Diskriminierung von KME/ GE-Schülern in der Corona Krise

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Angela77
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Diskriminierung von KME/ GE-Schülern in der Corona Krise

Beitrag von Angela77 »

Hallo zusammen,

ich überlege gerade, ob ich mich zu Recht empöre oder nicht :roll: und zwar wegen der generell coronabedingten (Weiter-)Schließung von KME und GE-Schule.

Dass Hygiene unter diesen Bedingungen schwierig ist und dass viele Kinder unter Risikogruppen fallen, stimmt zwar.
Aber dann müsste das nach meiner Logik so gelöst werden, dass Schule- wie in der Regelschule auch- nur eine Angebot, aber keine Pflicht darstellt. Es heißt ja auch, dass Regelschüler, die vorerkrankt sind oder vorerkrankte Angehörige haben selbstverständlich zuhause bleiben dürfen. Ebesolches gilt ja auch für die Lehrer, die Vorerkrankungen haben etc. - sofern das stimmt, was so durch die Medien "wabert".

Warum ein KB-Kind oder eine GE-Kind aber generell nicht zur Förderschule gehen darf, empfinde ich dann aber schon auch als heftige Diskriminierung.

Auch von einem Reegelkind kann ja eine geringen Infektionsgefahr ausgehen (sonst dürften ja auch die gefährdeten Regelschüler/Lehrer nicht zuhause bleiben). Wenn ich dann noch sehe, wie wenig Sozialkontakt viele Förderschulkinder außerhalb der Schule (leider) faktisch haben, sind diese Kinder mutmaßlich sogar weniger häufiger infiziert als Regelkinder!

Bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liege ;) Ich hätte nämlich nicht übel Lust, bei der Schulbehörde zu beschweren.

Homeschooling ist z.B. hier auch keine echte Alternative. Mein Sohn lernt in der Schule hauptsächlich, in der Gruppe zu leben und Fremdanforderungen zu erfüllen. Dafür gibt es keinen Stundenplan, den Mama zuhause übernehmen könnte :oops:
Ich habe langsam echt Sorgen, dass der Knabe nach monatelanger Schulabstinzenz nicht mehr auf Spur kommt, zumal die ersten vier Schuljahre bezüglich oben genannter Lernziele wenig bis nix erreicht haben. NAch eineinhalb Jahren in seiner jetzigen Klasse war er endlich auf eine guten Weg diesbezüglich ... Ich habe echt Schiss, dass vieles umsonst war und wir die Kurve nicht nochmal oder nur sehr schwer nochmal kriegen :evil:
LG und Danke fürs Frustlablassen können :wink:
LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

RikemitSohn
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülenr in der Corona Krise

Beitrag von RikemitSohn »

Hallo,

ich verstehe, was du meinst und ich finde es schwierig. Ich denke, dass sie das zur Sicherung machen wollen. Bei den Regelschülern können sie sich noch vormachen, dass die Regeln einhalten können. Bei Kindern mit Behinderungen ist es für Politiker eindeutiger, dass das nicht funktionieren wird. Daher ist die Regelung Fluch und Segen.
Ob dein Kind von einem momentanigen Schulbesuch profitiert, ist wahrscheinlich auch nicht zu sagen. Denn da wird ja keine normale Interaktion ablaufen. Viele sehen den sozialen Aspekt als Argument für Schule, den ich aber unter diesen Bedingungen nicht wirklich sehe. Mein Sohn hat Freunde in drei verschiedenen Klassen und wird niemanden in der Pause treffen können. Sollten sie sich mal begegnen, dann hinter Maske und auf Abstand.
Du kannst das anmerken bei der Behörde und ich würde den Behörden euer Anliegen immer wieder ins Gedächnis rufen, aber fürs Ärgern würde ich momentan noch nicht soviel Energie verschwenden.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

rena99
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülenr in der Corona Krise

Beitrag von rena99 »

Angela77 hat geschrieben:...sofern das stimmt, was so durch die Medien "wabert".
Das ist schon mal eines der Probleme. Es ist halt insgesamt sehr schwierig. Wenn man ehrlich ist, hat es die Ankündigung der Lockerungen jetzt ja nur gegeben, damit die Bevölkerung nicht wuschig wird. Eigentlichh hätte man besser jetzt noch 2 weitere Wochen alles beim Alten gelassen. Für die Schulen ist es ja auch fast so, die nächten 2 Wochen gehen nur die obersten Jahrgänge und das nur als Angebot. Die 4. Klassen hätte man meiner Meinung da auch mal besser ausgespart, aber so ist halt Politik. Die nächste Abstimmung der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin gibt es Ende April. Das ist auch etwas zu früh, um zu sehen, was die leichten Lockerungen gerade an neuem Schaden anrichten. Und wie es dann ab 3. Mail weitergeht: keiner weiß es. Wenn die Zahlen dann tendenziell wieder steigen, wird man sehen müssen, wie man damit umgeht.

