MRT Ja oder nein?

Mit einem besonderen Kind sind Eltern oft Dauergäste beim Kinderarzt. Hinzu kommen Krankenhausaufenthalte und Besuche bei Spezialisten und im Sozialpädiatrischen Zentrum.
Welche Untersuchungen machen Sinn? Wo ist mein Kind in guten Händen? Zahlt die Krankenkasse alle Behandlungen? Fragen über Fragen...

Moderator: Moderatorengruppe

Annaliesa
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 12
Registriert: 04.03.2018, 12:47

MRT Ja oder nein?

Beitrag von Annaliesa »

Hallo!

Wir haben im Sommer einen Termin zum MRT. Hierfür muss meine Tochter (4) sediert werden. Das möchte ich natürlich nur, wenn es wirklich Sinn macht. Ich bin nun verunsichert, weil ich gelesen habe, dass man bei Cerebralparesen auf den Bildern manchmal gar nichts sieht?! Mir ging es hauptsächlich darum, mal zu sehen, welche Bereiche genau geschädigt sind (welche Schädigung überhaupt vorliegt) und ganz allgemein, was im Gehirn "so los" ist... Zum Beispiel hätte mich interessiert, ob ihre visuellen Schwierigkeiten (Schielen, trägt Brille) damit zusammen hängen. Wer hat damit Erfahrung? Danke! Liebe Grüße!
Tochter (Nov/15), 33 ssw, Cerebralparese, Schielen

rena99
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1837
Registriert: 28.04.2012, 16:34

Re: MRT Ja oder nein?

Beitrag von rena99 »

Bei MRT mit Sedierung in dem Alter plädiere ich für "so selten, wie möglich, so oft, wie nötig". Für mich würde das heißen, dass mir die Ärzte genau erklären müssten, wozu sie das benötigen und ob daraus neue therapeutische Optionen möglich werden oder man vorbeugend eine Verschlechterung vermeiden kann. Nur, um Bilder zu haben, würde ich das nicht machen. Trau dich ruhig, genau nachzufragen!

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

Sinale
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 8000
Registriert: 17.02.2007, 14:48

Re: MRT Ja oder nein?

Beitrag von Sinale »

Hallo,

bei einer frühkindlichen Hirnschädigung muss nicht zwingend ein auffälliges MRT vorliegen, da die Schädigungen vor Abschluß der Hirnreife auftreten. Im Gegensatz dazu z. B. Schädigungen nach späten Schlaganfällen nach Abschluß der Hirnreife. Hier ist das MRT sehr auffällig. Vereinfacht gesagt, beginnt die Hirnreife mit dem Entstehen und ist mit dem Erwachsensein abgeschlossen. So ganz stimmt dies jedoch auch nicht, denn unser Gehirn hat eine Plastizität und so immer die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln. Eine frühkindliche Schädigung kann sowohl im Mutterleib, als auch während, oder kurz nach der Geburt geschehen sein. In diesen Fällen ist auf den MRT-Bildern i. d. R. Nichts, bzw. wenig zu sehen. Wenn während der kindlichen Entwicklung eine Hirnschädigung passiert, ist dies eher zu sehen.

Bei mir wurde vor ca. 10 Jahren ein MRT des Kopfes abgeleitet. Der Neurologe meinte zu mir: "Also wenn ich diese Bilder sehe, würde ich gerne sagen wollen, dass die Bilder nicht von Ihnen sind. Denn Sie sind sehr schwer betroffen und die Bilder zeigen, wenn ich genau hinsehe, eine leichte Auffälligkeit".

Bei mir sind zwei der vier Hirnvenrtrikel minimal vergrößert.

Ich habe eine frühkindliche Hirnschädigung (ICP) in der Ausprägung einer Tetraspastik.
Ich wurde wegen Schielens in der Kindheit einer OP unterzogen. Auch ich trage eine Brille. Das Schielen ist durch die ICP verursacht. Die Kurzsichtigkeit und die Hornhautverkrümmung könnte bei mir von der ICP kommen, beides könnte bei mir jedoch auch erbliche Ursachen haben.

