Austausch gesucht Adhs / Hb/Si/ Angststörung

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Linda71
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Re: Austausch gesucht Adhs / Hb/Si/ Angststörung

Beitrag von Linda71 »

Guten Abend Kasi,
wir haben Methylphenidat in verschiedenen Darreichungsformen durch (Medikinet, Medikinet retard und zu letzt Concerta (auch ein retadiertes MPD)). Es hat einen positiven EInfluß auf seine emotionale Regulation (aber auch nur begrenzt), aber es hat zuletzt seine Ängste so verschlimmert, dass wir es jetzt (in Rücksprache mit unserer Kinderpsychologin) abgesetzt haben. Die Ängste sind dadurch wieder in einem (für ihn) erträglichen Rahmen, aber seine Regulation ist so schlecht, dass es schwierig ist. Gruppenaktivitäten sind kaum möglich, selbst in zeitlich total kurzem Rahmen (Schulpflicht ruht aktuell).

Kasi
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Re: Austausch gesucht Adhs / Hb/Si/ Angststörung

Beitrag von Kasi »

Liebe Linda , das tut mir leid . Da sind wir noch ziemlich am Anfang . Hier zuhause erlebe ich ( und er auch ) , die Medis als absolute Erleichterung. Leider kommt von den Lehrern kaum Feedback. Die Lehrer waren erst so Richtung , er sei garnicht auffällig- die Fragebögen vom Spz haben sie aber komischerweise noch viel extremer ausgefüllt, als wir ( und ich fand unsere kreuzchen schon deutlich ) - als ich neulich meinte , er wäre zuhause deutlich ruhiger seit den Medis ( selbst die Handschrift ist anders und lesbar , macht freiwillig Hausaufgaben und kaum noch Fehler ), da kam von den Lehrern , man würde kaum einen Unterschied merken und er würde immer noch stören . ( auf einmal ?) - die sind Medikamenten gegenüber nicht wirklich positiv eingestellt, glaube ich . Zum Glück haben wir eine tolle Psychiaterin, bei der ich ihn gut aufgehoben fühle
mit Tochter 7/1990 Allergien,Asthma
und Sohn 7/ 2010 Sensorische Integrationsstörung,ADHS,HB,Angststörung

Linda71
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Re: Austausch gesucht Adhs / Hb/Si/ Angststörung

Beitrag von Linda71 »

Liebe Kasi, schön, dass es Deinem Sohn zumindest zuhause hilft! Der Blick der Lehrer & der Schule auf unsere besonderen Kinder - da fang ich besser gar nicht erst an, sonst höre ich nicht mehr auf zu schimpfen. Wenn die Lehrer Deines Sohnes "kaum" sagen, dann ist da ja offensichtlich doch auch in der Schule ein zumindest kleiner Unterschied, aber offensichtlich überhaupt kein Sinn dafür vorhanden, wie kleinschrittig unsere Erfolge stattfinden. Und die Erwartung, dass irgendein Medikament das Verhalten, dass sie störend finden, von heute auf morgen auf Knopfdruck abstellt ... was soll man da sagen.
Wir werden mit unserer Psychologin nochmal über Alternativen sprechen - etwas, das seine Ängste steigert, scheidet aus. Aber wenn eines der verbleibenden Mittel etwas ohne diesen Effekt für ihn tun kann, wäre das schon gut. Denn selbst seine Teilnahme an seiner Psychomotorik-Sportgruppe (die ihm Freude macht!) ist im Moment gefährdet, weil er in der Gruppe so rumflippt, dass die Leiterinnen (die den Umgang mit neurodiversen Kindern gewohnt sind ...) das problematisch finden.

rena99
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Re: Austausch gesucht Adhs / Hb/Si/ Angststörung

Beitrag von rena99 »

Kasi hat geschrieben:
02.03.2020, 07:48
Liebe Rena , danke - mir macht dieses doppelte Leben zu schaffen - das Kind , das außerhalb relativ unauffällig funktioniert ( wobei die Schule und die Einstellung der Lehrer einen großen Teil an Nerven kostet .. ) , und die andere Seite - zuhause ein Kind mit Schlafstörungen, zwängen , Ängsten , Probleme mit Essen , Veränderungen, sozial Kontakten überhaupt . Als Eltern eines ausgeprägten adhslers fällt man ohnehin schnell in die Kategorie „ Erziehung“ bei einem Si Kind hat man täglich das Theater um Kleidung , Nahrung , Reizüberflutung- wo lasse ich ihm seine Eigenheiten und wo muss er einfach mal durch ( kann beispielsweise nicht permanent neue Schuhe oder Hosen kaufen , weil er die manchmal dann doch nicht erträgt ) - als dann die Hochbegabung raus kam , waren wir völlig raus - so nach dem Motto , na ihr habt doch eigentlich gar kein Problem mehr ...- er schreibt aber trotzdem Vieren und abwärts , teilweise ohne Bewertung und leidet sehr darunter ) ... richtige Freunde hat er nicht , und auch da finde ich schwer , den Punkt zu finden , wie weit animiere ich ihn und wo muss ich einfach damit zurecht kommen , dass er Schwierigkeiten hat , mit Gleichaltrigen auf einen Nenner zu kommen . Schulwahl Richtung Oberschule ist natürlich auch ein großes Fragezeichen. Freu mich jedenfalls hier zu sein , und hoffe auf Familien , die sagen „ hey , hier auch so „
Ich ware eine Weile nicht im Forum und habe auch gerade nicht die Zeit, alle hier bereits vorliegenden Antworten zu lesen, möchte dir aber trotzdem auf deine Fragen antworten. Entschuldigung schon mal an alle, die bereits ähnliches geantwortet haben.

