cordula,
Jakob05 hat geschrieben:
21.04.2020, 13:39
Deckt das Infektionsschutzgesetz das erhöhte Schutzbedürfnis unserer INTENSIVkinder irgendwie ab ??
das Infektionsschutzgesetz eher weniger. Aber mit einer entsprechenden Bescheinigung vom behandelnden Arzt muss dich dein Arbeitgeber gemäß § 275 Absatz 3 BGB freistellen:
Der Schuldner kann die Leistung ferner verweigern, wenn er die Leistung persönlich zu erbringen hat und sie ihm unter Abwägung des seiner Leistung entgegenstehenden Hindernisses mit dem Leistungsinteresse des Gläubigers nicht zugemutet werden kann.

Viele Grüße Kaja

RikemitSohn
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Re: Freistellung wegen Corona-Risiko-Kind ??

Beitrag von RikemitSohn »

Hallo,

ich weiß nur, dass Kinder von Risikopatienten der Schule weiterhin fernbleiben dürfen. Das müsste doch auch andersherum so geregelt sein. Kann natürlich sein, dass dieser Fakt vergessen wurde. Ich würde mich in den Behörden beginnend mit Gesundheitsamt durchtelefonieren.

LG Rike
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Anne_mit_2
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Re: Freistellung wegen Corona-Risiko-Kind ??

Beitrag von Anne_mit_2 »

Hallo Cordula,

schreib bitte auch über das Kontaktformular direkt ans Bundes-Gesundheitsministerium. Wenn das alle pflegenden Angehörigen von Risikopatienten tun, die in so einer Lage sind, dann werden die hoffentlich auf das Problem aufmerksam (das ist eine Anregung auch an alle anderen, die es betrifft!). Ich gehe davon aus, dass im die Sachbearbeiter im Posteingang Mails nach Themen sortieren und dass Mails erst gelesen werden/zur Kenntnis kommen, wenn der Themenstapel groß genug ist. Aber wenn jeder sich scheut, eine Mail zu schreiben, dann merken die auch nichts von den Problemen.

Viele Grüße,
Anne

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Anja mit Tristan
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Re: Freistellung wegen Corona-Risiko-Kind ??

Beitrag von Anja mit Tristan »

Hallo Cordula,

§ 56 IfSG. Das sind aber nur 6 Wochen.
Allerdings müsstest Du argumentieren, warum Dein Mann, der im Homeoffice arbeitet, Dein Kind nicht betreuen kann. Vielleicht kann er es ja nicht, weil er bestimmt Handgriffe der Pflege nicht kann, z.B. Stomapflege, Kanüle wechseln, absaugen, ... So etwas muss man lernen und einüben, das kann man nicht einfach so von heute auf morgen können. Es ist also nicht zumutbar bzw. bei Betreuung durch eine ungeübte Person sogar lebensgefährlich.

Liebe Grüße
Anja
Tristan: 10/2014, HIE, Aphagie (Button), Hiatushernie, Cardiainsuff., GÖR, Fundoplicatio, ICP, Laryngomalazie, Sehbehind., global entwicklungsverz. - Mamas und Papas Sonnenscheinchen

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Jakob05
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Re: Freistellung wegen Corona-Risiko-Kind ??

Beitrag von Jakob05 »

Hallo Anja,
danke für diese Info. Mein Mann kann es nicht, weil er von morgends bis abends in TelCos sitzt und als Referent Schulungen gibt (viele Teilnehmer), da kann er nicht mal eben aufspringen und absaugen o.ä.
Wie macht ihr das ? Seid ihr zuhause und haltet Quarantäne für Tristan ?
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†,* 05, 37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, HG-versorgt, Lordose, Rachenfehlbildung => Tracheostoma...)

RikemitSohn
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Re: Freistellung wegen Corona-Risiko-Kind ??

Beitrag von RikemitSohn »

Hallo,

es geht ja eigentlich nicht um die Sicherung der Pflege, sondern den Schutz der Risikogruppe. Wenn die Mutter sich bei der Arbeit dem Risiko der Ansteckung aussetzt, brauch das Kind und der Mann auch nicht mehr zu Hause bleiben, weil die Quarantäne damit unterbrochen wird. Streng genommen müssten Angehörige von Risikopatienten sich mit isolieren oder woanders wohnen für die Zeit. Alles andere ist Schönfärberei.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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