Silvia mit Sohn (V.a. Autismus)

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

Moderator: Moderatorengruppe

Antworten
Silvia15
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 45
Registriert: 22.02.2020, 08:40

Silvia mit Sohn (V.a. Autismus)

Beitrag von Silvia15 »

Hallo ihr Lieben,

ich möchte mich kurz vorstellen. Ich habe bewusst meinen zweiten Vornamen als Nick gewählt, da hier doch vieles öffentlich eingesehen wird und viele in meinem Bekannten und Kollegenkreis unsere Probleme eher ins Lächerliche ziehen, wie dass sie unsere Lage erkennen. Zudem möchte ich für meine Kinder einigermaßen anonym bleiben.

Deshalb erstmal zu mir. Ihr dürft mich gerne Silvia nennen ich wohne derzeit mit meinen beiden Söhnen 4.5 und 2 3/4 im Herzen von Franken in einer mittleren Stadt im Ballungszentrum Nürnberg.

Ich hoffe es ist Okay wenn ich die Namen meiner Kinder nicht nenne.

Wir haben momentan massive Probleme mit unserem Großen Sohn. Bereits mit 2.5 Jahren kam bei ihm von Seiten des Kinderarztes ein vager Autismusverdacht, wurde aber zunächst nicht weiter verfolgt, da die Verdachtsmomente nicht wirklich greifbar waren. Uns fiel eben nur auf, dass er sich für kein altersgerechtes Spiel interessierte und die Interaktion während des Spiels mit ihm uns schwer fiel. Eine Vorstellung bei der Frühförderung verlief erst mal Ergebnislos es wurde Einvernehmlich auf eine Testung verzichtet, da es für alle Beteiligte (also auch uns) nicht greifbar war. Unser Großer erschien uns motorisch zwar etwas hinterher aber nicht signifikant. Die U7a mit 3 war auch unauffällig. Ich bin dann zur Erziehungsberatung gegangen, wo ich spielen mit ihm lernen wollte weil ich dachte es liegt an mir. Hat dort auch einigermaßen funktioniert, allerdings eben nur wenn man ihm sein Spiel ließ. Zuhause war es stellenweise sehr anstrengend, weil wir unserem Großen kaum Grenzen setzen konnten, er hatte einfach einen extremen Dickschädel. Wenn er etwas nicht bekam endete das in der totalen Verweigerungshaltung. Er hatte massive Schlafstörungen ohne Einschlafautofahren überhaupt nicht zum Schlafen zu bringen. Zudem drangsaliert er ziemlich seinen kleinen Bruder.

Kurz vor seinem 3ten Geburtstag kam unser Großer in den Kindergarten. Etwa nach einem halben Jahr bat die Erzieherin zu einem Gespräch. Unser Großer sei aggressiv zu den anderen Kindern, würde kaum in Kontakt gehen, sich nicht am Gruppengeschehen beteiligen wollen, sich nicht an Regeln halten, Dinge zerstören.

Wir holten uns wieder Rat beim Kinderarzt, der den Autismusverdacht mittels FSK Fragebogen erneut bestärkte und uns zum Kinder und Jugendpsychiater überwies. Die Vorstellung dort brachte uns jedoch lediglich ein Rezept für Ergotherapie mit Neurofeedback, aber nicht wirklich weiter.

Der Kindergarten drängelt immer mehr. Meine Arbeit und das Familienleben ließen sich kaum noch vereinbaren zumal mein Chef wenig Verständnis zeigte. Ich bekam in der Arbeit nach einem Gespräch mit ihm einen Nervenzusammenbruch. Aufgrund einer Überlastungsdepression kam ich in eine Tagesklinik. Dort wurde mir nahegelegt unseren Großen doch in der Tagesklinik der Kinder und Jugendpsychiatrie aufnehmen zu lassen. Im selben Haus wie meine Tagesklinik gab es eine Gruppe für Kleinkinder.