Ich habe noch nie erlebt, dass bei mir ein MRT vom Kopf derart differenziert betrachtet werden konnte, dass in der Folge im Zusammenhang mit der ICP von Ursache auf Wirkung geschlossen wurde.

Deshalb stimme ich dem Beitrag von Rena zu.
Viele Grüße
Sinale

Diagnose: Tetraspastik
Rollstuhlnutzerin

CoraStarfish
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 58
Registriert: 12.04.2019, 08:11

Re: MRT Ja oder nein?

Beitrag von CoraStarfish »

Ich denke, wenn es noch keine MRT Aufnahmen gibt, ist es vielleicht interessant jetzt welche zu machen um zu einem späteren Zeitpunkt zu vergleichen. Mein Credo ist: alles einmal gründlich ausleuchten, dann schauen in welche Richtung es weiter geht.
Eine einmalige Sedierung ist wirklich kein großes Drama.
Von mir ein klares Ja zum MRT 🙂
Cora und Schatz mit Schätzle *2013, Tick *2015, Trick *2015
Frühtraumatisiert, tiefgreifende Entwicklungsverz. , Aggressionen u. Autoaggressionen...
(ich bin Kinderkrankenschwester, FWB Palliative Care, FWB Ambulante pädiatrische Intensivpflege Schwerpunkt Beatmungspflege, Elementarpädagog. Fachkraft)

NataschaSte
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 370
Registriert: 09.03.2018, 21:47
Wohnort: Niederösterreich

Re: MRT Ja oder nein?

Beitrag von NataschaSte »

Hmmm was ich mich fragen würde, wenn man noch paar Monate wartet ob es dann ohne sedierung geht.

Lg
Natascha und Thaddäus, geb 12/15, atypischer Autismus

Wissen schützt vor Dummheit nicht (alligatoah)

Sinale
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 8000
Registriert: 17.02.2007, 14:48

Re: MRT Ja oder nein?

Beitrag von Sinale »

Hallo Zusammen,
CoraStarfish hat geschrieben:
13.04.2020, 16:25
Ich denke, wenn es noch keine MRT Aufnahmen gibt, ist es vielleicht interessant jetzt welche zu machen um zu einem späteren Zeitpunkt zu vergleichen. Mein Credo ist: alles einmal gründlich ausleuchten, dann schauen in welche Richtung es weiter geht.
Eine einmalige Sedierung ist wirklich kein großes Drama.
Von mir ein klares Ja zum MRT 🙂
bei einer ICP wird sich vermutlich keine große Änderung zeigen und eine Bestimmung des Ausmaßes der ICP wird kaum möglich sein (Erklärung siehe meinen Beitrag oben).
Viele Grüße
Sinale

Diagnose: Tetraspastik
Rollstuhlnutzerin

rena99
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1837
Registriert: 28.04.2012, 16:34

Re: MRT Ja oder nein?

Beitrag von rena99 »

CoraStarfish hat geschrieben:
13.04.2020, 16:25
Ich denke, wenn es noch keine MRT Aufnahmen gibt, ist es vielleicht interessant jetzt welche zu machen um zu einem späteren Zeitpunkt zu vergleichen. Mein Credo ist: alles einmal gründlich ausleuchten, dann schauen in welche Richtung es weiter geht.
Eine einmalige Sedierung ist wirklich kein großes Drama.
Von mir ein klares Ja zum MRT 🙂
Ich wäre da ein wenig vorsichtig, gerade wenn auch mit Kontrastmittel gearbeitet werden sollte. Mir geht es nicht um die Sedierung, sondren um die Akkumulation von Kontrastmittel im Körper. Da gibt es mitterlweile ja wirklich genug Hinweise darauf, dass das nicht ganz auszuschließen ist, dass das auch schaden kann in einzelnen Fällen. Ich würde das daher nicht ohne Not machen lassen und schon gar nicht ohne therapeutischen Nutzen. Den müsste mir ein Arzt nachvollziehbar erklären, denn natürlich kann ein MRT ein grundsätzlich wichtiger Baustein bei der Bildgebung sein.