Letztendlich kann es in so einer Krise nicht gerecht zugehen und geht es auch nicht gerecht zu. Weder in der Wirtschaft noch im Hinblick auf jedwede Minderheitsgruppe, die Förderschüler eingeschlossen. Ich sag mal so: bis Sommer würde ich mal mit nichts Verlässlichem rechnen. Und aufregen würde ich mich auch nicht. Aber freundlich auf die Bedürfnisse der jeweiligen Randgruppe hinweisen, das schon. Die geraten sonst leicht unter die Räder.

Bene, da bin ich sicher, wird seinen Weg weitergehen. Er reift ja auch mit jedem Jahr. Hab da ein wenig Vertrauen in ihn, auch wenn es schwer fällt.

LG
Rena
Rena mit (mittlerweile erwachsener) Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung, HB)

Lovis3
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülenr in der Corona Krise

Beitrag von Lovis3 »

Hallo,

mich stört vor allem, dass bei allen Überlegungen die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung außen vor sind. Da wird im Moment gar keine Energie in Lösungen gesteckt. Und vor allem sind ja auch viele Eltern durch die Betreuung der Kindern am Limit.
An Antons Schule gibt es z.B. momentan gar keine Notbetreuung, ich weiß aber, dass Eltern die angefragt haben. Das waren aber hauptsächlich Eltern von sehr betreuungsintensiven Kindern, die auch keine Abstands- und Hygieneregeln einhalten können. Das wurde dann von Seiten der Schulleitung abgelehnt. Ob das rechtens ist oder nicht, weiß ich nicht. Aber gerade in diesem Bereich müssten dringend Lösungen her.

Diskriminierend finde ich die Schließung der Schulen allgemein im Moment nicht. Das liegt aber auch daran, da bei uns alle 3 Kinder zu Hause sind und wahrscheinlich noch länger zu Hause bleiben werden. Da meine Mädchen nicht in Abschlussklassen gehen, machen wir erst mal weiter homeschooling. Aber die Notbetreuung müsste dringend angepasst werden.

Liebe Grüße
Katrin
Katrin mit A. *06, SSW 23+0, 600g, BPD (nachts sauerstoffpflichtig) und Lungenschädigung durch RSV-Virus, pulmonale Hypertonie, Rechtsherzinsuffizienz, Hypotonie (Rollifahrer, läuft kurze Strecken mit Rolltor oder 4-Punkt-Stützen), sehbehindert
und M. *08 und L. *11

Caroline27
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülenr in der Corona Krise

Beitrag von Caroline27 »

Hallo,
weisst du zufällig wie lange die Förderschulen geschlossen bleiben sollen?
Ich finde gerade Autisten brauchen sehr engmaschige Struktur.
Mein Sohn versteht das alles nicht. Keine Schule, kein Spielplatz, keine Autismustherapie. Hauptsache die Möbelhäuser in NRW machen wieder auf. Die Regierung vergisst beeinträchtigte Kinder und ihre Angehörigen.
Mein Sohn hat die Kontrolle verloren. Er hat jeden Tag massive Wutausbrüche und wirkt schon leicht depressiv.
Ich habe selbst mehrere chronische Erkrankungen u. A. Burnout. Ich weiß nicht wie wir das noch monatelang aushalten sollen. Unsere Schule hat ein I Helfer Pool dadurch fällt ein Schulbegleiter der nach Hause kommt auch weg. Wir gehen jeden Tag in die Natur, machen Schulaufgaben etc., aber es ersetzt den strukturierten Alltag nicht.
Ich mache mir große Sorgen was da noch kommt.
LG
Ich (Ehlers-Danlos- Syndrom, Fibromyalgie ,chronische Erschöpfung)
Der Grosse *2003 Diagnosen frühkindlichen Autismus, Adhs und Verdacht auf Marfan Syndrom.
Der Kleine *2010 frühkindlichen Autismus mit schwerem Verlauf ,kaum aktive Sprache bei gutem Sprachverständnis ,inkontinent.2018 Diagnose Ehlers-Danlos Syndrom bekommen.
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Alexandra2014
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülenr in der Corona Krise

Beitrag von Alexandra2014 »

Hallo,

ich sehe es etwas anders. Im Grunde bin ich froh, dass diese Schulen geschlossen bleiben, denn es geht ja nicht nur um den Schutz der Kinder untereinander und deren Familien, sondern der gesamten Bevölkerung.
Ich glaube auch nicht, dass da niemand über alternative Lösungen nachgedacht hat, sondern dass es zum jetzigen Zeitpunkt einfach keine gibt, sei es räumlich, personell oder beförderungstechnisch.

Bei uns gibt es auch eine Notbetreuung. Ich wurde sogar zweimal angerufen, um nachzufragen, ob wir sie auch wirklich nicht benötigen und ich mich melden soll, wenn doch.
Ich hätte meinem Kind nichts schlimmeres antun können, als es in die Notbetreuung zu schicken, deshalb habe ich vorerst abgelehnt.

Das gleiche Problem sehe ich beim Schulbesuch, wie er derzeit aussehen würde. Das würde mehr Stress, als Förderung bedeuten.