Unser Großer war 10 Wochen dort. Leider lief dort keinerlei Diagnostik. Der Psychologe war nach 20 Minuten Elterngespräch wo er unseren Großen nebenbei beobachtete, der Meinung er könne Autismus ausschließen. Am Ende waren sie der Meinung unsere Depressionen (mein Mann rutschte kurz bevor unser Großer in die Klinik aufgenommen wurde ebenfalls in die Überlastungsdepression) seien Schuld am Verhalten unseres Sohnes. Die Diagnose lautete Anpassungsstörung, Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung. Für den Kindergarten wurde eine Einzelintegrationskraft empfohlen wir sollten uns um eine Sozialpädagogische Familienhilfe kümmern.

Dem Antrag auf Einzelintegrationskraft wurde stattgegeben dauerte nur ne ganze Zeit bis eine passende gefunden wurde. So lange war kein Kindergartenbesuch möglich. Gott sei dank war ich noch krankgeschrieben. Wir fingen mit Reittherapie und Ergotherapie an, kümmerten uns um einen Platz in der Frühförderung. Auch eine Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) wurde vom Jugendamt gestellt.

Da es uns Vorteile/eine Vergünstigung für die Reittherapie brachte versuchte ich es mit der Beantragung eines SBA.

Unser Großer wurde im September nochmal in der Tagesklinik aufgenommen. Diesmal hatte der Psychologe gewechselt. Der neue war aus unserer Sicht die Inkompetenz in Person. Er machte uns als Eltern nur Vorhaltungen, behauptete unser Großer hätte kein Problem obwohl es selbst dort in der Kleingruppe zu diversen Schwierigkeiten kam. Bezüglich der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises wurden wir regelrecht ausgelacht.

Ich bin sehr dankbar um unsere SPFH die uns als Eltern sehr stärkte und als erste Fachkraft nicht der Meinung war das Problem läge innerhalb der Familie.

Der Schwerbehindertenausweis wurde mit GdB 50 und Merkzeichen H dennoch bewilligt.

Wir begannen mit der Frühförderung. Ich erwähnte bewusst der Psychologin gegenüber nichts vom Autismusverdacht da nichts dergleichen aus den ärztlichen Unterlagen hervorging. Nach dem Erstgespräch und der Testung kam sie selbst darauf. Ein erneuter FSK Fragebogen lag mit 22 Punkten deutlich über dem Cut Off.

Ich habe ihn daraufhin im Josefinum Augsburg zur Diagnostik angemeldet. Der Erste Termin dort ist jetzt am 3.3.

Mittlerweile wurde uns auch Pflegegrad 3 zugesprochen. Entwicklungstechnisch erkenne ich wenig Unterschied zwischen meinem kleinen und meinem Großen Sohn trotz der 2 Jahre Unterschied.

Letzte Woche wurde uns nun zum 31.08 trotz der Einzelintegrationskraft der Kindergartenplatz gekündigt.

Wir bemühen uns deshalb um einen Platz in einem Heilpädagogischen Kindergarten. Dieser würde ihn aber trotz des hohen Betreuungsschlüssel nur mit der Einzelintegrationskraft nehmen. Wir hoffen das wird genehmigt. Alle anderen Einrichtungen haben ihn abgelehnt. Wenn wir Pech haben stehen wir im September ohne Platz da. Eigentlich sollte im September die Vorschule starten obgleich eine Schulreife nächstes Jahr fraglich ist.

Sorry das war jetzt alles sehr lang aber das letzte Jahr war kompliziert.
Silvia mit Maximi (Juli 15, Verdacht auf ASS) und Minimi (Mai 17, ein normaler Wirbelwind)

Anjali
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2915
Registriert: 15.02.2008, 11:15

Re: Silvia mit Sohn (V.a. Autismus)

Beitrag von Anjali »

Hallo Silvia,

herzlich willkommen im Forum.

Dass Du möglichst anonym bleiben willst, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe bisher nicht die Erfahrung gemacht, dass sich hier jemand an einem solchen Wunsch gestört hat.

Ihr habt ja schon viel mitgemacht und ich wünsche euch, dass ihr bald die Hilfen erhalten werdet, die ihr bisher vermisst habt.
Der erste Termin zur weiteren Abklärung ist ja bald, die Daumen sind gedrückt.