Gruß
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

Curly82
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 220
Registriert: 28.07.2017, 23:58

Re: MRT Ja oder nein?

Beitrag von Curly82 »

rena99 hat geschrieben:
13.04.2020, 18:26
CoraStarfish hat geschrieben:
13.04.2020, 16:25
Ich denke, wenn es noch keine MRT Aufnahmen gibt, ist es vielleicht interessant jetzt welche zu machen um zu einem späteren Zeitpunkt zu vergleichen. Mein Credo ist: alles einmal gründlich ausleuchten, dann schauen in welche Richtung es weiter geht.
Eine einmalige Sedierung ist wirklich kein großes Drama.
Von mir ein klares Ja zum MRT 🙂
Ich wäre da ein wenig vorsichtig, gerade wenn auch mit Kontrastmittel gearbeitet werden sollte. Mir geht es nicht um die Sedierung, sondren um die Akkumulation von Kontrastmittel im Körper. Da gibt es mitterlweile ja wirklich genug Hinweise darauf, dass das nicht ganz auszuschließen ist, dass das auch schaden kann in einzelnen Fällen. Ich würde das daher nicht ohne Not machen lassen und schon gar nicht ohne therapeutischen Nutzen. Den müsste mir ein Arzt nachvollziehbar erklären, denn natürlich kann ein MRT ein grundsätzlich wichtiger Baustein bei der Bildgebung sein.

Gruß
Rena

Genau so sehe ich das auch. Ich habe damals ausdrücklich darum beten müssen ohne Kontrastmittel zu arbeiten wenn es nicht erforderlich ist. Da hieß es dann aber, dass man dann evtl. nicht genug sieht.
Im Nachhinein bereue ich es.
Muss aber hin zu fügen, dass es in unserem Falle weniger aufklärungbedürftig war.

LG Curly
Curly mit Sonnenschein, 6 Jahre. F83, SON-R IQ 73, F93.9, F98.8, F.80.1, F80.28, F88
PG4

Henrymami
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 262
Registriert: 12.06.2015, 20:08
Wohnort: Lippstadt

Re: MRT Ja oder nein?

Beitrag von Henrymami »

Ein MRT vom Schädel,wenn es nicht um Gefäßanomalien geht wird meist ohne Kontrastmittel gemacht.
Henry hatte eines vor 6 Jahren.
Ich fand es wichtig, zu wissen,ob es etwas gibt, wo man ihm noch anderweitig helfen kann.
Sonst hätte ich keine Ruhe gehabt.
Jetzt haben die letzten 6 Jahre keines mehr gemacht.
Lg
Henry 25.06.13 Goldberg sphrintzen megakolonsSyndrom
PEG, spastische zerbraparese Katarakt bds, Glaukom

melly210
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 833
Registriert: 19.02.2018, 20:07

Re: MRT Ja oder nein?

Beitrag von melly210 »

Ich bin bei Rena. MRT bei Kindern die sediert werden müssten nur dann wenn damit für die Therapie relevante Fragestellungen geklärt werden könnten. Wenn es eh nur auf weiter Logo, Ergo, Frühförderung rausläuft, wie so oft, wozu dann ? Es ist viel Streß für die Kinder, eine Sedierung ist IMMER ein Risiko, und ja das Kontrastmittel, falls eines verwendet würde, akkumuliert im Körper. Von daher, frag was konkret an den Behandlungsmöglichkeiten sich ändern würde wenn das MR dies oder das zeigt.

Antworten

Zurück zu „Krankenhausaufenthalte, Arzttermine etc.“