Ganz allgemein muss man wissen, dass sich ADHSler, ähnlich wie Kinder mit ASS emotional gesehen eher etwas langsamer "reifen" als andere Kinder. Das ist die schlechte Nachricht, weil einem das so viel Stress macht. Die gute Nachricht ist aber: und sie entwickeln sich doch! Du brauchst also Geduld, Geduld und Geduld und leider ist das ein Marathon, der mit dem 18. Geburtstag des Kindes auch nicht zu Ende ist. Daher ist es besonders wichtig, dass du dir Inseln im Alltag schaffst, wo du bewusst etwas für dich selbst tust. Und sei das nur eine halbe Stunde in der Woche.

Ein hochbegabtes Kind zu haben, ist durchaus ein Vorteil, wenn man ihn denn zu nehmen weiß. Gerade einem intelligenten Kind kann man viel erklären und erläutern. Gleichzeitig darf man es aber nicht überschätzen, was die emotionale Seite angeht. Auch wenn sie wie Erwachsene formulieren, sind sie emotional allenfalls so alt wir ihr Lebensalter, als ADHSler vielleicht sogar etwas jünger. Das ist ein Spagat, der für das Kind extrem anstrengend ist und auch für dich als Mutter nicht immer einfach zu handhaben. Manchmal wirken sie wie 16 und 5 Minuten später wie 6.

Weniger ist da oft mehr. Ein ADHSler braucht aber verlässliche Tagesstrukturen. Ich würde mir (aber da können dir andere hier bestimmt bessere Tips geben) Punkte überlegen, die für mich unverhandelbar sind in der Erziehung, die in eine Tagesstruktur einbauen und diese Tagesstrurktur kommunizieren und durchsetzen. Da sollten aber wirklich nur wichtige Dinge landen. In Kleinigkeiten wäre ich da toleranter. Eine verlässliche Tagesstruktur baut Sicherheit auf und kann dadurch auch die Angstproblematik verbessern.

Bei einem intelligenten Kind ist man oft in Versuchung, eine gut geführte Diskussion "durchgehen zu lassen". D.h. das Kind bekommt Ausnahmen von Regeln zugestanden, weil es für diesen Fall gerade gute Argumente hatte. Man muss so ein wenig aufpassen, dass dies nicht zu oft passiert, dass man also sich einfach durchsetzt mit seiner Regel ohne lange Diskussionen. Denn dieses ewige Nachgeben führt zum Aufbrechen der Verlässlichkeit bis hin zur Beliebigkeit und das ist bei Kinder mit Angststörung nicht gut. Die brauchen dich als Mutter als Verlässlichkeitsanker.

Bei Kinder mit Angststörung kann diese den ganzen Alltag dominieren. Wenn das ein Maß erreicht hat, dass Alltag fast nicht mehr stattfinden kann, weil jede Menge Vermeidungsstrategien da sind und auch der Besuch von Schule oder Hobbies gefährdert ist, dann braucht man professionelle Hilfe. Die bekommt man ggf. über eine Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Gerade HB-Kinder haben es schwer, weil sie sich wegen der intellektuellen schnellen Auffassungsgabe viele Dinge lange merken können und auch von Radio-, Zeitungs- und Fernsehnachrichten viel mehr mitbekommen als emotional gut für sie ist. Da muss man evtl. auch das Gespräch suchen und die Tagesereignisse in eine Perspektive setzen. Außerdem haben die Kinder keine gute Vorstellung von Wahrscheinlichkeiten. Liest man so die Nachrichten aus aller Welt, hat man schnell den Eindruck, auf einem sehr sehr gefährlichen Planeten zu leben.

Ferundschaften kann man vielleicht über Hobbies anbahnen, aber erzwingen kann man da nichts. Wenn man den Eindruck hat, dass das eigene Kind andere nur "zutextet", dann kann man auch das mal in einem Gespräch thematisieren, mit HB-Kindern geht das. Such dir ggf. auch eine HB-Elterngruppe bei euch vor Ort (Internetsuche). Dort wirst du auf viele Eltern treffen können, deren Kinder zusätzlich von ADHS oder ASS betroffen sind (oder auch Teilleistungsstörungen), die haben den größten Austauschbedarf.

Ganz liebe Grüße

Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

Kasi
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Re: Austausch gesucht Adhs / Hb/Si/ Angststörung

Beitrag von Kasi »

Danke , für deine wirklich guten Tipps - aber da sind wir seit Jahren dran . Das erste mal Diagnostik mit zwei und ab da an regelmäßig Betreuung und Begleitung durch unterschiedliche Therapien . Derzeit macht er eine Verhaltenstherapie und wird zusätzlich durch eine Psychiaterin begleitet. Er hatte mehrere Jahre I Status . Struktur war und ist für uns immer erstes Mittel der Wahl gewesen , aber das führt bei ihm leider oft dazu , ihn noch mehr in die Zwänge zu treiben „ es muss alles komplett gleich bleiben „ sonst wird es schwierig . Da die Waage zu finden , ist schwer . Anschluss an Hochbegabten Gruppen haben wir gesucht , aber auch da fällt er raus , dadurch dass er vieles einfach nicht kann durch eine enorme konzentrationsschwäche . Er ist auch da nicht so „ wie die anderen „ das wirklich positivste für uns war bisher die Entscheidung, methylphenidat zu geben . Das bekommt er jetzt seit anderthalb Monaten und ich erlebe das erste mal eine Entspannung und ein viel fröhlicheres Kind . Ich denke die Kombi Hb und Adhs muss echt schwer auszuhalten sein - quasi Chaos im Kopf und das ständig reflektieren . Aber ich finds suoer , hier so viel Beratung zu finden . Danke
mit Tochter 7/1990 Allergien,Asthma
und Sohn 7/ 2010 Sensorische Integrationsstörung,ADHS,HB,Angststörung

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