Ich wünsche Dir einen guten Austausch.

LG
Anja
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

TanjaMi
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 18
Registriert: 19.09.2019, 13:17

Re: Silvia mit Sohn (V.a. Autismus)

Beitrag von TanjaMi »

Hallo silvia.
Ich kann zwar nichts hilfreiches beitragen, wollte dir dennoch mitteilen, dass du nicht alleine bist.
Ihr seit bürokratisch gesehen weiter als wir. Wir starten erst mitte März mit der Diagnostik. Unsere Söhne klingen ähnlich. Am schlimmsten empfinde ich immer diese Ausgrenzung und Isolation. Wünsche dir hier einen regen und hilfreichen Austausch.

Silvia15
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 45
Registriert: 22.02.2020, 08:40

Re: Silvia mit Sohn (V.a. Autismus)

Beitrag von Silvia15 »

Danke Euch.

Am meisten nagt gerade die Kündigung des Kindergartenplatzes an mir. Es kommt mir so vor als wäre mein Kind das volle Monster, keine Ahnung. So schlimm finde ich ihn gar nicht.

Ich bin jetzt auf die Diagnostik gespannt.
Silvia mit Maximi (Juli 15, Verdacht auf ASS) und Minimi (Mai 17, ein normaler Wirbelwind)

Johanna1986
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 46
Registriert: 22.03.2016, 13:49

Re: Silvia mit Sohn (V.a. Autismus)

Beitrag von Johanna1986 »

Ihr solltet falls noch nicht geschehen eine Rechtsschutzversicherung abschließen. Die haben meist einige Monate Vorlaufzeit bis sie greifen. Euer Sohn hat das Recht auf einen Platz.
J. (1986) und J. (1984)
mit
J. (2016): geboren mit Analatresie und VSD ohne PG :roll:
J. und J. (2019): zwei Frühstarter (30+0) mit PG 3 und 2

Silvia15
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 45
Registriert: 22.02.2020, 08:40

Re: Silvia mit Sohn (V.a. Autismus)

Beitrag von Silvia15 »

Ich glaube nicht dass in dem Fall eine Rechtschutzversicherung noch greifen würde das Kind ist ja schon in den Brunnen gefallen.

Ich habe unsere vor einigen Jahren gekündigt nachdem sie mich völlig im Stich gelassen hat.
Silvia mit Maximi (Juli 15, Verdacht auf ASS) und Minimi (Mai 17, ein normaler Wirbelwind)

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 14525
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitrag von Engrid »

Hallo Silvia,

Dein Sohn ist ganz sicher nicht schlimm. Es kann sein, dass ihn die Situation im Kindergarten (Reizüberflutung, zuwenig Klarheit und Struktur, Pädagogen die sich mit Autismus nicht auskennen?) so überfordert, dass er eben dort zb in die Aggression geht, und dann ist die Kündigung wohl rechtens und nachvollziehbar, auch wenn sie ein Armutszeugnis für einen I-Kiga ist.
Vielleicht ist es aber grade ein Segen. Eine I-Kraft im HPK sollte nach Lage der Dinge genehmigt werden, und Du hast ja ein Anrecht auf einen Kiga-Platz. Vor allem aber braucht Dein Sohn ja ganz dringend ein gutes Lernumfeld in der Gruppe.
Mein Sohn war auch sehr verhaltensschwierig, wäre zweifellos in einem Regel- oder I-Kiga mit großer Gruppe und wenig wirklich guten Pädagogen auch aggressiv geworden und über Tische und Bänke gegangen. Aus purer Not, mit dem Rücken zur Wand.
Im HPK hatte er ein sehr liebevolles Nest, und es wurden mit viel Ruhe und Sachverstand gaaaanz langsam Schritt für Schritt bei ihm Kompetenzen aufgebaut, Selbstbewusstsein, er hat sich dort sehr wohl gefühlt und extrem viel gelernt.
Sonst hätte es später mit der Schule niemals so gut funktioniert.
Nebenher war es auch für mich toll, ich habe viel über Autismus gelernt, und dort für das, was ich als Mama leistete, endlich Anerkennung und gutes Feedback bekommen. Und das Kind war eine ausreichende Zeit außer Haus, so dass ich mich erholen konnte und der kleinen Schwester ein Netzwerk an „normalen“ Kinderkontakten aufbauen konnte.
Junior hat damals auf Betreiben des HPK eine Rückstellung bekommen, sodass er genug Zeit hatte zum sozialen Lernen vor der Einschulung.