Es ist doch aktuell eine absolute Ausnahmesituation und es kommen hoffentlich auch bald wieder andere Zeiten.

Sorgen mache ich mir allerdings auch. Wir haben nach jeden Ferien schon Probleme mit dem erneuten Schulstart. Je länger die Ferien, umso schlimmer. Zum anderen soll Kind im kommenden Schuljahr eigentlich in eine höhere Klassenstufe wechseln, also andere Kinder, andere Lehrer und nun keinerlei Vorbereitung darauf. Aber es wird auch dafür eine Lösung geben. Wir müssen da jetzt alle durch, denn schließlich bleiben auch KiTas und die Klassen 1-3 geschlossen - aus ähnlichen Gründen wie bei KME und GE Kindern.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Sandra9902
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülenr in der Corona Krise

Beitrag von Sandra9902 »

Hallo,

ich empfinde es so wie Angela. Ich habe das Gefühl, dass gar nicht erst nach Lösungen gesucht wird. Geht nicht, Hygienevorschriften können nicht eingehalten werden und Punkt, das war‘s. Das ist mein Eindruck.
Mein Sohn ist geistig behindert, ja, er ist kein Schüler mehr aber auch vor einigen Jahren war er entwicklungstechnisch in diesem Bereich durchaus so weit, wie ein Grundschüler, d.h. er hätte ebenso gut oder schlecht die Maßnahmen umsetzen können. Glaubt wirklich jemand, dass Viertklässer, Kitakinder in der Notbetreuung, die Hygienevorschriften tipptopp umsetzen können? Ganz ehrlich? Das spreche ich sogar einigen Teenagern, die sich für unverletzlich halten, ab.
Was ist in der Kita, die Kinder können sich nicht selbständig, eigenverantwortlich die Hände waschen und sind Kinder, die noch nicht hundertprozentig trocken sind, von der Notbetreuung ausgeschlossen?
Viele Fragen, auf die auch ich nicht wirklich sofort eine Lösung parat habe und dennoch muß darüber geredet werden und nach Lösungen gesucht werden. Und das sehe ich nicht und genau deshalb drängt sich mir der Begrif der Diskriminierung und Ausgrenzung durchaus auf.

Viele Grüße, Sandra
Sandra mit PS, geb 1999, frühkindlicher Autist,gb, ADHS, Epilepsie, anfallsfrei
PT, geb 2002, PTBS

Michaela.Sandro
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülenr in der Corona Krise

Beitrag von Michaela.Sandro »

Hallo zusammen, in unserer Schule wird genau ein Kind betreut und in dem Fall finde ich es echt heftig, dass ich als alleinerziehende Berufstätige (nicht systemrelevant) keine Chance habe und es noch nicht einmal einen ungefähren Plan gibt, wann wieder beschult wird. Natürlich ist das alles schwierig und sicher nicht einfach umzusetzen, aber dass wir mal wieder völlig außen vor bleiben, das nervt mich. Ich mache Homeoffice, Mo.-Do. 9.00 bis 14.00 Uhr und Sandro wird dann jeweils für 3 Stunden von meinen Verhinderungspflegern abgeholt, damit ich wenigstens etwas in Ruhe arbeiten kann, aber das Geld ist natürlich bald weg. Es ist wirklich alles ätzend. L. G. Michaela
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!

SarahmitFlorian
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülenr in der Corona Krise

Beitrag von SarahmitFlorian »

Hallo Michaela,
der Personenkreis für die Notbetreuung ist in NRW erweitert worden. Schau mal hier, ob Du jetzt im Rennen bist:

https://www.schulministerium.nrw.de/doc ... index.html

https://www.mags.nrw/sites/default/file ... 4.2020.pdf

LG Sarah

kati543
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülenr in der Corona Krise

Beitrag von kati543 »

Hallo,
ich habe, sehr überrascht, vorgestern die Mail unseres Schulleiters erhalten.
„Mit Freude teilt er mit, dass die Schule ab 27.4. Schritt für Schritt wieder geöffnet wird....“ Mein Ältester Sohn (Sprachheilförderung) wird wohl im 2. Schritt bedacht (bisher ohne genaues Datum). Tja ... und Förderbedarf GE wurde gar nicht erwähnt. Mein Jüngster geht dann wohl gar nicht mehr in die Schule?
Gleichzeitig kommt die Nachricht des Bundes herein (Katwarn), dass die Schulen deutschlandweit ab 4. Mai wieder offen sind.

Ich gebe zu, ich bin verwirrt.

Mein Ältester braucht die Schule wieder. Er hat das vermisst. Für ihn wäre Schule im Blockunterricht am besten. Aber der Kleine...ehrlich gesagt hat er dank der Bemühungen seiner Schulbegleitung wirklicht super per Skype gelernt. Mehr als in den Jahren zuvor. Für ihn finde ich also das Schulverbot bis zu den Ferien mal gar nicht so schlecht...

Aber sagt mal, wie wollt ihr euren GE Kindern die soziale Distanz beibringen? Bei meinem Jüngsten wäre das ein hoffnungsloses Unterfangen.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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