Ich wünsche Euch also, dass Eurer HPK ebenso gut ist wie unserer. Um die I-Kraft solltet Ihr notfalls kämpfen, denn die ist eben das, was er zur Teilhabe an der Gemeinschaft (=Begründung der Eingliederungshilfe) nun braucht und was ihm also zusteht.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Sabine76
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 31
Registriert: 16.09.2017, 14:54

Re: Silvia mit Sohn (V.a. Autismus)

Beitrag von Sabine76 »

Hallo Silvia,

auch von mir ein ganz herzliches Willkommen! Die Reaktionen, die du beschreibst, kenne ich nur zu gut. Das hat mich streckenweise auch verzweifeln lassen. Jannis hat eine milde ASS. Bei ihm wurde nun auch ADHS bestätigt. Er ist in einem Regelkindergarten und hat einen I-Platz. Das war streckenweise auch sehr schwierig Aber es hat ihm gut getan und ist dort gut aufgehoben. Wir haben die Diagnose seit Jannis 2 Jahre alt ist. Für die Familie war das in der Tat nicht so einfach. Wir haben auch eine Schwerbehinderung mit 70% HGB. Wir haben uns bisher noch nicht "getraut" einen Pflegegrad zu beantragen, denken aber darüber nach.

Liebe Grüße
Sabine

Silvia15
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 45
Registriert: 22.02.2020, 08:40

Re: Silvia mit Sohn (V.a. Autismus)

Beitrag von Silvia15 »

Danke Euch.

Wegen der Schule mache ich mir nicht wirklich Sorgen, da unser Großer ein sogenanntes Korridorkind ist (in Bayern bei Kindern die knapp vor dem Stichtag geboren sind obliegt die Entscheidung bei den Eltern ob mit 6 oder 7 Eingeschult wird)
In die Vorschule wird er trotzdem gehen.

Eigentlich haben wir großes Glück. Bis auf die KJP wo der Große war, die man echt knicken konnte, sind die Fachleute in unserem Umfeld bisher für unseren Weg sehr positiv. Ich hoffe sehr dass uns in Augsburg endlich geholfen wird. Aber man hört ja viel gutes von Augsburg.

Ich bin sehr froh um den Pflegegrad da ich nun eigentlich wieder arbeiten soll. Bin gerade in der Wiedereingliederung aber schon die erste halbe Woche hat mich an meine Grenzen gebracht, weil ich einfach mit den Kindern todmüde ins Bett fallen, aber weder zu Haushalt noch zu sonstigen wichtigen Dingen komme. Es bleibt einfach kaum Zeit wo die Kinder nicht hier sind und die brauche ich zum Essen, duschen und grob aufräumen.

Ohne meinen Job wird es finanziell schon total eng auch wenn das Pflegegeld schon viel abfedert. Aber ich muss erstmal die Wiedereingliederung überstehen bevor ich in Teilzeit oder eben Beurlaubung gehen kann. Wir müssen einfach rechnen was geht und würde das mit dem HPK klappen sähe es ja wieder anders aus.

Aber Aktuell mit 40 Minuten einfach auf Arbeit und 6 Stunden täglicher Betreuungszeit weiß ich nicht wie das gehen soll ohne wieder völlig die Belastungsgrenze zu überschreiten.
Silvia mit Maximi (Juli 15, Verdacht auf ASS) und Minimi (Mai 17, ein normaler Wirbelwind)

Antworten

Zurück zu „Vorstellungsrunde“